Stadtilm

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Stadtilm
Stadtilm
Deutschlandkarte, Position der Stadt Stadtilm hervorgehoben
50.77511.080833333333360Koordinaten: 50° 47′ N, 11° 5′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Ilm-Kreis
Höhe: 360 m ü. NHN
Fläche: 17,27 km²
Einwohner: 4854 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 281 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99326
Vorwahl: 03629
Kfz-Kennzeichen: IK, ARN, IL
Gemeindeschlüssel: 16 0 70 048
Adresse der
Stadtverwaltung:
Straße der Einheit 1
99326 Stadtilm
Webpräsenz: www.stadtilm.de
Bürgermeister: Lars Petermann (parteilos)
Lage der Stadt Stadtilm im Ilm-Kreis
Alkersleben Altenfeld Angelroda Arnstadt Böhlen Bösleben-Wüllersleben Dornheim Elgersburg Elleben Elxleben Frankenhain Frauenwald Friedersdorf Gehlberg Gehren Geraberg Geschwenda Gillersdorf Gossel Gräfenroda Großbreitenbach Herschdorf Amt Wachsenburg Ilmenau Ilmtal Kirchheim Langewiesen Liebenstein Martinroda Gehren Neusiß Neustadt am Rennsteig Osthausen-Wülfershausen Pennewitz Plaue Rockhausen Schmiedefeld am Rennsteig Stadtilm Stützerbach Amt Wachsenburg Wildenspring Wipfratal Witzleben Wolfsberg Thüringen Landkreis Schmalkalden-Meiningen Suhl Landkreis Hildburghausen Landkreis Sonneberg Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Landkreis Weimarer Land Erfurt Landkreis GothaKarte
Über dieses Bild
Stadtilm von Nordosten aus gesehen

Stadtilm ist eine Kleinstadt im Bundesland Thüringen, ca. 30 Kilometer südlich von Erfurt an der B 87. Die Stadt mit dem Ortsteil Oberilm befindet sich am Kreuzungspunkt der ehemaligen Handelswege zwischen Ilmenau und Weimar sowie Erfurt und Rudolstadt. Sie ist eine von sieben Städten im Ilm-Kreis und liegt am Übergang des Thüringer Waldes zum Thüringer Becken am Fluss Ilm.

Geografie[Bearbeiten]

Stadtilm liegt als lang gestreckter Ort am Ufer der Ilm, in etwa da wo der Fluss den Durchbruch durch die Muschelkalkschichten der Ilm-Saale-Platte beginnt. Bei genauerer Untersuchung der leicht zu findenden Kalksteinbrocken stößt man schnell auf versteinerte Muscheln und Schnecken. In den umliegenden Gebieten wachsen einige unter Naturschutz stehende Pflanzen wie zum Beispiel die Silberdistel oder der seltene Frauenschuh. Links der Ilm umgeben Sperlingsberg und Weinberg die Stadt, auf der rechten Seite befinden sich Buchberg und Haunberg. Wo die Landwirtschaft keine – durch die Zeit der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften noch großflächig angelegten – Felder bestellt, sind die Berge größtenteils mit Nadel- und Mischwäldern bedeckt.

Die Stadt wird im Osten, Süden und Westen von der Großgemeinde Ilmtal umschlossen, im Norden grenzt das Gebiet der Gemeinde Bösleben-Wüllersleben an.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis 1918[Bearbeiten]

Stadtilmer Stadtkirche von Süden
Die Kirche von Norden
Die beiden Kirchtürme

Die ersten Beweise menschlicher Siedlungen bei Stadtilm sind auf circa 1200 bis 700 v. Chr. datiert: Auf dem nördlich von Stadtilm gelegenen Haunberg wurden Gefäßscherben aus der Spätbronzezeit gefunden. Schätzungen zufolge stammen die Ursprünge der heutigen Ansiedlung aus der Zeit um das 5. Jahrhundert. Eine Erwähnung der Stadt ist in einer Urkunde des Klosters Reinhardsbrunn zu finden, die auf den 14. September 1114 datiert ist. Jedoch ist diese Urkunde wahrscheinlich eine Fälschung. Es wird angenommen, dass sie in der Mitte des 12. Jahrhunderts zurückdatiert wurde. Die erste unumstrittene Erwähnung der Stadt Stadtilm ist auf den 13. Mai 1268 datiert, es handelt sich dabei um eine Übereignungsurkunde, in denen ein „civis ylmene“ (Bürger von Ylmene) erwähnt wird. Die Urkunde gilt als Beleg für den Status als Stadt, da die Bezeichnung „Bürger“ in dieser Zeit nur für Einwohner von Ortschaften mit Stadtrecht benutzt wurde. Die Ortschaft bestand aber nachweislich schon länger, da die Kirche bereits 1235 geweiht wurde.

Im 13. Jahrhundert gehörte (Stadt)Ilm gleichzeitig zu zwei Herrschaftshäusern: Eine Hälfte (die obere Herrschaft) gehörte dem Haus Schwarzburg, die andere (die untere Herrschaft) dem Hause der Käfernburger. Die Grenze der beiden Staaten verlief genau durch das Gebiet der Ortschaft. Da zwischen beiden Häusern häufig Uneinigkeit bestand, versicherten 1293 die damaligen Häupter der beiden Grafschaften, Graf Günther VIII. von Käfernburg und Günther XI., Graf und Herr zu Schwarzburg, dass bei möglichen Austragungen der Differenzen die Bürger der Stadt nicht in Mitleidenschaft gezogen werden sollten. Dieses Versprechen wurde 1302 wiederholt, es ist dann den Bürgern sogar gestattet worden, ohne Probleme von einem Teil der Stadt in den anderen zu ziehen. Zudem soll (Stadt)Ilm niemals Platz für „eine Burg oder ein Bollwerk“ werden. 1388 endete die Teilung der Stadt, als das schwarzburg-wachsenburgische Geschlecht den käfernburger Teil der verwitweten Gräfin Sophie von Käfernburg abkaufte.

Im Schwarzburgischen Hauskrieg (1447–1451) wurde Stadtilm drei Wochen lang durch 18.000 (nach anderen Quellen 1800) Mann des Kurfürsten Friedrich von Sachsen (der Sanftmütige) belagert. Diese Belagerung soll dadurch beendet worden sein, dass die Stadtilmer das letzte in der Stadt befindliche Schwein schlachteten, um ein letztes Fest zu feiern, bei dem auch Bratwürste gebraten wurden. Die ebenfalls am Ende ihrer Vorräte angelangten Belagerer sahen die Rauchwolken, rochen die Bratwürste und sahen Stadtilm noch für lange Zeit gut versorgt, so dass sie die Belagerung aufgaben.

Während des Deutschen Bauernkrieges gab es keine Kämpfe in Stadtilm, obwohl 5000 bis 8000 Aufständische vor der Stadt lagerten. Nachdem die Stadttore geöffnet worden waren, verköstigte das Zisterzienserkloster die rebellierenden Bauern. Einige der Bürger Stadtilms schlossen sich den Bauern an, vier von ihnen wurden nach der Niederschlagung des Aufstandes auf dem Arnstädter Marktplatz geköpft.

1571 teilte sich nach dem Tod Günthers XL. das Schwarzburgische Haus zunächst in vier Teile. 1599 waren jedoch zwei der Söhne Günthers XL. kinderlos gestorben, so dass mit dem „Stadtilmer Vertrag“ die Teilung des Schwarzburger Hauses in die zwei Linien Schwarzburg-Rudolstadt (dem Stadtilm angehörte) und Schwarzburg-Sondershausen vollzogen war.

Während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 wurde Stadtilm mehrmals von Landsknechten geplündert und auch einmal von schwedischen Truppen eingenommen.

Mehrmals zerstören große Brände Teile der Stadt. Beim Brand von 1675, der vermutlich im Gasthof „Roter Hirsch“ begann, verbrannten 23 Häuser sowie 26 Scheunen und Ställe. Am 1. August 1780 fielen neben allen öffentlichen Gebäuden 172 von 322 Wohnhäuser einem weiteren großen Stadtbrand zum Opfer (nach anderen Quellen 173 von 312 Häusern). Ursache soll übergekochtes und angebranntes Fett in der Hütte eines Tagelöhners gewesen sein. Da wegen des Brandes die Kirche nicht mehr benutzbar war, musste ein neuer Ort gefunden werden, in dem die kirchlichen Zeremonien stattfanden. Im ehemaligen Kloster, welches nun als Schloss genutzt wurde, befand sich eine – wahrscheinlich vom Brand unversehrte – Kapelle, die während der neun Jahre dauernden Rekonstruktion der Kirche diesem Zweck genügte.

1917 wurden die beiden großen Kirchenglocken aus dem Jahr 1783, sowie die 1775 und 1805 gegossenen Glocken der Oberilmer Kirche abgebaut, da das Metall dringend in der Rüstungsindustrie benötigt wurde. Aus dem Ersten Weltkrieg kamen 138 Bewohner Stadtilms sowie 15 Bewohner des heutigen Ortsteils Oberilm nicht zurück.

1918 bis 1933[Bearbeiten]

Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918 gehörte Stadtilm zum Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs dankte mit zwei Wochen Verspätung am 23. November 1918 Fürst Günther Victor, der in Personalunion auch das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen regierte, als letzter deutscher Monarch ab. Seit 1919 gehörte Stadtilm zum Freistaat Schwarzburg-Rudolstadt, der 1920 im neuen Land Thüringen aufging. Durch die Aufteilung Thüringens in Kreise gehörte Stadtilm seit diesem Zeitpunkt zum Kreis Arnstadt. 1922 wurde der bis dahin eigenständige Ort Oberilm als Ortsteil Stadtilms eingegliedert.

Im Dezember 1918 – kurz nach Ende des Krieges – wurde zum ersten Mal Stadtilmer Notgeld in Umlauf gebracht, zunächst nur 5- und 10-Pfennig-Scheine, später auch 50-Pfennig-Scheine. 1923, zum Höhepunkt der Inflation, entsprachen 10 Milliarden Mark Notgeld 1 Pfennig in Goldmark.

1933 bis 1945[Bearbeiten]

Bereits am 5. Mai 1933, kurz nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, erhielten er und Gauleiter Fritz Sauckel das Ehrenbürgerrecht der Stadt. Gleichzeitig wurden einige Straßen und Plätze umbenannt, so erhielt beispielsweise der Marktplatz den Namen Adolf-Hitler-Platz. Es gab jedoch auch widerständiges Verhalten Einzelner, das mit Hochverratsanklagen und Gefängnishaft geahndet wurde. Im Jahre 1933 wurde am Buchberg, unterhalb der ehemaligen Gaststätte Zur Wilhelmshöhe, ein Reichsarbeitsdienst-Lager (RAD) errichtet.

Am 26. August 1939 wurden die Reservisten der Wehrmacht wieder einberufen und im RAD am Buchberg einquartiert, um eine Nachschubkompanie aufzustellen. Bereits am 31. August 1939 – einen Tag vor Beginn des Zweiten Weltkrieges – wurde die Kompanie in Bewegung gesetzt, der Abtransport fand mittels Zug Richtung Arnstadt statt. 1940 wurde in Stadtilm erstmals Luftalarm ausgelöst, die alliierten Kräfte warfen ihre Bomben jedoch nur in benachbarten Ortschaften ab. Die 1924 als Ersatz für die im Ersten Weltkrieg demontierten neu gegossenen Glocken der Stadtilmer Stadtkirche wurden 1942 erneut demontiert. Auch sie dienten der Rüstungsindustrie als Rohstoff, nur der kleinsten Glocke blieb dieses Schicksal erspart.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten mehr als 380 „Ostarbeiter“ sowie Kriegsgefangene und Militärinternierte Zwangsarbeit leisten: in der Schuhfabrik Paul Hoffmann & Co. und in der Rheinmetall-Borsig AG. Auf dem Friedhof sind 15 unbekannte Häftlinge begraben, auch zwei Opfer eines Todesmarsches. Vier Tote sind auf dem Friedhof Oberilm bestattet.[2]

Im April 1945 wurde Thüringen Stück für Stück durch die US-amerikanischen Streitkräfte erobert. Um den 4. April befanden sich die Truppen bereits kurz vor Gotha. Häftlinge des KZ Buchenwald, welche zuvor Arbeiter im Lager S III (Jonastal) waren, wurden während eines Todesmarsches ab dem 6. April 1945 gruppenweise durch die Stadt geführt. Heute erinnert ein Denkmal in der Maxim-Gorki-Straße an die Opfer dieses Marsches.

Bereits im August 1943 richtete die Forschungsgruppe um Kurt Diebner ein Kernforschungslabor in den Kellergewölben der damaligen Mittelschule ein. Dort wurden Experimente zur Urankernspaltung und Brennversuche mit Uran und Deuteriumoxide durchgeführt. Dieses Labor bestand bis Anfang April 1945, als Diebner angesichts der nahenden Alliierten mit seinen Forschungsergebnissen Richtung Bayern flüchtete.

Um den Vormarsch der US-Amerikaner aufzuhalten, wurde versucht, strategische Verkehrswege unpassierbar zu machen. Nachdem bereits die Mühlgrabenbrücke komplett und die Oberilmer Brücke teilweise durch Wehrmachtsangehörige zerstört wurden, versuchten diese am 10. April den Viadukt der Bahnstrecke nach Arnstadt ebenfalls zu zerstören. Der erste Sprengversuch mit zwei Zwei-Zentner-Bomben richtete kaum Schaden am Bauwerk an, ein zweiter Sprengversuch durch eine auf dem Viadukt liegende Mine konnte durch Stadtilmer Bürger verhindert werden.

Am 11. April 1945 wurde bei der Detonation einer Fliegerbombe im Kirchgarten die Methfesselschule zerstört, auch die Stadtkirche wurde schwer beschädigt. Die Schule war zuvor Unterkunft für die Nachrichteneinheit 500 der SS.

Am Morgen des 12. April 1945 rückten erste US-amerikanische Truppen in die Stadt ein und trafen dort noch auf Widerstand des Volkssturmes, der jedoch nicht lange standhielt, so dass noch am gleichen Tag die Stadt den Amerikanern übergeben wurde.

1945 bis 1989[Bearbeiten]

Naw stadtilm 1959 page 1.jpg Naw stadtilm 1959 page 2.jpg Naw stadtilm 1959 page 3 and 4.jpg
Aufbau-Karte des NAW 1959 der Stadt Stadtilm

Gemäß den Zonenprotokollen aus dem Jahr 1944 wurde die Stadt am 4. Juli 1945 Teil der Sowjetischen Besatzungszone. Erste Veränderungen der neuen Gesellschaftsordnung wurden bald spürbar: Im September 1945 fand im Rahmen der Bodenreform die Enteignung mehrerer Güter statt, das Land wurde an Landarbeiter sowie an Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten aufgeteilt. Auch die Betriebe wurden enteignet und in Volkseigene Betriebe überführt. Erster Betrieb im gesamten Kreis Arnstadt war die Saline in Oberilm, es folgten das Lederwerk und die Gelatinefabrik. 1949 ging die Sowjetische Besatzungszone in die neu gegründete Deutsche Demokratische Republik über. Bereits in den ersten Jahren ihres Bestehens wurde das Stadtbild entscheidend verändert. Es entstanden bis in die Mitte der 1960er Jahre vor allem im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes Plattenbausiedlungen, eine Schule und mehrere Kindergärten, Industriebetriebe, ein Schwimmbad, ein Landambulatorium, ein Kino und anderes. Bis in die 1980er Jahre wurden die Plattenbaugebiete in Oberilm und zwischen der Straße der Freundschaft (heute Weimarische Straße) und der Baumallee ausgebaut. 1975 wurde ein zweites Schulgebäude eingeweiht.

Die in der ganzen DDR stattgefundenen Demonstrationen am 7. und 8. Oktober 1989 betrafen Stadtilm noch nicht, nur in der Kreisstadt Arnstadt wurde demonstriert. Am 10. Dezember 1989 fand die erste Schweigedemonstration statt, die vom Marktplatz aus durch mehrere Straßen der Innenstadt führte.

1990 bis heute[Bearbeiten]

Nach der Wende fanden am 6. Mai 1990 die ersten freien Kommunalwahlen statt, bei denen die CDU mit zwölf Sitzen und die SPD mit elf Sitzen die höchsten Wahlergebnisse erreichten. 1994 wurden der Landkreis Arnstadt, zu dem Stadtilm bis dahin gehörte, mit dem Landkreis Ilmenau zum Ilm-Kreis zusammengelegt. Das Hohe Kreuz, eine kleine bei Stadtilm gelegene Siedlung, entschied sich im selben Jahr mit 12:10 Stimmen, nicht Stadtilm, sondern der Gemeinde Niederwillingen beizutreten. 1996 schloss sich diese mit anderen Gemeinden zur Gemeinde Ilmtal zusammen.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 49,9 %
 %
40
30
20
10
0
33,4 %
29,3 %
18,5 %
12,5 %
6,3 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
-3,6 %p
+2,0 %p
+3,5 %p
-2,4 %p
+0,5 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c 2004: PDS

Stadtrat[Bearbeiten]

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

CDU SPD FDP[3] LINKE[4] FWG VSB NF DFD
Kommunalwahl 1990 12 Sitze 11 Sitze 2 Sitze 1 Sitz 2 Sitze 1 Sitz 1 Sitz
Kommunalwahl 1994  ?
Kommunalwahl 1999 11 Sitze 6 Sitze 1 Sitz 2 Sitze
Kommunalwahl 2004 7 Sitze 6 Sitze 1 Sitz 3 Sitze 3 Sitze
Kommunalwahl 2009 5 Sitze 5 Sitze 1 Sitz 3 Sitze 2 Sitze

Ausschüsse[Bearbeiten]

Gemäß §§ 18–19 der Geschäftsordnung der Stadt bildet der Stadtrat folgende Ausschüsse:

  • Haupt- und Finanzausschuss, bestehend aus Bürgermeister und sechs Stadtratsmitgliedern,
  • Bau-, Planungs-, Ordnungs- und Umweltausschuss, bestehend aus Bürgermeister, sieben Stadtratsmitgliedern und bis zu sieben sachkundigen Bürgern,
  • Kultur-, Sport-, Jugend-, Sozial-, Senioren- und Gleichstellungsausschuss, bestehend aus Bürgermeister, sieben Stadtratsmitgliedern und bis zu sieben sachkundigen Bürgern.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Amtsantritt Name Partei
01.07.2000 Joachim Günsel SPD
01.07.2012 Lars Petermann parteilos

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau ein zweitürmiges silbernes Gebäude mit offenem Portal und Brückengang zwischen den Türmen; darüber schwebend ein silberner Kamm, überhöht von einem silbernen Spangenhelm.“

Das Wappenbild stellt die doppeltürmige Westfassade der Kirche „St. Marien“ mit der ehemaligen „Höchsten Brücke Thüringens“ (eines der sieben Wunder Stadtilms) dar, die 1899 aus Baustilgründen entfernt wurde. Helm und Kamm sind Zeichen des ehemaligen Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt. Der Untergrund soll an eine aufgespannte Lederhaut erinnern, weil das lederbe- und -verarbeitende Handwerk in Stadtilm früher eine bedeutende Rolle spielte. Das vorherige Wappen wurde mit dieser Schildform verändert.[5]

Flagge[Bearbeiten]

Die Stadtfahne besteht aus zwei gleich breiten Streifen in Blau und Weiß, mittig aufgesetzt ist das oben beschriebene Stadtwappen. Allgemein werden diese Fahnen auch ohne Wappen verwendet. Das Blau der Fahne geht auf die Tuchmacherzunft zurück und wurde so zur Stadtfarbe.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Entwicklung der Wirtschaft[Bearbeiten]

Mit der kleinstädtischen Prägung hatte das Handwerk, woraus auch einige Fabriken hervorgingen, immer eine bedeutende Stellung inne. Es waren diverse, heute "ausgestorbene", Handwerksbetriebe ansässig (Gerber, Buchbinder, Seiler, Hutmacher, Bürstenmacher, Sattler, Korbmacher, Böttcher, Seifensieder usw.). Des Weiteren wurden auch Landwirtschaft, Handel (eine Vielzahl kleiner Geschäfte) und etliche Gastwirtschaften betrieben, mit heutiger Begrifflichkeit würde man häufig von Nebenerwerb sprechen. Über Jahrhunderte war die Schafzucht von besonderer Bedeutung, die Beschreibung der Aufführung eines Schäfertanzes ist überliefert.

Tuchmacher[Bearbeiten]

Bereits 1542 wird die Tuchmacherzunft als älteste Zunft der Stadt gegründet und zählt damit zusammen mit den später hinzukommenden Ledergerbern zu den traditionellen Arbeitgebern der Stadt, was sich auch, wie oben beschrieben, im Stadtwappen widerspiegelt. Aus den Festen und Umzügen der Zunft hat sich die Karneval-Tradition entwickelt.

Salzabbau[Bearbeiten]

Als man Ende des 19. Jahrhunderts vermehrt nach Kohlevorkommen suchte, fand man in der Nähe des heutigen Ortsteils Oberilm ein ca. 80 Meter starkes Steinsalzvorkommen. 1903 wurde hier die Saline Oberilm errichtet, so dass ab 1905 die Produktion aufgenommen werden konnte. Als VEB Saline Oberilm gehörte diese zum Kombinat Kali. Die Produktion wurde 1998 eingestellt. Neben der Saline Luisenhall in Göttingen gehörte sie zu den letzten Pfannensalinen Deutschlands und Mitteleuropas. Eine Erhaltung als technisches Denkmal wird angestrebt.

Chemie[Bearbeiten]

domal wittol Wasch und Reinigungsmittel GmbH

1889 begann auf dem flussaufwärts an der Ilm gelegenen Gebiet der Morgenleite, welches heute zu Stadtilm gehört, die Produktion von Bleiweiß. 1921 wurde auf dem Gebiet eine große Fabrik für Farben errichtet. 1943 begann die Produktion von Elektroisolationsmaterial, ab 1951 wurde die Produktion erneut umgestellt, das Unternehmen wurde zum Gelatinewerk. Ab 1968 wurden auch Reinigungsmittel hergestellt, so dass die Firma 1973 in VEB domal Stadtilm umbenannt wurde, der einer der größten Hersteller für Reinigungsmittel der DDR war. Von 1993 bis 2012 gehörte die domal wittol Wasch und Reinigungsmittel GmbH zur Kruse KG im sauerländischen Balve. Seit 2012 ist die Firma mit rund 110 Mitarbeitern selbstständig und unabhängig.

Schuhe[Bearbeiten]

In der Stadt nahm die Schuhherstellung einen bedeutenden Platz ein, es gab große Fabriken und etliche kleinere Hersteller:

  • Paul Hoffmann - Ilmia: Der größte Hersteller war die Paul Hoffmann & Co KG, die auch die Marke Ilmia führte. Seit 1898 wurden hier Schuhe gefertigt. Bis 1945 wurden so auch beheizbare Fliegerstiefel für das Militär hergestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg spezialisierte man sich auf Turn- und Fußballschuhe. Diese wurden u. a. auch für Fußballvereine der DDR-Oberliga hergestellt. Die Verstaatlichung des Familienunternehmens erfolgte 1972, später wurde der Betrieb in das Kombinat Germina eingegliedert. Nach dem Ende der DDR wurde das Kombinat Germina aufgelöst. Die Firma wurde nach der Rückübertragung von der Erbengemeinschaft weitergeführt und produzierte bis zum Konkurs 1998 überwiegend Sportschuhe. Lieferungen erfolgten auch an die Bundeswehr.
  • F.C. Ebert KG: Diese Schuhfabrik wurde bereits 1848 gegründet, das Gründungsjahr wurde nach dem Zusammenschluss von Ilmia übernommen. Das Sortiment beinhaltete hauptsächlich Arbeitsschuhe. Das Denkmalobjekt zeittypischer Kombination aus Wohnhaus mit Fabrikgebäude (gegenüber der ehemaligen Post) wurde 2011 abgerissen.
  • Albert Machedanz & Co KG: Die Firma Machedanz wurde 1972 durch den DDR-Staat enteignet. Mit der Eingliederung in Ilmia musste 1977 auch die Eigenständigkeit aufgegeben werden. Bis dahin wurden Herren-, Kinder- und Skischuhe hergestellt.
  • Louis Höring KG: 1849 gegründet, und wie alle anderen privaten Stadtilmer Schuhfabriken, 1972 enteignet. Bis 1977 wurden noch eigenständig Straßenwanderschuhe hergestellt, bei dem Zusammenschluss zu Ilmia wurde der gesamte Maschinenpark verschrottet und die Gebäude an VEB Wohnraumleuchten Stadtilm übertragen.
  • Otto Krähmer: Nach der Enteignung und dem Zusammenschluss mit der Fa. Machedanz wurde der Produktionsstandort aufgegeben.
  • Hilmar Eberhardt
  • Adolf Knauf
  • Voigt: Das Gebäude des Gründungsstandortes (Ecke Weimarische Straße zur Erfurter Straße) wurde im Dezember 2010 und die nachfolgende größere Fabrik in der Weimarische Straße (Denkmalobjekt neben dem Netto-Markt) 2012 abgerissen.

Leder[Bearbeiten]

A.Th. Meißner

Das Unternehmen wurde 1858 gegründet und 1922 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die fast vollständig in Familienbesitz verblieb. Der Schwerpunkt der Produktion lag ursprünglich bei der Roßgerberei. 1945 wurde der Vorstand Herr Meißner von der sowjetischen Besatzungsmacht grundlos in das Speziallager Nr. 2 Buchenwald verbracht und das Unternehmen als eines der ersten enteignet. Die Lederfabrik wurde dann als Volkseigener Betrieb (VEB Lederfabrik Stadtilm) mit der Spezialisierung auf Kalbsleder fortgeführt.

Hugo Toursel KG

Es wurden überwiegend Futterleder und Schweinsspaltleder hergestellt.

Metallverarbeitung[Bearbeiten]

1942 verlegte die Rheinmetall Borsig AG die Produktion von Gelenkwellen nach Stadtilm. Mit Ausnahme einer kurzen Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden seitdem nahezu ununterbrochen Gelenkwellen in Stadtilm produziert. Bis 1989 war der VEB Gelenkwellenwerk Stadtilm mit etwa 2000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Stadt. Heute existiert der Betrieb als GEWES - Gelenkwellenwerk Stadtilm GmbH weiterhin, musste jedoch die Beschäftigtenzahl auf ca. 260 reduzieren.

Spielzeugproduktion[Bearbeiten]

Modelle der in Stadtilm produzierten Nenngröße S im Museum

In Stadtilm wurden Puppen, oft in Heimarbeit, gefertigt (Komplettierung/Bemalung).

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Carl Liebmann Metallwerke gegründet, die sich auf die Fertigung von Spielzeugeisenbahnen konzentrierte. Die Firma stellte Modelle in der seltenen Spur S her, nachdem diese die Fertigung von Modellen der Spur 0, abgegeben hatte. 1951 wurde der Betrieb verstaatlicht und in VEB Metallwarenfabrik Stadtilm umbenannt. Die Produktion von Spielzeugeisenbahnen wurde 1964 aufgegeben.

Zum Produktionsumfang gehörten auch mechanisches Spielzeug zum Aufziehen, wie z. B. Vögel, Frösche und Dampfwalzen.

Orgelbau[Bearbeiten]

Eine lange Tradition hat in Stadtilm auch der Orgelbau. Die ältesten Belege für den Stadtilmer Orgelbau reichen bis 1625 zurück. Aus diesem Jahr stammte eine Orgel, die sich 1885 noch in der Cruciskirche in Sondershausen befand. Heute existiert immer noch ein kleiner Familienbetrieb, der sich vor allem auf die Restaurierung und den Neubau von Orgeln spezialisiert hat (siehe Schönefeld (Orgelbau)).

Sonstige[Bearbeiten]

  • Stadtilmer Porzellanfabrik KG
  • Seeger & Co KG, Lampenfabrik Seeger Leuchten
  • Kleinstanzteile
  • Holzindustrie (Gartenmöbel, Weißlackmöbel, Vogelkäfige)
  • OKOLI-Gesellschaft Rudolf Römer & Co (Foto-Reproduktionsapparate)
  • Ziegelei
  • Weinkellerei Otto Sohn
  • Brauerei Brömel

Unternehmen heute[Bearbeiten]

Wie in der gesamten ehemaligen DDR vollzog sich auch in Stadtilm ab 1990 ein großer wirtschaftlicher Wandel. Die Volkseigenen Betriebe wurden zum großen Teil privatisiert, mussten jedoch einen starken Stellenabbau hinnehmen. Nicht allen Firmen gelang eine Anpassung an die neuen Marktanforderungen, besonders betrifft dies die ehemals mit ortsprägende Schuh- und Lederfabrikation. Heute sind vor allem kleine und mittlere Unternehmen in der Stadt ansässig. Die Metallbearbeitung gehört dabei zu den am stärksten vertretenen Branchen. Aufgrund der geografischen Lage ist Stadtilm jedoch auch eine Pendlerstadt für Bewohner, die in Erfurt, Weimar oder Ilmenau arbeiten.

Schulen[Bearbeiten]

Gedenktafel an Fröbels Wohnhaus

Belege über die Existenz von Schulen in Stadtilm reichen bis ins Jahr 1286 zurück. Aus dieser Zeit existiert ein Nachweis über eine Knabenschule im Ort. Ein Schulunterricht für Mädchen wurde vermutlich erst im 16. Jahrhundert eingeführt. Der Standort der damaligen Schulen ist nicht bekannt. Nachdem während des Stadtbrandes 1780 die beiden damals bestehenden Schulen den Flammen zum Opfer gefallen waren, wurde die sogenannte Neue Schule gebaut und 1783 eingeweiht. Zudem gab es ein weiteres Klassenzimmer in der Annastraße (heute Fröbelstraße). 1835 wurde dieses Gebäude umgebaut, so dass der Umfang des dort gehaltenen Unterrichts erweitert werden konnte. 1876 wurde in der Schloßgasse (heute „Straße der Einheit“) ein weiteres Schulgebäude eröffnet. Durch seine markante Bauweise aus Backsteinen erhielt sie schnell den Namen Rote Schule. Parallel existierten seit 1887 einige Privatschulen in Stadtilm, die nur einige wenige Schüler unterrichteten. Sie wurden aber um 1922/23 verboten und den staatlichen Schulen angegliedert.

Friedrich Fröbel, der von 1792 bis 1796 ebenfalls in Stadtilm die Schule besuchte, gründete am 13. November 1816 im benachbarten Griesheim die erste Allgemeine deutsche Erziehungsanstalt, welche jedoch schon ein Jahr später nach Keilhau verlegt wurde. Hier fand er die Grundlagen für seine Schriften zur Erziehung, die später zur Gründung des ersten Kindergartens in Bad Blankenburg führten.

1929 erhielt die Neue Schule den Namen Albert Methfessel. In diesem Jahr wurden in Stadtilmer Schulen 491 Schüler und Schülerinnen in 12 Klassen von 10 Lehrern unterrichtet. In den Jahren 1938 und 1939 wurde eine ehemalige Mälzerei hinter dem Rathaus zur Schule umgebaut und bekam den Namen Mittelschule. In den Kellerräumen dieses Gebäudes befand sich ab 1944 Kurt Diebners Labor, in dem er Arbeiten für das Uranprojekt und damit für eine mögliche deutsche Atombombe durchführte. In den letzten Tagen des Krieges − am 11. April 1945 − traf eine Fliegerbombe die Methfessel-Schule und zerstörte das gesamte Gebäude.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zunächst in den verbliebenen Schulgebäuden weiter unterrichtet, jedoch bestand dringender Bedarf für einen Ersatz der zerstörten Methfesselschule. 1948 begann der Bau des neuen Schulgebäudes, welches 1950 unter dem Namen Wilhelm-Pieck-Schule eröffnet wurde. Ein zweites Schulgebäude in der Nähe der Wilhelm-Pieck-Schule wurde Ende der 1960er Jahre gebaut und 1970 eingeweiht, die dort ansässige Schule trug bis 1990 den Namen Otto-Grotewohl-Schule. Der Schulkomplex um die beiden Schulen wurde 1972 um ein Schulspeisungszentrum und 1976 um eine Sporthalle ergänzt.

In den Jahren 2005 und 2006 wurden die beiden Schulgebäude grundlegend saniert und erweitert und im Jahre 2006 infolge des Zusammenschlusses von mehreren regionalen Schulen zur Staatlichen Regelschule Stadtilm ausgebaut. Eine Sanierung der Sporthalle ist ab dem Jahr 2012 geplant.

Verkehr[Bearbeiten]

Stadtilm liegt im Ilmtal, in dem auch die B 87 (Ilmenau - Weimar) entlangführt. Landstraßen verbinden die Stadt mit Erfurt, Arnstadt, Rudolstadt und Niederwillingen.

Seit 1894 besitzt Stadtilm einen Bahnanschluss nach Arnstadt. 1895 wurde die Strecke Arnstadt–Stadtilm bis Saalfeld verlängert. Die Bahnstrecke Arnstadt–Saalfeld überbrückt das Ilmtal in Stadtilm mit einem großen Viadukt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Rathaus[Bearbeiten]

Rathaus

Das heutige Rathaus hat eine lange und abwechslungsreiche Geschichte hinter sich. Erste Bauten, von denen heute nur noch Teile vorhanden sind, entstanden, als der Käfernburger Graf Günther VII. 1275 das Zisterzienserkloster Saalfeld nach Stadtilm verlegte. 1287 wurde das Kloster der heiligen Maria, dem Nikolaus und Benedikt geweiht, erste Äbtissin wurde Irmengard, eine Tochter Günther VII.

Das Kloster bestand rund 250 Jahre. Infolge der Reformation wurde Stadtilm 1533 evangelisch, das Kloster wurde aufgelöst und ging an die Schwarzburger Grafen, war jedoch zunächst aufgrund von Besitzstreitigkeiten nur ein Kammergut, so dass große Teile verfielen. Erst mit dem Stadtilmer Vertrag von 1599 waren die Streitigkeiten um das ehemalige Kloster beigelegt. Es dauerte aber noch bis 1628, bis die Söhne des Grafen Albrecht VII. das dann schon unbewohnbare Gebäude zum Schloss umbauen ließen.

Beim großen Stadtbrand von 1780 wurde auch das Schloss in Mitleidenschaft gezogen, aber recht bald wieder aufgebaut. 1865 wurde die Freiwillige Feuerwehr der Stadt gegründet; sie hatte ihren ersten Einsatz bei einem weiteren Brand im Schloss, der sich diesmal jedoch nur auf die Stallungen ausweitete. Am 13. Oktober (nach anderen Quellen am 16. Oktober) 1897 zerstörte jedoch ein Großbrand einen großen Teil des Stadtilmer Schlosses. Die Ruine wurde von den Gebrüder Müller aus Vieselbach erworben und zum „Schloßgasthof“ umgebaut. Dieser wurde 1918 von der Stadtverwaltung gekauft und bis 1920 zum Rathaus umgebaut. Dabei wurde ein Ratskeller eingerichtet, und auch die Sparkasse bezog die Räumlichkeiten des ehemaligen Gasthofes. Seitdem ist das ehemalige Kloster Sitz der Stadtverwaltung. Außergewöhnlich und in Thüringen einmalig ist die Lage des Rathauses direkt an einer Straße – jeder andere vergleichbar große oder größere Ort in Thüringen besitzt ein Rathaus an einem Markt- oder Rathausplatz.

Im Rathaus befindet sich heute auch das Heimatmuseum der Stadt, welches eine Vielzahl von Exponaten zur Geschichte Stadtilms und der Umgebung zu bieten hat. Weiterhin ist hier sehenswert die sogenannte Krypta, der wohl älteste Teil des Gebäudes, ein Raum unter der Nonnenempore der Klosterkirche. Unter dem Heimatmuseum befindet sich eine mittelalterliche Steinofen-Luftheizung.

Viadukt[Bearbeiten]

Viadukt Stadtilm, Blick aus Richtung Bahnhof (um 1960)
Der Viadukt im Jahr 2006

Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich die Eisenbahn in Deutschland als wichtiges Verkehrsmittel durch. Mit der Bahnstrecke ArnstadtSaalfeld sollte auch Stadtilm an das Bahnnetz angeschlossen werden und einen eigenen Bahnhof erhalten. Dazu war es nötig, das Tal der Ilm zu überbrücken. Man entschloss sich zum Bau eines Viaduktes östlich der Stadt in Richtung des damals noch nicht eingemeindeten Oberilm. Der Bau des 202 Meter langen und fast sieben Metern breiten Bauwerks begann mit der Grundsteinlegung am 3. Dezember 1891 und dauerte genau 427 Tage bis zum 28. Juni 1893. Zuvor war bereits eine Holzbrücke gebaut worden, die während des Baus zum Erdtransport genutzt wurde. Der erste fahrplanmäßige Zug fuhr erst fast ein Jahr später am 18. Juni 1894 über die neue Brücke. Der Aufschwung der Stadt, den man sich durch die Bahnstrecke erhoffte, blieb jedoch aus. Man schob dies unter anderem darauf, dass der Bahnhof der Stadt sich nicht im Stadtgebiet befand, sondern nach Oberilm gelegt wurde.

Heute wird die Bahnstrecke hauptsächlich für den Personenverkehr genutzt, die einzige Strecke, die über den Viadukt führt ist die Regionalverbindung zwischen den ICE-Bahnhöfen Erfurt und Saalfeld/Saale.

Stadtkirche „St. Marien“[Bearbeiten]

Der Bau der Stadtkirche St. Marien begann in der Mitte des 12. Jahrhunderts mit der Errichtung der beiden Türme. Bemerkenswert sind dabei die Fresken im Turmgewölbe aus dem Jahr 1235. Während des großen Stadtbrandes 1780 wurde auch die Kirche stark beschädigt. Die Instandsetzung dauerte bis 1789. Dabei wurde der Innenraum barock gestaltet. Ein Teil der barocken Form wurde 1900 bei einer Sanierung zurückgebaut, ebenso die bis dahin vorhandene Brücke zwischen beiden Türmen, die aber stilisiert noch im Stadtwappen zu sehen ist. Glocken und ein Teil der Orgelpfeifen mussten während der beiden Weltkriege zu Rüstungszwecken abgegeben werden. Seither ist die Orgel nicht mehr komplett.[6]

Die sieben Wunder Stadtilms[Bearbeiten]

Tür im Zinsboden
Zinsboden
Stadtmauer nahe dem Zinsboden
Wohnhaus

Als (nicht unbedingt ernst gemeinte) Anlehnung an die Sieben Weltwunder, bezeichnet sich Stadtilm seit dem Mittelalter oft als „Stadt der sieben Wunder“. Diese sieben Wunder Stadtilms sind:

  • Die Höchste Brücke Thüringens: Zwischen den Türmen der Stadtkirche befand sich bis zu Renovierungsarbeiten in den Jahren 1899 bis 1903 ein hölzerner Übergang, welcher sich in einer Höhe von 398 m ü. NN befand. In der Abbildung der Kirche auf dem Stadtwappen ist der Übergang noch heute zu sehen.
  • Die sogenannte Krypta im heutigen Rathaus ist keine eigentliche Krypta, sondern wahrscheinlich das ehemalige Refektorium (Speisesaal) aus der Zeit, in der das Gebäude als Kloster genutzt wurde. Er ist der letzte erhalten gebliebene Raum dieser Epoche des heutigen Rathauses. Zuletzt befand sich in den Räumlichkeiten der Krypta die Gaststätte Ratskeller.
  • Gleich hinter dem Rathaus befindet sich ein weiteres „Wunder“: der größte Zinsboden Thüringens, welcher als Speichergebäude des Zisterzienser-Klosters gebaut wurde. Um 1350 wurde das Gebäude als Vorratslager für die Naturalabgaben umgebaut. Aus dieser Zeit stammt wohl auch die Bezeichnung „größter Schweinestall Thüringens“, da oft kurzzeitig die abzuliefernden Zinsschweine in dem Gebäude untergebracht worden waren. Ab 1890 bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg dienten Teile des Zinsbodens als Stadtgefängnis. Danach bis 1989 wurde hier Getreide eingelagert, sodann erfolgte eine bauliche Sicherung, die bis heute noch anhält (2010).
  • Die Stadtmauer, von der noch große Teile erhalten sind, wird ebenfalls zu den Wundern der Stadt gezählt. Als unregelmäßiges Fünfeck umspannte sie mit etwa 1560 Metern Länge eine Fläche von zirka 350 x 500 Metern in einer Höhe von mindestens vier bis zu sechs Metern. Zirka 35 Halbtürme, mehrere Türme und vier Tore waren Teil der Befestigungsanlagen. Auf der durchschnittlich 1,70 m breiten Mauer befand sich ein 80 cm breiter Wehrgang für die Wachen, welcher durch eine in etwa 70 cm hohe Wehrmauer abgeschlossen war. 1991 bis 1993 wurde ein Teil der Stadtmauer, der beim Abriss eines Hauses gefunden wurde, rekonstruiert und ist jetzt Blickfang nicht nur für die Autofahrer, die auf der B 87 durch den Ort fahren.
Obelisk auf dem Markt
  • Mit einer Fläche von 10.170 m² ist der Stadtilmer Marktplatz der größte Marktplatz Thüringens. Die längste Ausdehnung beträgt 204 Meter. Erst 1834 wurde der Marktplatz gepflastert, zuvor war der Platz unbefestigt, so dass sich bei Regen oft große Pfützen bildeten. Der auf dem Marktplatz stehende Obelisk ist ein Denkmal, welches die Bürger der Stadt 1885 als Erinnerung an den Liedermacher und Sohn der Stadt Albert Methfessel errichtet haben.
  • Eine historische Hochwassermarke in Form einer Ente („Höchstschwimmende Ente Stadtilms“), welche den höchsten Wasserstand der Thüringer Sintflut vom 29. Mai 1613 anzeigte, ist ein weiteres der Stadtilmer Wunder. Da das Gebäude, an dem sich die Ente befand, abgerissen wurde, bekam die Ente ab 1908 (andere Quellen 1909) einen neuen Platz am Bärenwirtshaus gegenüber. Dort zeigte sie aber noch immer die ursprüngliche Höhe an. Als auch dieses Gebäude 1968 abgerissen wurde, war die Ente nur noch im Stadtilmer Heimatmuseum zu besichtigen.
  • Ebenfalls nicht mehr existent ist die Klosterlinde: Im ehemaligen Klosterhof stand eine über 500 Jahre alte Linde mit acht Metern Stammumfang. Von einigen Optimisten wurde sie weit älter geschätzt, so feierte man 1914 ihr 800-jähriges Bestehen. Dies hätte bedeutet, dass sie 1114, zusammen mit der (damals vermuteten) erstmaligen urkundlichen Erwähnung gepflanzt worden wäre. Im Jahre 1913 wurde die alte Linde mit Drahtseilen umschlungen, zementiert und geteert, um sie vor dem Verfall zu schützen, jedoch musste sie 1938 aus Altersgründen endgültig gefällt werden.

Tourismus[Bearbeiten]

Stadtilm liegt am 124 km langen Ilmtal-Radweg sowie an der Thüringer Porzellanstraße.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Hieronymus Deubener († 1587), evangelischer Theologe[7], wahrscheinlich in Stadtilm geboren
  • Johann Nicolai (1665–1708), Historiker, Evangelischer Theologe[8], in Stadtilm geboren
  • Friedrich Fröbel (1782–1852), Pädagoge, wuchs nach 1792 in Stadtilm auf
  • Albert Methfessel (1785–1869), Komponist und Dirigent, in Stadtilm geboren
  • Johann Karl Christoph Vogel (1795–1862), Theologe, Pädagoge und Schuldirektor, in Stadtilm geboren
  • Berthold Sigismund (1819–1864), Arzt, Pädagoge, Schriftsteller, Dichter und Politiker, in Stadtilm geboren
  • Wilhelm Nöller (1890–1964), Pathologe und Parasitologe, betrieb nach seiner Zwangsemeritierung als Professor der Tierärztliche Hochschule in Berlin 1933 eine Tierarztpraxis in Stadtilm und verhinderte 1945 die Bahndammsprengung in Stadtilm

Literatur[Bearbeiten]

  • Stadtverwaltung Stadtilm (Hrsg.): 725 Jahre Stadtilm – Programmheft der Festwoche, Stadtilm 1993
  • Ralf Heunemann: Stadtilm in alten Ansichten, Europäische Bibliothek, Zaltbommel/Niederlande 1992. ISBN 90-288-5451-7
  • Rat der Stadt Stadtilm, Bereich Innere Angelegenheiten und Freiwillige Feuerwehr Stadtilm (Hrsg.): Festschrift 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Stadtilm, Stadtilm 1990
  • Stadtverwaltung Stadtilm (Hrsg.): 700 Jahre Stadtilm – Festschrift anlässlich der 700-Jahr-Feier, Stadtilm 1968
  • Rat der Stadt Stadtilm (Hrsg.): Stadtilm in Thüringen, Stadtilm 1958
  • Festschrift zum Stadtilmer Heimatfeste vom 1. bis 3. Juli 1911, Stadtilm 1911

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 148f., ISBN 3-88864-343-0
  3. 1990 als Bund Freier Demokraten, später mit der FDP zusammengeschlossen.
  4. bis 2007: PDS
  5. Neues Thüringer Wappenbuch Band 2 Seite 17; Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Thüringen e.V. 1998 ISBN 3-9804487-2-X
  6. Manuel Löffelholz (Redaktion): Kirchen in Thüringens Mitte. Der Norden. Rhino Verlag, Ilmenau 2011, ISBN 978-3-939399-31-5, S. 106.
  7. Bernhard Anemüller: Deubener, Hieronymus. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 5, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 88.
  8. Richard Hoche: Nicolai, Johann. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 23, Duncker & Humblot, Leipzig 1886, S. 593.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stadtilm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Stadtilm – Reiseführer