Pagan-Folk

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Pagan-Folk
Entstehungsphase: Mitte der 1980er Jahre
Herkunftsort: Europa
Stilistische Vorläufer
Neofolk · Musik der Mittelalterszene · Neoklassik
Pionierbands
Ataraxia · Sixth Comm
Genretypische Instrumente
Perkussion · Saiteninstrumente · Harfen · Blasinstrumente · Synthesizer · Sampler

Pagan-Folk (eng. pagan, heidnisch) ist eine Mitte der 1980er entstandene Musikrichtung die Elemente des Neofolk, der Neoklassik sowie der Musik der Mittelalterszene mit elektronischer Musik und ideologischen Verweisen auf den Neopaganismus miteinander vermengt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Vertreter des damals noch unter anderen Begriffen geführten Stils wurden dem Dark Wave, insbesondere dem Neofolk zugerechnet. Als Ur-Gruppen des Genres gelten Ataraxia und Sixth Comm. Diese und weitere frühe dem Stil nahe Interpreten wie Aghast, Hagalaz’ Runedance oder :Of the Wand & the Moon: erreichten mit ihrer Musik vornehmlich ein Extreme-Metal- und Dark-Wave-Publikum. Dabei wurde das musikalische Konzept zumeist der Neoklassik-Gruppe Dead Can Dance nahe gestellt.[1] Insbesondere die skandinavischen Vertreter entstammten dem Black-Metal-Umfeld.[2]

Faun, hier 2016 beim Feuertal-Festival, prägten die Wahrnehmung als Genre

Mit dem Aufkommen von Gruppen wie Faun und Omnia zu Beginn der 2000er, welche der Mittelalterszene entsprangen, sowie der durch Faun und Omnia protegierten,[1] jedoch schon für vorherige Interpreten gelegentlich genutzten Bezeichnung Pagan-Folk,[2] etablierte sich der Terminus und die Musik als eigenständiges Genre.[1] Mit der zunehmenden Ausrichtung an Popstrukturen durch diese populären Vertreter entstand eine poporientierte mitteleuropäische Stilvariante.

Während sich in Mitteleuropa diese popmusikalische Variante etablierte festigte sich in Fennoskandinavien in der Mitte der 2000er Jahre eine Variante, welche Ideen der frühen Interpreten aufgriff. Als Hauptvertreter der gelegentlich Nordic Folk, Nordic Ritual Folk oder Norse Folk Music genannten Stilvariante traten Wardruna und Nytt Land in Erscheinung. Die Musiker dieser am Neofolk, Dark Ambient und Ritual orientierten Spielrichtung rekrutierten sich überwiegend aus dem Black Metal.[3]

In der Mitte der 2010er Jahre erlebte der Pagan-Folk mit dem Erfolg Fauns einen kommerziellen Höhepunkt. Die Band war zuvor zum Major Label Universal gewechselt, trat in Fernsehsendungen auf und wurde im TV-Programm beworben. Die Gruppe erreichte mit dem so beworbenen Album Von den Elben 2013 deutsche, österreichische und schweizerische Top-Ten-Platzierungen.[4] Weitere Gruppen blieben hinter diesem Erfolg zurück. Die ebenfalls im TV beworbenen Omnia schafften es 2014 in die deutschen und niederländischen Charts.[5]

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vertreter wie Wardruna, hier beim Roadburn Festival 2015, vermengen schamanische Inhalte mit historischen und moderner Instrumentierung

Die Musik vermischt Elemente prähistorischer, antiker, folkloristischer und mittelalterlicher Musik mit elektronischen Instrumenten wie Keyboards, Synthesizer und Samplern. Statt eines klassischen Schlagzeugs, wie es in der Rockmusik verwendet wird, werden Drumcomputer oder Perkussion genutzt. Das Spiel auf akustischen Instrumenten wie Drehleiern, Sackpfeifen, Lauten, Didgeridoos und ähnlichem wird meist in einen elektronischen Klangteppich eingebettet.

Der Historie des Genres entsprechend bestehen unterschiedliche Ausprägungen in der Musik. Gruppen wie Omnia und Faun prägten eine durch Popmusik und der Musik der Mittelalterszene beeinflusste Spielform, während frühere Vertreter und solche die dem Nordic Ritual Folk zugerechnet werden stärker am Dark Wave und Post-Industrial orientiert agieren.

Die Texte mancher Interpreten greifen auf alte Schriften wie die Edda oder überliefertes Liedgut zurück. Diese Texte werden musikalisch neu interpretiert. Eigene Texte mit schamanischen, fantastischen, mittelalterlichen Inhalt oder Bezugnahmen auf das europäische Altertum sind ebenso zu finden. Häufig werden Themen wie Runen, nordische Mythologie und Naturromantik aufgegriffen.

Bekannte Vertreter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Jason Pitzl-Waters: The darker shade of Pagan. In: Donna Weston, Andy Bennett (Hrsg.): Pop Pagans: Paganism and Popular Music. Routleg, London & New York 2013, S. 83.
  2. a b Andreas Diesel, Dieter Gerten: Looking For Europe. 2. Auflage. Index, 2007, ISBN 978-3-936878-02-8, S. 333 bis 346.
  3. CDs. Jelldragon Viking Crafts, abgerufen am 4. April 2018.
  4. Faun. Chartsurfer, abgerufen am 4. April 2018.
  5. Omnia. Chartsurfer, abgerufen am 4. April 2018.