Moog-Synthesizer

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Erster Moog-Synthesizer, 1964
Ein Micromoog
Ein Minimoog Voyager (2002–15)
Ein Moog Taurus
Moog One (polyphon)

Moog-Synthesizer sind die elektronischen Musikinstrumente des von Robert Moog gegründeten Unternehmens Moog Music.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Versuche mit elektronischer Klangerzeugung stellte Moog in den 1950er Jahren an. Erst als in den 1960er Jahren der Transistor die Elektronenröhre ersetzte, war es Moog möglich, ein vom Stromverbrauch und von der Größe her akzeptables Studiogerät herzustellen. Er kam 1964 mit einem modularen Synthesizersystem auf den Markt, das einem Schrank mit einer Klaviertastatur ähnelte. 1968 entwickelte Moog den aus über 40 Modulen bestehenden portablen Moog IIIp.[1]

Im Jahr 1968 erschien ein Musikalbum, das den Moog-Synthesizer schlagartig als ernst zu nehmendes Musikinstrument bekannt machte, insbesondere unter Pop-Musikern: Switched-On Bach von Wendy Carlos. Dieses Album interpretierte Musik von Johann Sebastian Bach auf rein elektronische Weise. Es klang so revolutionär und eingängig, dass Switched-On Bach zum damals weltweit meistverkauften Klassik-Album wurde. Eingespielt hatte Carlos das Album in New York mit einem modularen Moog-System. Weil der Moog monophon, also einstimmig tönte und es MIDI, Personal Computer und Sequencer-Programme noch nicht gab, spielte er die Musik in vielen Durchläufen per Hand auf einem Achtspur-Bandgerät ein.

George Harrison benutzte im November 1968 einen Moog-Synthesizer auf seiner Platte Electronic Sound, mit den Beatles auf Abbey Road. Für das Billig-Label Pickwick spielte Sy Mann 1969 mit Switched-On Santa ein Weihnachtsalbum mit dem Moog-Synthesizer ein.

Den wirtschaftlichen Durchbruch schaffte das Unternehmen jedoch erst mit dem Minimoog, dem ersten tragbaren Kompaktsynthesizer mit integrierter Tastatur.[2]

1970er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1970er Jahren fehlte das Gerät in kaum einem Studio. Berühmt war der Einsatz des synthetischen Klangs z. B. in der Musik von Keith Emerson und Chick Corea, Stevie Wonder, Uriah Heep, Manfred Mann, am auffälligsten aber bei Elektronik-Bands wie Kraftwerk[3] und Tangerine Dream. Pink Floyd setzten den Mini-Moog 1975 in dem Stück Shine On You Crazy Diamond ein, um damit den Klang einer Trompete zu imitieren. Steve Winwood erkannte das Potential des Synthesizers für kraftvolle Bass-Sounds. Ab 1978 verwendete die kanadische Bombast-Rockband Saga die Moog-Synthesizer für ihre Keyboard-geprägte Musik. In den 1990er-Jahren galt der Moog-Synthesizer bereits als „Retro-Synthi“. Typische Beispiele für seinen Einsatz finden sich in dem von Warren G oder Dr. Dre vertretenen G-Funk. Neben dem satten Bass sorgte das Gerät insbesondere für hochfrequente, mit Portamento versehene Pfeifklänge.

Eine ganze Albumserie widmeten Klaus Schulze und Pete Namlook dem Synthesizer und seinem Erfinder unter dem Titel Dark Side of the Moog.

Der Minimoog dient heute noch als Referenz zur klanglichen Beurteilung aktueller Hardware-Synthesizer sowie durch Software-Synthesizer erzeugte Sounds. Dem Minimoog fehlen jedoch MIDI-Fähigkeiten, Anschlagsdynamik und die Möglichkeit, Klänge zu speichern. Darüber hinaus ist der Minimoog ein rein monophoner Synthesizer.

Daher entwickelte das Unternehmen Moog in den Folgejahren weitere Modelle, wie beispielsweise 1975 den Micro Moog[4][5] den Memorymoog oder 1976 den „Polymoog“.[6]

Um den charakteristischen Moog-Sound auch für jeden erschwinglich zu machen, entwickelte Moog Ende der 1970er Jahre den „Prodigy“.[7] Dieser sehr kompakte Synthesizer sollte nach dem Minimoog das erfolgreichste Modell werden. Die Band The Prodigy benannte sich nach diesem Synthesizer.[8]

Mittlerweile berühmt ist das seltene Basspedal „Moog Taurus“ (1976–1981).[9] Dieser Pedal-Synthesizer erzeugt einen sehr voluminösen Sound.

