Norröna

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Norröna
Norröna
Norröna
Schiffsdaten
Flagge FaroerFäröer Färöer
Schiffstyp RoPax-Schiff
Rufzeichen OZ2040
Heimathafen Tórshavn
Eigner Smyril Line[1]
Reederei Smyril Line
Bauwerft Flensburger Schiffbau-Gesellschaft, Flensburg
Flender-Werft, Lübeck[1]
Baunummer 694[1]
Baukosten 93,4 Mio. Euro[2]
Kiellegung 7. Januar 2002[1]
Stapellauf 24. August 2002[1]
Übernahme 7. April 2003[1]
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
165,74[3] m (Lüa)
Breite 30,00[3] m
Seitenhöhe 9,00 m
Tiefgang max. 6,30[3] m
Vermessung 35.966 BRZ / 15.922 NRZ[1]
 
Besatzung 20–118
Maschinenanlage
Maschine 4 × Dieselmotor (Caterpillar-MaK 6M43C)[3]
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
21.600 kW (29.368 PS)
Höchst-
geschwindigkeit
21 kn (39 km/h)
Propeller 2 × Verstellpropeller[3]
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 6113 tdw
laufende Spurmeter 1830[2] m
Zugelassene Passagierzahl 1428[3]
PaxKabinen 318
Kojen für Passagiere 1012
Fahrzeugkapazität 800 PKW
Sonstiges
Klassifizierungen DNV GL
Registrier-
nummern
IMO: 9227390[1]

Die Norröna [ˈnɔrøːna] ist eine RoPax-Fähre der färöischen Reederei Smyril Line. Sie verbindet die Färöer mit Häfen in Dänemark und Island. Die früheren Verbindungen zu den Shetlandinseln, nach Schottland und Bergen in Norwegen wurden 2009 eingestellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1995 gab es erste Überlegungen bei Smyril Line, ein neues Schiff anzuschaffen. Mit der Aufnahme des ganzjährigen Fährbetriebs 1998 wurde ein Schiffsneubau beschlossen und am 12. November 1999 ein Vertrag mit der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) unterzeichnet. Gebaut wurde das Schiff unter der Baunummer 694 auf der Flender-Werft in Lübeck.[4] Die Kiellegung erfolgte am 7. Januar 2002, der Stapellauf am 24. August 2002.[1] Die Norröna war das letzte Schiff, das die Flender-Werft ablieferte, bevor sie wegen Insolvenz geschlossen wurde.[5] Die Baukosten betrugen 93,4 Millionen Euro.[3] Der Entwurf des Schiffes stammte vom dänischen Schiffsarchitekturbüro Knud E. Hansen.[6]

Der Neubau wurde am 7. April 2003 an Smyril Line abgeliefert und seine Vorgängerin gleichen Namens wurde in Norröna I umbenannt. Diese wurde im April 2004 an Operation Mobilisation verkauft, nachdem sie im Frühjahr 2004 nach einer Havarie der Norröna noch einmal im Ersatzdienst verkehrte.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schiff wird als Fähr- und Frachtschiff eingesetzt. Anfangs bediente es die Linie Hanstholm – Tórshavn zweimal wöchentlich mit einer Ladekapazität von 13.000 Tonnen Gütern pro Woche. Im Winter kann es von einer Kernbesatzung mit 20 Mann betrieben werden.

Seit dem Winterhalbjahr 2005/06 verkehrt die Norröna ganzjährig bis Seyðisfjörður, wobei Islandreisende von Montagvormittag bis Mittwochabend (die Norröna fuhr in der Zeit nach Bergen und Scrabster) einen Zwischenstopp auf den Färöern einlegen mussten. Der früher im Sommerhalbjahr angelaufene Hafen Lerwick wurde nicht mehr bedient, dafür lief das Schiff seit dem Sommer 2007 den im äußersten Norden Schottlands gelegenen Hafen Scrabster an.

Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten der Reederei im Herbst 2008, die nur durch eine finanzielle Zuwendung der färöischen Regierung abgewendet werden konnten, galt ab Januar 2009 ein geänderter Fahrplan. Scrabster und Bergen werden seitdem nicht mehr angefahren. In den Wintermonaten fuhr die Norröna vom dänischen Hafen Esbjerg einmal wöchentlich nach Tórshavn und zurück. In den Sommermonaten fanden zwei Touren pro Woche von Hanstholm nach Tórshavn statt, von denen eine weiter nach Seyðisfjörður ging. Damit konnte mehr Fracht zwischen Dänemark und den Färöern transportiert werden, und gleichzeitig wurde die touristisch interessante und daher lukrative Linie nach Island ohne langen Aufenthalt bedient. Im Frühjahr und Herbst war eine Verbindung pro Woche auf der Strecke Esbjerg – Tórshavn – Seyðisfjörður – Tórshavn – Esbjerg geben.

Ab dem 2. Oktober 2010 gab es eine erneute Änderung des Fahrplans: Die Norröna läuft seitdem Hirtshals als Hafen in Dänemark an.[7]

Mittlerweile bedient Smyril Line die Passagierroute nach Island ganzjährig einmal pro Woche, ergänzt in den Sommermonaten Juni bis August durch eine zusätzliche Fahrt Dänemark – Färöer – Dänemark. Aufgrund der Wetterbedingungen auf dem Nordatlantik weist die Reederei allerdings auf mögliche Unregelmäßigkeiten hin.[8]

Bei ungünstigem Wetter dienen die dänischen Häfen Hanstholm und Frederikshavn sowie Kollafjørður auf den Färöern als Ausweichhäfen.[9]

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2004 stieß die Norröna im Hafen von Tórshavn an die Hafenmauer. Diese Kollision beschädigte einen Propeller so sehr, dass sie erst wieder im März 2004 auslaufen konnte. In dieser Zeit wurde der Fährbetrieb mit dem Vorgängerschiff Norröna I aufrecht erhalten.

In Zusammenhang mit dem Orkan „Kyrill“ kam es im Januar 2007 zu nachhaltigen Beschädigungen im Rumpfbereich der Norröna. Bugstrahlruder und Stabilisatoren wurden beschädigt, und das Schiff musste auf der Werft Blohm & Voss in Hamburg instandgesetzt werden.

Bei starkem Seegang mit zwölf Meter hohen Wellen geriet im November 2007 einer der Propeller kurzzeitig aus dem Wasser. Daraufhin schalteten sich die Maschinen automatisch ab, so dass das Schiff für zwölf Minuten manövrierunfähig war. Zudem wurde der Steuerbordstabilisator abgerissen und beschädigte den Schiffsrumpf. Durch das Leck 20 Zentimeter unterhalb der Wasserlinie trat viel Wasser ein. Auf dem Fahrzeugdeck stürzte ein Anhänger um und zerstörte zwölf Autos, weitere 80 Wagen wurden beschädigt. Von den 325 Personen an Bord wurde keine verletzt.[10]

Technische Daten und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schiff wird von vier Caterpillar-Sechszylinder-Dieselmotoren des Typs MaK 6M43 mit jeweils 5400 kW Leistung angetrieben. Die Motoren wirken paarweise über Untersetzungsgetriebe auf zwei Verstellpropeller.[11] Das Schiff ist mit zwei Bugstrahlrudern ausgestattet. Für die Stromversorgung stehen ein Wellengenerator sowie drei Dieselgeneratoren zur Verfügung. Die Generatoren werden von zwei Neunzylinder-Dieselmotoren des Typs MaK 9M20 mit jeweils 1710 kW Leistung und einem Sechszylinder-Dieselmotor des Typs MaK 6M20 mit 1410 kW Leistung angetrieben.[3][12]

Das Schiff ist mit Stabilisatoren ausgestattet.[2]

An Bord der Fähre befinden sich zwei Fahrzeugdecks. Diese sind über eine Heckrampe zugänglich. Die Verbindung an Bord erfolgt über fest Rampen. Oberhalb der Fahrzeugdecks befinden sich vier Decks mit den Einrichtungen für die Passagiere. Die Fähre ist wesentlich größer und komfortabler ausgestattet als die alte Norröna. Sie fasst 800 statt 300 Pkw und 1480 statt 1050 Passagiere. Zudem stehen mit verschiedenen Kabinenkategorien, Restaurants, Bars und Nachtclub, Fitnessraum, Swimmingpool, Sauna und Solarium, mit Bordkino, Spielautomaten und Animationsprogrammen Angebote vergleichbar mit Kreuzfahrtschiffen, zur Verfügung.[13] Insgesamt stehen 318 Kabinen, überwiegend Doppel-, Dreibett- und Vierbettkabinen, zur Verfügung. Unter dem Fahrzeugdeck befindet sich ein Bereich mit Ruheliegen.[14]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Norröna im Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der isländischen Fernsehserie Trapped – Gefangen in Island aus dem Jahr 2015 spielt die Norröna eine zentrale Rolle in einem Kriminalfall. Weil auf der Fähre ein Mörder vermutet wird, dürfen die Passagiere nach der Ankunft im Hafen von Seyðisfjörður tagelang nicht von Bord gehen.

2018 entstand der Dokumentarfilm M/S Norröna – Die Königin des Nordatlantik über das Schiff. Der Film von Jan Philip Lange begleitet Passagiere und Besatzung auf der Reise von Hirtshals über die Färöer bis nach Island.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Norröna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: norrønur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Technische und administrative Daten. DNV GL, abgerufen am 16. Oktober 2016.
  2. a b c Zahlen und Fakten MS Norröna. Smyril Line, abgerufen am 15. Juli 2020.
  3. a b c d e f g h Willkommen an Bord (Memento vom 3. April 2019 im Internet Archive), Smyril Line.
  4. M/S Norräna. Fakta om Fartyg, abgerufen am 15. Juli 2020 (schwedisch).
  5. Keine Aufträge in Sicht – Ende Mai gehen bei Flender die Lichter aus. Die Welt, 9. April 2003, abgerufen am 15. Juli 2020.
  6. Norröna – Ferry for the Faroe Islands. Knud E. Hansen, abgerufen am 15. Juli 2020.
  7. Website der Smyril Line (Memento vom 9. August 2012 im Internet Archive) (färöisch), abgerufen am 3. August 2012
  8. Smyril Line - Zusätzliche Bedingungen zum Islandverkehr. Abgerufen am 6. März 2018.
  9. Smyril Line - Fahrplan 2019. Abgerufen am 20. März 2019.
  10. Rosalind Griffiths: Norröna back at Holmsgarth after four years. The Shetland Times, 9. Mai 2020, abgerufen am 23. April 2017 (englisch).
  11. RoPax Ferry Norröna, Technical Data. (PDF, 683 kB) Schottel, abgerufen am 15. Juli 2020.
  12. Kim Idar Giske: Norröna. Maritimt Magasin, 10. August 2003, abgerufen am 15. Juli 2020.
  13. Tim Schwabedissen: Gestrandet - Schiffsunglücke vor der Nordseeküste. Verlag Koehler-Mittler, 2004, ISBN 3-7822-0893-5
  14. Kabinenplan. (GIF, 224 kB) Abgerufen am 15. Juli 2020.