Nomi Baumgartl

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Nomi Baumgartl (geb. 1950) ist eine deutsche Fotografin. Sie wurde in den achtziger und neunziger Jahren als international gefragte Mode- und Porträtfotografin bekannt. Ein schwerer Autounfall unterbrach ihre Karriere. Seitdem widmete sie ihre Fotokunstprojekte dem Zusammenhang von Mensch, Tier und Natur. Ihre Werke sind in namhaften Sammlungen und Museen vertreten.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nomi Baumgartl verbrachte ihre Kindheit im Landkreis Donau-Ries.[1] Sie wuchs als älteste Schwester von zwei Geschwistern auf, ihr jüngster Bruder ist George Baumgartl.[2] Mit 21 Jahren begann sie zu fotografieren. Ihre erste Arbeit mit dem Titel Gesellschaft 1972, ein Porträt türkischer Migranten in Düsseldorf, reichte sie bei einem Wettbewerb der Photokina in Köln ein und gewann den ersten Preis. Sie studierte Visuelle Kommunikation in Düsseldorf und erlernte die klassische analoge Fotografie. Zu Beginn ihrer Karriere war ihr Schwerpunkt die Reportage. Sie publizierte in Geo, Stern, Time und Life. Zu ihren bekanntesten Fotografien aus dieser Zeit gehören Porträts, darunter von Arthur Rubinstein, Joseph Beuys, Horst Janssen, Andreas Feininger, Jane Goodall und Papst Johannes Paul II. Anfang der 1990er Jahre wurde die Modewelt auf sie aufmerksam. Im Auftrag von internationalen Designern fotografierte sie Modeproduktionen mit Supermodels. Sie galt als Shootingstar der Modefotografie. Vanity Fair, Vogue u. a. veröffentlichten ihre Bilder. In dieser Zeit lebte sie überwiegend in New York.[3]

1996 verlor sie bei einem schweren Autounfall ihr Langzeitgedächtnis und erlitt eine Lähmung der Augenmuskeln. Nach jahrelanger Rehabilitation versuchte sie zu ihrem Leben als Modefotografin zurückzufinden, doch die anstrengenden, großen Studioproduktionen gingen über ihre Kräfte. Eine Delphintherapie bei John Lilly auf Hawaii verbesserte ihren Gesundheitszustand. Das Sehen und Fotografieren musste sie neu lernen „mit Augen, die fortan eher die Tiefe der Dinge erblickten, anstatt nur an den Oberflächen zu verweilen“.[4] Es waren nun auch die Augen von Menschen und Tieren, die sie mit ihrer Kamera in den Fokus nahm, wie 1999 die isolierte Pupille eines wilden Delphins. „In Baumgartls Werk sind sie immer wieder wie Türen – wie Öffnungen in Bereiche, die man früher vielleicht einmal die Seele genannt hat.“ (Ralf Hanselle zur Ausstellung Summertime)[4] Sie konzipierte seitdem eigene, großangelegte Fotokunstprojekte unter dem Motto „Art of Seeing“ (deutsch Kunst des Sehens).

Nomi Baumgartl fotografiert hauptsächlich analog. Digital könne sie die Ergebnisse, die sie haben möchte, noch nicht erreichen. Fotografieren sei für sie Bewusstseinsarbeit, ihre Bilder bezeichnete sie selbst als „realisierte Visionen“, mit denen sie „der Natur mehr Gewicht verleihen“ will. Sie seien eine Hommage an die Schöpfung.[3] „Auch in meinem wieder geschenktem Leben bin ich Photographin. Der große Unterschied aber besteht darin, dass ich ein anderes Bewusstsein für die großen Zusammenhänge des Daseins bekommen habe.“[4]

Sie lebte und arbeitete als freie Fotografin in München und ist heute (2017) in Murnau am Staffelsee ansässig. Werke von Nomi Baumgartl sind unter anderem in der Bibliothèque nationale de France, im Museum Ludwig in Köln und in der Berliner Galerie Camera Work vertreten.[1][5]

Fotokunstprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2000 und 2001 organisierte sie vor den Bahamas Unterwasserproduktionen mit Tatjana Patitz, die mit Delphinen schwamm. Es entstanden „melancholische, der Zeit entrückte“[3] Schwarzweiß-Fotografien, mit denen sie die Organisation Dolphin Aid unterstützte, die behinderten Kindern Delphintherapien ermöglicht.[6] 2003 reiste sie nach Kalifornien, um Chris Gallucci zu fotografieren, einen ehemaligen Biker, der nach einer Lebenskrise seinen Alltag mit einem afrikanischen Elefantenbullen teilte, und beschrieb diese Freundschaft in einem Bildband. Mit diesen Fotos wollte sie ihre Wertschätzung für Menschen und Tiere ausdrücken.[3][7]

