Moses & Taps

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Moses & Taps Graffiti in San Francisco
Graffiti an einer Bahnunterführung in Hannover

Moses & Taps (Eigenschreibweise MOSES & TAPS™) sind ein Künstlerkollektiv[1][2] aus dem Genre der Urban-Art. Neben regelmäßigen Ausstellungen in deutschen und internationalen Galerien und Museen, sind Moses und Taps öffentlich besonders für ihre konzeptionellen und avantgardistischen Graffiti auf Wänden und Zügen bekannt.

Moses & Taps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moses und Taps sind ursprünglich die Pseudonyme zweier Einzelpersonen, deren künstlerische Karrieren unabhängig voneinander 1994 begonnen haben.[3] Seit dem Jahr 2007 arbeitet Moses mit dem Künstler Taps zusammen.[4][5] Im selben Jahr gründeten sie das Künstlerkollektiv TOPSPRAYER™ und begannen damit, ihre Kryptonyme untereinander zu tauschen. Inzwischen arbeiten so eine unbestimmte Anzahl von Personen unter den Pseudonymen Moses und Taps.[2][4][1] Da viele Arbeiten des Kollektivs im öffentlichen Raum nicht genehmigt und somit illegal sind, soll so die Zuordnung der Werke zu Einzelpersonen und damit auch die Strafverfolgung erschwert werden.

Werke (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charakteristische Graffiti in Moskau in den Farben ihrer Corporate Identity (gelb und cyan)

Im Jahre 2011 wurde im Publikat Verlag der Buchtitel MOSES & TAPS™ – INTERNATIONAL TOPSPRAYER™ veröffentlicht. Im Rahmen des namensgebenden Projekts tauschten Moses und Taps in Zusammenarbeit mit einer Vielzahl weiterer Graffitikünstler über einen Zeitraum von 1000 Tagen untereinander die Pseudonyme und bemalten weltweit 1000 Züge. Mittlerweile in vierter Auflage, ist es das meistverkaufte Buch im Themenfeld Graffiti.[3]

Im April 2014 veröffentlichten Moses & Taps den limitierten Bildband SAME SAME™, der sich ihren Throw-Ups und deren räumlichem Kontext widmet. Das Buch wurde innerhalb weniger Stunden ausverkauft und ist mittlerweile vergriffen.[6]

Ende April 2015 erzielte die Aktion THE WALL™, bei der Moses & Taps die Tür einer Hamburger S-Bahn zumauerten, ein internationales Medienecho.[7] In einem Interview im Hamburger Abendblatt stellten sie daraufhin „die Sinnhaftigkeit einer Strafverfolgung (…) für das Errichten einer Mauer“ fest.[8] Durch den Ausfall des Zuges soll ein Schaden von „mehreren 10.000 Euro“ entstanden sein.[9] Hierzu merkten sie im genannten Interview an, dass das erste Mal auch „unkritischere Geister (…) die absurd veranschlagte Schadenssumme von ‚mehreren Zehntausend Euro‘ infrage gestellt.“ haben.[8] Tatsächlich zeigte eine später anonym veröffentlichte interne Abrechnung, dass sowohl der Deutschen Bahn als auch der Bundespolizei bereits vor Veröffentlichung des Videos bekannt war, dass der Ausfallschaden nur einen Bruchteil der von ihnen behaupteten Summe betrug.[10][11]

Bereits im Jahr 2010 erzielten Moses & Taps breite Aufmerksamkeit, als sie mit Farbe und dem Nachbau eines Öffnungstasters eine täuschend echt wirkende Attrappe einer Tür auf ein Fenster eines Zuges der S-Bahn Hannover malten.[12]

Der Ausverkauf von Urban Art wurde darüber hinaus durch Moses & Taps schon im Jahr 2011 als fotografische Einleitung im Buch International Topsprayer karikiert; mit insgesamt 76 Dollarnoten klebten sie zuvor das Wort SELLOUT an eine Hamburger S-Bahn.[13][14]

Im Rahmen der Ausstellung „ViralVandals“ im Jahr 2017 im Museum MU in Eindhoven, errichteten Moses & Taps als eine selbstironische Anspielung auf die Kommerzialisierung von Urban Art als Installation einen voll ausgestatteten und verkaufsbereiten Souvenirshop mit Werbeartikeln in ihrer Corporate Identity.[15]

Serielle Arbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Corporate Identity[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moses & Taps Corporate Identity dient als konzeptionelles Bindeglied und Gestaltungsgrundlage zwischen verschieden Werkserien. Ihr visueller Teil besteht neben der Verwendung einer exklusiven Hausschrift vornehmlich aus den dargestellten Farben gelb und cyan in Zusammenspiel mit den Kontrastfarben schwarz und weiß. Die Farben gelb und cyan ersetzen jeweils einen der beiden Namensbestandteile des Kollektivs. Auf Grund vorangegangener Namenswechsel wird dabei keine Farbe einem Pseudonym zugeordnet[16]. Eigennamen wie Werk- oder Ausstellungstitel werden mit den hochgestellten Buchstaben „TM“ signiert. Das hochgestellte TM persifliert die konventionelle Bedeutung als unregistrierte Warenmarke und greift die Namen Taps und Moses auf.[17] Neben einer Erhöhung des Wiedererkennungswerts soll durch die Corporate Identity vor allem auch eine einfache und personenunabhängige Reproduzierbarkeit gewährleistet werden.

Splash[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Splash “-Mural in Moskau

Als kritische Antwort auf Selbstzensur und inhaltlichen Stillstand entfernen sich Moses & Taps zusehends von den strikten Darstellungsregeln des Graffiti. Mit der seit dem Jahre 2010 entwickelten Serie Splash verzichten sie auf die übliche gegenständliche Wiedergabe von Buchstaben und figurativen Elementen. Stattdessen bringen sie Farbspraydosen zur kontrollierten Explosion und lassen so abstrakte, vielschichtige Farbwolken entstehen. Leinwandarbeiten dieser Serie stellten sie bislang in mehreren internationalen Einzelausstellungen aus.[18]

Image of Graffiti[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leinwandarbeiten der Serie Image of Graffiti

Die Werkreihe Image of Graffiti greift die Ästhetik von in Graffitimanier entfremdeten, farbenfrohen Buchstaben auf und spielt mit dem Versuch des Betrachters, in den abstrahierten Fragmenten die Darstellung eines Wortes dechiffrieren zu können.[19][20]

Scratchiti[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nasciturus, Arbeit der Serie Scratchiti

Arbeiten der Serie Scratchiti stellen eine spezielle Variante der Hinterglasmalerei dar. Die Werkreihe wendet verschiedene Techniken des Farbauftrags, der Farbentfernung und des Zerkratzens von Scheiben in oft wechselseitiger Redundanz an. Die Serie arbeitet so mit der Analogie, den Betrachter als Fahrgast hinter das von außen besprühte Fenster eines Reisezugwagens zu versetzen.

Flickwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serie Flickwerk besteht aus Fragmenten von Leinwänden, die, nachträglich vernäht, ein collagenartiges Gesamtbild formen. Im Jahr 2015 zeigten Moses & Taps Arbeiten dieser Serie im Rahmen einer gleichnamigen Einzelausstellung in San Francisco.[21][22]

Throw Ups[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moses und Taps sind vor allem für ihre großformatigen Throw-ups im öffentlichen Raum bekannt. Diese sind im sogenannten Bubble-Style, oftmals in den Farben ihrer Corporate Identity, gehalten.

Strafverfolgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut eines Artikels der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung aus dem Jahr 2015 glaubt die Ermittlungsgruppe Graffiti der Polizei Niedersachsen und der Bundespolizei, zumindest einen Verdächtigen benennen zu können, der das Pseudonym Moses ursprünglich genutzt haben soll. Da sich bislang keiner der Vorwürfe belegen ließ, wurden die Verfahren eingestellt. Laut derselben Quelle soll der ursprüngliche Moses im Jahre 2015 nach Hamburg verzogen sein.[5] In einem Interview mit dem Magazin Backspin aus dem Jahre 2006 wird allerdings angegeben, dass Moses bereits zu diesem Zeitpunkt in Hamburg gelebt hat.[23] Dieselbe Information findet sich im biografischen Teil der Veröffentlichung INTERNATIONAL TOPSPRAYER™ aus dem Jahre 2011.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2011 – Teilnahme an „Wallflowers“ in der Colab Gallery in Weil am Rhein[24]
  • 2011 – Teilnahme an „Critical Mess“, Forum Kunst und Architektur, Essen[25]
  • 2012 – Teilnahme an „Achtung: Asphaltkultur – German Graffiti Avantgarde“, Goethe-Institut, Bangalore, Indien[26]
  • 2013 – Teilnahme an „Synthesis & Intergration“, Gallery Agency Art.Ru, Moskau, Russland[27]
  • 2013 – TOPSPRAYER EXPRESS™, Ruttkowski;68, Köln[28]
  • 2013 – Teilnahme an „Galeria Autonomica“, Münchner Stadtmuseum[29]
  • 2014 – Teilnahme an „Nightshot“, Benaki-Museum, Athen, Griechenland[30]
  • 2015 – Teilnahme an „Fairy Tales“, Museum of Contemporary Art, Taipei, Taiwan[31]
  • 2015 – „§PLASH – Rules of Vandalism“, Galerie Le Paris Urbain, Paris, Frankreich[32]
  • 2015 – Teilnahme an „BundeskunstHALL OF FAME“ der Bundeskunsthalle in Bonn[33]
  • 2015 – FLICKWERK™, 886 Geary Gallery, San Francisco, USA
  • 2016 – CORPORATE IDENTITY™, Golden Hands Gallery, Hamburg[34][35]
  • 2016 – EUROPA™ in der Kolly Gallery in Zürich[36]
  • 2016 – Teilnahme an „Millerntor Gallery“, Hamburg[37]
  • 2016 – Teilnahme an 1984. EVOLUZIONE e RIGENERAZIONE del WRITING, Galleria Civica di Modena, Modena, Italien[38]
  • 2016 – Teilnahme an „Welcome Back II“, Colab Gallery, Weil am Rhein
  • 2017 – Teilnahme an „Project M11“, Urban Nation, Berlin[39]
  • 2017 – RULES OF LIBERTY™, Gallery David Pluskwa, Marseille, Frankreich[40]
  • 2017 – Teilnahme an ViralVandals, Museum MU, Eindhoven, Niederlande[41]
  • 2017 – SCHÖPFERISCHE ZERSTÖRUNG™, Galerie Droste, Wuppertal[42][43]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Moses & Taps – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Deutschlands frechster Sprayer. In: Bild. 22. März 2013, abgerufen am 18. September 2016.
  2. a b Wertical Interview MOSES & TAPS 2013. In: ilovegraffiti.de. 16. Januar 2013, abgerufen am 18. September 2016.
  3. a b Beschreibung von Moses & Taps zur Ausstellung „Corporate Identity“ (englisch)
  4. a b Nils Müller: Interview zur Ausstellung TOPSPRAYER EXPRESS. Wertikal Magazin, 16. März 2013, abgerufen am 11. Oktober 2016.
  5. a b Ein Phantom namens Moses In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 6. Oktober 2015, abgerufen am 16. August 2016
  6. SAME SAME™ – BOOK BY MOSES & TAPS. In: The Grifters Journal. 21. September 2015 (thegrifters.org [abgerufen am 7. Januar 2017]).
  7. SoKo Graffiti glaubt: Das sind die S-Bahn-Maurer in Hamburger Abendblatt, 17. November 2015, abgerufen am 4. September 2016
  8. a b Christoph Heinemann: Hamburger S-Bahnmaurer: „Den Druck hat doch die Polizei“. In: abendblatt.de. Abgerufen am 7. Januar 2017.
  9. BPOL-HH: Unbekannte Täter mauern Wagentür einer S-Bahn zu – Hamburger Bundespolizei hat Ermittlungen aufgenommen. In: presseportal.de. 29. April 2015 (presseportal.de [abgerufen am 7. Januar 2017]).
