Oriongürtel

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Karte des Sternbilds Orion mit hinterlegter Darstellung des Jägers Orion der griechischen Mythologie (London, 1825), Oriongürtel blau
Die drei Gürtelsterne im Orion. Links unten der Flammennebel und der Pferdekopfnebel.

Der Oriongürtel (englisch Orion’s Belt) ist eine auffällige Sternreihe in der Mitte des Sternbildes Orion. Er besteht aus den drei „Gürtelsternen“ Mintaka, Alnilam und Alnitak; diese Namen entstammen der mittelalterlichen arabischen Astronomie. Diese Sterne zweiter Größe liegen auf einer fast geraden Linie in jeweils etwa 1° Abstand. Sie sind nur wenig schwächer als die drei hellsten Sterne des Orion, die Sterne erster Größe Beteigeuze, Bellatrix und Rigel.

In sechsfacher Verlängerung nach Südosten (für Beobachter in mitteleuropäischen Breiten nach links unten) findet sich der hellste sichtbare Fixstern Sirius.

Zwei der Gürtelsterne und etwa 130 schwächere Sterne bilden einen offenen Sternhaufen, in dem sie entstanden sind: den etwa 3° großen Collinder 70 in einer Entfernung von etwa 900 Lichtjahren.

Benennung und kulturelle Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sternbild Orion trägt seinen in der westlichen Kultur und der Fachastronomie gebräuchlichen Namen nach dem Jäger Orion der griechischen Mythologie. Bei Hinterlegung des Sternbilds mit einer bildlichen Darstellung des Jägers markieren die Sterne des Oriongürtels den Gürtel seiner Kleidung.

In Spanien, Portugal und Südamerika wird der Oriongürtel Tres Marías bzw. Três Marias (‚die drei Marien‘) genannt.

Im Europa des Mittelalters wurde er Jakobsstab oder Jakobsleiter genannt.

Lage und Erscheinung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die markante Konstellation liegt zwischen dem Fluss Eridanus und dem Einhorn. Wegen ihrer Lage auf dem Himmelsäquator steht sie auf der gesamten Erde (bis auf Gebiete nahe dem Nord- und dem Südpol) täglich knapp zwölf Stunden vollständig über dem Horizont. Im letzten und ersten Jahresviertel (also in Mitteleuropa vom Spätherbst bis zum Frühlingsbeginn) ist sie am abendlichen Sternenhimmel beobachtbar. Der westliche (für mitteleuropäische Beobachter rechte) Gürtelstern Mintaka liegt nur ¼° südlich des Himmelsäquators; durch die Präzession der Erdachse wird dieser Winkel um das Jahr 2080 zu Null.

Für Beobachter in mitteleuropäischen Breiten erscheint die Linie des Oriongürtels beim Aufgang etwa senkrecht zum Horizont und beim Untergang dazu parallel.

Gürtelsterne (mit FK5-Koordinaten (Rektaszension, Deklination 2000,0) und scheinbarer Helligkeit)
Name Rektaszension Deklination Helligkeit Bemerkung
Mintaka (δ Ori) 5h 32m 0,4s 1998243.3−0° 17′ 56,7″ 2,2 mag
Alnilam (ε Ori) 5h 36m 12,81s 1988793.1−1° 12′ 6,9″ 1,69 mag 0,07° südlich der Mitte zwischen Mintaka und Alnitak (536235h 36m 23s , 1989285−1° 7′ 15″ )
Alnitak (ζ Ori) 5h 40m 45,53s 1984365.735−1° 56′ 34,265″ 2,03 mag

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn man sich das Sternbild als die Gestalt eines einem zugewandten Jägers mit dem Kopf am Nordende (also von nördlichen Breiten aus beobachtet aufrecht stehend) vergegenwärtigt, hängt der Gürtel im Gesamtbild etwas zur rechten Körperseite (also in der Aufsicht nach links unten), wo Orions Schwert zu denken wäre. An dieser Sternreihe des Jagdgürtels hängt (in der Aufsicht) links der Köcher aus schwächeren Sternen, von denen je nach Sichtbedingungen drei oder vier mit freiem Auge sichtbar sind.

5° (entsprechend 3 Fingerbreit bei ausgestrecktem Arm) südlich des Mittelsterns des Gürtels strahlt freiäugig sichtbar der Orionnebel mit den Trapezsternen, auch das „Schwertgehänge“ des Oriongürtels genannt. Dies besteht aus einer kurzen Sternreihe, die sich von Norden nach Süden aus 45 Ori, θ Ori und ι Ori zusammensetzt, in deren Mitte sich als 4. Objekt der Nebelfleck einordnet. Er hat im Messier-Katalog die Bezeichnung M42 und ist der hellste Emissionsnebel (also selbstleuchtend) am Sternhimmel. Zu Beginn der Astrofotografie vor etwa 150 Jahren war er wegen seiner hohen Flächenhelligkeit das erste Nebel-Objekt, das mit langen Belichtungszeiten erfolgreich aufgenommen wurde.

Im Orionnebel und bei den Gürtelsternen finden sich zahlreiche leuchtende Gasnebel und fadenförmige Ausfransungen. In diesen sogenannten Elefantenrüsseln entstehen neue Sterne, wie man im infraroten Licht beobachten kann. Im Umkreis liegt eine riesige Gas- und Molekülwolke, die 1.500 Lichtjahre entfernt ist und im Infrarot den größten Teil des Orions ausfüllt.

Knapp südlich des südöstlichen Gürtelsterns Alnitak befindet sich der mit dem freien Auge nicht sichtbare Pferdekopfnebel. Diese Dunkelwolke direkt vor einem Emissionsnebel bildet ein kontrastreiches Objekt für Hobbyastronomen. Die leuchtende Hintergrund-Gaswolke ist Teil des ausgedehnten Orion-Komplexes und zieht sich in einem weiten, nördlich des Oriongürtels beginnenden Bogen von 10–15° Durchmesser um die Gürtelsterne herum und reicht südwärts fast bis zum Rigel.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]