Seit 2009 beschäftigt sie sich mit dem Abschmelzen des Eises in der Arktis und in den Alpen. Während einer Reise nach Ostgrönland 2012 begann sie das Licht der Polarnacht mit der Kamera festzuhalten. Sie initiierte das Foto- und Filmprojekt Stella Polaris* Ulloriarsuaq – Das leuchtende Gedächtnis der Erde. Der Polarstern, lateinisch: Stella Polaris, in der Sprache der Inuit Grönlands Ulloriarsuaq, gab dem Projekt den Namen. 2012 und 2013 realisierte sie es gemeinsam mit dem deutschen Fotografen Sven Nieder, dem Berliner Regisseur Yatri N. Niehaus und der grönländischen Fotografin Laali Lyberth, begleitet von dem Inuit Angaangaq Angakkorsuaq als spirituellem Mentor.[1] Durch Langzeitbelichtungen schuf sie Lichtmalereien des schmelzenden Eises. Grönländern, die an dem Projekt teilnahmen, kam dabei eine besondere Rolle als „Lichtbotschafter“ zu. Sie leuchteten in den langen Polarnächten mit Taschenlampen die Motive aus, „die sich auf den Aufnahmen wie strahlende Inseln von der Umgebung abheben“.[8] Die Bilder zeigen die Schönheit des ewigen Eises und dokumentieren zugleich das Verschwinden der Eisberge als Folge des Klimawandels, auf den das Projekt mit ästhetischen Mitteln aufmerksam macht.[8][9] Originalfotografien hängen in der Leica Gallery in Los Angeles,[10] wo 2014 die erste Ausstellung mit 30 großformatigen Bildern stattfand und 2015 in München erneut gezeigt wurde.[11] sowie 2016 im Museum Industriekultur (Nürnberg)[8] und 2017 im Katuaq in Nuuk.[12]

2016 nahm sie ihr Fotokunst- und Alpenschutzprojekt Eagle Wings in Zusammenarbeit mit dem Earth Observation Center und der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf. Die grundlegende Idee des Projekts ist es, einen Bild-Dialog zu inszenieren zwischen dem Blick eines Seeadlers, der mittels einer auf seinem Rücken befestigten, speziellen 360-Grad-Kamera Film- und Fotoaufnahmen von den schwindenden Alpengletschern liefert, sowie den Satellitenaufnahmen aus dem All und Nomi Baumgartls Menschenperspektive auf die Natur.[13]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Das Sternenmädchen. Die Fotografin Nomi Baumgartl. In: BR, 27. Februar 2015.
  2. Biographie – IMDb
  3. a b c d Christina Warta: Visionen der Schöpfung. In: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010.
  4. a b c Ralf Hanselle zur Ausstellung: Nomi Baumgartl. „Summertime“. Galerie Johanna Breede Photokunst, Berlin, 11. Juli bis 22. September 2017. In: Photography Now, 2017.
  5. Nomi Baumgartl. »Summertime«. In: Brennpunkt. Magazin für Fotografie, 2017, Nr. 2, S. 34, (PDF; 9,5 MB).
  6. Tatjana Patitz – die mit dem Delfin tanzt. In: Hamburger Abendblatt, 27. März 2008.
  7. Sabine Tesche: Mein Freund, der Elefant. In: Hamburger Abendblatt, 3. März 2007.
  8. a b c Ausstellung: Stella Polaris * Ulloriarsuaq – Das leuchtende Gedächtnis der Erde. In: Museum Industriekultur in Nürnberg, Museen der Stadt Nürnberg 2016/2017. Text von Simon Schwarzer aus: LFI – Leica Fotografie International, 2016, Nr. 2.
  9. Leuchtendes Eis. In: Bild der Wissenschaft, 22. Mai 2015, mit Bilderstrecke.
  10. Stella Polaris * Ulloriarsuaq. In: Leica Gallery Los Angeles, 2014.
  11. Evelyn Vogel: Sternenkonferenz. In: Süddeutsche Zeitung, 20. April 2015.
  12. Stella Polaris * Ulloriarsuaq – Das leuchtende Gedächtnis der Erde. In: Ice Wisdom, Ausstellung, Nuuk, Grönland, 9. März – 30. März 2017 und Stella Polaris * Ulloriarsuaq. In: Greenland today, 18. September 2017.
  13. Stephanie Geiger: Gletscherschwund in den Alpen. Wenn steigende Temperaturen den Fels freilegen In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Januar 2020.
  14. Rezensionen von Wolfgang Koeppen: Ich?