Urban Art

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Graffito an der Saarbrücker Stadtautobahn Am Staden (Verfremdung des „Abendmahls“ von Leonardo da Vinci)

Urban Art wird teilweise als Oberbegriff für die verschiedenen Arten von Bildender- sowie Aktions-Kunst im urbanen Öffentlichem Raum genutzt.

Zum Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem Katalog-Beitrag zur UrbanArt Biennale 2015 führt der Autor Frank Krämer in den Begriff Urban Art folgendermaßen ein: "Sie sprayen Graffitis an Fassaden, benutzen Schablonen auf Mauern und bekleben Wandflächen großflächig mit Papiercollagen. Ihre Kunst ist rebellisch, verstörend, gefällig und populär. Seit etwa der letzten Jahrtausendwende formiert sich weltweit eine neue Kunstrichtung, die sich in das kollektive Gefüge der Stadt einmischt und zugleich den Kunstmarkt immer stärker in ihren Bann zieht. In den 2000er Jahren hat das Trendphänomen „Street Art“ bereits viele erfolgreiche Künstler und Akteure hervorgebracht, die, mit subversivem und subkulturellem Potenzial ausgestattet, die Stadt zur „größten Galerie der Welt“ ihrer Kunst ausgerufen haben. Die Urban Art ist eine Kunstbewegung, deren Historie, Bedeutung und Potenzial in direktem Zusammenhang mit der weltweiten Verbreitung durch die Medien und die Macher selbst existiert und stetig wächst, ungeachtet nationaler Grenzen oder kultureller Unterschiede. Sie sind die jungen Kreativen, die sich die Stadt als Leinwand nehmen."[1]

Urban Art ist eine junge Kunstrichtung des 21. Jahrhunderts, die ihren Impetus aus den Städten und ihrem Stadtleben bezieht. Die Kunst wird häufig von Künstlern, die in einem urbanen Umfeld leben oder eine Vorliebe für die Stadt aufweisen, ausgeübt. UrbanArt kombiniert Street-Art, Graffiti und weitere Spielarten moderner Kunstrichtungen. Da sie überwiegend von urbaner Architektur inspiriert wird und einen urbanen Lebensstil thematisiert, umfasst sie oft alle Formen von Bildender Kunst, die in städtischen Räumen auftauchen. „UrbanArt ist ein kulturelles Phänomen unserer Zeit, keineswegs eine neue Kunstform“, bemerkt Frank Krämer dazu.[2]

Charakteristisch für Urban Art ist ihr Vorkommen im Öffentlichen Raum, wobei sie häufig -zu Recht oder Unrecht- als Vandalismus und Zerstörung von Privateigentum empfunden wird. Dies gilt insbesondere für schlichte und banale Formen dieser Kunst, die in breiten Bevölkerungskreisen als „Schmierereien“ und Verunzierungen empfunden werden. Allerdings sehen sich die Urheber selbst meist nicht als Vandalen.

Die Wurzeln der Urban Art liegen in der Graffiti-Kunst des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Heute wird diese Kunstrichtung als weltumspannendes kulturelles Phänomen wahrgenommen. Obwohl die Ursprünge der Urban Art aus einem sozialen Miteinander mit lokaler Bezogenheit in städtischen Agglomerationen, in denen Menschen verschiedener Kulturen zusammen leben, erwuchsen, entwickelte sie sich über diesen örtlichen Bezug hinaus zu einer internationalen Kunstrichtung, die heute unzählige Gebrauchsformen aufweist. Die meisten Urban-Art-Künstler verfügen über soziale Kontakte in der gesamten Welt, wodurch immer wieder eine gegenseitige Einflussnahme auf ihre künstlerische Entwicklung gegeben ist.

Urban Art entwickelte sich aus der Street-Art, die ihrerseits wiederum ihr Potenzial aus der Graffiti-Kultur bezog. Urban Art spiegelt einen breiten Querschnitt an Künstlern wider. Die Kunstrichtung umfasst nicht nur traditionelle Street-Art-Künstler, die für anerkannte Galerien arbeiten, sondern auch Kunstschaffende, die traditionelle künstlerische Medien nutzen und Themen der zeitgenössischen urbanen Kultur, der Politik und der Gesellschaftskritik aufgreifen. Weltweit vertreten Galerien immer häufiger Künstler der UrbanArt und nehmen ihre Arbeiten in ihr Ausstellungsprogramm auf, so z. B. die renommierten Kunstgalerie Lazarides Gallery (London)[3], die Galerie Strychnin [4], die Pariser Sammlung Le Mur,[5] ein öffentliches Museum zur Kunst der UrbanArt.

Arbeiten von einigen Urban Artists sind aber auch in Galerien und Museen[6][7][8] ausgestellt und in Kunstsammlungen, wie Sammlung Reinking, vertreten.

Formen der Urban Art sind Graffiti, Streetart, Stickerkunst, Urban Knitting, Guerilla Gardening und Adbusting.

Zeittafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeittafel wurde dem Katalog zur Ausstellung „UrbanArt Biennale 2015“ des Weltkulturerbes Völklinger Hütte entnommen[9]

  • Die Vorläufer der UrbanArt

1920 In Mexiko entsteht im Rahmen der Revolution der Muralismo, die erste Wandmalerei im Öffentlichen Raum
1947 Die Art brut entsteht. Jean Dubuffet und André Breton gründen in Paris die Companie de l’art brut, deren Ziel es ist, alternative Kunst zu sammeln
1959 Jackson Pollock begründet das Action Painting und beeinflusst damit wesentlich nicht nur die amerikanische, sondern auch die europäische Kunst. Richard Hamilton und Peter Blake machen aus Objekten des Alltags Kunst. Die Pop Art ist geboren.

