Neum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt den Ort Neum in Bosnien-Herzegowina. Für die NEUM abgekürzte südafrikanische Organisation siehe Non European Unity Movement.
Neum
Неум

Wappen von Neum

Neum (Bosnien und Herzegowina)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Bosnien und Herzegowina
Entität: Föderation BiH
Kanton: Herzegowina-Neretva
Koordinaten: 42° 56′ N, 17° 37′ OKoordinaten: 42° 55′ 34″ N, 17° 37′ 0″ O
Höhe:
Fläche: 225 km²
Einwohner: 4.960 (2013)
Bevölkerungsdichte: 22 Einwohner je km²
Struktur und Verwaltung (Stand: 2016)
Bürgermeister: Živko Matuško (HDZ BiH)
Webpräsenz:
Sokolac Rogatica Rudo Višegrad Pale Foča Gacko Kalinovik Nevesinje Bileća Trebinje Ravno Ljubinje Konjic Istočni Mostar Berkovići Neum Mostar Stolac Čapljina Čajniče Goražde Pale-Prača Ustiprača Foča-Ustikolina Srebrenica Bratunac Milići Han Pijesak Zvornik Bijeljina Brčko Ugljevik Lopare Vlasenica Šekovići Osmaci Olovo Ilijaš Hadžići Ilidža Trnovo Istočni Stari Grad Istočna Ilidža Vogošća Sarajevo-Stari Grad Sarajevo-Centar Sarajevo-Novi Grad Istočno Novo Sarajevo Novo Sarajevo Visoko Glamoč Livno Bosansko Grahovo Kupres Kupres (RS) Šipovo Jajce Donji Vakuf Bugojno Gornji Vakuf Prozor-Rama Jablanica Tomislavgrad Posušje Grude Široki Brijeg Ljubuški Čitluk Fojnica Kreševo Kiseljak Busovača Novi Travnik Travnik Zenica Vitez Kakanj Vareš Breza Kladanj Živinice Kalesija Sapna Teočak Tuzla Lukavac Čelić Srebrenik Banovići Zavidovići Žepče Maglaj Tešanj Usora Dobretići Gradačac Gračanica Doboj Istok Velika Kladuša Cazin Bužim Bosanska Krupa Bihać Bosanski Petrovac Drvar Sanski Most Ključ Petrovac (RS) Istočni Drvar Ribnik Mrkonjić Grad Jezero Kneževo Kotor Varoš Teslić Banja Luka Oštra Luka Krupa na Uni Prijedor Novi Grad Kostajnica Kozarska Dubica Gradiška Srbac Laktaši Čelinac Prnjavor Derventa Doboj Stanari Modriča Brod Pelagićevo Donji Žabar Orašje Domaljevac-Šamac Šamac Odžak VukosavljeLage der Gemeinde Neum in Bosnien und Herzegowina (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Karte der Region
Die zu Kroatien gehörende Halbinsel Pelješac und die Bucht von Neum
Bucht bei Neum: Zu sehen ist rechts die Halbinsel, links das Festland

Neum (serbisch-kyrillisch Неум, [ˈnɛum]) ist ein Ort und die zugehörige Gemeinde mit knapp 5.000 Einwohnern im Süden von Bosnien und Herzegowina. Der Neum-Korridor bildet den einzigen Zugang des Landes zum Meer.

Geographie und Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neum liegt an der Adria in einer kleinen, von der Halbinsel Pelješac geschützten Bucht. Der Ort hat die höchste durchschnittliche Jahrestemperatur in ganz Bosnien und Herzegowina. Er liegt in einer an ihrer schmalsten Stelle fünf Kilometer breiten Landzunge, die den südlichsten Teil Kroatiens (den um Dubrovnik und bis zur Grenze nach Montenegro) vom übrigen Kroatien trennt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politisch gehört die Gemeinde zum Kanton Herzegowina-Neretva der Föderation Bosnien und Herzegowina. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung stellen die Kroaten. Laut der Volkszählung von 1991 lebten in der Gemeinde Neum 4.325 Einwohner. Davon bezeichneten sich 90 % als Kroaten, 4,3 % als Serben und 3,7 % als Bosniaken; 2 % der Bevölkerung wurden unter „Andere“ aufgelistet.[1] Zur Volkszählung 2013 war die Einwohnerzahl auf 4.960 angestiegen.

Neben dem Hauptort Neum gehören zur Gemeinde noch die Orte Babin Do, Banja, Brestica, Broćanac, Brštanica, Cerovica, Crnoglav, Cerovo, Čukova Greda, Dašanica, Dobri Do, Dobrovo, Dračevica, Donji Drijen, Dubravice, Duži, Grabovice, Glumina, Gornje Hrasno, Gradac, Hotanj, Hutovo, Ilino Polje, Jazine, Kamenice, Kiševo, Kolojanj, Moševiči, Mramor, Nerađe-Podstjene, Opuće, Oskorušnica, Prapratnica, Praovice, Previš, Podkula, Rabrani, Radež, Radetići, Vinine, Vranjevo Selo, Zelenikovac und Žukovice.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gebiet der Gemeinde Neum finden sich etliche Fundorte schon aus vorgeschichtlicher Zeit, allerdings ist die archäologische Forschung in diesem Gebiet noch mangelhaft. Aus der Zeit des mittelalterlichen bosnischen Königreichs findet sich eine große Anzahl an Stećci (Steingräber), vor allem im Hinterland.

