Nenngröße S

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Ausschnitt eines erhalten gebliebenen Modelleisenbahn-Anlagenteilstückes, der von 1960 bis 1973 in der Schweiz betriebenen Modell-Eisenbahn Bernina, Pontresina in der Spur Sm.

Die Nenngröße S ist eine in den Normen Europäischer Modellbahnen (NEM) und den Normen der National Model Railroad Association (NMRA) genormte Baugröße für Modelleisenbahnen. Die Normalspur mit einer Vorbild-Spurweite von 1435 mm weist dabei eine Modell-Spurweite von 22,5 mm auf und wird umgangssprachlich als Spur S bezeichnet. Der Maßstab beträgt üblicherweise 1:64.

Spurweiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kontinentaleuropa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Nenngröße S sind im Maßstab 1:64 in den Normen Europäischer Modellbahnen (NEM) die folgenden Modell-Spurweiten festgelegt:

Spur Bezeichnung Modell-Spurweite Vorbild-Spurweite (Auswahl) Verwendung bei Vorbild-Spurweiten
S Normalspur 22,5 mm[1] 1435 mm von 1250 mm bis 1700 mm
Sm Meterspur 16,5 mm 1000 mm von 850 mm bis < 1250 mm
Se Schmalspur 12 mm 0750 mm, 760 mm und 800 mm von 650 mm bis < 850 mm
Si (Sf) Feldbahn 09 mm 0500 mm und 600 mm von 400 mm bis < 650 mm
Sp Parkbahn 06,5 mm 0381 mm von 300 mm bis < 400 mm

Nordamerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Nenngröße S sind im Maßstab 1:64 in den National Model Railroad Association (NMRA) die folgende Modell-Spurweiten festgelegt:

Spur Bezeichnung Modell-Spurweite Vorbild-Spurweite
S Normalspur 22,4 mm 1435 mm (4 FußZoll)
Sn3½ Kapspur 16,5 mm 1067 mm (3½ Fuß)
Sn3 Schmalspur 14,3 mm 0914 mm (3 Fuß)
Sn2½ Schmalspur 12 mm 0762 mm (2½ Fuß)
Sn2 Schmalspur 09,6 mm 0610 mm (2 Fuß)

Hersteller (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Faller-AMS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwarzwälder Hersteller Faller hatte Ende der 1950er Jahre in den USA eine Lizenz für eine elektrische Autobahn mit Spurrillenführung („Slotcar“) erworben, die er ca. zwei Jahrzehnte lang unter dem Namen „Faller AMS“ (Auto-Motor-Sport) als Zubehör für die Eisenbahn-Nenngröße H0 anbot. Besser aber passt dies System zur Nenngröße S, denn der Maßstab der elektrisch angetriebenen Faller-Modellautos ist ungefähr 1:67 und so deutlich größer als H0. Es existieren (für den Maßstab H0) sogar kombinierte Anwendungen mit Bahnübergängen und einer Verladung von Autos auf Eisenbahnflachwagen.

Metallwarenfabrik Stadtilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Metallwarenfabrik Stadtilm

1942 wurden in Stadtilm die Carl-Liebmann-Metallwerke als Rüstungsbetrieb in der Thüringer Flugzeugindustrie gegründet. Nach 1945 und Umstellung auf Friedensproduktion wurde unter sowjetischer Besatzung die Flugzeugteileproduktion wieder aufgebaut. 1948, nach der plötzlichen Verlagerung der gesamten Thüringer Flugzeugentwicklung in die Sowjetunion, wurde in aller Eile eine Spielzeugeisenbahn in Spur 0 entwickelt und auf den verbliebenen Maschinen hergestellt. Das damals reichtlich vorhandene Aluminium wurde als Grundmaterial verwendet. Nach der Flucht Carl Liebmanns zum Jahresende 1952 und der Verstaatlichung in VEB (K) Metallwarenfabrik Stadtilm wurde eine verbesserte Modelleisenbahn in Spurweite 0 entwickelt, welche vorrangig Eisenblech als Grundmaterial verwendete. 1956 nahm man die Produktion der seltenen Spur S auf und folgte damit dem damaligen Trend zur Verkleinerung der Spurweiten. Die Modelle waren teiweils spielzeughaft verkleinert, aber auch modellmäßig ausgeführt. Für Gehäuse wurde Kunststoffspritzguß verwendet. Die Gleise hatten ein Schwellenband aus Pappe. Die Produktion von Spielzeugeisenbahnen wurde 1964 aufgegeben.

Metallspielwarenfabrik Weimar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Metallspielwarenfabrik Weimar (MSW) stellte ebenfalls Loks, Waggons und Zubehörteile für die Nenngröße S her, jedoch wurden an einigen Stellen Vereinfachungen an den Modellen vorgenommen, so dass sich sowohl der Herstellungs- als auch der Materialaufwand verringerte.

Weitere Hersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene volkseigene Betriebe stellten Zubehör wie Häuser, Andreaskreuze, Schilder und Figuren für Modellbahnanlagen der Nenngröße S her.

In Nürnberg wurden neben Modellen der Nenngröße 0 ebenfalls einige Fahrzeuge der Nenngröße S von der Firma Karl Bub hergestellt.

Besondere Anlagen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Spielzeugmuseum Nürnberg wird auf 30m² der Eisenbahnknotenpunkt Omaha/Nebraska nachgestellt.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.morop.org Normen Europäischer Modellbahnen, NEM 010, Ausgabe 2011 (PDF; 30 kB) Abruf am 10. Oktober 2012
  2. Nürnberger Nachrichten (vom 28. Januar 2009)