  • Street Art / Graffiti als wesentliche Impulsgeber für UrbanArt

1960 Erste Taggings tauchen in den Straßen von Philadelphia (USA) auf
1968 Werner Nöfer und Dieter Glasmacher malen das erste und größte Wallpainting in Hamburg an der "Goßen Freiheit ". 1972 Graffiti-Krieg: Der Bürgermeister von New York City, John Lindsay, erklärt dem Graffiti den Krieg. Züge mit Graffiti werden aus dem Verkehr gezogen
1979 Die erste Rap-Platte (Rapper’s Delight) von der Shugarhill Gang erscheint
1980 Keith Haring beginnt, mit weißer Kreide Werbetafeln der New Yorker U-Bahn zu bemalen
1981 Erste Graffiti von Blek le Rat tauchen in Paris auf. Der Stencil-Style ist geboren
1982 Die Arbeiten von Keith Haring und Jean-Michel Basquiat erobern die Galerien
1983 Style Wars, ein Film, der als früheste Dokumentation des HipHop und der UrbanArt gilt und der die neue Kunst in New York City zeigt
1989 Der letzte besprühte Zug wird in New York City aus dem Verkehr gezogen. Der Street Art-Künstler Shepard Fairey startet die Kampagne „Obey Giant“

  • Urban Art

2000er Festivals wie NuArt in Stavanger (Norwegen) und Melbourne (Australien) befördern die kulturbetriebliche Eingliederung und teilweise Entkriminalisierung der Street Art
2005 Der britische Sprayer Banksy avanciert zum weltweit bekanntesten Street Art-Künstler
2008 Die Ausstellung „Street Art“ in der Modern Tate in London zeigt die weltweit führenden UrbanArt- Künstler, unter ihnen Os Gêmeos aus Brasilien, FAILE aus den USA, Blu aus Italien und JR aus Frankreich. Der Street Art-Aktivist Shepard Fairey verbreitet das Konterfei von Barack Obama mit Hilfe einer Schablone in Los Angeles
2009 Die erste Street Art-KunstmesseStroke Art“ findet in München statt. Mit dem ersten Streetart Festival Istanbul in der Türkei[10][11] und dem BLK River Festival in Wien [12] entstehen in diesem Jahr zwei weitere europäische Urban Art und Post-Graffiti Veranstaltungen.
2011 Im Weltkulturerbe Völklinger Hütte wird die Ausstellung UrbanArt Graffiti 21 mit international bedeutenden Künstlern der Street Art gezeigt. Zeitgleich dazu präsentiert das Museum of Contemporary Art (MOCA) in Los Angeles die Ausstellung „Art in the streets
2015 Die dritte UrbanArt Biennale im UNESCO Weltkulturerbe Völklinger Hütte zeigt Werke von 80 Urban-Art-Künstlern aus 21 Ländern und 6 Kontinenten
2015 PowWow Hawaii

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film – Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hello my name is German Graffiti. Film-Dokumentation. Regisseur: Stefan Pohl. 2015

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frank Krämer: Der Hype um die Straße. In: UrbanArt Biennale 2015. 2., erg. Auflage. Wunderhorn-Verlag, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-88423-510-2.
  2. Frank Krämer, Meinrad Maria Grewenig (Hrsg.): UrbanArt – Graffiti 21. Wunderhorn-Verlag, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-88423-372-6.
  3. Lazarides Gallery (London)
  4. / Galerie Strychnin (Brooklyn, Berlin, London)
  5. Galerie „Le Mur“ (Paris)
  6. Gerhard Finckh, Toke Lykeberg: still on and non the wiser: an exhibition with selected urban artists. 1. Auflage. Publikat Verlag, Mainaschaff 2008, ISBN 978-3-939566-20-5 (Ausstellungskatalog).
  7. Urban Art. Werke aus der Sammlung Reinking. Stiftung Neues Museum Weserburg Bremen, 2009, abgerufen am 25. Juni 2013: „Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler: Akim, Ash, Herbert Baglione, Banksy, Blu, Boxi, Bronco, Dave the Chimp, Brad Downey, Ben Eine, Shepard Fairey, Mark Jenkins, Kaws, Daniel Man, Miss Van, Mode 2, Os Gêmeos, Mirko Reisser (DAIM), Space Invader, Swoon, DTagno, Tilt, Vitché, Heiko Zahlmann, Zevs, Zezão“
  8. Ingo Clauß, Stephen Riolo, Sotirios Bahtsetzis: Urban Art: Werke aus der Sammlung Reinking. 1. Auflage. Hatje Cantz, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7757-2503-3.
  9. Meinrad Maria Grewenig (Hrsg.): UrbanArt Biennale 2015. 2., erg. Auflage. Wunderhorn-Verlag, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-88423-510-2
  10. Hannah Martin: In Istanbul, artists take their ideas to the streets, Northeastern University, 18. Juli 2011
  11. http://www.streetartistanbul.com/
  12. BLK River Festival Opening, uberding.net, 20. Oktober 2009
  13. archiv.monopol-magazin.de
  14. Homepage Urban Nation and Project M