Ordre de Saint-Michel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ordenszeichen
Ludwig XI. im Kreis der Ordensritter. Titelminiatur des für den König bestimmten Exemplars der Ordensstatuten von Jean Fouquet.

Der Ordre de Saint-Michel (Michaelsorden) ist ein französischer Ritterorden.

Gründung[Bearbeiten]

König Ludwig XI. gründete ihn am 1. August 1469 in Amboise als Antwort auf den burgundischen Orden vom Goldenen Vlies. Zweck des Ordens war nicht zuletzt die Stärkung der königlichen Zentralgewalt zulasten der Macht des Adels. Dementsprechend stand der Michaelsorden auch unter der Leitung des Königs, der den Titel Chef et Souverain führte. Auf ihn hatten die Ordensritter auch einen persönlichen Eid zu leisten.

Sitz[Bearbeiten]

Als Sitz des Ordens war ursprünglich die Abtei Mont-Saint-Michel in der Normandie geplant. Sie erwies sich aber als so abgelegen, dass dort keine einzige Ordensversammlung stattfand.

Bereits 1496 wurde der Sitz in die Kapelle Saint-Michel du Palais in Paris verlegt. Lange Zeit litt der Orden unter unzureichender Finanzausstattung. 1496 wandte sich Karl VIII. mit der Bitte an den Papst, bei der Kapelle ein Priesterkolleg zu errichten, in deren Räumen sich der Orden treffen könne. 1497 durch päpstliche Bulle genehmigt, wurde der Plan nach Karls Tod ein Jahr darauf nicht weiterverfolgt.

1555 schließlich wurde der Sitz nach Vincennes verlegt.

Ordenskette[Bearbeiten]

Die Ritter trugen eine goldene Halskette aus mit Knoten verbundenen Muscheln, an dem ein den Drachenbezwinger Michael zeigendes Medaillon hing.

Mitglieder[Bearbeiten]

Ursprünglich gehörten dem Michaelsorden nur Vertreter des Hochadels an, so etwa die mit dem König verwandten Herzöge von Berry, Anjou, Bourbon und Orléans sowie Angehörige der Häuser Luxembourg, Laval, La Trémoille, Chabannes, Crussol, Rohan, Dunois, Melun und Artois. Aufgenommen wurden auch ein König von Dänemark sowie einer von Schottland. Der Herzog der Bretagne verweigerte den Eintritt in den Orden aus Feindschaft zum Königshaus, der Herzog von Geldern wegen seiner Mitgliedschaft im Orden vom Goldenen Vlies. Unter Karl VIII. stieg der Ausländeranteil, u.a. durch die Aufnahme von Angehörigen der Häuser Stuart und Savoyen sowie des venezianischen Botschafters Luca Spinola.

Ursprünglich war die Zahl der lebenden Mitglieder des Michaelordens auf 31, dann auf 36 begrenzt. 1565 wurde das Limit im Zuge der Religionskriege offiziell auf 50 angehoben, 1578 auf 100. Ludwig XIV. weichte auch diese Grenze zeitweilig auf, während sein Nachfolger sie wieder strikt durchsetzte, dafür aber mehr als Nicht- und Neu-Adelige in den Orden aufnahm als jeder andere König vor ihm. Faktisch wurde die offizielle Begrenzung aber ohnehin meist weit überschritten: Beim Regierungsantritt Henris III. im Jahre 1574 soll der Orden an die 700 Ritter umfasst haben.

Bedeutungsrückgang[Bearbeiten]

Wegen der zahlenmäßigen Ausweitung und auch der zunehmenden Öffnung für den niederen Adel und das Bürgertum erlitt der Orden, insbesondere gegenüber dem Orden vom Goldenen Vlies und dem Hosenbandorden einen erheblichen Prestigeverlust. Sein Insignium nannte man nunmehr spöttisch "le collier à toutes bêtes" ("Allerweltskette").

Nicht zuletzt in Reaktion hierauf gründete Henri III. 1578 den Ordre du Saint-Esprit. Dieser war ausländischen regierenden Fürsten sowie dem Hochadel Frankreichs einschließlich der königlichen Prinzen vorbehalten. Seine Mitglieder gehörten mit ihrer Ernennung automatisch auch dem Michaelsorden an.

Seit der Zeit Ludwigs XV. steht der Orden verstärkt Schriftstellern, Künstlern und Beamten offen. Die Halskette wird nur noch selten getragen. Man hat sie durch ein schwarzes Ordensband ersetzt, die dem Orden den Namen "cordon noir" eintrug. An die Stelle des Michaels-Medaillons trat ein goldenes oder emailliertes Kreuz.

Auflösung[Bearbeiten]

Im Zuge der Revolution wurde der Michaelsorden 1791 ebenso wie die anderen Orden aufgelöst. 1814 wurde er kurzzeitig wiederbelebt, wobei es aber kaum mehr zur Ernennung neuer Ritter kam. König Louis-Philippe schaffte ihn 1830 schließlich endgültig ab.

Im Zwanzigsten Jahrhundert manifestierten noch zwei spanische Bourbonen-Abkömmlinge ihren Anspruch auf den französischen Thron durch Verleihung des Michaelordens: Herzog Jaime I. ernannte am 2. August 1929 den Grafen Jean d'Andigné und am 25. August 1930 dessen Sohn Amedée zu Rittern. 1960 nahm Herzog Jaime II. gleich sechs Personen in den Orden auf: seinen Sekretär Patrick Esclafer de la Rode, den Grafen Pierre de la Forest Divonne, Massimo Sciolette, Teodoro Constanti Zarifi, Karl-Otto Ziesniss sowie eine unbekannt gebliebene weitere Person.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Les ordres du roi. Répertoire général contenant les noms et qualités de tous les chevaliers des Ordres royaux, militaires et chevaleresques ayant existé en France de 1099 à 1830. Avec une histoire des Ordres du Saint-Esprit, de Saint-Michel, de Saint Louis etc., hg. von Ludovic de Colleville und François de Saint-Christo, Paris o.J. [1925]. [S. V-XII kurzer Überblick über den Orden, S. 67-152 Verzeichnis der Mitglieder und S. 153-156 Verzeichnis der Amtsträger]
  • Peter Vetter, Der französische Ritterorden vom heiligen Michael (1469-1830), Diss. phil., Bonn 1979.
  • Philippe Contamine, Michaelsorden, in: Lexikon des Mittelalters Bd. 6, 1993, Sp. 607.
  • D’Arcy J.D. Boulton, The knights of the crown. The monarchical orders of knighthood in later medieval Europe (1325-1520), 2. verbesserte Aufl., Woodbridge 2000, ISBN 0851157955 und ISBN 0851154174, S. 427-447.