Lucia di Lammermoor

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Werkdaten
Titel: Lucia di Lammermoor
Fanny Tacchinardi-Persiani in der Londoner Erstaufführung am 5. April 1838

Fanny Tacchinardi-Persiani in der Londoner Erstaufführung am 5. April 1838

Form: Dramma lirico in drei Akten
Originalsprache: Italienisch
Musik: Gaetano Donizetti
Libretto: Salvadore Cammarano
Literarische Vorlage: The Bride of Lammermoor von Walter Scott
Uraufführung: 26. September 1835
Ort der Uraufführung: Neapel, Teatro San Carlo
Spieldauer: ca. 2 ½ Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Schottland, Ende des 16. Jahrhunderts
Personen
  • Lord Enrico Ashton (Bariton)
  • Lucia, seine Schwester (Sopran)
  • Sir Edgardo di Ravenswood, ihr Geliebter (Tenor)
  • Lord Arturo Bucklaw (Tenor)
  • Raimondo Bidebent, Erzieher und Vertrauter Lucias (Bass)
  • Alisa, Lucias Vertraute (Mezzosopran)
  • Normanno, Hauptmann der Truppen von Ravenswood (Tenor)
  • Ritter und Edeldamen, Jäger, Soldaten, Bewohner von Lammermoor und Ravenswood etc. (Chor)

Lucia di Lammermoor ist eine Oper (Originalbezeichnung: „dramma lirico“) in zwei Teilen und drei Akten von Gaetano Donizetti. Die Uraufführung erfolgte am 26. September 1835 am Teatro San Carlo in Neapel. Eine von Donizetti überarbeitete französische Version hatte im Théâtre de la Renaissance in Paris am 6. August 1839 Premiere. Das Libretto schrieb Salvadore Cammarano, nach dem Roman Die Braut von Lammermoor (The Bride of Lammermoor) von Walter Scott. Die Oper handelt von zwei Liebenden aus den beiden verfeindeten Adelsfamilien Ashton und Ravenswood, die erst im Tode vereint werden. Donizettis Werk gilt als einer der Höhepunkte in der Epoche des Belcanto und als Idealtypus der romantischen Sängeroper mit der so genannten „Wahnsinnsarie“ (Il dolce suono) als Höhepunkt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handlung spielt in Schottland gegen Ende des 16. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der Fehden zwischen Katholiken und Protestanten. Die Familie Ashton hat seit einiger Zeit die gegnerische Familie der Ravenswoods, Anhänger Maria Stuarts, verdrängt und ihr in der Gegend des Dorfes Lammermoor gelegenes Schloss eingenommen.

Erster Teil: La partenza – Der Aufbruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstes Bild: Garten (oder Atrium) im Schloss von Ravenswood

Enrico Ashton und seine Gefolgsleute durchsuchen die Gegend nach einem Unbekannten. Enrico erfährt, dass seine Schwester Lucia seinen Erzfeind Edgardo liebt. Die Männer bestätigen, Edgardo in der Nähe gesehen zu haben. Enrico schwört Rache (Cruda, funesta smania (Grausame, finstere Raserei)).

Zweites Bild: Park

Lucia wartet nachts mit ihrer Begleiterin Alisa im Wald auf Edgardo. Lucia ist beunruhigt: Ihr erschien der Geist einer Frau, die von ihrem Geliebten, einem Ravenswood, an diesem Ort aus Eifersucht erstochen wurde (Regnava nel silenzio (Er herrschte in der Stille)). Alisa bittet ihre Herrin, der unglückseligen Liebe zu entsagen. Edgardo erscheint, um sich von Lucia zu verabschieden. Vorher möchte er sich mit Enrico versöhnen und ihn um Lucias Hand bitten. Als diese ihn davon abzubringen versucht, bricht sein alter Hass gegen die verfeindete Familie wieder durch. Zum Abschied schwören sich die Liebenden ewige Treue. (Sulla tomba che rinserra (Über dem Grab, das (den verräterischen Vorfahren) gefangen hält)).

