Mull of Kintyre

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Koordinaten: 55° 18′ 39,6″ N, 5° 48′ 14,4″ W

Karte: Vereinigtes Königreich
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Mull of Kintyre

Das Mull of Kintyre (schottisch-gälisch Maol Chinn Tìre, Aussprache: [mɯːlˠ̪ çiɲˈtʲʰiːɾʲə]; mull in Schottland für Kap, Vorgebirge; von schottisch-gälisch maol = „kahl“) ist das Irland am nächsten liegende Kap im Süden der schottischen Halbinsel Kintyre westlich von Glasgow.

Der südlichste Punkt der Halbinsel heißt Rubha Chlachan. Von dort aus erstreckt sich die Halbinsel 70 Kilometer (mit Knapdale etwa 90 Kilometer) nach Norden. Vom Kap aus ist die nördliche Küste von Antrim in Nordirland mit Rathlin Island zu sehen. Die Felsinsel Ailsa Craig ist im Osten des Kaps zu sehen.

Hubschrauberunfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Juni 1994 wurde ein Chinook-Hubschrauber der britischen Royal Air Force (RAF) mit dem Luftfahrzeugkennzeichen ZD576 am Mull of Kintyre ins Gelände geflogen.[1] Bei diesem CFIT (Controlled flight into terrain) wurden alle 29 Insassen getötet, vier Besatzungsmitglieder und 25 Passagiere (darunter fast alle führenden Nordirland-Experten des Vereinigten Königreiches).[2] Nachdem ein RAF-Untersuchungsausschuss 1995 zunächst erklärt hatte, dass es keinen eindeutigen Grund für den Unfall finden könne, wiesen zwei Air Marshals die Schuld den Piloten zu, die bei dichtem Nebel zu schnell und zu niedrig geflogen seien. Diese Beurteilung führte in der Folge zu Kontroversen und Forderungen, den Vorfall neu zu untersuchen.[3] Im Jahr 2002 widersprach ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss der Schuldzuweisung.[4] Im Jahr 2008 erklärte der damalige britische Verteidigungsminister John Hutton, dass eine neue Untersuchung ergeben hätte, dass doch ein Pilotenfehler vorgelegen habe.[5] Zweifel kamen auf, als Mängel an der Software des Bordcomputers des Hubschraubers bekannt wurden.[6] Im Juli 2011 entschuldigte sich der damalige Verteidigungsminister Liam Fox bei den Familien der Piloten für die Schuldzuweisung und erklärte, dass es keinen Beweis dafür gebe, dass die Piloten fahrlässig gehandelt hätten.[7]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Spitze befindet sich der 1788 errichtete Leuchtturm Mull of Kintyre Lighthouse.[8]

Das Kap wurde 1977 weltweit bekannt, als Paul McCartney und seine Band Wings den Song Mull of Kintyre veröffentlichten.

Der Mull-of-Kintyre-Test war eine inoffizielle Faustregel der britischen Filmzensur, die bis 2003 Bestand hatte. Danach durfte in einem Film keine Erektion zu sehen sein, bei der ein Penis einen höheren Winkel zur Senkrechten bildete als die (auf einer Landkarte penisähnlich aussehende) Kintyre-Halbinsel zum schottischen Festland.[9][10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mull of Kintyre – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unfallbericht Boeing CH-47 ZD576, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 19. Februar 2022.
  2. James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 244.
  3. Campaigners want Chinook review. news.bbc.co.uk; abgerufen am 8. Februar 2016.
  4. Chinook ZD 576 – Report. parliament.uk; abgerufen am 8. Februar 2016.
  5. Dead Chinook pilots not cleared. news.bbc.co.uk; abgerufen am 8. Februar 2016.
  6. Chinook crash “may have been caused by software faults”. news.bbc.co.uk; abgerufen am 8. Februar 2016.
  7. Apology as Mull of Kintyre Chinook crash pilots cleared. news.bbc.co.uk; abgerufen am 8. Februar 2016.
  8. Mull of Kintyre Lighthouse. Northern Lighthouse Board
  9. Media: The censor goes public. In: The Independent, 8. Juni 1999; abgerufen am 13. März 2009
  10. WH Smith suffers from video nasties (Memento des Originals vom 28. Dezember 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vnunet.com vnunet.com; abgerufen am 13. März 2009