Hartmann Schedel

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Weltkarte aus der Schedelschen Weltchronik (Blatt 12v/13r): „Die werlt wirdt darumb ein umbkrais genant da sie simbel rotund gescheybelt oder kugelt ist.“ An den Ecken sind die biblischen Stammväter Europas, Asiens und Afrikas abgebildet: Japhet, Sem und Cham. Im Jahr 1493 war Amerika noch nicht bekannt.

Hartmann Schedel (* 13. Februar 1440 in Nürnberg; † 28. November 1514 ebenda) war ein deutscher Arzt, Humanist und Historiker. Sein wichtigstes Werk ist die sogenannte Nürnberger Chronik, auch bekannt als Schedelsche Weltchronik, aus dem Jahr 1493.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hartmann Schedel wurde 1440 als Sohn des gleichnamigen wohlhabenden Kaufmannes in Nürnberg geboren. Seine Mutter Anna Grabner starb bereits 1445. Im Alter von elf Jahren wurde er 1451 Vollwaise. Er und seine Geschwister wuchsen fortan unter der Vormundschaft seines Onkels Marcus Schedel auf.[1] Von seinen zwei Brüdern wurde Georg Schedel Kaufmann, während Johannes Schedel in das Dominikanerkloster eintrat.

Hartmann Schedel wurde bereits 1456, im Alter von 16 Jahren, an der Universität Leipzig immatrikuliert. Er erwarb den Magister in den Freien Künsten und besuchte Vorlesungen in den Rechtswissenschaften und im Kanonischen Recht. 1459 begann er eine umfangreiche Sammlung von Liedern anzulegen, die heute als sein Liederbuch bekannt sind; fast zwei Drittel der Liedtexte in deutscher, lateinischer und französischer Sprache sind nur aus dieser Handschrift bekannt.[2] 1461 schloss er sich dem humanistischen Kreis um Peter Luder an.

Ende 1463 folgte er Peter Luder nach Padua, wahrscheinlich auch in Absprache mit seinem dreißig Jahre älteren Vetter Hermann Schedel, der Hartmann während des Studiums beratend zur Seite stand.[3] An der Universität Padua studierte Hartmann neben Medizin auch Anatomie und Chirurgie und promovierte 1466. Parallel zur Medizin hatte er auch Vorlesungen in Physik und Griechisch besucht und damit, als einer der ersten Deutschen überhaupt, Zugang zur griechischen Sprache erhalten.

Das Wappen der Schedel

1466 kehrte er nach Nürnberg zurück, um in den nächsten Jahren viel Zeit mit Reisen sowie dem Sammeln und Kopieren von Büchern zu verbringen. In den Jahren von 1470 bis 1477 ließ er sich als Stadtarzt in Nördlingen nieder, trat der Bruderschaft der „Kartäuser im Christgarten“ bei und heiratete 1475 die Nürnbergerin Anna Heugel († 1485). Sein weiterer Berufsweg führte ihn über Amberg 1482 nach Nürnberg zurück, wo er 1487, in zweiter Ehe, Magdalena Haller († 1505) heiratete. Von den zwölf Kindern aus beiden Ehen starben sechs bereits in jungen Jahren.

In Nürnberg zählte Hartmann Schedel zu den wohlhabenden und geachteten Bürgern. Er besaß mehrere Grundstücke und Lehnsgüter und erbte auch das Haus seines Vetters Hermann Schedel in der Burgstraße,[4] wo auch die Haller, Scheurl und Albrecht Dürer wohnten. Er wurde im Register der 92 Ehrbaren Familien der Stadt geführt und 1482 Genannter des Größeren Rates, der sich aus Vertretern des Patriziats sowie Kaufleuten, Gelehrten und Handwerkern zusammensetzte. Der Innere Rat blieb Hartmann Schedel verschlossen, da seine zweite Frau zwar mütterlicherseits vom Patriziergeschlecht der Ebner abstammte, aber ihr Vater nicht einem Nürnberger Patriziergeschlecht, sondern der aus Bamberg übersiedelten Linie der Haller angehörte.

Bis zu seinem Tod führte Hartmann Schedel eine gutgehende Arztpraxis. Seine Aufzeichnungen samt den erhaltenen Rezepturen zeigen, wie pflichtbewusst er seinen ärztlichen Aufgaben nachkam.[5] Mit seinen Berufskollegen bildete er einen einflussreichen medizinisch und humanistisch ambitionierten Gelehrtenkreis. Sein heutiger Ruf wurde durch sein literarisches Hauptwerk begründet, die „Weltchronik“.

Die Schedelsche Weltchronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deckblatt: Register Des buchs der Croniken und geschichten – mit figuren und pildnüssen von anbeginn der welt bis auf dise unnsere Zeit
Holzschnitt mit Nürnberger Stadtansicht aus der Schedel’schen Weltchronik

Die Schedelsche Weltchronik erschien erstmals 1493 in Nürnberg in einer lateinischen und einer deutschen Fassung. Sie ist die bedeutendste illustrierte Inkunabel. Das Handexemplar von Hartmann Schedel befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek. Es gibt eine digitalisierte Fassung im Internet.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chronik folgt der Tradition mittelalterlicher Chroniken, indem sie die Geschichte der Welt in Weltaltern darstellt:

Die lateinische Auflage umfasst 656 Seiten, die deutsche 596 Seiten. Das Werk enthält 1809 Holzschnitt-Illustrationen der Werkstatt von Michael Wolgemut, die sich allerdings teilweise wiederholen.

Unter den Illustrationen befinden sich 29 doppelseitige Stadtansichten und zwei doppelseitige Landkarten: eine Weltkarte und eine Europakarte. Auf der Weltkarte ist Amerika noch nicht dargestellt, da die Existenz des neuen Kontinents erst bekannt wurde, nachdem Amerigo Vespucci von seiner Südamerika-Expedition 1501/1502 berichtet hatte (siehe Mundus Novus).

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Wolgemut begann 1487 zusammen mit Wilhelm Pleydenwurff, seinem Stiefsohn, mit den Entwurfsarbeiten zu den Holzschnitten. Auch Beiträge des jungen Albrecht Dürer, der bis 1490 bei Wolgemut in die Lehre ging, sind wahrscheinlich.

Die Auflagenhöhe ist nicht bekannt. Die lateinische Auflage, die in ganz Europa vertrieben wurde, wird höher gewesen sein als die deutsche. Gedruckt wurde sie bei Anton Koberger in Nürnberg. Über die damaligen Preise der Weltchronik ist fast nichts bekannt. Ein 1495 in London verkauftes Exemplar kostete 66 Shilling 8 Pence. Der Druck der Weltchronik, der immense Kosten verursachte, wurde kein verlegerischer Erfolg,[6] denn 1509 waren noch 571 Exemplare am Lager.

Der Marktwert heute noch bekannter Exemplare hängt vom Erhaltungszustand ab. Ein hervorragend erhaltenes Exemplar wurde im Jahr 2010 für ca. 850.000 US-Dollar in London versteigert. Ein Exemplar, bei dem zwei Drittel der Seiten fehlen, wurde 2011 für 35.000 US-Dollar angeboten.[7]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartmann Schedel: Registrum huius operis libri cronicarum cu [cum] figuris et imagibus [imaginibus] ab inicio mudi [mundi]. [Nachdruck der Ausgabe Nürnberg, Koberger, 1493]. Quantum Books, Ostfildern [2002?], CCXCIX, ISBN 3-935293-04-6.
  • Hartmann Schedel: Register des Buchs der Croniken und geschichten mit figuren und pildnussen von anbeginn der welt bis auf dise unnsere Zeit. [Durch Georgium Alten … in diss Teutsch gebracht]. Reprint [der Ausg.] Nürnberg, Koberger, 1493, 1. Wiederdruck. Reprint-Verlag Kölbl, München 1991, CCLXXXVI Bl., IDN: 947020551
  • Hartmann Schedel: Weltchronik. Nachdruck [der] kolorierten Gesamtausgabe von 1493. Einleitung und Kommentar von Stephan Füssel. Weltbild, Augsburg 2004, ISBN 3-8289-0803-9.
  • Stephan Füssel (Hg.): Schedel'sche Weltchronik. Taschen Verlag, Köln 2001, ISBN 3-8228-5725-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schedelsche Weltchronik – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Schedel’sche Weltchronik – Quellen und Volltexte

GW/Digitalisate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Hartmann Schedel – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Fuchs: Schedel, Hartmann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 600–602.
  2. Hartmann Schedel: Liederbuch Handschrift Cgm 810 der Bayerischen Staatsbibliothek
  3. Franz Fuchs: Hartmann Schedel und seine Büchersammlung. In: Alois Schmidt (Hrsg.): Die Anfänge der Münchener Hofbibliothek unter Herzog Albrecht V. (= Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte. Beiheft 37). München 2009, S. 153.
  4. Der Vetter Hermann Schedel war Arzt und praktizierte zuerst in Nürnberg. Nach einigen Jahren als Leibarzt von Friedrich II., dem Kurfürsten von Brandenburg, kehrte er aus klimatischen Gründen wieder nach Süddeutschland und später nach Nürnberg zurück. Werner Dressendörfer: Hartmann Schedels Angaben zur Aufbewahrung von Arzneimitteln in Apotheken. In: Gundolf Keil (Hrsg.): „gelêrter der arzenîe, ouch apotêker“. Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte. Würzburg 1982, S. 543–550.
  5. Rudolf Neumaier: Schedels Weltbibliothek. In: Süddeutsche Zeitung vom 20. November 2014, S. 22.
  6. Schedelsche Weltchronik Artikel im Historischen Lexikon Bayerns
  7. Fancy some new bedtime reading? Rare world history book from 1493 found in dusty attic goes on sale for $35,000 Mail Online, 8. Juni 2011