Im Spätmittelalter war die Gegend um Neum Zankapfel zwischen der Republik Venedig und der Republik Ragusa. Mit dem Frieden von Karlowitz im Jahre 1699 wurde es Teil des Osmanischen Reichs, unter anderem, weil die Republik Ragusa eine weitere Stärkung Venedigs in der Region verhindern wollte und zu diesem Zweck den Osmanen als Puffer zum venetianischen Dalmatien zwei Landstreifen, unter anderem bei Neum im Nordwesten des ragusischen Herrschaftsbereiches anbot.[2] Die Osmanen erhielten hierdurch erstmals einen Zugang zur Adria.

Zur Zeit Napoléons blieb Neum zwar formell beim Osmanischen Reich, aber die Franzosen bauten eine Straße durch das Gebiet. Auch im Zeitalter der Österreichisch-Ungarischen Monarchie blieb Neum an Bosnien-Herzegowina angeschlossen. Im Jahre 1947 tauschte die damalige jugoslawische Teilrepublik Bosnien und Herzegowina einen kurzen Küstenstreifen bei Sutorina in der Bucht von Kotor mit der benachbarten Teilrepublik Montenegro gegen ein Gebiet in den Bergen aus. Dadurch wurde Neum zum einzigen bosnisch-herzegowinischen Zugang zum Meer. Seit 1992 ist Neum Bestandteil des Staates Bosnien und Herzegowina.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neum hat als einziger Ort in Bosnien und Herzegowina einen Zugang zum Meer. Deshalb hat es auch eine gewisse Bedeutung für den Sommertourismus. In den 1950er Jahren wurden die ersten Unterkünfte für Touristen gebaut, nach dem Bau der Adria-Magistrale 1965 ein Auto-Campingplatz. 1977 wurde das „Hotel Neum“ gebaut. Heute gibt es in Neum sechs Hotels und eine große Zahl von privaten Pensionen. Außer einheimischen Gästen überwiegen, wie auch sonst in kleineren Orten an der mittleren Adria, Touristen aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks, vor allem Polen, Tschechen und Slowaken, zum Teil kommen auch deutsche und österreichische Touristen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der ungewöhnlichen Grenzziehung zwischen Bosnien-Herzegowina und Kroatien resultieren einige verkehrstechnische Herausforderungen.

Neum-Korridor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Pelješac-Brücke

Der Neum-Korridor stellt nach dem EU-Beitritt Kroatiens einen wesentlichen Verkehrsengpass dar. An dieser Stelle wird nicht nur ein Teil des zusammenhängenden kroatischen Territoriums, sondern auch die gemeinsame EU-Außengrenze in einem Abschnitt von weniger als 10 km unterbrochen. Im Rahmen der EU-Beitrittsverhandlungen Kroatiens wurde diese Besonderheit in politikübergreifender Hinsicht behandelt, weshalb im EU-Beitrittsvertrag Kroatiens Ausnahmeregelungen zum Neum-Korridor etwa in sicherheitspolitischer oder zollrechtlicher Hinsicht getroffen wurden (Schengener Abkommen).

Zur Lösung des Problems wurde 2007 mit den Bauarbeiten an der Pelješac-Brücke begonnen, mit der die beiden kroatischen Landesteile verbunden werden und das bosnisch-herzegowinische Staatsgebiet umgangen werden sollte. Nachdem die Bauarbeiten 2012 vorerst eingestellt wurden, sollen sie im Herbst 2017 fortgesetzt werden. Als Fertigstellungstermin für die neue Brücke ist das Jahr 2022 geplant.[3]

Mangelhafte Anbindung ans bosnische Straßennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiteres Problem besteht für Neum darin, dass es über keine ausgebaute Straßenverbindung mit dem Rest des bosnischen Staatsterritoriums verfügt, was vor allem die Absatzmöglichkeiten für Produkte aus Neum innerhalb des Landes einschränkt, da schwere LKWs den existierenden Weg in Richtung Stolac nicht befahren können, die Alternativroute jedoch über EU-Gebiet und damit durch die europäische Zollunion führt. Die Schaffung einer leistungsfähigen Verbindung zwischen Neum und Stolac ist seit den 1980er Jahren geplant, wurde jedoch bisher nicht umgesetzt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daten auf der Website der Stadt Neum (Memento vom 12. März 2008 im Internet Archive)
  2. Franz Petter: Dalmatien in seinen verschiedenen Beziehungen dargestellt. Justus Perthes, Gotha 1857. Bd. 2, S. 170.
  3. Pelješac Bridge to Be Constructed Within 3.5 Years. (total-croatia-news.com [abgerufen am 8. Mai 2017]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien