Norwegische Kirche

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen der Norwegischen Kirche

Die Norwegische Kirche (Bokmål Den norske kirke, Nynorsk Den norske kyrkja) ist die evangelisch-lutherische Volkskirche in Norwegen. Nach einem längeren Reformprozess bildet sie seit dem 1. Januar 2017 ein vom norwegischen Staat unabhängiges Rechtssubjekt.

Die Kirche ist Mitglied im Lutherischen Weltbund (LWB) und im Weltkirchenrat. Sie ist auch in der Porvoo-Gemeinschaft sowie der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa und hat mit den angeschlossenen Kirchen volle Kirchengemeinschaft vereinbart.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1537 führte Christian III. in Norwegen die Reformation ein. Die evangelische Glaubenslehre erlangte den Status einer Staatsreligion, der erst 2012 ein Ende fand. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts stand die Kirche verstärkt unter dem Einfluss des Pietismus, der den Zusammenhang von Glauben und Handeln besonders betont.

Artikel 2 der Verfassung von Eidsvoll (1814) bestätigte die evangelisch-lutherische Religion als öffentliches Bekenntnis des norwegischen Staates. Sie unterstellte die Kirche der Kontrolle von Parlament und Regierung. Das Storting fungierte als Kirchenparlament, der König als Kirchenoberhaupt. Bis 1969 lautete die offizielle Bezeichnung „Norwegische Staatskirche“ (statskirken/statskyrkja).

1842 wurde das Verbot der Laien-Predigt aufgehoben, was zu einer Vielzahl von Strömungen innerhalb der Kirche führte.

Die Ordination von Frauen wird seit 1961 praktiziert.

Reformprozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neues Staatskirchenrecht 2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008 einigte sich das norwegische Parlament auf ein Gesamtpaket zur Reform der Norwegischen Kirche. Das Verhältnis von Staat und Kirche wurde auf eine neue Grundlage gestellt. Die notwendige Verfassungsänderung erfolgte am 21. Mai 2012. Der König ist nicht länger Oberhaupt, er und seine evangelisch-lutherischen Minister bilden nicht länger den Staatskirchenrat (den kirkelige statsråd). Damit entfällt auch das Quorum, dass mindestens die Hälfte der Regierungsmitglieder der Kirche angehören musste. Statt wie bisher vom Staatskirchenrat ernannt werden die Bischöfe zukünftig in demokratisch legitimierten Wahlen bestimmt. Das Storting tritt nur noch als Gesetzgeber des Kirchengesetzes (kirkeloven) in Erscheinung, für die inneren Angelegenheiten der Kirche ist es nicht mehr zuständig.

Die Norwegische Kirche bewahrt als mit Abstand größte Glaubensgemeinschaft des Landes den Status einer „Volkskirche“. Die Verfassung sichert ihr weiterhin die Unterstützung des Staates zu. Diese Förderung sollen aber auch die übrigen religiösen Gemeinschaften erhalten. Bischöfe, Pröpste und Pastoren blieben bis Ende 2016 dienstrechtlich Staatsbeamte. Die Kirche finanziert sich weiterhin durch staatliche Zuweisungen, nicht etwa durch Mitgliedsbeiträge. Die Rahmenfinanzierung beläuft sich im Haushaltsjahr 2017 auf 1,9 Mrd. Kronen, etwa 211 Mio. Euro.[1] Zum 1. Januar 2017 verloren Bischöfe und Pastoren ihren Status als Staatsbeamte.

Neue Liturgien 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Sonntag im Advent 2011 wurde die gottesdienstliche Ordnung für neue Texte, Handlungen und Zeichen geöffnet. Zukünftig soll mehr Musik einbezogen werden, das Repertoire soll sich ausdrücklich auch auf Rockmusik und norwegischen Folk erstrecken. Die Taufliturgie wird stärker auf Freude und Dank ausgerichtet. Fürbitten sollen sich stärker auf lokale oder aktuelle globale Ereignisse beziehen dürfen. Handlungen wie Kerzenentzünden sollen mehr Raum bekommen. Kirchgänger können stärker als bisher in die Vorbereitung und Durchführung des Gottesdienstes einbezogen werden. Die Möglichkeit zu Einkehr und stillem Gebet soll gewährleistet sein.