  10. Was eine zugemauerte S-Bahn-Tür die Deutsche Bahn kostet – und was die DB behauptet, was die kostet | Das Kraftfuttermischwerk. In: kraftfuttermischwerk.de. Abgerufen am 7. Januar 2017.
  11. Christoph Heinemann: S-Bahn-Maurer richteten geringen Schaden an. In: Hamburger Abendblatt. Zeitungsgruppe Hamburg GmbH, 19.01.2017, abgerufen am 10.09.2017.
  12. Rudolf Klöckner: S-Bahn Fake-Tür. Urbanshit, 16. November 2010, abgerufen am 11. Oktober 2016.
  13. SELLOUT. Abgerufen am 10. Mai 2017.
  14. MOSES & TAPS: International Topsprayer. Hrsg.: Markus Christl. Publikat, ISBN 3-939566-35-7, S. 3.
  15. MU | #ViralVandals. Abgerufen am 5. Mai 2017 (englisch).
  16. Torkel Sjöstrand: Moses & Taps – In the Darkness of Illegality. In: Dokument Press (Hrsg.): Underground Production. Nr. 44. Dokument Press, 2011, S. 64.
  17. Ausstellungstext CORPORATE IDENTITY. 10. März 2016, abgerufen am 18. September 2016.
  18. Interview zur Ausstellung §PLASH. 2015, abgerufen am 11. Oktober 2016 (englisch).
  19. widewalls: Moses and Taps bring EUROPA to Kolly Gallery. In: WideWalls. (widewalls.ch [abgerufen am 10. Mai 2017]).
  20. Kolly Gallery Moves to Paris for the Swiss Chocolate Pop-Up Exhibition. In: Street Art Graffiti News. 14. April 2017 (antheamissy.com [abgerufen am 10. Mai 2017]).
  21. 886Geary.com. Abgerufen am 10. Mai 2017 (englisch).
  22. dpa: Berliner Street Art gibt's jetzt im Museum. Abgerufen am 10. Mai 2017.
  23. Mark Todt: Moses – Auf den Namen kommt es an. In: Niko Hüls (Hrsg.): Backspin. Nr. 72. Backspin, Hamburg 1. Februar 2006.
  24. Ausstellung „Wallflowers“ in der Colab Gallery
  25. Critical Mess – Essen | I Love Graffiti DE. In: ilovegraffiti.de. Abgerufen am 7. Januar 2017.
  26. Germany and India Infinite Opportunities: Achtung: Asphaltkultur – German Graffiti Avantgarde. In: www.germany-and-india.com. 7. Januar 2017, abgerufen am 7. Januar 2017 (englisch).
  27. MOSES & TAPS. In: The Grifters Journal. (thegrifters.org [abgerufen am 7. Januar 2017]).
  28. Ruttkowski;68 I Gallery. In: www.ruttkowski68.com. Abgerufen am 7. Januar 2017.
  29. GALERIA AUTONOMICA » Galeria Autonomica im Museum. In: galeria-autonomica.de. Abgerufen am 7. Januar 2017.
  30. Public Art Festival: Multiformity. In: publicartfestival.gr. Abgerufen am 7. Januar 2017.
  31. New project: Public art project with the Taipei Museum of Contemporary Art - Public Delivery. In: Public Delivery. 27. April 2015 (publicdelivery.org [abgerufen am 7. Januar 2017]).
  32. Moses & Taps’s “Splash – Rules of Vandalism” @ Le Paris(s) Urbain, Paris | Salad Days Magazine. In: www.saladdaysmag.com. Abgerufen am 7. Januar 2017.
  33. Ausstellung „BundeskunstHALL OF FAME“
  34. Ausstellung „Corporate Identity“ in der Golden Hands Gallery
  35. Ausstellungs-Eröffnung von Moses & Taps. In: WELT. 8. April 2016, abgerufen am 20. September 2016.
  36. Ausstellung „Europa™“ in der Kolly Gallery
  37. MOSES & TAPS. In: The Grifters Journal. (thegrifters.org [abgerufen am 7. Januar 2017]).
  38. 1984. Evoluzione e rigenerazione del writing — English. In: Visit Modena. (visitmodena.it [abgerufen am 7. Januar 2017]).
  39. Urban Nation Berlin: URBAN NATION. Abgerufen am 10. Mai 2017.
  40. Vidéos : Les artistes "Moses & Taps" débarquent à Marseille | La Provence. Abgerufen am 5. Mai 2017 (französisch).
  41. MU | #ViralVandals. Abgerufen am 5. Mai 2017 (englisch).
  42. Eike Rüdebusch: Mehr als Namen auf Zügen. In: Westdeutsche Zeitung. 26. August 2017 (wz.de [abgerufen am 10. September 2017]).
  43. Daniel Diekhans: Graffitis auf einer ganz neuen Ebene in Gelb und Cyan-Blau. In: Westdeutsche Zeitung. 5. September 2017 (wz.de [abgerufen am 10. September 2017]).