Braas Monier Building Group

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Braas Monier Building Group S.A.
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Rechtsform Societé anonyme
ISIN LU1075065190
Gründung 2009
Sitz Luxemburg
Leitung Georg Harrasser (CEO)
Mitarbeiter 7.911 (zum 30.09.2016)[1]
Umsatz 1.257 Mio. (2015)[1]
Branche Baustoffe
Website www.braas-monier.com

Die Braas Monier Building Group (Braas Monier) ist ein börsennotierter Hersteller und Anbieter von Baustoffen für das geneigte Dach sowie von Dachzubehör in Europa, einzelnen asiatischen Märkten sowie in Südafrika. Die Produkte des Konzerns umfassen Dachsteine und Dachziegel für das geneigte Dach, Dachzubehör für die verschiedenen funktionalen Aspekte von Schrägdächern sowie Schornsteine aus Keramik und Stahl und Energiesystemlösungen. Der Hauptsitz von Braas Monier befindet sich in Luxemburg und die Verwaltung in Oberursel.

Braas Monier ist nach eigenen Angaben in 36 Ländern mit insgesamt 120 Produktionsstandorten vertreten (Stand 30.09.2016). Im Jahr 2015 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 1.3 Mrd Euro und circa 7.900 Mitarbeiter.[1] Seit dem 25. Juni 2014 ist Braas Monier im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notiert und mit Wirkung vom 22. September 2014 Bestandteil des SDAX.

Marken und Gesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umsatz nach Regionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2015 erwirtschaftete Braas Monier einen Umsatz von 1.257 Millionen Euro. Davon entfielen auf die Regionen:[1]

Region Umsatzanteil (in Prozent)
Deutschland 26
Großbritannien 13
Frankreich 10
Asien & Afrika 10
Nordisch-Baltischer Raum 10
Italien 6
Übriges Europa 25

Marken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Braas Monier Building Group ist weltweit mit den folgenden Produktmarken vertreten.

Braas
Braas ist die Marke für die Märkte Deutschland, Polen, Russland, Schweiz und Türkei. Unter dem Namen Braas wird auch das meistverkaufte Produkt des Unternehmens, die Frankfurter Pfanne, vertrieben.

Bramac
Bramac ist die Marke für den südosteuropäischen Markt. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Österreich. Daneben ist Bramac in Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Slowenien, Serbien, Bosnien und Herzegowina und Kroatien vertreten. Bramac gehört seit 2011 vollständig zu Braas Monier, zuvor hielten Braas Monier und Wienerberger je 50 %.[2]

Cobert
2015 übernahm Braas Monier den Marktführer für Dachpfannen in Spanien und Portugal. Aktuell werden von Cobert Dachpfannen in mehr als 50 Ländern auf fünf Kontinenten verkauft. In Spanien und Portugal verfügen die Unternehmen über sieben Produktionsstandorte.[3]

Coverland
Unter dem Namen „Vereeniging Tiles Ltd.“ 1949 gegründet, ging Coverland[4] 1976 aus dem Zusammenschluss von vier Dachziegel-Herstellern hervor. Das Unternehmen ist mit acht Produktionsstätten sowie drei Lagerstätten in Südafrika vertreten.

Monier
Die Marke Monier wird als Produktmarke in Belgien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Italien, Lettland, Litauen, den Niederlanden, Norwegen und Schweden sowie in China, Malaysia, Indien und Indonesien geführt.

Redland
Redland[5] wurde bereits 1919 in Großbritannien gegründet und stellt damit die älteste Marke innerhalb der Braas Monier Building Group dar. Mit der Gründung ist auch der Grundstein für die spätere Braas Monier Building Group gelegt. Produkte der Marke Redland sind in Großbritannien und Irland erhältlich.

Schiedel
Schiedel ist ein Hersteller von Schornsteinen und Kaminsystemen mit Sitz in Nußbach/Österreich. Das Unternehmen wurde 1946 in Erbach bei Ulm gegründet und ist aktuell in 19 Ländern Europas vertreten. Seit 1990 gehört Schiedel zu Braas Monier.

