Deutsche Oper Berlin

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Deutsche Oper Berlin
Deutsche Oper Berlin. Ansicht von Südosten.jpg
Lage
Adresse: Bismarckstraße 34–37
Stadt: Berlin-Charlottenburg
Koordinaten: 52° 30′ 46″ N, 13° 18′ 30″ OKoordinaten: 52° 30′ 46″ N, 13° 18′ 30″ O
Architektur und Geschichte
Bauzeit: 1911–1912 (Erstbau)
1957–1961 (Neubau)
Eröffnet: 1912 (Erstbau)
1961 (Neubau)
Zuschauer: 1865 Plätze
Architekten: Heinrich Seeling (Erstbau)
Fritz Bornemann (Neubau)
Internetpräsenz:
Website: www.deutscheoperberlin.de

Die Deutsche Oper Berlin ist das größte der drei Opernhäuser in Berlin. Das Gebäude Bismarckstraße 34–37 im Ortsteil Charlottenburg wurde 1961 eröffnet und war Ersatz für die an gleicher Stelle im Zweiten Weltkrieg 1943 zerstörte Deutsche Oper. Das neu errichtete Charlottenburger Haus ist mit 1859 Sitzplätzen eines der größten Theater in Deutschland.

Die Deutsche Oper bildet mit der Staatsoper Unter den Linden, der Komischen Oper, dem Staatsballett und dem Bühnenservice Berlin die Stiftung Oper in Berlin.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsches Opernhaus, 1912

Die Initiative für die Gründung eines Opernhauses ging auf bürgerliche Kreise im damals selbstständigen Charlottenburg zurück. Als wirtschaftliche Stütze des Staates und intellektuelle Vorreiter wollten die Bewohner der reichsten Großstadt Preußens ein Opernhaus „für sich“ als Gegenentwurf gegen die „erstarrte“ Repräsentationsbühne der Hofoper Unter den Linden.

Die Stadt Charlottenburg ließ in den Jahren 1911/1912 nach Plänen Heinrich Seelings das Deutsche Opernhaus errichten. Es wurde unter der Leitung von Ignatz Waghalter am 7. November 1912 mit Ludwig van Beethovens Fidelio eröffnet. Als mit dem Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin (Groß-Berlin-Gesetz) Charlottenburg 1920 Teil der Reichshauptstadt wurde, erhielt das über 2300 Sitzplätze fassende Haus den Namen Städtische Oper.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus ging 1934 das in Deutsches Opernhaus rückbenannte Charlottenburger Haus in den Besitz des Reiches über und unterstand damit dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda von Joseph Goebbels. Als Ministerpräsident des Freistaates Preußen lenkte dagegen Hermann Göring die Staatsoper Unter den Linden, wenngleich die Häuser manchmal in Stellvertretung ihrer Dienstherren rivalisierten. Unter der Leitung von Paul Baumgarten wurde 1935 ein Umbau auf 2098 Sitzplätze durchgeführt. Entgegen dem ursprünglichen Entwurf mit einem standesunabhängigen Zuschauerraum wurde eine „Führerloge“ geschaffen. Nach der Zerstörung des Hauses am 23. November 1943 fanden die Vorstellungen bis Herbst 1944 im Admiralspalast in Berlin-Mitte statt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus galt das Haus neben dem Bayreuther Festspielhaus als die Repräsentationsbühne des NS-Regimes schlechthin. Schon im Frühjahr 1933 zum Geburtstag des Intendanten Max von Schillings hieß es in den Opernheften: „Wir könnten einpacken, wenn es nicht möglich sein sollte, an einer Stätte, wo es gelang, einem empfangsbereiten, beeinflussbaren bürgerlichen Publikum Erzeugnisse des artfremdesten Kunstbolschewismus schmackhaft zu machen, jetzt wieder Werte reinerer, deutscher Wesensart einzubürgern.“

Städtische Oper, 1936

In diesem Geiste waren schon der langjährige Intendant Carl Ebert, die Dirigenten Fritz Stiedry und Paul Breisach, und z. B. der Sänger Alexander Kipnis vom Haus vertrieben worden. Nach dem Tod von Schillings im Juli 1933 wurde Wilhelm Rode, Heldenbariton des Hauses seit 1926, dessen Nachfolger. Gespielt wurden „genehme Werke“, also Wagner, Lortzing, Kienzl usw. Zeitgenössische Komponisten wie Weill oder „artfremde“ wie Offenbach und Meyerbeer waren nicht mehr gefragt.