Demokratie-Reform 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Norwegische Kirche mit der Verfassungsänderung von 2012 selbst über die Vergabe von Ämtern entscheiden wird, musste sie dem Storting zusichern, die innerkirchliche Demokratie zu stärken. Die landesweite Kirchenwahl wurde daher um zwei Jahre auf den 11. und 12. September 2011 vorgezogen. Um die Wahlbeteiligung günstig zu beeinflussen, erfolgte der Urnengang zeitgleich mit der norwegischen Kommunalwahl. Sie betrug schließlich 13,4 Prozent.

Neues Gesangbuch 2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013 wurde ein neues Gesangbuch eingeführt. Norsk salmebok 2013 ersetzt das Norsk Salmebok von 1985 und dessen Erweiterung Salmer 1997. Das offizielle Gesangbuch enthält nun 899 Lieder, davon wurden 240 erstmals aufgenommen.[2]

Gleichgeschlechtliche Ehe 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013 empfahlen die Bischöfe mehrheitlich, eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare einzuführen.[3] Eine kirchliche Trauung lehnte das Kirchenparlament (kirkemøtet) 2014 jedoch ab. Am 11. April 2016 stimmte schließlich eine breite Mehrheit dafür, die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare zu ermöglichen.[4] Pastoren können solch eine kirchliche Trauung jedoch aus persönlicher Überzeugung verweigern.

Die Synode in Trondheim am 30. Januar 2017 verabschiedete eine Liturgie, die die kirchliche Trauung von homosexuellen Paaren wie in Dänemark und Schweden möglich macht.[5]

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bistümer der Norwegischen Kirche.

Die Norwegische Kirche gliedert sich in elf Bistümer (bispedømme; bis 1919: stift). Am 2. Oktober 2011 wurde ein zwölftes Bischofsamt geschaffen: Der Präses der Bischofskonferenz verfügt jedoch nicht über ein eigenes Bistum, sondern führt nur die Aufsicht über die Nidarosdompropstei in Trondheim.

Bistümer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Propsteien, Kirchenkreise, Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die unteren Ebenen der Kirche bilden Propstei (norw. prosti) und Gemeinde (Sokn).

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Norwegischen Kirche gehörten am 1. Januar 2015 rund 73 % der Bevölkerung an. Es wurden 3.799.366 Mitglieder gezählt; 62.000 Gottesdienste verzeichneten insgesamt rund 5,8 Millionen Teilnehmer im Jahr 2015.[6] 10 % nehmen mehr als einmal im Monat an Gottesdiensten teil.

Kirchenwahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahlbeteiligung bei der Kirchenwahl (Gemeinderatswahl) seit 1997:[7]

  • 1997 3,0 %
  • 2001 3,6 %
  • 2005 4,3 %
  • 2009 13,1 %
  • 2011 13,4 %
  • 2015 16,7 %

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fullføring av skillet mellom staten og Den norske kirke regjeringen.no, 6. Oktober 2016.
  2. Kva er nytt i Norsk salmebok 2013? Webseite der Norwegischen Kirche, abgerufen am 3. Januar 2017.
  3. Norwegens Bischöfe freunden sich mit Ehe-Öffnung an queer.de, 18. Oktober 2013.
  4. Homo-Trauung in Norwegen trifft auf Zustimmung Frankfurter Rundschau, 12. April 2016.
  5. Homosexuelle Norweger können jetzt auch kirchlich heiraten. In: kleinezeitung.at. 30. Januar 2017, abgerufen am 30. Januar 2017.
  6. Church of Norway 2015. Statistisk Norway, 4. Mai 2016.
  7. Rekordvalg i kirken kirken.no, abgerufen am 3. Januar 2017.