Mytilus

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Mytilus
Miesmuschel von der Seite, von unten und aufgeklappt mit durchtrenntem Schließmuskel

Miesmuschel von der Seite, von unten und aufgeklappt mit durchtrenntem Schließmuskel

Systematik
Unterklasse: Autolamellibranchiata
Teilklasse: Pteriomorphia
Ordnung: Mytilida
Familie: Miesmuscheln (Mytilidae)
Unterfamilie: Mytilinae
Gattung: Mytilus
Wissenschaftlicher Name
Mytilus
Linnaeus, 1758
Flug um ein 3D-Rendering eines µCT-Scans einer jungen Miesmuschel, die stark mit Seepocken besetzt ist. Auflösung des Scan liegt bei zirka 29 µm/Voxel.

Die Gattung Mytilus ist eine weltweit verbreitete Gattung der Muscheln (Bivalvia) und die Typusgattung der Familie der Miesmuscheln (Mytilidae).

Körperbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Miesmuscheln haben eine graue bis blau-violette, ausgewachsen etwa 5 bis 10 Zentimeter lange Schale von länglich ovaler Form. Sie folgen dem allgemeinen Bauplan der Muscheln. Sie bestehen aus einer rechten und linken Schalenhälfte, die mit einem elastischen Schlossband (Ligament) zusammengehalten werden. Die Schale setzt sich aus 3 Schichten zusammen: der obersten Hüllschicht aus organischem Material (Periostracum), der mittleren dicken Kalkschicht (Ostracum) und der innersten, wertvollen, silberweiß glänzenden Perlmuttschicht (Hypostracum). In der Mantelhöhle der Miesmuschel liegen zwei stark durchblutete Kiemen mit Kiemenblättern. Zwischen den Kiemen befindet sich ein muskulöser Fuß mit der Byssusdrüse. Diese Drüse stellt mit Hilfe von in der Miesmuschel enthaltenem Eiweiß und aus dem Meer gefiltertem Eisen die Byssusfäden her, mit denen sich die Muschel festhalten kann. Miesmuscheln haben einen Schließmuskel, der sich im Weichteil der Muschel befindet, sowie weitere Organe (Herz, Magen, Darm, Niere). Mit Hilfe des Schließmuskels kann sich die Miesmuschel bei Gefahr oder Trockenheit schließen.

Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Miesmuscheln sind Filtrierer. Sie besitzen zwei Öffnungen. Das Wasser gelangt durch die Einströmöffnung in die Mantelhöhle, in der durch die Wimperhärchen ein permanenter Wasserstrom erzeugt wird. So bleiben die winzigen Nahrungspartikel (pflanzliches und tierisches Plankton) an der Schleimschicht der Kiemen hängen. Danach fördern die Wimperhärchen den Schleim der Kiemen mit den Nahrungspartikeln zum Mund der Miesmuschel und von dort weiter in Magen und Darm, wo die Nahrung letztlich verdaut wird. Die unverdaulichen Reste werden aus der Ausströmöffnung mit dem Atemwasser wieder ausgestoßen.

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Frühjahr und jeden Sommer legen die Weibchen fünf bis zehn Millionen Eier ab, die dann von den Männchen befruchtet werden. Aus den befruchteten Eizellen werden Trochophoralarven, die im Laufe ihrer vierwöchigen Entwicklung zur Jungmuschel zu 99,9 Prozent gefressen werden. Dennoch bleiben nach dieser „Auslese“ noch immer ca. 10.000 Jungmuscheln übrig. Diese sind ca. drei Millimeter groß und treiben oft noch mehrere hundert Kilometer im Meer umher, bevor sie sich mit einer Größe von ungefähr fünf Zentimetern in Küstenregionen mit ihren Byssusfäden festsetzen. Der Grund, warum Miesmuscheln in so großen Kolonien (auch Bänke genannt) leben, ist, dass die Chance für die Männchen, Eier zu befruchten, dadurch viel größer ist. Nachdem die Larven sich etwa vier Wochen freischwebend als Plankton entwickelt haben, befestigen sie sich mit Byssusfäden an Steinen, Pfählen, Schill, Festsand und anderen Muscheln. Hierbei bevorzugen sie das Brackwasser von Flussmündungen und Wattgebieten in den Küstenregionen.

Feinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pisaster ochraceus beim Öffnen einer kalifornischen Miesmuschel (Mytilus californianus)

Zu den natürlichen Feinden gehören Seesterne und Wellhornschnecken, die auf das Öffnen der Muschelschalen warten und die Muschel dann verzehren. Auch zahlreiche Wirbeltiere fressen Miesmuscheln, etwa Walrosse, Fische wie Flunder und Scholle, Heringsmöwen, Austernfischer und Enten.

Von Menschen dürfen sie nur nach strengen Vorgaben und aus eigens dafür vorgesehenen Aquakulturen gefischt werden. Miesmuscheln werden nicht nur zum Verzehr gefischt, sie dienen auch als Dünger, Köder zum Angeln, Futter für Aquarienfische und hin und wieder auch zur Befestigung von kiesigen Küsten, wie in der englischen Grafschaft Lancashire.

2011 teilte die Schutzstation Wattenmeer mit, dass es im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer offenbar immer weniger Miesmuscheln gebe. Selbst die geschützten Bestände auf den Wattflächen seien im Laufe von 20 Jahren um 79 Prozent zurückgegangen.[1][2][3]

Milde Winter erschweren die Situation, da dann die Fressfeinde der Jungmuscheln – wie Seesterne, Schnecken oder Vögel – fast immer präsent sind.[4]

Eigenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schale der Miesmuscheln dient zum Schutz, sie kann bei Gefahr ruckartig mit dem Schließmuskel geschlossen werden. So können Miesmuscheln über Wochen verharren. Die adriatische Miesmuschel Mytilus galloprovincialis produziert als Abwehrstoff toxische Oxazinine[5]; andere Arten enthalten mit der Nahrung – aus Dinoflagellaten – aufgenommenes Saxitoxin.

Miesmuscheln als Speise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Netz eines Miesmuschelfischers

Einige Miesmuschelarten sind vor den Austern die wichtigsten essbaren Muscheln. Dazu gehören vor allem die in Atlantik, Nord- und Ostsee vorkommende Mytilus edulis und die Mytilus galloprovincialis des Atlantiks und Mittelmeers (siehe Miesmuscheln aus Galicien). Seit dem 13. Jahrhundert werden sie in Frankreich in Kulturen an Holzpflöcken gezüchtet, in Galicien sind Miesmuscheln seit der Besiedelung durch die Kelten bekannt. Heute werden sie auch an der holländischen, deutschen und italienischen Küste kultiviert. Jährlich kommen etwa 550.000 Tonnen Miesmuscheln in Europa in den Handel, rund 250.000 Tonnen gehören zur Art Mytilus galloprovincialis und stammen aus den Aquakulturen Galiciens.

Eine verbreitete Zubereitungsvariante sind Muscheln nach rheinischer Art. In Belgien und Nordfrankreich werden die Muscheln oft mit Pommes frites als Moules-frites serviert.

Miesmuscheln können bei mangelnden Sanitätskontrollen in seltenen Fällen zu einer Muschelvergiftung führen, wenn sie für Menschen giftiges Plankton verzehrt haben; einige wenige Menschen sind auch allergisch gegen ihr Eiweiß und reagieren daher ebenfalls mit Vergiftungserscheinungen. Vor der Zubereitung müssen die Muscheln noch leben, also ihr Gehäuse geschlossen halten oder es schließen, wenn darauf geklopft wird. Bleiben sie offen, sollten sie weggeworfen werden. Miesmuscheln, die nach dem Kochen geschlossen bleiben, gelten ebenfalls als ungenießbar,[6] wobei diese Aussage jedoch angezweifelt wird.[7][8]

Gelegentlich, bisweilen häufig, leben im Inneren von Miesmuscheln kleine Krebse, die Muschelwächter, die sich vom von der Muschel herausgefilterten Plankton ernähren. Sie sind störend, aber beim Verzehr unbedenklich.[9]

Mytilus edulis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mytilus edulis (lateinisch edulis = essbar), eine verzehrbare Miesmuschel, wird in Nordeuropa auch als blaue Muschel bezeichnet. Charakteristisch sind die schwarz-blau-violette Oberfläche und die ovale Form. Die Muschel kann bis zu einer Größe von zehn Zentimetern wachsen. Gewöhnlich bevölkert sie Meere und Buchten und ist im Brackwasser wie im Salzwasser zu finden.[10]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege und Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elizabeth Gosling: The Mussel Mytilus. Ecology, Physiology, Genetics, and Culture (= Developments in Aquaculture and Fisheries Science. Vol. 25). Elsevier, Amsterdam u. a. 1992, ISBN 0-444-88752-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Miesmuscheln im Wattenmeer bedroht, taz.de, 15.  September  2011.
  2. Presseinformationen des WWF zu Fischerei im Wattenmeer seit 2002 (PDF; 255kb), Stand Juli 2014.
  3. Miesmuscheln im schleswig-holsteinischen Wattenmeer bedroht: Schutzstation Wattenmeer und WWF fordern Ende der Übernutzung des Nationalparks durch Muschelwirtschaft. News-Meldung der Schutzstation Wattenmeer vom 15. September 2011.
  4. landvolk-pressedienst: [1]
  5. Patrizia Ciminiello, Caramela Dell'Aversano, Ernesto Fattorusso, Martino Forino, Silvana Magno: Toxins from Adriatic blue mussels. A decade of studies. (PDF; 271 kB) In: Pure and Applied Chemistry. Vol. 75, Nr. 2/3, 2003, ISSN 0033-4545, S. 325–336, doi:10.1351/pac200375020325.
  6. Vladimir Rydl: Miesmuscheln, Planet Wissen vom 22. März 2007.
  7. Christoph Drösser: Maritimer Schließmuskel (warum man Muscheln, die nach dem Kochen geschlossen bleiben, bedenkenlos essen könne), zeit.de vom 20. November 2008.
  8. Blue Mussels: An Open and Shut Case. (PDF; 174 kB) In: Fish. 6/2007.
  9. Wolfgang Blumenthal: Vermiest ein Krebs die Miesmuscheln?, SHZ vom 8. August 2008.
  10. Poul Bondesen: Danske havmuslinger. Naturhistorisk Museum, Århus 1991, ISBN 87-89137-24-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mytilus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien