ARD-Nachtexpress

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Der ARD-Nachtexpress war, neben dem ARD-Nachtkonzert, der ARD-Popnacht und der ARD-Infonacht das erste Nachtprogramm der ARD und wurde von 0:05 Uhr bis 4:00 Uhr gesendet, nach den 4-Uhr-Nachrichten übernahm dann der ARD-Radiowecker bis 6:00 Uhr. Manche teilnehmenden Sender blendeten sich aber bereits um 5:00 Uhr aus und begannen ihr eigenes Programm.

Zum 4. Oktober 2011 wurde die Sendung eingestellt und durch die ARD-Hitnacht ersetzt, die Montag bis Samstag vom Saarländischen Rundfunk produziert wird. In der Nacht zum Sonntag sendet weiterhin der Westdeutsche Rundfunk den „Rhythmus der Nacht“.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1959 gab es mit der Sendung Musik bis zum frühen Morgen das erste reguläre Gemeinschaftsangebot des ARD-Hörfunks, damals noch von 0:05 bis 5:50 Uhr. In den 1980er-Jahren folgte dann eine Dreiteilung des Nachtprogramms in die Sendungen Bis Zwei dabei (am Wochenende: Bis Drei dabei) ab 22:30 Uhr, Musik bis zum frühen Morgen von 2:00 bzw. 3:00 Uhr bis 4:30 Uhr und Radiowecker bis 6:00 Uhr. In der heutigen Form existieren ARD-Nachtexpress und ARD-Radiowecker seit dem 23. Dezember 1983.[2][3] Ende der 1990er-Jahre wurde der Sendebeginn von 22:30 Uhr auf 0:00 Uhr verschoben.

Das Ende des ARD-Nachtexpress und dessen Ersetzung durch die ARD-Hitnacht ab Oktober 2011 wurden vielfach bedauert, weil damit „ein Stück Radiogeschichte zu Ende“ gehe.[4]

Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gespielt wurden hauptsächlich Schlager und Evergreens. Außerdem gab es stündlich Nachrichten und halbstündlich Verkehrsinformationen aus dem gesamten Sendegebiet. Im ARD-Radiowecker war die „Musikfarbe“, der Intention als Aufstehbegleitsendung entsprechend, frischer und schwungvoller als im vorausgegangenen Nachtexpress.

Das Programm wurde täglich von einem der ARD-Sender zusammengestellt und zusätzlich über alle anderen beteiligten ARD-Sender übertragen.

Gebende Programme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Der Wochentag bezeichnet den frühen Morgen des jew. Tages)

WDR 4: Rhythmus der Nacht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nacht von Samstag auf Sonntag kommt das Programm auch heute noch von WDR 4: In der Sendung „Rhythmus der Nacht“ liegt der Schwerpunkt bei Schlager- und Partyhits. Spezielle Elemente dieser Sendung sind der Albumtipp, der DJ-Mix (ca. 20 Minuten Schlager „in the Mix“) und der „Last-Minute Wunsch“ jeweils halbstündlich. Immer im ersten Rhythmus der Nacht eines Monats werden die aktuellen Top 30 der Party- und Schlagercharts (DJ-Hitparade) gespielt. Die Sendung wird im Wechsel von Silke Liniewski, Dominik Freiberger, Bernd Brüggemann und Michael Begasse moderiert.

Helmut Hansen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer der bekanntesten und beliebtesten Nachtexpress-Moderatoren über die Jahrzehnte war der ehemalige Chefsprecher des Hessischen Rundfunks, Helmut Hansen, der die Sendung zwischen dem 6. Juli 1959 und dem 5. Juli 1984 insgesamt 764 mal aus dem Studio H des Hessischen Rundfunks präsentierte. Die Musikzusammenstellung besorgte für die meisten Hansen-Sendungen Fred Gräfe. Hansens gepflegte und geschliffene Wortwahl, die verlässliche Einbindung von Gedichten in seine Moderationen und ein stets vorhandener Fahrplan gaben jeder Sendung eine ganz besondere Note. Texte von Kästner, Ringelnatz, Endrikat, Heine, Hölty, Tucholsky, Kaleko u.a. ließen zudem die Fahrt im Nachtexpress immer auch zu einer poetischen Entdeckungsreise werden.

Ein Hörer aus Berlin hat, Hansens Angaben zufolge, für die eingeschworene Nachtexpressgemeinde den trefflichen Begriff „Nachtexpressionisten“ geprägt. Von den Nachtexpressionisten verabschiedete sich Helmut Hansen mit einer letzten Reise durch die Nacht vom 4. zum 5. Juli 1984, einer Jubiläumssendung zum 25-jährigen Bestehen des gemeinsamen Nachtprogramms der ARD.