Inszenierungen erforderten Dramaturgie, Arrangements und Ausstattungen. Für Letzteres war oft Benno von Arent verantwortlich. Dabei ging es um Naturtreue bis ins kleinste Blatt aus Pappe. Hans Sachs sang unter Butzenscheiben und die Festwiese der Meistersinger kam direkt aus einem Film von Leni Riefenstahl. Siegfried ritt zu Pferd heran, auf seinem Schild die (S)S-Rune. Immerhin erforderte die Spielplanaufnahme von Traviata 1935 eine zaghafte Weiterentwicklung des Regietheaters.

Mitten im Zweiten Weltkrieg wurde der Intendant Rode im Sommer 1943 von dem erfolgreichen Hamburger Dirigenten Hans Schmidt-Isserstedt abgelöst. Mit Günther Rennert und Leopold Ludwig holte er sich zwei junge Künstler in sein Leitungsteam, die schon auf den künstlerischen Aufbruch des Nachkriegstheaters verweisen. Ihre Arbeit fand in den zunehmenden Wirren und Zerstörungen des Krieges allerdings kaum noch Resonanz. Così fan tutte war im Herbst 1943 die erste Rennert-Regie – sie wurde als „leicht, witzig, phantasievoll“ bewertet. Zwei Wochen später, am 23. November 1943, wurde das Haus bei alliierten Luftangriffen zerbombt, kurz danach wurden alle Theater vom Regime geschlossen.

Nachkriegszeit bis 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berliner Sondermarke von 1965

Nach Kriegsende nutzte die nun wieder Städtische Oper als Städtisches Opernhaus Berlin für Vorstellungen das Gebäude des Theaters des Westens in der Nähe des Berliner Bahnhofs Zoo, bis der durch Fritz Bornemann von 1957 bis 1961 gebaute Neubau mit 1865 Sitzplätzen am 24. September 1961 mit Mozarts Don Giovanni eröffnet werden konnte. Der Neubau hatte 27,5 Millionen Mark gekostet (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 64,6 Millionen Euro). Im Jahr 1961 erfolgte auf Anregung von Ferenc Fricsay als Reaktion auf den Mauerbau auch die Umbenennung auf den heutigen Namen Deutsche Oper Berlin. 1959 erhielt die Städtische Oper den Deutschen Kritikerpreis.

In der Zeit ab der Eröffnung des Neubaus wuchs die Deutsche Oper, entgegen ihrem ursprünglichen Gründungszweck, in die Rolle des Repräsentationshauses des Landes Berlin (West) hinein, da die Staatsoper Unter den Linden, die traditionell diese Rolle in Berlin gespielt hatte, mitsamt dem Ostteil Berlins und der DDR eine eigene Entwicklung nahm.

Auf Initiative von Götz Friedrich wurde 1986 in New York die Stiftung The American Berlin Opera Foundation gegründet.

Seit 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensanpassungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Verwechslungen mit der Deutschen Oper Berlin zu vermeiden, erhielt das Opernhaus Unter den Linden im Anschluss an die deutsche Wiedervereinigung in den 1990er Jahren wieder ihren Vorkriegsnamen Staatsoper Unter den Linden. In der DDR-Zeit war es erstmals in Deutsche Staatsoper umgetauft worden, um die Bedeutung der DDR als eigenständiger deutscher Staat zu unterstreichen.

