Osterbrunnen

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Osterbrunnen in Heiligenstadt

Aus der Fränkischen Schweiz stammt der Brauch, Osterbrunnen zu schmücken. Am Karsamstag werden zur Vorbereitung auf Ostern öffentliche Dorfbrunnen mit bemalten Ostereiern und anderen Verzierungen zu Osterbrunnen geschmückt.

Mündliche Überlieferungen berichten erstmals von einem Osterbrunnen in Aufseß um das Jahr 1909. Die Gründe für die Entstehung des Brauches des österlichen Brunnenschmückens in der Fränkischen Schweiz sind unklar. Neben christlichen Interpretationen wird als Erklärung häufig die Wasserarmut der Fränkischen Schweiz genannt, durch die der Wasserversorgung einen besonders hohen Stellenwert zukam. Auch mag das gründliche, meist in Gemeinschaftsarbeit durchgeführte Reinigen der für die Trinkwasserversorgung wichtigen Brunnen und Quellen vom Schmutz des Herbsts und Winters eine Rolle bei der Entstehung des Brauches gespielt haben.

Aufgrund der mutwilligen Zerstörungen des Schmucks wurden inzwischen in vielen Gemeinden die ursprünglich in aufwendiger Handarbeit bemalten ausgeblasenen Hühnereier durch Kunststoffeier ersetzt.

Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz[Bearbeiten]

Osterbrunnen in Teuchatz

Historischer Hintergrund[Bearbeiten]

Bereits in den 1920er Jahren kam es zu ersten (Fehl-) Deutungen der Osterbrunnen als Überreste slawischen bzw. wendischen „heidnischen Brauchtums“. In den 1930er Jahren wurden diese Ideen von der regionalen NS-Propaganda teilweise übernommen und der Osterbrunnen zum „germanischen“ Brauch mit uralten Wurzeln im „Quellkult unserer Ahnen“ umgedeutet. Wohl aufgrund der vermuteten slawischen Ursprünge und der im Vergleich zu heute relativ geringen Verbreitung fanden die Osterbrunnen jedoch weniger Beachtung und Verwendung als Mittel der NS-Propaganda als andere Bräuche. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Bedeutung der Brunnen durch moderne Wasserversorgungssysteme stark ab. Der Brauch der Osterbrunnen drohte daher mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten. Ab dem Jahr 1952 nahm sich der Nürnberger Arzt und Burgenforscher Dr. Kunstmann dieses Themas an und engagierte sich zusammen mit seiner Frau für den Fortbestand des Brauchs. Ursprünglich nur in der Fränkischen Schweiz üblich, hat sich das österliche Brunnenschmücken seit den 1980er-Jahren über weite Teile Oberfrankens verbreitet. Österliche Busrundfahrten von Touristengruppen zu den Osterbrunnen der Fränkischen Schweiz stellen inzwischen eine wichtige Einnahmequelle der lokalen und regionalen Tourismus- und Gastronomieunternehmen dar.[1]

Orte mit Osterbrunnen[Bearbeiten]

Die Osterbrunnen bleiben üblicherweise bis zwei Wochen nach Ostern geschmückt. Während dieser Zeit sind die Orte mit als besonders schön geltenden Osterbrunnen beliebte touristische Ausflugsziele. Besonders Brunnen wie in Heiligenstadt oder Bieberbach gelten inzwischen als Touristenattraktionen, die von Bussen aus München, Dresden und anderen Städten besucht werden. Zählungen haben ergeben, dass Heiligenstadt an einem Tag von etwa 80 Bussen angesteuert wird. Der größte fränkische Brunnen befindet sich in Bieberbach bei Egloffstein und bekam 2001 aufgrund seines Brunnenschmucks aus 11.108 handbemalten Eierschalen einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde.[1][2]

Österlich geschmückte Brunnen außerhalb der Fränkischen Schweiz[Bearbeiten]

Osterbrunnen vor der Hüle in Bartholomä

Der Brauch, in der Osterzeit Brunnen zu schmücken, hat auch außerhalb der Fränkischen Schweiz Einzug gehalten. Es gibt heute Osterbrunnen im Großraum Bamberg, im Steigerwald, in Altmühlfranken, in Sachsen, in der Pfalz und im Saarland.[3]

Das Brauchtum hat sich auch nach Oberbayern, Schwaben und in die Oberpfalz ausgebreitet. So kann im schwäbischen Schechingen jedes Jahr ein Osterbrunnen mit über 11.000 Eiern betrachtet werden, der in Baden-Württemberg zu einem bekannten Anlaufpunkt geworden ist. Seit 2006 werden im emsländischen Haselünne Brunnen geschmückt.

Rekordbrunnen von Sulzbach-Rosenberg

Im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg wurde 2005 der Stadtbrunnen mit 16.500 Eiern dekoriert, wodurch die Stammregion Franken den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde verlor.[3]

Theorien zur Herkunft der Osterbrunnen[Bearbeiten]

Neuere Forschungen haben ergeben, dass es sich bei den fränkischen Osterbrunnen um eine bewusste Brauchtums-Neuschöpfung im späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert handelt. Der Ursprung der Osterbrunnen dürfte um 1909 in der kleinen Gemeinde Aufseß (Fränkische Schweiz) liegen. Trotz zahlreicher Untersuchungen konnten bisher keine stichhaltigen Belege für einen älteren Ursprung des Brauches oder Verbindungen mit anderen, älteren Bräuchen der Region gefunden werden. Dennoch tauchen in Informationsbroschüren, auf Homepages der Osterbrunnen-Gemeinden, in Touristenführern oder von teils selbsternannten Heimatforschern immer wieder historisch wie wissenschaftlich nicht haltbare Theorien und Vermutungen zu einem heidnischen oder mittelalterlichen Ursprung der Osterbrunnen auf.[1]

Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz

Claudia Schillinger: Fränkische Osterbrunnen[Bearbeiten]

In dem 1997 erstmals erschienenen und auf einer in den frühen 1980er Jahren entstandenen Zulassungsarbeit der Bamberger Lehramtsstudentin Claudia Schillinger fußenden Bildband Fränkische Osterbrunnen wird behauptet, die Osterbrunnen gingen auf „heidnische Ursprünge“ zurück. Claudia Schillinger deutet die Osterbrunnen als „Überreste wendischen Aberglaubens“. Sie stützt sich dabei auf als überholt geltende Theorien des frühen 20. Jahrhunderts zum Fortleben slawischer Traditionen in Oberfranken, Mit einer einzigen hochmittelalterlichen Quelle, in der der fränkische „Gutsherr“ Mahkorn in einem Erlass forderte, dass „Brunnen und Quellen zu Ostern mit frischem [Frühlings?]-Grün geschmückt sein sollten, weil das Frühjahr kommt“ versuchte Schillinger nachzuweisen, dass es schon damals Osterbrunnen gab. Sie bemühte sich jedoch nicht um eine Klärung des historischen Kontextes für das in dem Dokument geschilderte Ereignis. Daher bleibt unklar, um welches Ereignis es sich handelte, ob es mehrmals stattfand, welche Brunnen geschmückt wurden, oder ob das Geschehen in andere Tätigkeiten oder Brauchgeschehen eingebunden war. Für die Tatsache, dass sonstige historische Aufzeichnungen über das Schmücken von Brunnen in Oberfranken fast völlig fehlen, hat Schillinger ihre ganz eigene Erklärung. Der Brauch sei durch das Christentum bzw. die Kirche unterdrückt worden und daher historisch „kaum fassbar“.

Thüringer Quellenkulte bei Karl Weinhold[Bearbeiten]

Eine weitere, von Befürwortern des heidnischen Ursprungs der Osterbrunnen zitierte Quelle ist der im Jahr 1898 unter dem Titel Die Verehrung der Quellen in Deutschland erschienene Aufsatz von Karl Weinhold. Weinhold schildert, dass es „in Thüringen zu den Hauptzeichen des alten Brunnenkults gehörte, die Brunnen zu reinigen und mit frischem Grün zu schmücken. Die Reinigung vollzogen nach Weinhold die Jungfrauen des Ortes unter Gebet und Gesang, wobei kein Mann anwesend sein durfte. Bis Sonnenaufgang musste die Reinigung beendet sein. Der Brunnen wurde dann bekränzt und der Festplatz geschmückt. Anschließend versammelte sich die Gemeinde zu Tanz und Spiel“. Weinhold nennt in diesem Aufsatz aber weder genaue Orte noch den Zeitpunkt, wo und wann das von ihm Geschilderte geschehen sein soll, wodurch seine Beschreibungen großteils als eigene Spekulationen nach dem Hörensagen kritisiert werden. Weinhold erwähnt allenfalls das Schmücken von Brunnen in Thüringen, ohne den Begriff Osterbrunnen zu nennen.[4]

Haselünne[Bearbeiten]

„Osterbrunnen“ in Haselünne (Emsland)

Ohne sich auf eine Tradition zu beziehen, führte die Stadtmarketing-Abteilung der Stadt Haselünne 2006 den Brauch des Schmückens von Brunnen und Pumpen in der Stadt ein: „In den Straßen und auf Plätzen innerhalb der Stadt Haselünne gibt es bis heute überraschend viele Brunnen und Pumpen zu sehen. Ergiebige Brunnen waren immer schon die Quellen des Lebens. Wenn sie versiegten, ging es den Menschen in früheren Zeiten schlecht. Die moderne Technik hat diese klassischen Wasserstellen zurückgedrängt. Wer denkt heute noch beim Betrachten eines Brunnens darüber nach, welche lebenswichtige Bedeutung er einst für die Menschen hatte. Mit dem Schmücken zu Osterzeit sollen die Haselünner Pumpen und Brunnen aus ihrem Dornröschenschlaf aufgeweckt und die Einwohner und Besucher daran erinnert werden, dass sie einst die Quellen des Lebens für diese Stadt waren.“[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Geschichte der Osterbrunnen - Mit Liste der Osterbrunnenorte. Fränkische Schweiz. Abgerufen am 8. April 2012.
  2. Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz. Markt Heiligenstadt. Abgerufen am 8. April 2012.
  3. a b Easter in Germany (englisch) Journey to Germany. Abgerufen am 8. April 2012.
  4. Karl Weindold: Die Verehrung der Quellen in Deutschland. Heilige Quellen. Abgerufen am 8. April 2012.
  5. Haselünner Osterbrunnen 2006. Stadt Haselünne. 2006. Abgerufen am 8. April 2012.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helga Rühnagel (Text), Reinhold Lippert (Photos): Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz'. Verlag Lippert, Ebermannstadt 2005, ISBN 3-930125-06-4.
  • Claudia Schillinger (Text), Carlo Schillinger (Photos): Fränkische Osterbrunnen. Volksbrauch und Volkskunst. Heinrichs-Verlag, Bamberg 2002, ISBN 3-89889-064-3.
  • Lars Kuck (DVD) "Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz". Verlag Kuck Filmproduktion, Oberreichenbach 2011, ISBN 978-3-941491-12-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Easter fountains – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien