Neum-Korridor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Artikel Neum-Korridor, Neum, Internationale Konflikte der Nachfolgestaaten Jugoslawiens und Autocesta A1 überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. Singsangsung Los, frag mich! 00:44, 6. Okt. 2016 (CEST)
Lage des Neum-Korridors

Der Neum-Korridor oder Korridor von Neum ist ein an der schmalsten Stelle 5 km breiter Gebietsstreifen, der zu Bosnien und Herzegowina gehört und das kroatische Staatsgebiet auf dem Festland (Gespanschaft Dubrovnik-Neretva) in zwei Teile trennt. Die Küste des Korridors am Adriatischen Meer, mit der Ortschaft Neum, ist für Bosnien und Herzegowina der einzige direkte Zugang zum Meer.

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Spätmittelalter war die Gegend um Neum Zankapfel zwischen der Republik Venedig und der Republik Ragusa. Mit dem Frieden von Karlowitz im Jahre 1699 wurde der Landstreifen Teil des Osmanischen Reichs, unter anderem weil die Republik Ragusa eine weitere Stärkung Venedigs in der Region verhindern wollte und zu diesem Zweck den Osmanen als Puffer zum venetianischen Dalmatien einen Landstreifen im Nordwesten des ragusischen Herrschaftsbereiches überließ.[1] Die Osmanen erhielten hierdurch erstmals einen Meereszugang zur Adria. Der Landstreifen wurde in der Folge Teil der Herzegowina. In gleicher Weise wurde ein weiter südlich gelegener Landstreifen bei Sutorina, heute in Montenegro gelegen, Teil des Osmanischen Reiches.

Situation für Kroatien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Problematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersichtskarte des Neum-Korridors

Durch die Lage des Neum-Korridors entsteht für Kroatien das Problem, dass der innerkroatische Straßenverkehr auf der D8 (Jadranska Magistrala) zwischen Ploče und Dubrovnik bosnisch-herzegowinisches Staatsgebiet durchqueren muss. Für die geplante Autocesta A1 entlang der Küste nach Dubrovnik ergibt sich sowohl das Problem der Grenzkontrollen als auch der genauen Streckenführung.

Drastisch verschärft wurde die Situation durch den Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union zum 1. Juli 2013. Die Grenze zum Neum-Korridor wurde dadurch zur EU-Außengrenze, an der entsprechende Personen- und Zollkontrollen durchgeführt werden müssen. Damit wurde der Transitverkehr durch den Neum-Korridor deutlich komplizierter. Das kroatische Außenministerium gibt an, dass EU-Bürger den Korridor mit Lichtbildausweis und zollfreien persönlichen Gegenständen passieren können. Bürger von Drittstaaten müssen sich hingegen einer Grenzkontrolle unterziehen, zudem kann der Korridor nicht mit einem einmaligen Einreisevisum durchquert werden. Alle Autobesitzer müssen eine für Bosnien gültige Autoversicherung besitzen.[2]

Der geplante Beitritt zum Schengener Abkommen würde diese Situation noch weiter verschärfen.

Lösungsmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um dieses Problem zu lösen, begann Kroatien am 24. Oktober 2007 den Bau der Pelješac-Brücke, die eine Verbindung zur gleichnamigen Halbinsel Pelješac unter Umgehung des Neum-Korridors ermöglichen würde. Aus finanziellen Gründen wurde der Bau im Jahr 2010 jedoch gestoppt. Am 17. Mai 2012 wurden dann die Verträge zum Bau der Brücke durch den kroatischen Staat gekündigt; das Projekt ist also vorerst auf Eis gelegt.[3] Erneut in Erwägung gezogen wurde diese (oder eine kostengünstigere) Brücke im Juli 2012 im Hinblick auf eine Teilfinanzierung durch die EU.[4][5]

Statt der Brücke strebt Kroatien nun den Bau einer Transit-Autobahn ohne Grenzkontrollen und Einreisemöglichkeit nach Bosnien und Herzegowina durch den Neum-Korridor an. Die Autocesta A1, die aktuell bis Ploče führt, soll in Zukunft auf dem Weg nach Dubrovnik den Neum-Korridor durchqueren. Da der Bau der Autobahn nicht bis zum EU-Beitritt realisiert werden konnte, wurden eine Fähr- und eine Katamaranverbindung eingerichtet.[2]

Situation für Bosnien und Herzegowina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn der Neum-Korridor eine direkte Verbindung zum bosnisch-herzegowinischen Mutterland besitzt und keine Exklave ist, bringt die Lage auch für Bosnien und Herzegowina Nachteile mit sich. So ist die Magistralstraße M17.3 die einzige Straßenverbindung zum restlichen Land. Diese schmale und schlecht ausgebaute Straße führt auf einer kurvigen Strecke über die Berge zur M6 nach Stolac. Aufgrund der schlechten Straßenanbindung wird der Verkehr von und nach Neum überwiegend über Kroatien abgewickelt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Petter: Dalmatien in seinen verschiedenen Beziehungen dargestellt. Justus Perthes, Gotha 1857. Bd. 2, S. 170.
  2. a b Paul Bradbury: How to Get from Dubrovnik to Split: The 2015 Guide vom 17. Januar 2014 auf croatia-split.com – Abgerufen am 3. Juni 2015
  3. Gov’t terminates contract on construction of Peljesac bridge. Auf: daily.tportal.hr, 17. Mai 2012
  4. http://www.mppi.hr/UserDocsImages/a-w%20intw%20min%20SHDoncic-Globus%2018.7_12.pdf
  5. http://vijesti.korcula.net/2012091536-EU+-C4-87e+financirati+gradnju+Pelje-C5-A1kog+mosta-21.html

Koordinaten: 42° 56′ 2,4″ N, 17° 39′ 39,6″ O