Keith Emerson

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Keith Emerson bei einem Auftritt 2010

Keith Noel Emerson (* 2. November 1944 in Todmorden, West Yorkshire, England; † 10. März 2016 in Santa Monica, Kalifornien, Vereinigte Staaten) war ein dem Progressive Rock zuzuordnender britischer Keyboarder, Komponist und Pianist. Besonders erfolgreich war er in den 1970er Jahren mit der Band Emerson, Lake and Palmer. Zusätzlich zu seinem Erfolg mit komplexen Eigenkompositionen steigerte er den Bekanntheitsgrad von Werken der klassischen Musik, die er unkonventionell – teils jazzig und teils rockig – arrangierte. Neben dem Flügel verwendete Keith Emerson auch das Clavinet, vor allem aber Hammondorgeln und Synthesizer (z. B. Moog-Synthesizer, KORG-Synthesizer). In seinem Piano Concerto No. 1 verwendet er Stilmittel virtuoser klassischer Klavierkonzerte der Romantik und frühen Moderne.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Schritte und musikalische Einflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keith Emerson war schon mit 14 Jahren in seiner Heimatstadt für sein Klavierspiel bekannt, bevor es ihn in seiner späten Jugend nach London verschlug. Dort wurde er Mitglied in Gruppen wie den V.I.P.s oder später Gary Farr and the T-Bones und begleitete seinen Mentor T-Bone Walker im Marquee Club, London. Auch nahm er an Touren durch England, Frankreich und Deutschland teil. In dieser Zeit wurde er musikalisch durch Künstler wie die Jazzmusiker Fats Waller, Oscar Peterson, Dave Brubeck, Jack McDuff oder Big John Patton, aber auch durch klassische Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Aaron Copland, Dmitri Schostakowitsch, Béla Bartók oder Alberto Ginastera beeinflusst.

Mit The Nice[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

The Nice beim vorletzten Konzert Ostern 1970 in Hamburg

1967 gründete Emerson die Gruppe The Nice. Sie bestand neben ihm aus dem Sänger und Bassisten Lee Jackson, dem Schlagzeuger Brian Davison und dem Gitarristen David O’List. Die Band vereinte in ihren Werken die Musikstile des Jazz, des Blues und des Rock mit klassischen Elementen. Zu ihren Interpretationen gehören beispielsweise Werke von Leonard Bernstein (America aus Westside Story), Johann Sebastian Bach (Ars Longa Vita Brevis, Brandenburgisches Konzert) und Jean Sibelius (Intermezzo from the Karelia Suite). In dieser Zeit war die Hammondorgel das von Keith Emerson am meisten benutzte Instrument.

Nachdem Emerson das Werk Switched-On Bach von Wendy Carlos – damals noch als Walter Carlos – gehört hatte, begann auch er mit dem neuartigen Moog-Synthesizer zu experimentieren und wurde der erste Musiker, der ihn auf Tour einsetzte.

Emerson beeindruckte seine Fans auch durch seine spektakuläre Bühnenshow. Er malträtierte seine Hammondorgel mit Hitlerjugend-Messern, die ihm Lemmy Kilmister, einer der Roadies der Band, gegeben hatte.[1]

Emerson, Lake and Palmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als 1970 The Nice auseinanderbrach, gründete Emerson mit Greg Lake (vorher King Crimson; E-Bass, Gitarren, Gesang) und Carl Palmer (vorher Atomic Rooster; Schlagzeug) die Formation Emerson, Lake and Palmer, mit der er in den 1970er Jahren seine größten Erfolge feierte.

Emerson, Lake and Palmer hatten ihren ersten Auftritt beim Isle of Wight Festival 1970. Sie führten dort ihr Werk Pictures at an Exhibition, eine Adaption von Mussorgskis Bilder einer Ausstellung auf. Eine andere Liveaufnahme von Pictures at an Exhibition wurde 1971 als ihr drittes Album veröffentlicht. Ihr Debütalbum wurde nach dem Festival die LP Emerson, Lake & Palmer, welche auch den Hit Lucky Man enthält. Dieses Lied endet mit einem Solo auf Emersons Moog-Synthesizer.

Zwischen den Jahren 1970 und 1977 veröffentlichten Emerson, Lake and Palmer mit Emerson, Lake & Palmer, Tarkus, Trilogy, Brain Salad Surgery, dem Livealbum Welcome Back My Friends to the Show That Never Ends und Works Volume I sechs Platinalben und waren vor über 500.000 Zuschauern 1974 Hauptakt beim Festival California Jam, auf dem auch Deep Purple auftraten. 1977 tourte die Gruppe mit einem 80-Mann-Symphonieorchester, welches unter anderem Emersons Piano Concerto No. 1 vom Album Works Volume I begleitete. Auf Works Volume I benutzte Emerson auch den Yamaha-„Wundersynthesizer“ GX-1, etwa bei Fanfare for the Common Man. Nach den zwei weiteren Alben Works Volume II und Love Beach trennten sich Emerson, Lake and Palmer im Jahre 1979.