Wierer
Wierer[6] ist eine Dachmarke in Italien. Unter ihrem Namen verkauft Braas Monier in Italien Dachpfannen sowie auch Dachzubehör. Wierer wurde 1963 in Kiens in Südtirol gegründet, wo sich auch heute noch der Unternehmenssitz von Monier Italien befindet.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Produktbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachwerkhaus mit Braas Tonziegel “Granat 13” in der nordhessischen Gemeinde Oberaula
Dachpfannen Dachsteine aus Beton und Dachziegel aus Ton für das geneigte Dach
Dachsystemteile und -zubehör First- und Gratrollen, Unterspannbahnen, Dachdurchgänge, Schneefangsysteme, Dachrinnen, Dachkehlen, Dachfenster, Dachanschlüsse, Traufen, Befestigungen (Sturm-, First-, Kehl- und Gratklammern), Anschlussschürzen für Indach-Solaranlagen und Dachfenster, Dämmung, Solarthermie- und Photovoltaiksysteme
Ummantelung für HLK-Systeme WrapTec[7][8] ist ein neuartiges Material für die Ummantelung von gedämmten Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik-Systemen (HLK)
Schornstein-, Ofen-, und Lüftungssysteme Keramikschornsteine, Edelstahlschornsteine, Feuerstätten, Lüftungssysteme

Umsatz nach Produktbereichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2015 erwirtschaftete die Gruppe einen Gesamtumsatz von 1.256,7 Millionen Euro. Der Umsatz setzt sich zusammen aus:[1]

Erträge nach Produktgruppe
Produktbereich Umsatzanteil (in Prozent)
Dachsteine 39,8
Dachziegel 23,6
Dachsystemteile 21,4
Schornsteine & Energiesysteme 13,8
Sonstige 1,4

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf H. Braas

Die Anfänge der Gruppe gehen zurück ins Jahr 1919, als in Großbritannien die „Redhill Tile Company“ gegründet wurde. Im November desselben Jahres begann die Produktion der ersten Dachsteine, bis sich das Unternehmen 1946 umbenannte und seine Produkte fortan unter dem Namen „Redland Tiles“ vertrieb. Nach einer Expansionsphase zwischen 1949 und 1951, in denen Redland in Südafrika, Australien und Malaysia investierte, erwarb man 1954 die Mehrheitsanteile am deutschen Dachziegelhersteller Braas. Ihr Firmengründer, Rudolf Heinrich Braas, hatte bereits zuvor enge Kontakte zum britischen Baustoffproduzenten gepflegt. Noch im selben Jahr wurde das Stammwerk des Unternehmens in Heusenstamm bei Frankfurt am Main gebaut.

Frankfurter Pfanne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werbeplakat für die Frankfurter Pfanne aus den Fünfzigerjahren

Die Frankfurter Pfanne ist seit Markteinführung 1954 bis heute das meistverlegte Dachstein-Modell in Deutschland.[9] Die Hauptbestandteile des Dachsteins sind Sand, Zement, Wasser und Farbpigmente auf Eisenoxidbasis.

Mit Verkaufsbeginn gab Braas eine 30-jährige Materialgarantie auf die Frankfurter Pfanne und war damit der erste Hersteller in Deutschland, der eine Langzeitgarantie auf Baustoffe gab. Vier Jahre nach der Einführung, 1958, wurde das Wort- und Bildzeichen „Frankfurter Pfanne“ in die Zeichenrolle des Patentamts eingetragen. Heute gibt es sechs Modelle der Frankfurter Pfanne in 13 Farben und zwei Oberflächen. Braas Monier Gesellschaften verkaufen die Frankfurter Pfanne heute weltweit.

Wachstum und Zukäufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den frühen 1950er Jahren expandierte Braas Monier erstmals ins nicht-europäische Ausland und erschloss Märkte in Südafrika, Australien und Malaysia. In den späten 1960er Jahren folgte eine weitere Ausweitung der Geschäftstätigkeit nach Südostasien, Österreich und zu Beginn der 1970er Jahre in weitere europäische Länder. Die Markteintritte in Japan, Indonesien, Malaysia und den USA zwischen 1973 und 1979 markierten eine der stärksten Expansionsphasen des Unternehmens. Ab 1993 folgten weitere Märkte wie Skandinavien, das Baltikum, Polen und Russland. Eine Vergrößerung des weltweiten Produktionsnetzes auf mehr als 200 Werke erreichte die Gruppe im Jahr 2001.

Zu den wesentlichen Zukäufen der Gruppe zählen der Erwerb von Schiedel (1991) und Klöber. Seit 2011 hält Braas Monier 100 Prozent der Anteile am österreichischen Unternehmen Bramac. Anfang Januar 2015 gab die Gruppe die Übernahme der Dachpfannenhersteller Tejas Cobert (Spanien) und CT Cobert Thelhas (Portugal) bekannt. In den Jahren 2015 und 2016 übernahm Braas Monier den führender Hersteller von Dachziegeln in Malaysia, Golden Clay Industries (GCI), den italienischem Dachziegelproduzenten Ceprano Coperture sowie den dänischen Hersteller von Dachzubehör J.A. Plastindustri.

