Norman Tebbit

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Norman Tebbit während einer Rede für die Edinburgh University Politics Society in Teviot. 10. Januar 2008.

Norman Beresford Tebbit, Baron Tebbit, CH, PC (* 29. März 1931 in Enfield) ist ein britischer konservativer Politiker, ehemaliges Mitglied des Unterhauses und des britischen Kabinetts.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tebbit war Journalist der Financial Times, bevor er vier Jahre in der Royal Air Force seinen Wehrdienst leistete. Danach trat er 1953 in die frühere internationale Luftfahrtgesellschaft BOAC als Pilot ein. 1970 wechselte er in die Politik und vertrat seitdem den Wahlkreis Chingford.

Parlamentsabgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tebbit war ein enger Verbündeter von Margaret Thatcher. Er gehörte ihrem Kabinett unter anderem als Arbeitsminister und Minister für Handel und Industrie (Oktober 1983 – September 1985) an. Von 1985 bis 1987 war er Parteivorsitzender der Conservative Party. Bei einem Sprengstoffattentat der IRA in Brighton am 12. Oktober 1984 wurde er schwer verletzt. Seine Frau Margaret erlitt eine Querschnittlähmung und war danach dauerhaft an den Rollstuhl gefesselt.[1] 1987 schied Tebbitt als Minister aus dem Kabinett aus um mehr Zeit für seine Frau zu haben.[2]

1975 wurden sechs Männer (die „Ferrybridge Six“) entlassen wegen der Einführung des closed shop und ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld wurde ihnen verweigert. Der damalige Arbeitsminister Michael Foot sagte, dass jeder, „der es ablehnt, unter den neuen Arbeitsbedingungen zu arbeiten, so betrachtet wird, als ob er seine eigene Kündigung bewirkt hat“. Tebbit beschuldigte Foot daraufhin des puren Faschismus und stellte Foot als einen erbitterten Gegner der Freiheit dar. In einer berühmten Entgegnung bezeichnete Foot daraufhin Tebbit als einen halb stubenreinen Iltis (a semi-house-trained polecat). Als Tebbit später geadelt wurde und als Baron Tebbit einen Sitz im Oberhaus einnahm, musste er sich ein Wappen auswählen. Er wählte als Bestandteil seines Wappens einen Iltis.[3]

Der legendäre Bergarbeiterstreik 1984/85, bei dem die britischen Bergarbeiter unter ihrem Gewerkschaftsboss Arthur Scargill mehr als ein Jahr vergeblich gegen Zechenschließungen streikten, leitete die Wende in der Auseinandersetzung zwischen dem Kabinett Thatcher und den britischen Gewerkschaften ein. Tebbit brach in seiner Amtszeit als Arbeitsminister im Kabinett Thatcher daraufhin mit der Tradition des closed shop, der Gewerkschaftszwangsmitgliedschaft in bestimmten Betrieben, verbot flying pickets, fliegende Posten, die Betriebe behindern konnten, ohne Betriebsangehörige zu sein, und verfügte, dass die Gewerkschaftsmitglieder über Streiks abstimmen und nicht mehr die Gewerkschaftsbosse entscheiden. Streiks dürfen unter Androhung von empfindlichen Bußgeldern fortan nur noch zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Bezahlung, jedoch nicht mehr aus allgemeinpolitischen Gründen geführt werden.

Nach den städtischen Unruhen in Handsworth und Brixton im Sommer 1981 antwortete Tebbit auf die Annahme, die Unruhen beruhten auf der Arbeitslosigkeit: „Ich wuchs in den 1930er Jahren mit einem arbeitslosen Vater auf. Er beteiligte sich nicht an Unruhen. Er nahm sein Fahrrad, um nach Arbeit zu suchen und er suchte so lange, bis er eine fand.[4] Daher rührt ursprünglich der Slogan „get on yer bike“, der Tebbit zugeschrieben wurde.

Er wurde ebenfalls bekannt für den „Cricket test“, der auch als „Tebbit Test“ bekannt wurde, in dem er vorschlug, dass Einwanderer und ihre Nachkommen in Großbritannien nicht als wahre Briten betrachtet werden sollten, bis sie das englische Cricketteam gegen das Team ihres eigenen Herkunftslands unterstützten. Im August 2005, nach den Terroranschlägen am 7. Juli 2005 in London, die von drei jungen Männern pakistanischer und einem Mann jamaikanischer Herkunft ausgeführt wurden, verlangte Tebbit die Rehabilitierung seines Standpunkts.

Während seines Vorsitzes der Conservative Party führte Tebbit 1986 die Kampagne des rechten Flügels gegen eine Sendung der BBC über das amerikanische Bombardement von Tripolis an.

Erhebung in den Adelsstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tebbit entschied sich 1992, bei den Parlamentswahlen nicht als Spitzenkandidat seiner Partei anzutreten, um seiner behinderten Frau mehr Zeit zu widmen. Nach den Wahlen wurde er im selben Jahr zu einem Life Peer als Baron Tebbit, of Chingford im London Borough of Waltham Forest erhoben und gehört seitdem dem House of Lords an. Sein früherer Wahlkreis Chingford wurde mit dem von Woodford Green durch Änderungen der Wahlkreisgrenzen zusammengelegt und von seinem Nachfolger und Protégé Iain Duncan Smith für die Conservative Party gehalten.

Tebbit ist noch immer eine hocheinflussreiche Figur in der Conservative Party als Vertreter des rechten Parteiflügels und Vizepräsident der konservativen Way Forward- Gruppe. Er bleibt ein extremer Euroskeptiker und seine während seiner Karriere erklärten Ansichten zu Rassen und Einwanderung brachten ihm sowohl Unterstützung wie Schande ein – sein Spitzname als Parlamentskandidat war „Chingford Skinhead“.

Er provozierte 2004 erneut heftige Reaktionen mit seinem ausgesprochenen Widerstand gegen die Gesetzesvorhaben der britischen Regierung zur gesetzlichen Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.dailymail.co.uk/femail/article-452812/Lord-Tebbit--Ill-forgive-IRA-bomber.html
  2. Deborah Ross: Norman Tebbit: 'Margaret and I both made the same mistake. We neglected to clone ourselves'. The Independent, 3. Oktober 2009, abgerufen am 13. Dezember 2015 (englisch).
  3. A House full of insults. BBC News, 8. Dezember 2005, abgerufen am 12. Dezember 2014 (englisch).
  4. Im Original: I grew up in the 1930s with an unemployed father. He didn't riot. He got on his bike and looked for work, and he kept looking 'til he found it. Zitiert in: Tom de Castella: Beveridge report: From 'deserving poor' to 'scroungers'? BBC News, 2012-22-26, abgerufen am 12. Dezember 2014 (englisch).