1980er und 1990er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keith Emerson

1980 versuchte Emerson, eine Band mit dem südafrikanischen Sänger und Gitarristen Trevor Rabin und dem Bassisten Jack Bruce zusammenzubringen; der Versuch scheiterte allerdings, da Rabin sich für ein Projekt mit dem Bassisten Chris Squire und dem Schlagzeuger Alan White entschied, aus dem später eine neue Yes-Besetzung entstand. Emerson wandte sich daraufhin der Filmmusik zu. Er schrieb Filmmusiken etwa für Dario Argentos italienische Horrorfilme Horror Infernal (1980) und The Church (1989), für Nachtfalken mit Sylvester Stallone (1981) oder Godzilla: Final Wars (2004). 1981 brachte Keith Emerson auch ein erstes Soloalbum, Honky heraus.

1984 versuchte Jim Lewis, Vizepräsident von Polydor Records, Keith Emerson dazu zu bewegen, ELP wieder zusammenzubringen. Emerson traf sich mit Lake, und die beiden beschlossen, es ein zweites Mal zu versuchen. Da Carl Palmer zu der Zeit vertraglich gebunden war, wurde der Schlagzeuger Cozy Powell engagiert. Als Emerson, Lake & Powell nahm die Band ein Album auf (1986 veröffentlicht) und ging auf Tour. Nach Streitigkeiten mit Lake löste sich das Trio jedoch noch im selben Jahr wieder auf.

1987 versuchte dann Brian Lane, der Manager von Carl Palmer, ELP wieder ins Leben zu rufen. Im März probten die drei Musiker für zwei Wochen miteinander, doch das schlechte Verhältnis zwischen Keith Emerson und Greg Lake hielt unverändert an und der Versuch scheiterte. Als Ersatz für Lake kam Robert Berry in die Band. Unter dem Namen Three erschien 1988 das Album To the Power of Three.

Emerson arbeitete ab Anfang Juli 1989 zusammen mit Kevin Gilbert an einem Soloalbum, welches erst 1995 veröffentlicht wurde. Im Frühling 1990 ging Emerson mit Jeff Baxter (Steely Dan, Doobie Brothers), John Entwistle (The Who), Joe Walsh (Eagles) und dem profilierten Studiodrummer Simon Phillips unter dem Bandnamen The Best auf Tour durch Hawaii und Japan. Ein Album dieser Besetzung kam nicht zustande. Als er zurückkam, arbeitete er zunächst weiter an seinem Soloalbum.

1992 kamen ELP auf Initiative Phil Carsons dann doch wieder zusammen und brachten im selben Jahr die beiden Alben Black Moon und In the Hot Seat heraus. 1998 trennte sich die Gruppe wieder. Emerson ging mit dem Bassisten und Sänger Glenn Hughes (ex-Deep Purple) und dem Gitarristen Marc Bonilla auf Tournee, ein Mitschnitt erschien 2009.

1995 erschien das Soloalbum, das er 1989/90 zusammen mit Kevin Gilbert aufgenommen hatte, unter dem Titel Changing States. Es enthielt unter anderem frühe Fassungen dreier Stücke, die auf dem ELP-Album Black Moon inzwischen erschienen waren: Close to Home, Romeo and Juliet und Changing States. Emerson komponierte in dieser Zeit auch Musik für zwei Folgen der Zeichentrickserie Iron Man.[2]

Keith Emerson Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keith Emerson gründete Anfang 2008 eine neue Musikformation, The Keith Emerson Band – in der Besetzung Keith Emerson (Piano, Orgel, Keyboards), Marc Bonilla (Gitarre, Gesang), Bob Birch (Bass) und Gregg Bissonette (Schlagzeug). Im August 2008 veröffentlichte die Band ein vielschichtiges Progressive-Rock-Album, welches die kompositorischen und instrumentalen Essentials von The Nice und Emerson, Lake and Palmer stilistisch und soundtechnisch weiterentwickelte. 2010 wurde Emerson mit dem Frankfurter Musikpreis ausgezeichnet.

