Oksana Lyniw

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Oksana Jaroslawiwna Lyniw (ukrainisch Оксана Ярославівна Линів; * 6. Januar 1978 in Brody, Ukrainische SSR, Sowjetunion) ist eine ukrainische Dirigentin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tochter zweier Musiker und Enkelin eines Chorleiters absolvierte von 1992 bis 1996 ein Vorstudium in den Fächern Flöte und Dirigieren an der Lyudkevich-Schule in Lwiw, von 1996 bis 2003 ein Dirigierstudium an der dortigen Musikakademie in der Klasse von Bogdan Dashak, Chefdirigent an der Oper Lwiw. Schon während ihres Studiums machte Dashak sie zu seiner Assistentin.

Im Jahr 2004 nahm sie am ersten Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb der Bamberger Symphoniker teil. Es war ihre erste Auslandsreise und sie gewann den 3. Preis. Daraus folgend wurde sie 2005 bei den Bamberger Symphonikern Assistentin des Dirigenten Jonathan Nott.

2005 zog Lyniw nach Dresden und absolvierte dort an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ ein Aufbaustudium und ab 2007 ein Meisterklasse-Studium bei Ekkehard Klemm. Sie ist Stipendiatin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), des Goethe-Instituts und der Oscar-und-Vera-Ritter-Stiftung. Von 2007 bis 2009 wurde sie vom „Dirigentenforum“ des Deutschen Musikrates gefördert und besuchte seitdem Meisterkurse bei Hartmut Haenchen, Kurt Masur, Peter Gülke, Georg Fritzsch und Roland Seiffarth.

Für den Bayerischen Rundfunk leitete sie Aufnahmen mit den Bamberger Symphonikern und in den Jahren 2007 und 2017 die 97. und die 126. Arbeitsphase des Bayerischen Landesjugendorchesters[1]. Sie dirigierte Konzerte und Opern in der Ukraine, in Deutschland, Frankreich, Rumänien, Österreich, Ungarn, Estland und in der Schweiz. Im Jahr 2008 hatte sie Dirigate von La Bohème, Madama Butterfly, Rigoletto und Cavalleria rusticana an der Staatsoper in Odessa.

Von 2013 bis 2017 war Lyniw als Musikalische Assistentin von Generalmusikdirektor Kirill Petrenko und Dirigentin an der Bayerischen Staatsoper engagiert, wo sie Mirandolina, Die Flut, La clemenza di Tito, Le comte Ory und La traviata, Die Fledermaus, Albert Herring, Lucia di Lammermoor, Ariadne auf Naxos, Die Lady Macbeth von Mzensk, Selma Ježková (von Ruders nach Lars von Triers Film „Dancer in the Dark“) sowie die Uraufführung Mauerschau dirigierte.

Im Mai 2017 leitete Lyniw eine Vorstellungsserie von Der fliegende Holländer am Gran Teatre del Liceu Barcelona. Beim Bartok Plus Operafestival 2016 dirigierte Lyniw mit Bartók Marathon eine szenische Aufführung sämtlicher Bühnenwerke von Bartók im Eisstadion von Miskolc. Im Januar 2019 debütierte Lyniw mit Tosca an der Deutschen Oper Berlin und mit Pique Dame an der Württembergischen Staatsoper in Stuttgart, im März 2019 mit Die Jungfrau von Orléans (Tschaikowski) am Theater an der Wien.

Ab September 2017 war Oksana Lyniw als Nachfolgerin von Dirk Kaftan Chefdirigentin der Grazer Oper und des Grazer Philharmonischen Orchesters.[2] Hier standen La Traviata, Eugen Onegin, Il viaggio a Reims, Pagliacci, Cavalleria rusticana, Salome, Tosca, Don Carlo, Dornröschen, Lucia di Lammermoor und Die Passagierin unter ihrer Leitung. Mit der Saison 2020/21 folgte ihr Roland Kluttig in dieser Funktion nach.[3]

Seit August 2017 hat Lyniw die künstlerische Leitung des von ihr gegründeten internationalen Kulturfestivals LvivMozArt in Lemberg, das, angeregt durch das Wirken von Mozarts Sohn Franz Xaver in Galizien, historische und zeitgenössische Werke aus vielen Kunstsparten präsentiert.[4] 2017 gründete Lyniw nach dem Vorbild und mit Unterstützung[5] des Bundesjugendorchesters das Ukrainische Jugendsymphonieorchester, in dem musikalisch hochbegabte Kinder und Jugendliche aus allen Teilen der Ukraine musizieren.

Am 6. Mai 2021 eröffnete Lyniw die Ludwigsburger Schlossfestspiele mit einem live übertragenen Konzert. Im September 2020 wurde bekannt, dass sie am 25. Juli 2021 nach 145 Jahren als erste Frau bei den Bayreuther Festspielen eine Festspielpremiere dirigieren soll – die Neuproduktion Der fliegende Holländer.[6][7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oksana Lyniv (Memento vom 11. September 2017 im Internet Archive) beim Bayerischen Landesjugendorchester, abgerufen am 24. Dezember 2019
  2. orf.at: Oper Graz: Oksana Lyniw wird neue Chefdirigentin. Artikel vom 2. Februar 2017, abgerufen am 2. Februar 2017.
  3. orf.at: Oper Graz: Kluttig ab 2020/21 neuer Chefdirigent. Artikel vom 7. Dezember 2018, abgerufen am 7. Dezember 2018.
  4. Oksana Lyniw, Gründerin des LvivMozArt-Festivals, abgerufen am 24. Dezember 2019
  5. dw.com: New Ukrainian youth orchestra brings country together. Artikel vom 21. Dezember 2016, abgerufen am 9. August 2018.
  6. Bayreuther Festspiele: Dirigentin leitet erstmals Premiere. In: BR. 21. September 2020, abgerufen am 22. September 2020.
  7. Jan Brachmann im Interview mit Oksana Lyniv, Ganz unheimlich im Bauch, In: FAZ vom 3. Mai 2021