Eigentümerwechsel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1996 entstand durch den Zusammenschluss der Dachbaustoffaktivitäten von Redland und Braas die Redland Braas Building Group.[10][11] Ein Jahr später, 1997, übernahm ein französischer Zementhersteller, Lafarge, Redland und gründete den Geschäftsbereich Lafarge Roofing.[12]

Im Sommer 2006 begann Lafarge sich stärker auf seine Kernaktivitäten zu konzentrieren. Im Februar 2007 schloss Lafarge den Verkauf eines Mehrheitsanteils von Lafarge Roofing für einen Betrag von 2,4 Milliarden Euro, weitgehend durch Fremdkapital finanziert, an den Private-Equity-Investor PAI partners ab. PAI partners hielt anschließend einen Anteil von 65 Prozent am Unternehmen, Lafarge 35 Prozent.[13] Zum 1. Januar 2008 änderte die Gruppe ihren Namen von Lafarge Roofing in Monier.

Im Juli 2009 wurde im Rahmen einer Umschuldung die Übernahme des Unternehmens durch Finanzinvestoren (Apollo Management, TowerBrook und York Capital), die zuvor Kredite an das Unternehmen erworben hatten, bekannt. Die Gewinne des Unternehmens waren zuvor im Zuge der Finanzkrise weitgehend eingebrochen, und das Unternehmen konnte die Schulden, die im Zuge der Übernahme durch PAI aufgenommen wurden, nicht mehr bedienen, was zu der Notwendigkeit einer Umschuldung führte, die es erlaubte den Finanzinvestoren Kontrolle über das Kapital zu erhalten. 2013 benannte sich die Monier Gruppe in „Braas Monier Building Group“ um.

Börsengang und Übernahmeangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Börsengang der Braas Monier Building Group platzierten die Eigentümer 15,47 Millionen Aktien aus ihrem Bestand sowie 4,3 Millionen neue Aktien zu einem Preis von 24 Euro am Kapitalmarkt. Die Marktkapitalisierung belief sich zum Börsengang auf rund 940 Millionen Euro. Das Unternehmen befindet sich durch den Börsengang größtenteils im Streubesitz, die Finanzinvestoren Apollo Management, TowerBrook und York Capital hielten aber über eine gemeinsame Holding, Monier Holding, weiterhin über 40 % am Kapital. Die Erstnotiz erfolgte am 25. Juni 2014 im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Börse.

Am 15. September 2016 kündigte der amerikanische Baustoffhersteller Standard Industries ein öffentliches Übernahmeangebot zu 25 Euro pro Aktie an; Standard Industries hat sich bereits die Zusage von 40 % des Kapitals, bestehend aus dem ehemaligen Bestand der Monier Holding, gesichert. Der Verwaltungsrat von Braas Monier lehnt dieses Angebot mit der Begründung ab, dass 25 Euro je Aktie eine erhebliche Unterbewertung der Gesellschaft und ihrer künftigen Aussichten seien.[14] Standard Industries erwirkte im Dezember 2016 eine einstweilige Verfügung gegen die geplante Ausgabe von Gratisaktien von Braas Monier mit dem Argument, Braas Monier dürfe eine solche Abwehrmaßnahme laut EU-Übernahmerichtlinie nicht einleiten.[15] Daraufhin verständigten sich beide Parteien auf ein verbessertes Angebot seitens Standard Industries, welches der Verwaltungsrat von Braas Monier seinen Aktionären nun einstimmig empfiehlt. [16] Die einstweilige Verfügung wurde am 19. Dezember aufgehoben. [17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Website des Unternehmens - Zahlen & Fakten, abgerufen am 19. Dezember 2016
  2. bauforum.at
  3. rooftilescobert.com
  4. monier.co.za
  5. monier.co.uk
  6. wierer.it
  7. braas-monier.com
  8. aktiencheck.de
  9. das-baulexikon.de
  10. wirtschaftsblatt.at (Memento vom 19. Juli 2016 im Internet Archive)
  11. nytimes.com
  12. baustoffmarkt-online.de
  13. realdeals.eu.com
  14. Standard Industries makes $2.1 billion offer for Braas Monier. Reuters, 15. September 2016, abgerufen am 16. September 2016 (englisch).
  15. FAZ.net: Wie ein Ziegelhersteller EU-Übernahmeregeln infrage stellt, 8. Dezember 2016
  16. Handelsblatt: Höheres Gebot akzeptiert - Braas Monier und Standard Industries finden Einigung, 19. Dezember 2016, abgerufen am 19. Dezember 2016
  17. DGAP: Braas Monier Building Group S.A.: Durchführung Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln und Beschluss über Zwischendividende, 20. Dezember 2016, abgerufen am 22. Dezember 2016