Privatleben und Suizid[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emerson heiratete 1969 seine damalige dänische Freundin. Das Paar bekam zwei Söhne; später wurde es geschieden.[3]

Emerson litt jahrelang an der chronischen Nervenerkrankung Fokale Dystonie mit zunehmender Einschränkung der Beweglichkeit seiner rechten Hand. 2009 sagte er deshalb die meisten Konzerte ab.[4] Im September 2010 musste er sich nach einer Koloskopie einer Operation unterziehen und danach erneut bis auf weiteres alle Konzerte absagen.[5]

Am 10. März 2016 erschoss Emerson sich im Alter von 71 Jahren.[6][7][8]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit The Nice[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1968 – The Thoughts of Emerlist Davjack
  • 1968 – Ars Longa Vita Brevis
  • 1969 – Nice
  • 1970 – Five Bridges
  • 1971 – Elegy
  • 1972 – Autumn ’67 – Spring ’68
  • 1972 – Keith Emerson with the Nice (2 LP)
  • 2003 – Keith Emerson and The Nice: Vivacitas – Live at Glasgow 2002

Mit Emerson, Lake and Palmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1970 – Lucky Man (A-Seite), Knife Edge (B-Seite)
  • 1971 – Stones of Years
  • 1972 – Nutrocker (live)
  • 1972 – From the Beginning
  • 1973 – Jerusalem
  • 1977 – Fanfare for the Common Man (edit)
  • 1977 – C’est la Vie
  • 1978 – Canario
  • 1978 – Watching Over You
  • 1978 – All I Want Is You
  • 1979 – Peter Gunn (live)
  • 1992 – Black Moon
  • 1992 – Affairs of the Heart

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzertalben und Kompilationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1974 – Welcome Back My Friends to the Show That Never Ends – Ladies and Gentlemen… Emerson, Lake & Palmer (Als Dreifach-LP)
  • 1979 – In Concert
  • 1980 – The Best of Emerson, Lake & Palmer
  • 1992 – The Atlantic Years (2 CDs)
  • 1993 – Live at the Royal Albert Hall
  • 1993 – The Return of the Manticore (CD-Box-Set)
  • 1994 – The Best of Emerson, Lake & Palmer (Victory)
  • 1995 – I Believe in Father Christmas (EP)
  • 1996 – Works Live
  • 1997 – Greatest Hits Live
  • 1997 – Live at the Isle of Wight Festival
  • 1997 – ELP in Concert on the King Biscuit Flower Hour
  • 1998 – Then & Now
  • 2000 – Extended Versions
  • 2000 – The Very Best of Emerson, Lake & Palmer
  • 2002 – The Show That Never Ends
  • 2002 – Live in Poland
  • 2003 – Fanfare – The 1997 World Tour
  • 2005 – Emerson, Lake & Palmer – Live at Montreux 1997
  • 2010 – A Time and a Place (CD-Box-Set)
  • 2010 – High Voltage
  • 2011 – Live at Nassau Coliseum ’78
  • 2011 – Live at the Mar Y Sol Festival ’72
  • 2012 – Live in California 1974
  • 2013 – Live in Montreal 1977
  • 2014 – Live from Manticore Hall

Solo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1980 – Inferno (Musik zum gleichnamigen Horrorfilm von Dario Argento)
  • 1981 – Nighthawks (Musik zum Film Nachtfalken)
  • 1981 – Honky
  • 1983 – Murderock (Musik zum Film Murderock)
  • 1985 – The Best Revenge (Musik zum Film)
  • 1987 – Harmagedon
  • 1988 – The Christmas Album
  • 1994 – Iron Man (TV) (Musikproduzent)
  • 1995 – Changing States (auch unter seinem Arbeitstitel Cream of Emerson Soup bekannt)
  • 2002 – La Chiesa (The Church) (Musik zum Film)
  • 2002 – Emerson Plays Emerson
  • 2005 – Hammer It Out – The Anthology
  • 2005 – At the Movies
  • 2006 – Off the Shelf

Mit Emerson, Lake & Powell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1986 – Emerson, Lake & Powell
  • 2003 – The Sprocket Sessons (Proben)
  • 2003 – Live in Concert (recorded live in Lakeland, Florida, November 1986)

Mit Three[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Keith Emerson Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2008 – Keith Emerson Band feat. Marc Bonilla
  • 2009 – Boys Club – Live from California (mit Glenn Hughes und Marc Bonilla)
  • 2011 – Moscow (Doppel-Live-CD mit Aufnahmen von 2008)
  • 2012 – Three Fates (mit Marc Bonilla, Terje Mikkelsen und dem Münchner Rundfunkorchester)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Keith Emerson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Legenden auf der Bühne in: Nordbayerischer Kurier vom 18./19. Juni 2016, S. 55
  2. Keith Emerson in der Internet Movie Database (englisch)
  3. Edward Macan: Endless Enigma: A Musical Biography of Emerson, Lake and Palmer, Open Court 2005, ISBN 0812695968, S. 42
  4. [1] Aufgerufen am 11. März 2016.
  5. [2] Aufgerufen am 11. März 2016
  6. Keith Emerson Death Suicide-Investigation auf: Billboard.com. Abgerufen am 11. März 2016.
  7. Keith Emerson ist tot auf: Spiegel online. Abgerufen am 12. März 2016.
  8. Keith Emerson ist tot auf: Tagesschau.de. Abgerufen am 12. März 2016.