1977 verließ Robert Moog die Firma.

1980er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch besondere optische Präsenz fiel das Modell „Liberation“ auf, die erste serienmäßig gefertigte Keytar. Sie wurde u. a. von Nena, der Spider Murphy Gang, Asia und Jan Hammer populär gemacht. Sie basierte technisch auf dem Moog Opus 3 und bot eine auf dem Frequenzteilersystem[10] basierende Polyphonie.

Jean Michel Jarre verwendet eine Vielzahl verschiedener Modelle von Moog in seinen Produktionen. Zum Beispiel auf Oxygene kommen u. a. Moog Modular und Minimoog zum Einsatz.[11]

Durch die Insolvenz 1987 endete zunächst die Ära der original Moog Synthesizer. Der Moog Prodigy wurde bis 1984 produziert. Es gibt ca. 11.000 Exemplare.[12]

Komponenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Module: VCO, Hüllkurvengenerator und VCA

Hauptkomponenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der klassische Moog-Synthesizer besteht aus separaten Modulen – wie Oszillatoren, Verstärkern, Hüllkurvengeneratoren, Filtern, Rauschgeneratoren, Ringmodulatoren, Triggern und Mischpulten –, die über Patchkabel auf vielfältige Weise miteinander verbunden werden können. Die Module können auch zur gegenseitigen Steuerung verwendet werden. Der Moog produziert erst dann Klang, wenn eine funktionierende Kombination von Modulen angeschlossen ist.

Der Synthesizer kann mit Controllern wie Tastaturen, Joysticks, Pedalen und Bändchen-Controllern gespielt werden. Die Oszillatoren können verschiedene Wellenformen mit unterschiedlichen Tönen und Obertönen erzeugen, wie z. B. eine "helle, volle, messingfarbene" Sägezahnwelle, eine dünnere, flötenähnliche Dreieckswelle, eine "nasale, schilfartige" Pulswelle und eine "pfeifenähnliche" Sinuswelle. Diese Wellenformen können moduliert und gefiltert werden, um mehr Klangkombinationen zu erzeugen (subtraktive Synthese). Die Oszillatoren waren schwer in Stimmung zu halten, und kleine Temperaturänderungen ließen sie schnell driften. Da Moog's frühe Kunden mehr daran interessiert waren, experimentelle Musik zu schaffen, als konventionelle Melodien zu spielen, hielt Moog es nicht für vorrangig, sie stabil zu halten.[13]

Moog-Ladder-Filter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wesentlicher Bestandteil vieler seiner Synthesizer ist ein von Robert A. Moog selbst entwickeltes, spannungsgesteuertes Filter, das 1966 patentiert wurde.[14] Es besteht aus Transistoren, welche, abhängig von einem Steuersignal, eine oder mehrere Lastkapazitäten unterschiedlich stark durchschalten und auf diese Weise die Grenzfrequenz eines 24-dB-Tiefpassfilters verändern.[15]

Es wird aufgrund seines eigenen Klangs häufig kopiert und in unterschiedlichster Weise auch in heutigen Synthesizern verwendet. Es existieren sowohl weitgehende Kopien des Originals und Modifikationen in Form analoger Elektronik in Analog- und Hybridsynthesizern, als auch digitale Implementierungen als Software in DSPs[16], FPGAs[17] sowie als VST[18] und ist Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtungen.[19] Die Funktion wurde von unterschiedlichen Autoren untersucht und mathematische Modelle zur Verfügung gestellt.[20] Eine in C geschriebene und quelloffene Emulation des Ladderfilters ist als Pure Data-Objekt verfügbar.[21]

Es existieren auch Derivate mit Dioden als Ersatz für die Transistoren. Eine so modifizierte Variante wird in der TB 303 angewendet. Dieses weicht aber im Klang ab, u. a. wegen der Flankensteilheit.[22]