Idomeneo-Kontroverse 2006[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein starkes Echo über den Bereich Operninteressierter hinaus fand die Entscheidung, eine für den November 2006 geplante Wiederaufnahme der Inszenierung von Mozarts Idomeneo (Regie von Hans Neuenfels) abzusetzen. Darin wurde, als vom Regisseur angefügtes Nachspiel am Ende der Oper, der abgeschlagene Kopf des islamischen Propheten Mohammed (neben den blutigen Köpfen Jesu, Buddhas und Poseidons) gezeigt, um zu verdeutlichen, dass die Unterwerfung des Menschen durch und in Religionen überwunden werden müsse (womit Neuenfels allerdings die Figurenperspektive Idomeneos übernahm, der über die gesamte Oper hinweg immer wieder Neptuns rigorose Einforderung des Versprechens beklagt). Anlass für die Absetzung waren Bedenken beim Berliner Innensenator und dem Landeskriminalamt. Sie hielten „gewalttätige Aktionen“ für möglich, auf die sie die Intendanz hinwiesen. Der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble schaltete sich ein und befand die Absetzung sei inakzeptabel, was sei Meinungsfreiheit schon wert, wenn man sie aus Angst einschränken müsse. So argumentierten weitere Politiker. Wenn Sorge vor Protesten „zur Selbstzensur führt“, gerate die freie Rede in Gefahr, sagte der damalige Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Kunst und Medien müssten Gegensätze in einer Gesellschaft benennen. Dafür brauche es Toleranz „auch gegenüber unbequemen Meinungen“.[2] Nach Kritik an der Absetzung aus Kultur und Politik wurde die Warnung relativiert und die Inszenierung im Dezember 2006 wieder aufgeführt.

Wasserhavarie 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Morgen des 24. Dezember 2017 setzte die Sprühwasserlöschanlage die Hauptbühne der Deutschen Oper vollständig unter Wasser. Durch den Wasserschaden[3] wurden sowohl Ober- und Untermaschinerie, Beleuchtungstechnik als auch Kommunikations- und Datentechnik in Mitleidenschaft gezogen. Aus diesem Grund mussten die geplanten Opern- beziehungsweise Ballettvorstellungen am 25., 26. und 27. Dezember 2017 abgesagt werden. Ab dem 28. Dezember 2017 liefen die Vorstellungen wieder spielplankonform, einige Produktionen wurden aufgrund der gegebenen technischen Einschränkungen weiterhin szenisch adaptiert dargeboten.[4] Die Bühnentechnik kann seit Beginn der Spielzeit 2018/2019 wieder vollständig genutzt werden.[5]

Künstlerisches Profil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Oper Berlin ist mit 1859 Sitzplätzen heute das weitaus größte Opernhaus Berlins. Sie allein bietet rund 42 Prozent der Plätze der drei Berliner Häuser der Opernstiftung. Daher findet das Haus mit seinen Opernvorstellungen die meisten Besucher, im Jahr 2017 in Summe 241.000, der drei Berliner Opernhäuser.

Aufgabe der Deutschen Oper Berlin ist daher die Pflege des „großen“ Repertoires des 19. Jahrhunderts mit Eckpunkten wie Richard Strauss, Richard Wagner, Giacomo Puccini und Giuseppe Verdi. Hier lagen in der Vergangenheit sowohl die großen Regie-Erfolge von Götz Friedrich, Hans Neuenfels, Achim Freyer oder in den letzten Jahren z. B. Die Meistersinger von Nürnberg und Tristan und Isolde von Richard Wagner. Zu den erfolgreichen Wiederentdeckungen an der Deutschen Oper zählten in den letzten Spielzeiten u. a. Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna von Walter Braunfels und Oberst Chabert von Hermann Wolfgang von Waltershausen, Das Wunder der Heliane von Erich Wolfgang Korngold sowie Il viaggio a Reims von Gioachino Rossini.

Gerühmt wird das Charlottenburger Opernorchester vor allem für seine besondere Vielseitigkeit und sein Wagnerspiel, daher ist das Orchester der Deutschen Oper eine der größten Rekrutierungsquellen für das Bayreuther Festspielorchester. Im Haus an der Bismarckstraße hatte der Parsifal von Richard Wagner 1914 nach Ablauf der Schutzfrist deutsche Erstaufführung außerhalb Bayreuths. Wagners Der Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Götz Friedrich gilt als epochemachende Regiearbeit.

