Oscar Huldschinsky

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Oscar Huldschinsky (* 16. November 1846 in Breslau; † 21. September 1931 in Berlin)[1] war ein deutscher Montan-Unternehmer, der als Kunstsammler und Mäzen hervortrat.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabstätte auf dem Friedhof Wannsee in Berlin-Zehlendorf

Oscar Huldschinsky war ein Sohn des Fabrikanten Salomon Huldschinsky.[2] Er wurde, wie sein Bruder Edwin Huldschinsky, Teilhaber in der von seinem Vater gegründeten Firma S. Huldschinsky & Söhne, die im Steinkohlenbergbau und der Eisenindustrie Schlesiens aktiv war und unter anderem Röhrenwalzwerke in Sosnowitz (damals Russisch-Polen) sowie Hüttenwerke in Gleiwitz betrieb. Oscar Huldschinsky selbst siedelte in den 1870er Jahren nach Berlin über. Sein Vermögen wurde im Jahr 1914 auf 30 Millionen Mark geschätzt. 1897 trat er der Gesellschaft der Freunde bei.

Schon 1890/1891 ließ er sich am Großen Wannsee eine Villa bauen, die damals die Adresse Friedrich-Karl-Straße 19 hatte. Eine weitere Villa für seine Kinder, die im neobarocken Stil gehalten war, ließ er neben der ersten in den Jahren 1907/1908 errichten. Das Anwesen hat heute die Adresse Am Sandwerder 33/35. Es umfasste neben den beiden Häusern und der Gartenanlage auch einen Bootshafen mit einem Bauwerk, auf dem sich eine Aussichtsterrasse befand, einen Gartenpavillon mit offener Bogenhalle und einen Wintergarten, den Alfred Breslauer und Oscar Huldschinskys Sohn Paul später erweiterten. Von 1904 bis 1913 war Oscar Huldschinsky der Besitzer der von William Fife entworfenen Segelyacht Susanne, die zahlreiche Regatten gewann.[3][4][5]

Einen Teil seines Geldes investierte Oscar Huldschinsky, der Gründungsmitglied des Kaiser Friedrich-Museums-Vereins war,[6] in eine umfangreiche Kunstsammlung, die unter anderem Gemälde von Sandro Botticelli, Tiepolo, Rembrandt, Frans Hals, Jacob van Ruisdael[7] und Peter Paul Rubens enthielt. Die Berliner Museen bedachte er mit mehreren großzügigen Stiftungen. So erhielt beispielsweise die Nationalgalerie das Pastellbild Unterhaltung von Edgar Degas und die Skulptur Der Denker von Auguste Rodin, der Gemäldegalerie stiftete er die Werke Beweinung Christi von Hugo van der Goes und Maria mit dem Kind aus der Werkstatt von Jan van Scorel.[8] 1898 präsentierte Wilhelm von Bode, der Huldschinsky bei seinen Käufen beriet,[9] die Sammlung Huldschinsky in der Berliner Gemäldegalerie,[10] 1909 gab er eine Broschüre über Huldschinskys Sammlung heraus.[11] 1926 wurde Huldschinsky von Max Liebermann porträtiert.

Oscar Huldschinsky musste einen Teil seiner Kunstwerke 1928 versteigern lassen, nachdem er durch die Volksabstimmung in Oberschlesien von 1922[12] in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen war. Auch der Wohnsitz am Wannsee wurde zu dieser Zeit verkauft. Der neue Eigentümer war der Bankier Georg Schicht, der wenige Jahre nach dem Kauf nach London emigrierte. 1942 ging das Grundstück in das Eigentum des Deutschen Reichs über. Es wurde zunächst von der Reichsforstverwaltung genutzt, später zog der italienische Botschafter in Huldschinskys Villa. Am 19. Juni 1948 wurde dort die Gründung der Freien Universität Berlin besprochen. Zwischen 1954 und 1995 diente die Villa als Krankenhaus; 1999 wurde das Hauptgebäude verkauft. Die Nebenvilla, in der einst Huldschinskys Kinder lebten, wird saniert.

Oscar Huldschinsky wurde als Jude auf dem Neuen Friedhof in Wannsee bestattet. Sein Grab mit einem Monument von Otto Stahn ist erhalten geblieben.[13] Noch zu Lebzeiten hatte er den Antrag gestellt, dass auf diesem Friedhof auch Juden beerdigt werden durften.[14] Sein Sohn Paul ließ sich später in den USA nach katholischem Ritus bestatten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cella-Margaretha Girardet: Jüdische Mäzene für die Preußischen Museen zu Berlin. Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach 1997, ISBN 3-8267-1133-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oscar Huldschinsky – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ghwk.de
  2. Beginning and development auf fabrykapr.com (englisch).
  3. Westward, Britannia, White Heather (II) and Susanne, crossing the Royal Yacht Squadron line at Cowes, 1920. auf christies.com (englisch)
  4. Atlantic wins again. American Yacht First of Auxillaries in Hellgoland Race. (PDF) In: The New York Times, 20. Juni 1905.
  5. Walter Ludwig: Konstrukteure. William Fife auf klassischeyachten.de
  6. Gründungsmitglieder des Kaiser-Friedrich-Museumsvereins
  7. http://www.artic.edu/aic/collections/artwork/60755
  8. Cella-Margaretha Girardet: Jüdische Mäzene für die Preußischen Museen zu Berlin, S. 172.
  9. Andrea Pophanken, Felix Billeter: Die Moderne und ihre Sammler. Akademie-Verlag, 2001, ISBN 978-3-05-003546-8, S. 23.
  10. Michael Zajonz: Das Herrenzimmer als Museumsraum. In: Der Tagesspiegel, 19. Oktober 2006.
  11. Broschüre über die Sammlung Oscar Huldschinsky auf kettererkunst.de
  12. Villenkolonie Wannsee auf kulturverein-wannsee.de
  13. Oscar Huldschinsky bei www.berlin-die-hauptstadt.de.
  14. Der Neue Friedhof in Berlin-Wannsee. auf ghwk.de.