Sonderfall RBB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nacht von Montag auf Dienstag wurde der ARD-Nachtexpress immer vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) in Potsdam produziert, allerdings im Wechsel zwischen Antenne Brandenburg und Radio Berlin 88,8, obwohl dort der Nachtexpress seit 2005 nicht mehr ausgestrahlt wurde. Dreimal im Monat war Radio Berlin redaktionell verantwortlich, einmal monatlich Antenne Brandenburg. In der Regel wurden die Radio-Berlin-Sendungen von Reinhard Meynen moderiert, und es war im Jingle lediglich „ARD-Nachtexpress vom RBB“ zu hören. Die von Meynen moderierten Sendungen standen immer unter einem besonderen Motto, so dass beispielsweise nur Songs von Interpreten, die im jeweiligen Sendemonat geboren sind, zu hören waren. Antenne-Brandenburg-Moderator war bis auf wenige Ausnahmen Detlef Olle, welcher für die Sendung meistens einen Künstler ins Studio einlud.

Nehmende Programme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Programme beendeten mit der Zeit die Teilnahme an Nachtexpress und Radiowecker, teilweise, um ein anderes ARD-Nachtprogramm zu übernehmen, teilweise, um ein eigenes Nachtprogramm anzubieten. Der Norddeutsche Rundfunk und Radio Bremen sind im Laufe der Zeit komplett aus dem ARD-Nachtexpress ausgestiegen (NDR seit 1. Januar 2004), der Mitteldeutsche Rundfunk hatte sich nie am ARD-Nachtexpress beteiligt. In Berlin war der ARD-Nachtexpress zum Ende nur noch über Antenne Brandenburg zu hören, die allerdings in ganz Berlin empfangen werden konnte. Formal wurde der ARD-Nachtexpress damit nur noch in sieben der sechzehn Bundesländer ausgestrahlt, vor allem im Süden der Republik.

Zuletzt (2011)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ARD-Nachtexpress/ARD-Radiowecker war in der Regel von 0:00 bis 6:00 Uhr zu hören auf

Bei einem gesetzlichen Feiertag unter der Woche blendete sich nur Bayern 1 bereits um 5 Uhr aus.

Sonderregelung Bayern 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bayern 1 blendete sich nicht wie alle anderen nehmenden Programme um 0:05 Uhr in die Sendung des ARD-Nachtexpress ein, sondern es wurden zuerst Verkehrsnachrichten gesendet und anschließend die Bayernhymne, die Deutsche Nationalhymne sowie die Europahymne gespielt. Die Aufschaltung auf das gemeinsame Programm erfolgte gegen 0:09 Uhr; bereits ab 5:00 Uhr sendete Bayern 1 wieder ein eigenes Programm.

Früher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste einiger Programme, die ihre Teilnahme am ARD-Nachtexpress schon zu einem früheren Zeitpunkt beendet hatten:

  • SWF1 & SDR 1 (bis 1998), beide nach der Fusion von SWF und SDR mit eigenem Nachtprogramm als SWR1
  • Hansawelle (Radio Bremen), seit Anfang der 90er Jahre Übernahme von SWF3/SWR3, 2001 wurde das Programm eingestellt
  • Radio Bremen Melodie (bis 30. April 2001), Programm wurde 2001 eingestellt
  • Bremen Eins (1. Mai 2001 bis 31. Oktober 2001), heute Übernahme von SWR1
  • WDR 1, später ARD-Popnacht, dann gemeinsames Nachtprogramm mit WDR 2, heute eigenes Programm als 1 Live
  • WDR 2, später ARD-Popnacht, dann zeitweise eigenes Nachtprogramm, 2009–2010 wieder ausschließlich ARD-Popnacht, seit 2011 NDR 2-Nacht
  • Berlin 88Acht (RBB; bis November 2005), heute ARD-Popnacht als Radio Berlin 88,8
  • hr1 (bis 1996), heute ARD-Popnacht
  • hr-chronos, Programm wurde am 30. Juni 2003 eingestellt
  • hr-skyline, Programm im August 2004 eingestellt
  • NDR 1 (bis 1997), heute eigenes Nachtprogramm „NDR 1-Nacht“
  • NDR Info (bis 2002), heute eigenes Nachtprogramm

Nicht aufgeführt sind die Pop- und Kulturprogramme, die bis zur durchgehenden Nachtversorgung durch ARD-Popnacht und -Nachtkonzert den Nachtexpress übernommen hatten (wie z.B. hr3).

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Synchronisation aller Programme wurden die Signale im sogenannten ARD-Stern in Frankfurt am Main zusammengeführt und von dort über ein Glasfasernetz, HYBNET genannt, an die einzelnen Rundfunkanstalten in Deutschland weitergegeben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ARD-Hitnacht. In: sr-online.de. 23. September 2011, abgerufen am 27. September 2011.
  2. ABC der ARD: ARD-Nachtexpress/ARD-Radiowecker, abgerufen am 30. November 2010.
  3. Historisches Programmschema von WDR 2 Historisches Programmschema von SWF1
  4. Frank Meßing: „Nachtexpress“ von WDR 4 auf Abstellgleis. In: Der Westen. 26. September 2011, abgerufen am 29. September 2011.