Auch sonst ist das Haus den Bayreuther Wagner-Festspielen eng verbunden. Festspielleiterin Katharina Wagner hat an der Deutschen Oper Berlin Giacomo Puccinis Il trittico inszeniert. Und: ist sich die Familie Wagner bei der Neubesetzung des Chef-Postens der Bayreuther Festspiele nicht einig, so hat der Stiftungsrat der Festspiele nach seiner Satzung einen Rat aus Opernintendanten zu befragen und dabei zuerst den oder die Intendantin der Deutschen Oper Berlin. Generalmusikdirektor Donald Runnicles führt als (ebenfalls Bayreuth-erfahrener) Wagner- und Strauss-Spezialist diese Tradition fort.

Weiter ist das Haus dem Werk von Hans Werner Henze verpflichtet, von dem hier zahlreiche Werke auf- und uraufgeführt wurden. Nicht zuletzt die Pflege des Repertoires von Leoš Janáček hat für die Deutsche Oper Berlin große Bedeutung.

Unter den Einspielungen des Orchesters der Deutschen Oper gelten einige als „Referenzaufnahmen“, dies sind u. a. Wagners Die Meistersinger von Nürnberg unter Eugen Jochum mit Dietrich Fischer-Dieskau, Catarina Ligendza, Christa Ludwig, Plácido Domingo; Verdis Macbeth unter Giuseppe Sinopoli mit Renato Bruson, Mara Zampieri, James Morris sowie Orffs Carmina Burana unter Eugen Jochum mit Gundula Janowitz und Dietrich Fischer-Dieskau.

Der Chor der Deutschen Oper Berlin hat auch in jüngerer Zeit von sich reden gemacht. Dreimal hintereinander, in den Jahren 2008, 2009 und 2010, errang das Ensemble den Titel Chor des Jahres, den die Zeitschrift opernwelt durch eine Umfrage bei führenden Kritikern verleiht. 2012 wurde der Chor mit dem Europäischen Chorpreis der Europäischen Kulturstiftung Pro Europa ausgezeichnet.[6] Der Erfolg des Ensembles wurde auch auf die kontinuierliche Arbeit des Ersten Chordirektors William Spaulding zurückgeführt, der seit der Spielzeit 2007/2008 im Amt war.[7] Seit Februar 2012 war der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker Ehrenmitglied des Chores der Deutschen Oper Berlin.[8]

Die Intendanz von Kirsten Harms in den Jahren 2004 bis 2011 setzte zur Profilierung des Hauses unter anderem auf die Wiederentdeckung und Neubefragung aus dem Spielplan verschwundener Werke der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wie Der Traumgörge von Alexander von Zemlinsky, Cassandra von Vittorio Gnecchi, Germania von Alberto Franchetti und Walter BraunfelsJeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna. Für die letzten beiden Werke wurde die Oper 2007 und 2008 in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt mit der Auszeichnung „Wiederentdeckung des Jahres“ geehrt.

Die kommissarische Leitung in der Spielzeit 2011/12 übernahmen Generalmusikdirektor Donald Runnicles, Operndirektor Christoph Seuferle und der Geschäftsführende Direktor Thomas Fehrle. Seit 1. August 2012 ist Dietmar Schwarz Intendant, dessen Vertrag inzwischen bis 2025 verlängert worden ist.[9] Auch die Verträge mit Geschäftsführer Thomas Fehrle und Generalmusikdirektor Donald Runnicles sind bis 2027 verlängert worden.[10]

Orchester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sänger, das Opernorchester und sein Dirigent sind die wichtigsten Grundlagen für erfolgreiche Aufführungen. Bereits in den 1920er Jahren holten die Intendanten berühmte Gastdirigenten wie Wilhelm Furtwängler und Bruno Walter regelmäßig an die Deutsche Oper. Übertragungen von Konzerten im Rundfunk und Schallplatteneinspielungen brachten die Musik zu den Menschen, die sich keine Besucherkarten leisten konnten.[11]

Das 1961 eröffnete neue Opernhaus gründete natürlich ein neues Orchester. Unter anderem wurden auch wieder Gastdirigenten verpflichtet, darunter Lorin Maazel, Herbert von Karajan, Giuseppe Sinopoli und Christian Thielemann. Thielemann war von 1997 bis 2004 als Generalmusikdirektor (GMD) der Deutschen Oper tätig. Im Jahr 2009 trat Sir Donald Runnicles als Nachfolger das Amt des GMD an, sein bereits verlängerter Vertrag reicht bis 2027.[11]