Zweiter Teil: Il contratto nuziale – Der Ehevertrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweiter Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstes Bild: Kabinett in den Gemächern Lord Ashtons

Normanno und Enrico haben alle Briefe Edgardos und Lucias abgefangen. Sie verunsichern die junge Frau und versuchen, sie zur Hochzeit mit Arturo zu drängen, der dafür Enrico politisch unterstützen will. Ein gefälschter Brief, der Edgardos Untreue belegen soll, soll sie gefügig machen. Enrico und Raimondo setzen sie unter Druck.

Zweites Bild: Prächtiger Saal, verschwenderisch zum Empfang Arturos geschmückt

Hochzeitsfeier. Die Gäste begrüßen Enrico und Arturo. Lucia wird hereingeführt und dazu gedrängt, den Ehevertrag zu unterzeichnen. Als Edgardo plötzlich hereinstürzt und sein Recht fordert, bricht sie zusammen. Zornig verflucht er sie wegen ihrer vermeintlichen Untreue (Chi mi frena in tal momento (Wer hält mich in einem solchen Augenblick zurück?)).

Dritter Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstes Bild: Salon im Erdgeschoss des Turms von Wolferag

Während eines Gewitters sucht Enrico Edgardo in dessen verbliebener Turmbehausung auf. Er schürt Edgardos Eifersucht und will sich an seinem Feind rächen. Sie verabreden sich für den nächsten Morgen zum Duell bei den Gräbern der Ravenswoods.

Zweites Bild: Galerie des Schlosses von Ravenswood

Die fröhliche Hochzeitsfeier wird unterbrochen: Raimondo berichtet, Lucia habe ihren Bräutigam Arturo erstochen und sei wahnsinnig geworden. Lucia erscheint in blutüberströmtem Kleid mit einem Messer in der Hand. In Gedanken erlebt sie eine kirchliche Trauung mit Edgardo (Wahnsinnsarie Il dolce suono […] Spargi d’amaro pianto (Der süße Klang ... bittere Klagen), in der Originalfassung begleitet von einer Glasharmonika, schon früh ersetzt durch eine Flöte, erstmals wieder verwendet in München 1991 unter Michel Plasson).

Drittes Bild: Außerhalb des Schlosses

Edgardo erwartet Enrico zum Duell (Tombe degli avi miei (Gräber meiner Väter)). Er erfährt, dass Lucia wahnsinnig geworden ist und im Sterben liegend nach ihm verlangt. Da erklingt die Totenglocke. Edgardo folgt seiner Geliebten in den Tod und ersticht sich (Tu che a Dio spiegasti l’ali (Du, der du deine Flügel zu Gott ausbreitete)).

Instrumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:[1]

Werkgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lucia di Lammermoor war von der triumphalen Uraufführung (mit Fanny Tacchinardi-Persiani, Gilbert Duprez und Domenico Cosselli) an ein großer Erfolg. In den folgenden Jahren übernahmen die führenden Bühnen in Europa das Werk: 1836 wurde die Oper in Rom gespielt, 1837 folgten Wien und Paris, 1838 London und 1839 die Mailänder Scala. Lucia di Lammermoor gehört mit Don Pasquale zu den wenigen Opern Donizettis, die seit der Uraufführung eine lückenlose Aufführungstradition verzeichnen können. Die Beliebtheit des Werks schlägt sich auch in einer äußerst umfangreichen Diskographie nieder, in der für die Zeit zwischen 1929 und 2009 über 176 Einspielungen verzeichnet werden.[2]

