NS-Boys

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Die NS-Boys sind eine in Chemnitz ansässige Hooligan-Gruppierung, die Anhänger des Chemnitzer FCs ist. Die Gruppierung ist der extremen Rechten zuzuordnen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gruppe gründete sich 2004, zunächst als Nachwuchsgruppe der Ultras Chemnitz 99.[1] Das „NS“ steht für „New Society“.[1] Die Abkürzung ist nicht zufällig gewählt: Ihre Mitglieder setzen sich aus Vertretern der Neonazi-Szene zusammen und positioniert sich gegen den angeblichen Linksextremismus im deutschen Fußball.[2][3] Als Logo verwendet die Gruppe einen Hitlerjungen aus einem Propagandaplakat der 1930er Jahre.[4]

Die Gruppe ist wie eine Kameradschaft organisiert, beteiligt sich an rechten Aufmärschen und Zeitzeugenvorträgen. Seit Anfang 2006 hat sie Stadionverbot.[1] Kurz darauf wurde sie von den Ultras Chemnitz 99 aufgelöst, weil sie „viel zuviel Politik mit ins Spiel [brachten], was mit [deren] Philosophie nicht vereinbar war“.[5]

Die Gruppierung gründete sich jedoch neu. Sie unterhält zwar noch Verbindungen zu den Ultras Chemnitz 99, ist jedoch heute eine unabhängig operierende Gruppe. Ein bestehender Link von der Ultra-Seite zu den NS-Boys 2008 wurde von Johannes Kopp in der taz und in der Frankfurter Rundschau thematisiert, jedoch kurz darauf wieder entfernt.[1][6] Zu dieser Zeit bestand die Gruppe nach Eigenangaben aus etwa 20 Personen.[7] Der Chemnitzer FC distanziert sich von der Gruppe.[1] Durch das Stadionverbot bedingt, ordnen sich ihre Mitglieder anderen Hooligan-Gruppen wie Kaotic Chemnitz und Squadra Celeste zu.[8] Trotz des Stadionsverbotes ist sie weiterhin als Hooligan-Gruppe aktiv und besucht auch Spiele anderer Vereine. Sie nutzt auch gemeinsame Ausflüge zur ideologischen Schulung. So besuchte sie beispielsweise 2012 am Rande eines Spiels in Dortmund die Wewelsburg, die während des Nationalsozialismus als Kultstätte der SS diente.[9] Der Anführer und Vorsänger der Gruppe, Chris Junghänel, arbeitet im Ladengeschäft des ehemaligen Chemnitz-Spieler Kevin Vietz, der sich an rassistischen Ausfällen gegen den dunkelhäutigen Dynamo-Spieler Mickaël Poté beteiligte und deshalb aus dem Verein entlassen wurde.[8] Am 28. März 2014 wurde bei einer Hausdurchsuchung des Vereinsheims der zwischenzeitlich verbotenen Kameradschaft Nationale Sozialisten Chemnitz eine Zaunfahne der NS-Boys sichergestellt. Kontakt besteht zudem zu dem rechten Independent-Label PC Records, die Trikots für selbstorganisierte Ultra-Fußballturniere sponserten.[10]

2017 fungierten Mitglieder der NS-Boys als Drahtzieher an gewalttätigen Ausschreitungen beim Regionalliga-Derby des SV Babelsberg 03 gegen Energie Cottbus, bei dem antisemitische, antiziganistische und rechtsextreme Parolen gerufen und mehrfach der Hitlergruß gezeigt wurde. Zudem wurde das Spielfeld gestürmt. Insgesamt 19 Strafanzeigen wurden gestellt.[11]

Die Hooligan-Gruppierung wird seit 2012 vom Verfassungsschutz beobachtet.[12] Einige personelle Überschneidungen gab es zu der mittlerweile verbotenen Gruppierung Nationale Sozialisten Chemnitz (NSC).[13][14] So soll ein hochrangiges Mitglied der NSC auch Gründungsmitglied der NS-Boys gewesen sein, wie es in einem Gutachten des Untersuchungsausschusses im Rahmen des NSU-Prozesses heißt.[15] Weitere Überschneidungen gibt es zum Pegida-Ableger Cegida, etwa 10 Mitglieder sind nach Polizeiangaben Mitglieder der beiden Vereinigungen.[16][17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Johannes Kopp: Ultras, NS-Boys und die Kurve. taz.de, 20. September 2008, abgerufen am 22. April 2018.
  2. Politik. Offizielle Website (Archiv), archiviert vom Original; abgerufen am 27. Juli 2014.
  3. Peter Czoch: Ultras in Deutschland. Hirnkost, 2016, ISBN 978-3-943774-90-0 (google.de [abgerufen am 1. März 2018]).
  4. Martin Endemann: Am Tatort Stadion. Versuch einer Bestandsaufnahme. In: Lotta. Nr. 39, 2010, S. 7 (archive.org [PDF]).
  5. Über uns (Interview mit Blickfang Ultra). Ultras Chemnitz 99, archiviert vom Original am 9. Dezember 2013; abgerufen am 27. Juli 2014.
  6. Johannes Kopp: Chemnitz: Dumpfe Rufe von Rechtsaußen. fr.de, 20. September 2008, abgerufen am 22. April 2018.
  7. Steffen Doppert: Tendieren in die rechte Richtung. Belltower.News, 9. Mai 2008, abgerufen am 13. März 2018.
  8. a b Johannes Grunert: Fußball in Chemnitz. In: Der Rechte Rand. Nr. 149 (Juli/August), 2014, ISSN 1619-1404, S. 18.
  9. Björn Resener: Fußball, Freundschaft, Fackelmärsche. Publikative.org, 1. April 2014, abgerufen am 14. März 2018.
  10. Fußball, Freundschaft, Fackelmärsche. Störungsmelder auf zeit.de, 1. April 2014, abgerufen am 27. Juli 2014.
  11. René Garzke: Harte Strafen für Cottbuser Randale-Fans. Potsdamer Neueste Nachrichten, 6. Mai 2017, abgerufen am 13. März 2018.
  12. Fußball in Ostdeutschland: Verfassungsschutz beobachtet rechtsextreme Fans. In: Spiegel Online. 15. September 2012 (spiegel.de [abgerufen am 18. Februar 2018]).
  13. Sächsisches Staatsministerium des Innern und Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen (Hrsg.): Sächsischer Verfassungsschutzbericht 2015. Dresden 8. April 2016, S. 124 (sachsen.de).
  14. Sächsisches Staatsministerium des Innern und Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen (Hrsg.): Sächsischer Verfassungsschutzbericht 2016. Dresden 25. April 2017, S. 145 (sachsen.de).
  15. Jens Eumann: Die rechtsextreme Szene im Raum Chemnitz-Zwickau, das NSU-Netzwerk und dessen überregionale Verbindungen. Hrsg.: 3. Untersuchungsausschuss der 18. Wahlperiode des Bundestages. S. 6 (bundestag.de [PDF]).
  16. Innenministerium bestätigt: Legida ist Hochburg der Hooligans. Belltower.News, 11. März 2015, abgerufen am 13. März 2018.
  17. Tim Schulz: Was ist übrig von Cegida? Endstation Rechts, 12. November 2017, abgerufen am 13. März 2018.