Dem Orchester gehören alle üblichen Musikergruppen (Streicher, Bläser, Schlagzeuger und Paukisten) an, das gesamte Team umfasst durchschnittlich 100 hochkarätige Musiker (im März 2022 119) sowie Administratoren und andere Begleitpersonen. Einige von ihnen musizieren auch im Orchester der Bayreuther Festspiele.[11][12]

Zusätzlich zu den Opernvorstellungen gibt das Orchester regelmäßig Sinfoniekonzerte mit berühmten Solisten. Sie treten sowohl im Charlottenburger Opernhaus auf als auch in der Berliner Philharmonie. Etliche Orchestermitglieder haben darüber hinaus kleinere einzelne Ensembles gebildet, mit denen sie dann ebenfalls in der Deutschen Oper musizieren. Die Diskografie des Orchesters umfasst mehr als 200 Titel.[11]

Ausgeschiedene Orchestermitglieder, Musiker aus anderen Einrichtungen wie Igor Strawinski oder andere Personen, die sich für das Opernensemble einsetzen, können zu Ehrenmitgliedern berufen werden. Im Jahr 2022 weist die Homepage 44 Ehrenmitglieder auf.[13]

Zur Ausbildung des Musikernachwusches unterhält das Orchester seit den 1980er Jahren eine eigene Orchesterakademie.

Architektur des Gebäudes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptfassade zur Bismarckstraße und Metallskulptur von Hans Uhlmann
Blick zur Seitenfassade

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bauwerk gilt unter Kritikern als „nüchtern bis zur Staubtrockenheit“.[14] Monumental und imposant nach Meinung anderer ist das architektonische Konzept des Neubaus der größten Berliner Oper aus den 1960er Jahren. Aus einem 1953 ausgelobten Wettbewerb zum Neubau des Zuschauerhauses der Deutschen Oper Berlin (die Bühne sowie die Annexe bzw. Anbauten mit u. a. Werkstätten, Magazinen, Lagerräumen, Büros waren nur teilweise zerstört worden und somit vorgegeben)[15] ging der Berliner Architekt Fritz Bornemann als Sieger hervor, der bereits in den 1930er Jahren an den Ausstattungsprojekten seines Vaters an diesem Haus mitgewirkt hatte. Sein Gewinnerentwurf sah einen nahezu quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von rund 70 Metern vor, der sich in drei Bereiche teilt: in das Hauptfoyer mit den Haupttreppen, den zentralen Zuschauerraum mit den anliegenden Nebenfoyers und Nebentreppen sowie die Bühnenzone mit Hauptbühne und den beiden Seitenbühnen.[16]

Äußeres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die zur sechsspurigen Bismarckstraße gewandte Frontseite des Zuschauerhauses konzipierte Bornemann eine massive Beton-Kiesel-Fassade. Die Wand schützt den Theatersaal vollständig vor dem Straßenlärm. Die erst in der zweiten Wettbewerbsstufe ergänzten, aus Glas gestalteten Seitenfassaden gestatten einerseits von außen den Blick in den Zuschauerraum, sollen jedoch andererseits nach Bornemanns Konzeption durch Lichtspiegelungen „den Blick nach außen dämpfen“,[16] um eine Konzentration auf das Kunsterlebnis im Innenraum zu verstärken.

Zuschauerraum

Inneres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu den Pausenräumen historischer Theaterbauten waren die Foyers der Deutschen Oper Berlin von Anfang an als wichtige und herausgehobene Architektur-Elemente, nicht zuletzt als Ausstellungsräume für moderne Skulpturen und Gemälde (als Resonanz zur darstellenden Kunst) geplant.[15] Daher sind sie nicht versteckt in Zwischengeschosse oder Souterrains gedrängt, sondern behaupten in Größe und Sichtbarkeit ihre nahezu gleichrangige Bedeutung neben dem Zuschauerraum. Sie selbst sind als Räume nahezu ohne sichtbare Stützen auf Zurückhaltung, Weite und Transparenz ausgelegt, die in zeittypischer Nüchternheit und Reduktion sowie mit exakt inszenierter Ausstattung, Licht- und Farbgestaltung eine Spannung zu den akzentuierten Kunstwerken herstellen.[15] Treppen und Foyers sind für Filme und Werbespots wegen dieser Raumwirkung als Kulisse beliebt. Teile der Foyers können wegen ihrer Größe für Theatervorstellungen und Vorträge sowie Festlichkeiten genutzt werden. Ansonsten bieten sie in den Pausen durch die Glasfassade „Panoramablicke“ nach Ost und West.

Der Zuschauerraum ist kein Theater-U in Hufeisenform, vielmehr breit und nur schwach gekrümmt, mit freitragenden Balkons. Von jedem Platz ist die breite Bühne vollständig zu sehen. Die Akustik ist die beste aller Berliner Musiktheaterbühnen (nur Deutsche und Komische Oper spielen in Berlin die Opernvorstellungen ohne elektronische Sound-Anlage zur Akustik-Optimierung). Damit bietet die Architektur des Zuschauerraums der Deutschen Oper einen diametralen Gegenentwurf zum nur sechs Jahre älteren Paulick-Saal der Staatsoper unter den Linden. Die schlichte Wandverkleidung des Saales aus tropischen Edelhölzern, die Farbgebung und die gezielt gerichtete Beleuchtung sollen die Aufmerksamkeit der Saalbesucher auf die Bühne konzentrieren und verdeutlichen, dass die Aufführung und nicht etwa Repräsentation im Vordergrund steht. Der Saal verfügt über keine klassischen Logen. Nahezu alle Vorstellungen werden zum besseren Textverständnis mit Übertiteln gegeben. Als bedeutende Theaterarchitektur des 20. Jahrhunderts steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Spielstätte Tischlerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spielstätte Tischlerei der Deutschen Oper Berlin

Die Tischlerei[17] ist die zweite Spielstätte der Deutschen Oper Berlin. Sie befindet sich an der Rückseite des Gebäudes der Deutschen Oper Berlin. Die ehemalige Werkstatt der Tischler wurde 2012[18] zu einem Theaterraum umgebaut, seither gibt es dort pro Spielzeit rund zehn Premieren, Gastspiele und Wiederaufnahmen. Dazu kommen unterschiedliche Konzertreihen. Die Spielstätte ist architektonisch ein offener Raum ohne Orchestergraben, Bühnenturm, Seiten- oder Hinterbühne. Eine Zuschauertribüne ist flexibel einsetzbar. Programmatisch stehen Uraufführungen im Zentrum des Spielplans: Auftragskompositionen, Stückentwicklungen und Bearbeitungen von älteren Werken. Die Tischlerei versteht sich als Werkstatt für das Musiktheater des 21. Jahrhunderts, sowohl für junges als auch für erwachsenes Publikum. Sänger und Musiker der Deutschen Oper Berlin treffen in der Tischlerei auf Künstler der Berliner und internationalen Freien Szene – aus Avantgarde, Pop, Bildender Kunst, Tanz und Performance.

Kinderchor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kinderchor der Deutschen Oper Berlin ist seit seiner Gründung im Jahre 2008 zu einem wichtigen Teil der Deutschen Oper Berlin geworden. Seine erste große Aufgabe war die Carmen-Premiere am 8. März 2009. Seit dieser Zeit hat der Kinderchor der Deutschen Oper Berlin alle Opernaufführungen übernommen, in denen Kinderchorparts sind. Dazu gehören und gehörten Tosca, Falstaff, Die Frau ohne Schatten, Carmina Burana, La Bohème, Hänsel und Gretel, Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der heiligen Johanna, Otello, Turandot, Iannis XenakisOresteia und die Knabensoli in Tosca und Macbeth.

Der Kinderchor der Deutschen Oper gestaltet jedes Jahr zur Weihnachtszeit seine eigenen Weihnachtskonzerte, die auf sehr besondere und erlesene Weise das Thema der Weihnacht besingen und bespielen.

In seinen eigenen Aufführungen und Konzerten auf der Hauptbühne der Deutschen Oper, im Kammermusiksaal der Philharmonie oder bei anderen Veranstaltungen zeigt der Kinderchor der Deutschen Oper sein eigenes Profil. Er schlägt einen musikalischen Bogen vom Barock bis zur Moderne und begibt sich gern auch in den Bereich der Pop- und Unterhaltungsmusik. Die Mitglieder des Kinderchores der Deutschen Oper studieren Werke aus allen Bereichen der zeitgenössischen Musik mit Begeisterung und hohem Anspruch ein.

Kinder tanzen für Kinder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angebote für Kinder und Jugendliche haben an der Deutschen Oper Berlin einen festen Platz. Einen bedeutenden Stellenwert im Rahmen dieses Angebotes nimmt das seit 1997 von der Tänzerin und Choreographin Felicitas Binder ins Leben gerufenes Kinderballett „Kinder tanzen für Kinder“ ein. Die Stücke, rund einstündige Fassungen der bekanntesten Handlungsballette des klassischen Ballett-Repertoires, soll Kindern und Jugendlichen die großen Werke des klassischen Balletts nahebringen und bieten dem Publikum einen geeigneten Einstieg in die Welt des Tanzes. Das Besondere daran: Die Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne sind kaum älter als die Zuschauer im Saal. Umso nachhaltiger ist der Eindruck, den diese dann am Ende nach Hause und in ihren Alltag mitnehmen. Das an der Deutschen Oper beheimatete Kinderballett umfasst mittlerweile etwa 80 Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahren. Die jungen Tänzerinnen und Tänzer haben zusammen mit Felicitas Binder mittlerweile sechs große Projekte erarbeitet und treten regelmäßig an der Deutschen Oper sowie in der Berliner Urania, im FEZ – An der Wuhlheide und im Fontane Haus, mit großem Erfolg auf. Weihnachten 2011 gestalteten sie den „Traum am Weihnachtsabend“ in der Berliner Philharmonie unter der Leitung von Igor Budinstein und das Sinfonieorchester Berlin. Dem Nachwuchspublikum einen Zugang zu Kunst und Kultur zu eröffnen, ist und bleibt das erklärte Ziel von „Kinder tanzen für Kinder“. Große und kleine Tänzerinnen und Tänzer verbindet die Freude am Tanzen, die für viele der Beginn einer lebenslangen Liebe ist. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft von Kirsten Harms (Intendantin der Deutschen Oper Berlin bis 2011) und André Schmitz (ehemaliger Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten).

Seit 1. Januar 2014 gehört das Kinderballett zum Education-Programm „Tanz ist KLASSE!“ des Staatsballetts Berlin und trägt den Namen „Tanz ist KLASSE! – Kinder tanzen“.

Uraufführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtische Oper Berlin

Städtisches Opernhaus Berlin

Deutsche Oper Berlin

Premieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Intendanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bisherige Intendanten der Deutschen Oper Berlin:

Generalmusikdirektoren (GMD)/Chefdirigenten und wichtige Gastdirigenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner fast hundertjährigen Geschichte hat die Deutsche Oper Berlin zahlreiche Gastdirigenten am Pult gesehen. Einige waren jedoch so bedeutend, dass sie selbst die Bedeutung des Opernhauses beförderten (z. B. Wilhelm Furtwängler), die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit anderen prägte zusätzlich das Orchester nachhaltig (z. B. Karl Böhm).

Ehrenmitglied des Orchesters war der im Jahr 2011 verstorbene Humorist Vicco von Bülow.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Geschichte von Deutsches Opernhaus/Städtische Oper Berlin/Deutsche Oper Berlin
  • Werner Bollert: 50 Jahre Deutsche Oper Berlin. Hessling, Berlin 1962 (gilt als erste zusammenfassende Darstellung der Geschichte dieses Opernhauses).
  • Max W. Busch: Die Deutsche Oper Berlin – das Haus in der Bismarckstraße und seine Vorgänger. Presse- und Informationsamt, Berlin 1986 (Berliner Forum. 1986, 1).
  • Max W. Busch, Gisela Huwe (Hrsg.): Die Deutsche Oper Berlin. Quadriga-Verlag Berlin 1984. ISBN 978-3-88679-111-8.
  • Deutsche Oper Berlin (Hrsg.): Dreißig Jahre Deutsche Oper Berlin 1961–1991. Berlin 1991. (Beiträge zum Musiktheater, Bd. 10.) ISSN 0938-7692.
  • Horst Goerges: Deutsche Oper Berlin. Stapp, Berlin 1964
  • Erich Köhrer (Hrsg.): Jahrbuch des Deutschen Opernhauses in Charlottenburg. Berlin 1919–1922. Erschienen sind die Jahrgänge 1919/1920, 1921/1922 und 1922/1923.
  • Erich Köhrer (Hrsg.): Jahrbuch der Städtischen Oper Berlin 1925/26. Deutsche Verlags-AG, Berlin 1925.
  • Götz Friedrich (Hrsg.): Deutsche Oper Berlin. Beiträge zum Musiktheater, Berlin 1982–2001.
  • Detlef Meyer zu Heringdorf: Das Charlottenburger Opernhaus von 1912 bis 1961. Von der privat-gesellschaftlich geführten Bürgeroper bis zur subventionierten Berliner Städtischen Oper. Deutsche Oper, Berlin 1988 (Dissertation). ISBN 978-3-926412-07-2.
  • Rengha Rodewill, Eva Strittmatter: Zwischenspiel – Lyrik, Fotografie. Plöttner Verlag. Leipzig 2010. ISBN 978-3-86211-005-6.
  • Andreas K. W. Meyer (Hrsg.): Siebenjahrbuch. Die Deutsche Oper Berlin von 2004 bis 2011. (Im Auftrag der Deutschen Oper Berlin). Berlin 2011, ISBN 978-3-89479-669-3.
Zu Orchester, Generalmusikdirektoren und Gastdirigenten

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Deutsche Oper Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oper in Berlin.
  2. Deutsche Oper Berlin. In: Zeit Reisen, abgerufen am 14. November 2017.
  3. Vorstellungen abgesagt – Wasserschaden in Deutscher Oper. (Nicht mehr online verfügbar.) In: ZDF. 25. Dezember 2017, archiviert vom Original am 13. Juni 2018;.
  4. Trotz des Wasserschadens finden Silvester-Aufführungen statt. Bei: BR-Klassik, 27. Dezember 2017; abgerufen am 24. Mai 2018.
  5. Die Deutsche Oper ist fast wieder trocken. In: B.Z., 12. Juni 2018.
  6. Grußwort von Kulturstaatssekretär André Schmitz anlässlich der Preisverleihung (Memento vom 11. April 2015 im Internet Archive) (PDF; 22 kB)
  7. Teamwork oder: Was bleibt von 2009/2010? Stephan Mösch in opernwelt, Jahrbuch 2010, S. 116.
  8. facebook.com
  9. sueddeutsche.de
  10. berlin.de
  11. a b c d Homepage Deutsche Oper: Informationen zur Geschichte des Orchesters, abgerufen am 14. März 2022.
  12. Übersicht der Orchestermusiker der Dt. Oper, abgerufen am 14. März 2022.
  13. Übersicht der Ehrenmitglieder der Deutschen Oper, abgerufen am 14. März 2022.
  14. Klaus von Beyme: Hauptstadt Berlin – Von der Hauptstadtsuche zur Hauptstadtfindung. Wiesbaden 2019. S. 225
  15. a b c Markus Kilian: Zurückhaltende Raumbildungen. Die Opern und Theater von Fritz Bornemann. In: Susanne Schindler unter Mitarbeit von Nikolaus Bernau (Hrsg.): Inszenierte Moderne. Zur Architektur von Fritz Bornemann. jovis Verlag GmbH, Berlin 2003, ISBN 3-936314-03-9, S. 48–65.
  16. a b Ulrich Conrads: Die Deutsche Oper Berlin. In: Bauwelt. Heft 54, 1961, S. 1285–1289.
  17. Tischlerei
  18. Eröffnung der „Tischlerei“ in der Deutschen Oper.
  19. kultura-extra.de
  20. NDB 23