Der Erfolg des Werks ist mit einer Verschiebung in dessen Interpretation verbunden, die sich bereits ab der Uraufführung und verstärkt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts abzeichnete: „Die Aufführungstradition von Lucia war von Anfang an durch Missverständnisse über den Stimmtyp der Titelrolle gekennzeichnet. Vom Komponisten als zwar koloraturbeweglicher, aber dem Charakter nach dramatischer Sopran ohne extreme Höhe konzipiert (…) entsprach die Rolle bereits nicht voll dem Stimmtyp der Uraufführungsinterpretin Tacchinardi-Persiani, einer Spezialistin des virtuosen Ziergesangs. Mit ihren zahlreichen Lucia-Auftritten überall in Europa prägte und festigte sie in den folgenden Jahren das falsche Rollenbild der Lucia als eines hohen Koloratursoprans.“[3] In die Partie wurden nicht nur Kadenzen und Triller eingefügt, sondern auch Teile davon beispielsweise um einen halben oder einen ganzen Ton nach unten transponiert, um der jeweiligen Sängerin Spitzentöne zu erleichtern. Die Partie wurde so mehr und mehr zu einem reinen Bravourstück für Primadonnen wie Jenny Lind, Adelina Patti, Emma Albani, Nellie Melba, Selma Kurz, Frieda Hempel, Luisa Tetrazzini, Toti dal Monte oder Lily Pons. Diese Ausrichtung wirkte sich auf das gesamte Werk aus, an dem im Laufe der Zeit umfangreiche Kürzungen und Änderungen vorgenommen wurden, teilweise wurden ganze Szenen weggelassen.

Erst in den 1950er-Jahren setzte eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche dramatische Konzeption ein. Meilensteine dafür waren insbesondere die Interpretationen von Maria Callas (1954–1955 an der Mailänder Scala und in Berlin unter Herbert von Karajan, wobei nach wie vor deutliche Kürzungen beibehalten wurden, so das gesamte erste Bild des dritten Akts) und von Joan Sutherland (etwa 1959 am Royal Opera House Covent Garden). Sängerinnen wie Leyla Gencer, Anna Moffo, Beverly Sills, Luciana Serra, Renata Scotto, Lucia Aliberti, Edita Gruberová, Mariella Devia, June Anderson, Stefania Bonfadelli und zuletzt auch Anna Netrebko setzten diese Tradition fort. Ab 1960 wurden dann nach und nach die Striche wieder geöffnet. Mit der Schallplattenaufnahme von 1976 unter Jesús López Cobos (mit Montserrat Caballé, José Carreras, Vicente Sardinero und Samuel Ramey) fand diese (Rück-)Entwicklung einen Abschluss.[4]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musik aus Lucia di Lammermoor wurde immer wieder zitiert, so etwa in Filmen wie Engel und Narren (Where Angels Fear to Tread, 1991). Zu Beginn des 1944 entstandenen Filmes Das Haus der Lady Alquist singt Ingrid Bergman die Wahnsinnsarie (Il Dolce Suono) der Lucia, in Das fünfte Element singt die Diva Plavalaguna (gesungen von Inva Mula) diese Arie. Auch in 22 Bullets ist die Arie, wiederum gesungen von Inva Mula, verwendet. In Departed – Unter Feinden ist das Sextett Chi mi frena in tal momento als Klingelton von Costellos Handy zu hören.[5]

Im Roman Madame Bovary von Gustave Flaubert besuchen Emma und Charles Bovary eine Aufführung der französischen Fassung der Oper (Teil 2, Kapitel 15).[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Miller: Maria di Rohan. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 2: Werke. Donizetti – Henze. Piper, München / Zürich 1987, ISBN 3-492-02412-2, S. 1–9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lucia di Lammermoor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Norbert Miller: Lucia di Lammermoor. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 2: Werke. Donizetti – Henze. Piper, München / Zürich 1987, ISBN 3-492-02412-2, S. 1.
  2. Diskographie bei Operadis
  3. Norbert Miller: Maria di Rohan. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 2: Werke. Donizetti – Henze. Piper, München / Zürich 1987, ISBN 3-492-02412-2, S. 7.
  4. Norbert Miller: Maria di Rohan. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 2: Werke. Donizetti – Henze. Piper, München / Zürich 1987, ISBN 3-492-02412-2, S. 8.
  5. Operaandcinema
  6. Gustave Flaubert, Madame Bovary, Gallimard, 2001, p. 300-10.