Nachtprogramm (ARD-Hörfunk)

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Die meisten ARD Hörfunkprogramme bieten nachts Gemeinschaftsnachtprogramme an. Sie werden von je einer Landesrundfunkanstalt produziert und von mehreren anderen übernommen.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher beendeten sowohl Hörfunk- als auch Fernsehprogramme der ARD täglich ihr Rundfunkprogramm nachts zwischen 23:00 Uhr und 24:00 Uhr und strahlten kurz vor der Abschaltung des Senders den Sendeschluss aus. Dann wurde der Träger abgestellt oder ein Testbild aufgeschaltet, bis am nächsten Tag die Tagessendungen wieder aufgenommen wurden.

Zur Schließung dieser nächtlichen Übertragungspause begann man am 2. November 1947 beim NWDR mit der Ausstrahlung des ersten Nachtprogramms der ARD. Diese Idee wurde auch im August 1948 Radio Frankfurt aufgegriffen und umgesetzt.[1] Es handelte sich jedoch um regionale Programmformate mit kulturellem Inhalt, welche die Nacht nicht vollständig überbrückten.

Nächtliche Kultursendungen wie Abendstudio des hr oder das Nachtstudio des SWF Baden-Baden waren ähnlich konzipiert.

Im Jahr 1959 beendete die ARD bei den meisten Radiostationen ihre nächtliche Versorgungslücke und strahlte nahezu deutschlandweit das im wechselnden Turnus von einem Programm produzierte gemeinsame Nachtprogramm im Hörfunk aus. Erst seit dem 1. Juli 1959 entstand mit der „Musik bis zum frühen Morgen“ das erste reguläre Gemeinschaftsangebot im ARD-Mittelwellenbereich[2] und schloss damit endgültig die nächtliche Programmlücke. Die ARD hatte damit auf das Nachtprogramm des in der DDR stationierten Deutschlandsenders reagiert, der die Funkstille der ARD-Radiostationen mit seinem sendestarken Mittelwellensender ausglich und Schichtarbeiter der BRD mit seinem propagandistischen Nachtprogramm erreichen wollte. Die Zeit schrieb 1954:

„Das Funkprogramm ist ein Kaufhaus mit vielen Abteilungen. Die luxuriöseste Ware des Funks heißt ‚Nachtprogramm‘ oder ‚Nachtstudio‘. Diese anspruchsvollen Spätabend-Sendungen werden zwar, wie die Hörerforschung ergeben hat, nur von fünf bis zehn vom Hundert der Hörer gehört. Aber selbst das sind allein im Sendebereich des NWDR, grob gerechnet, 300.000 bis 600.000 Hörer.“

Bis 1968 hatten die Landesrundfunkanstalten ihr Radioprogramm zu einem 24-Stunden-Programm ausgebaut.[3]

Derzeitiges Angebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuell (Stand: 31. Dezember 2020) gibt es fünf Gemeinschafts-Nachtprogramme. Alle Programme werden in der Regel live produziert.

Die ARD-Hitnacht, produziert im wöchentlichen Wechsel von den Landesprogrammen des MDR in Erfurt (MDR Thüringen – Das Radio), Dresden (MDR Sachsen) oder Magdeburg (MDR Sachsen-Anhalt), ist das erste Gemeinschaftsprogramm. Sie löste 2011 den ARD-Nachtexpress ab. Sie ist seit Anfang 2021 täglich von 23 bis 6 Uhr auf den meisten Servicewellen zu hören, zuvor war diese bereits ab 22 Uhr zu hören.

Das ARD-Nachtkonzert, produziert von BR-Klassik in München, ist das zweite und mit Erstausstrahlung im Jahr 1980 auch das älteste Nachtprogramm. Es wird zwischen 0 und 6 Uhr produziert und von den meisten Kulturwellen übernommen.

Die ARD-Popnacht, produziert von SWR3 in Baden-Baden, ist seit 1990 verfügbar. Sie folgte auf den 1985 gestarteten ARD-Nachtrock. Produziert wird sie täglich zwischen 0 und 5 Uhr und ist auf den meisten Popwellen zu hören.

Das vierte Nachtprogramm ist die ARD-Infonacht, die von NDR Info in Hamburg zwischen 22 und 6 Uhr für alle Infowellen produziert wird.

Das jüngste Nachtprogramm ist die 2018 gestartete junge Nacht der ARD, welche täglich zwischen 0 und 5 Uhr von 1LIVE in Köln produziert wird.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Monika Boll: Nachtprogramm. Intellektuelle Gründungsdebatten in der frühen Bundesrepublik. Lit, Münster 2004.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Monika Boll, Nachtprogramm, 2004, S. 52
  2. Der Spiegel 28/1959 vom 8. Juli 1959, Kleine Nachtmusik, S. 55
  3. Joachim-Félix Leonhard, Medienwissenschaft Band 2, 2001, S. 1440