OpenSSL

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OpenSSL

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Basisdaten

Entwickler OpenSSL Development Team
Erscheinungsjahr 1998
Aktuelle Version 1.1.1h (22. September 2020)
Betriebssystem Unix-ähnlich, Windows
Programmiersprache C
Kategorie Kryptographie
Lizenz ähnlich BSD (mit Werbeklausel)
deutschsprachig nein
www.openssl.org

OpenSSL, ursprünglich SSLeay, ist eine freie Software für Transport Layer Security, ursprünglich Secure Sockets Layer (SSL).

OpenSSL umfasst Implementierungen der Netzwerkprotokolle und verschiedener Verschlüsselungen sowie das Programm openssl für die Kommandozeile zum Beantragen, Erzeugen und Verwalten von Zertifikaten. Die in C geschriebene Basisbibliothek stellt allgemeine kryptographische Funktionen zum Ver- und Entschlüsseln sowie diverse weitere Werkzeuge bereit.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SSLeay ermöglichte Mitte der 1990er Jahre, SSL auch außerhalb der USA mit starker Verschlüsselung einzusetzen, weil diese Implementierung in Australien entstand und somit keinen Exportbeschränkungen unterlag.[1] Den Namen der Software bildeten die Initialen des Netzwerkprotokolls und des Programmierers. Eric A. Young hatte zuvor an Implementierungen von Kerberos und DES gearbeitet.[2] Zu diesem neuen Projekt regte ihn 1995 sein Freund Tim J. Hudson an.[3] Hudson trug auch maßgeblich zum Projekt bei, indem er zugehörige Patches für andere freie Software und für Windows programmierte.[1][4]

Die Version SSLeay 0.9.1b vom Sommer 1998 wurde nicht mehr veröffentlicht, sondern von einem neuen Team bis Dezember 1998 weiterentwickelt und als OpenSSL 0.9.1c veröffentlicht.[5] Ralf S. Engelschall, Mitbegründer dieser Gruppe, beschreibt die Entwicklung von OpenSSL als Voraussetzung für die Schaffung von mod_ssl, dem meistgenutzten Verschlüsselungsmodul für Apache-Webserver. Im Gegensatz zu diesem praktisch fertigen Modul, das nur noch gewartet zu werden brauche, sei die Entwicklung bei OpenSSL noch nicht abgeschlossen. Stattdessen würden engagierte, freie Programmierer weiterhin Applikationen entwerfen und dabei auf den bereits etablierten Basisfunktionen von OpenSSL aufbauen.[6]

Abspaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 kam es in der Folge des Heartbleed-Bug zu mehreren Abspaltungen. Aufgrund der Komplexität des über viele Jahre gewachsenen Projektes und damit einher gehender Schwierigkeiten bei der Auditierung auf Sicherheitslücken entschlossen sich die Entwickler des Betriebssystems OpenBSD um Theo de Raadt zur Veröffentlichung einer OpenSSL-Version mit halbiertem Code-Umfang unter dem Namen LibreSSL.[7]

Auch Google benutzt und veröffentlicht seitdem einen eigenen Fork von OpenSSL unter dem Namen BoringSSL.[8] Dieser kommt u. a. in Chrome und Android zum Einsatz.[9]

FIPS-140-2-Zertifizierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

OpenSSL ist das erste nach FIPS 140-2 zertifizierte Open-Source-Programm. Hierbei handelt es sich um einen Sicherheitsstandard, den das National Institute of Standards and Technology (NIST) für das Cryptographic Module Validation Program festgelegt hat.

Die Freigabe wurde im Januar 2006 erteilt. Im Juni wurde sie vorläufig wieder zurückgezogen, jedoch am 16. Februar 2007 wieder erteilt. Nach Aussage von John Weathersby vom Open Source Software Institute (OSSI) war das Problem „politischer Natur“ (im Original: a political challenge), da eine vergleichbare Zertifizierung kommerzielle Anbieter erhebliches Geld kostet. Bezahlt wurde der Prozess vom amerikanischen Verteidigungsministerium und interessierten Firmen, die sich von einer freien Lösung finanzielle Einsparungen sowie Standardisierung erhofften.[10]

Bemerkenswerte Sicherheitslücken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwache Schlüssel unter Debian[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Mai 2008 gab das Debian-Projekt bekannt, dass das OpenSSL-Paket der Distributionen seit 17. September 2006 (Version 0.9.8c-1 bis 0.9.8g-9) eine Sicherheitslücke enthielt. Durch einen Fehler in einem Debian-spezifischen Patch sind die mit dem in diesen Paketen enthaltenen Zufallszahlengenerator erzeugten Schlüssel vorhersagbar. Davon betroffen seien SSH-, OpenVPN-, DNSSEC-Schlüssel, Schlüssel in X.509-Zertifikaten sowie Sitzungsschlüssel, die in SSL/TLS-Verbindungen (HTTPS) genutzt werden. Schlüssel, die mit GnuPG oder GnuTLS erzeugt wurden, seien nicht betroffen.[11]

Die Sicherheitslücke entstand beim Versuch, eine Warnmeldung des Codeanalysewerkzeugs Valgrind zu beseitigen. Dabei sollte eine wenig relevante Codezeile, welche die Warnung verursachte, entfernt werden, allerdings wurde auch ein zweites Vorkommen dieser Zeile entfernt, welches in einem anderen Kontext stand und eine völlig andere Bedeutung hatte.

Die entsprechenden Schlüsselpaare sind leicht angreifbar, da es möglich ist, sämtliche in Frage kommenden privaten Schlüssel innerhalb weniger Tage zu berechnen. Für die betroffenen SSH-Schlüssel existiert ein frei herunterladbares Paket im Internet. Durch diesen Fehler waren und sind SSL-Verbindungen zu vielen Servern durch Man-in-the-Middle-Angriffe verwundbar. Verbindungen zu Servern, die jemals ein Zertifikat mit einem schwachen Schlüssel aufwiesen, sind so lange angreifbar, bis die Zertifikate ablaufen oder wirksam widerrufen werden. Dabei ist zu beachten, dass viele Browser nicht auf widerrufene Zertifikate prüfen. Besonders prominent in diesem Zusammenhang war ein verwundbarer Server des Dienstleisters Akamai,[12] welcher unter anderem für die Bereitstellung der ELSTER-Software der deutschen Finanzämter sowie von Treiber-Updates von AMD[13] verantwortlich ist.

Heartbleed-Bug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Heartbleed-Bug können in betroffenen OpenSSL-Versionen über TLS- und DTLS-Verbindungen Teile des Arbeitsspeichers der Gegenseite ausgelesen werden. Dadurch können Daten von betroffenen Systemen unberechtigt kopiert werden, wie etwa private Schlüssel von X.509-Zertifikaten, Benutzernamen und Passwörter. Betroffen ist die Heartbeat-Implementierung in den OpenSSL-Versionen 1.0.1 vom 14. März 2012 bis einschließlich 1.0.1f, sowie mehrere Beta-Versionen von 1.0.1 und 1.0.2. Die Sicherheitslücke wurde mit Version 1.0.1g am 7. April 2014 behoben.

Lizenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

OpenSSL steht unter der Lizenz von SSLeay und seiner eigenen Lizenz, die zusammengefasst gelten.[14] Beide sind der ursprünglichen BSD-Lizenz ähnlich.[4] Die wesentliche Einschränkung ist demzufolge, dass Werbung für Fremdprodukte, die OpenSSL enthalten, OpenSSL und die beiden Urheber von SSLeay erwähnen muss.

Ab Version 3.0.0 steht OpenSSL unter der Apache-2.0-Lizenz, um die Verwendung in anderen Open-Source-Projekten zu vereinfachen.[15][16][17]

Versionsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Übersicht enthält nur die wichtigsten Versionen.

Zweig Erscheinungsdatum (Zweig) Letzte Version Supportende Anmerkung
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.9.1 – 1.0.0 23. Dezember 1998 (0.9.1) 1.0.0t (3. Dezember 2015) 31. Dezember 2015 (0.9.8 und 1.0.0)
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 1.0.1 14. März 2012 1.0.1u (22. September 2016) 31. Dezember 2016
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 1.0.2 22. Januar 2015 1.0.2u (20. Dezember 2019) 31. Dezember 2019 (LTS) [18]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 1.1.0 25. August 2016 1.1.0l (10. September 2019) 11. September 2019 [19]
Aktuelle Version: 1.1.1 11. September 2018 1.1.1h (22. September 2020) 11. September 2023 (LTS) [20]
Zukünftige Version: 3.0.0 ~ Q4 2020 [21]
Legende:
Ältere Version; nicht mehr unterstützt
Ältere Version; noch unterstützt
Aktuelle Version
Aktuelle Vorabversion
Zukünftige Version

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Secure Socket Layer: Encode and certify with SSLeay. Verlag Heinz Heise. 1996. Abgerufen am 5. Dezember 2011.
  2. Eric Young. EMC Corporation. Archiviert vom Original am 11. November 2011. Abgerufen am 5. Dezember 2011.
  3. SSLeay 0.6.6.docs. University of Michigan. Abgerufen am 5. Dezember 2011.
  4. a b License. OpenSSL Project. Abgerufen am 28. November 2011.
  5. ChangeLog. OpenSSL, 2. Dezember 2010, abgerufen am 10. August 2011.
  6. Im Interview: Ralf S. Engelschall – der deutsche Open-Source-Guru. Netzwelt.de, 9. August 2010, abgerufen am 11. Januar 2011.
  7. Theo de Raadt: OpenSSL ist nicht reparierbar. golem.de, 24. April 2014, abgerufen am 24. April 2014.
  8. Google entwickelt eigene SSL-Bibliothek | heise online
  9. Google: BoringSSL Beschreibung auf Github
  10. Jana Cranmer: NIST recertifies open source encryption module, 16. Februar 2007.
  11. Debian-Sicherheitsankündigung – DSA-1571-1 openssl -- Voraussagbarer Zufallszahlengenerator, 13. Mai 2008, abgerufen am 31. August 2017.
  12. blog.fefe.de/?ts=b6c9ec7e
  13. Downloadlink auf http://game.amd.com/us-en/drivers_catalyst.aspx?p=xp64/theater550-xp64
  14. Various Licenses and Comments about Them. Free Software Foundation. Abgerufen am 28. November 2011.
  15. Tilman Wittenhorst: OpenSSL wechselt die Lizenz und verärgert Beteiligte. In: heise online. Heise Medien, 25. März 2017, abgerufen am 6. Januar 2020.
  16. OpenSSL Re-licensing to Apache License v. 2.0 To Encourage Broader Use with Other FOSS Projects and Products. In: Core Infrastructure Initiative. Linux Foundation, 23. März 2017, abgerufen am 6. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  17. Richard Levitte: Change license to the Apache License v2.0 · openssl/openssl@1513331. 6. Dezember 2018, abgerufen am 6. Januar 2020 (englisch).
  18. OpenSSL version 1.0.2u published (en) 20. Dezember 2019. Abgerufen am 22. Dezember 2019.
  19. OpenSSL 1.1.0 Series Release Notes (en) 25. August 2016. Abgerufen am 25. August 2016.
  20. OpenSSL version 1.1.1h published (en) 22. September 2020. Abgerufen am 23. September 2020.
  21. Update on 3.0 Development (en) 7. November 2019. Abgerufen am 3. Dezember 2019.