Moog-Synthesizer in Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Reihe von Moog-Synthesizern sind in Museen ausgestellt.[23] Der von Robert Moog für den Komponisten Max Brand um das Jahr 1960 gebaute Prototyp des Moog-Synthesizers steht im Max Brand Archiv in Langenzersdorf (Österreich). Ein Moog IIIp von Eberhard Schoener steht im Deutschen Museum.[1] In den USA befindet sich ein speziell Robert Moog gewidmetes Museum in North Carolina.[24]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Moog-Synthesizer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Deutsches Museum: Moog. Deutsches Museum, 16. Mai 2019, abgerufen am 8. Juli 2020.
  2. Marko Ettlich: Moog - Minimoog Synthesizer. In: www.retrosound.de. RetroSound, Mai 2020, abgerufen am 8. Juli 2020 (englisch).
  3. Kraftwerk-Autobahn. Moog Music, 1975, abgerufen am 8. Juli 2020 (englisch).
  4. Blue Box: Moog Micromoog Analogsynthesizer. In: AMAZONA.de. 29. Mai 2010, abgerufen am 8. Juli 2020.
  5. Marko Ettlich: Moog - Micromoog. RetroSound, abgerufen am 8. Juli 2020.
  6. Modell „Moog Polymoog“ (Memento vom 18. November 2004 im Internet Archive).
  7. Modell „Moog Prodigy“.
  8. Liam Howlett – Biografie (in englischer Sprache). In: imdb.com. Abgerufen am 16. Januar 2011.
  9. Marko Ettlich: Moog Taurus 1 - Bass Pedals Page. In: retrosound.de. RetroSound, abgerufen am 8. Juli 2020 (englisch).
  10. Tom Wiltshire: Adventures in Top Octave Generation | Electric Druid. In: electricdruid.net. Oktober 2016, abgerufen am 8. Juli 2020.
  11. von Henrik Bruns: Studiobesuch bei Jean Michel Jarre. 5. Juni 2016, abgerufen am 8. Juli 2020.
  12. Peter Grandl: Blue Box: Moog Prodigy, Analogsynthesizer. In: AMAZONA.de. 1. Juli 2017, abgerufen am 4. August 2020.
  13. Pinch, Trevor; Trocco, Frank: Analog Days: The Invention and Impact of the Moog Synthesizer. Harvard University Press, 2004, ISBN 978-0-674-01617-0.
  14. J. Donald Tillman: Robert A. Moog - US Patent 3,475,623 - Moog Ladder Filter. In: till.com. 10. Oktober 1966, abgerufen am 8. Juli 2020 (englisch).
  15. Sam Gallagher: Analyzing the Moog Filter. all about circuits, 17. Juli 2019, abgerufen am 8. Juli 2019 (englisch).
  16. Antti Huovilainen: Analzing the Moog Filter. Helsinki University of Technology, 8. Oktober 2004, abgerufen am 8. Juli 2020.
  17. Jürgen Schuhmacher: Moog Filter Module in VHDL 2005. A virtual analog ladder filter for FPGAs. Sound of L.A. Music, 17. September 2005, abgerufen am 8. Juli 2020.
  18. Will Pirkle: Virtual Analog Filter Implementation and Comparisons. In: www.willpirkle.com. 2013, abgerufen am 8. Juli 2020 (englisch).
  19. Tim Stilson, Julius Smith: Moog Filter. In: stanford.edu. Music Department, Stanford University, 1990, abgerufen am 7. Juli 2020 (englisch).
  20. S. D Angelo and V. Välimäki: Generalized Moog Ladder Filter: Part I Linear Analysis and Parameterization. IEEE Trans. Audio, Speech, and Lang. Process., vol. 22, no. 12, pp. 1825 1832,, Dezember 2014, abgerufen im August 2020 (englisch).
  21. bob~ Pure Data - Imitates a Moog resonant filter. Moog-Filter Imitation mit Runge-Kutta Algorithmus. In: GitHub. Miller Puckette, 14. Mai 2020, abgerufen im September 2020 (englisch).
  22. Timothy E. Stinchcombe: Analysis of the Moog Transistor Ladder and Derivative Filters. In: timstinchcombe.co.uk. 25. Oktober 2008, abgerufen im August 2020 (englisch).
  23. Synthorama Museum für Synthesizer. Abgerufen am 8. Juli 2020.
  24. Dani Deahl: There’s now a museum dedicated to Robert Moog and synthesis called the Moogseum. 26. Mai 2019, abgerufen am 12. Oktober 2020 (englisch).