Pan Tau

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Seriendaten
Deutscher Titel Pan Tau, Die Abenteuer des Herrn Tau
Originaltitel Pan Tau
Produktionsland ČSSR, BRD
Originalsprache Tschechisch
Jahr(e) 1970–1978
Produktions-
unternehmen
ČST, WDR, Filmstudio Barrandov
Länge 30 Minuten
Episoden 33
Genre Kinderserie
Idee Ota Hofman
Jindřich Polák
Musik Jiří Malásek
Jiři Bažant
Vlastimil Hála
Erstausstrahlung 13. Dezember 1970
Deutschsprachige
Erstausstrahlung
13. Dezember 1970 (ARD)
Besetzung
Otto Šimánek
Pan Tau/Alfons Urban
Vladimír Menšík
Josef Urban
Gustav Bubník
Junge
František Filipovský
Großvater Urban
Jiřina Bohdalová
Helene Urban
Magda Krízková
Káta
Karel Höger
Erzähler

Pan Tau (deutsch „Herr Tau“) ist eine moderne Märchenfigur der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und die Hauptfigur einer gleichnamigen Kinderserie, die als deutsch-tschechische Koproduktion zwischen dem WDR, den Prager Filmstudios Barrandov und dem tschechoslowakischen Fernsehen (ČST) entstand. Pan Taus geistige Väter sind das Autorenteam Ota Hofman und Jindřich Polák. Hofman war zugleich Drehbuchautor aller Pan-Tau-Filme, deren Regie Polák führte. Im DDR-Fernsehen lief die Serie ab 5. August 1973 unter dem Titel Die Abenteuer des Herrn Tau.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pan Tau selbst ist ein stets freundlich lächelnder, sehr eleganter, gutmütiger Herr im Stresemann-Anzug mit einer Melone, einem Regenschirm und einer weißen Nelke im Knopfloch. Und Pan Tau kann zaubern. Er versprüht zumeist stumme Magie, indem er mit einem Stupser an seiner Melone zum Beispiel Dinge erscheinen lässt oder sich selbst in eine kleine Puppe verwandelt.

Pan Tau spricht in den ersten 26 von 33 Folgen nicht. Stattdessen kommuniziert er auf pantomimisch-tänzerische Art mit den Menschen, vornehmlich Kindern, zeigt sich deren Eltern aber fast nie und bleibt somit für diese durch Verstecken oder die erwähnte Miniaturisierung unsichtbar. In der ersten Staffel begegnet er dem Schüler Emil, unternimmt mit einem jungen Ausreißer eine Schiffsreise und geht als Vagabund zusammen mit Claudia und ihrem Großvater auf Wanderschaft. In der zweiten Staffel, dem Höhepunkt der Serie, trifft er die Familie Urban, die am Stadtrand von Prag wohnt. Eines der Familienmitglieder (Alfons Urban) sieht Pan Tau zum Verwechseln ähnlich, ist aber seit vielen Jahren verschollen. Pan Tau findet den Verschwundenen und geleitet ihn zu seiner Familie zurück. Dabei kommt es zu den aberwitzigsten Situationen, weil Alfons mit seinem Doppelgänger Pan Tau ständig verwechselt wird. Die dritte Staffel handelt von Pan Taus Auftauchen auf der Tragfläche eines Passagierflugzeugs und von einem Kinderferienlager. In dieser Staffel lernt Pan Tau sprechen und verliert am Ende seine Zaubermelone.

Die Serie greift den alten Kindertraum eines unsichtbaren, liebevollen und beschützenden Freundes an der Seite eines Kindes auf.

Leitmotive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Leitmotiv der Pan-Tau-Geschichten ist der scheinbare und der tatsächliche Konflikt zwischen Träumen und Realität, zwischen differierenden Auffassungen, zwischen der Kinder- und der Erwachsenenwelt. In ihren teils unglaublichen Handlungen wandeln einige der auftretenden Figuren die Idee dieses Leitmotivs über zwei Ebenen ab: Die eine Ebene bilden die Kinder mit ihren Wünschen und Träumen, die oft im Kontrast zu den Regeln der Erwachsenen stehen. Die zweite Ebene bilden die Erwachsenen, deren oft von Routinen und Normen geprägter Alltag der Sehnsucht nach Abenteuern und Phantasien der Kinder entgegensteht. Unerwartete und überraschende Szenen und Situationen zeigen die anfänglich anständigen Eltern und andere Erwachsene in einem neuen Licht: Sie erscheinen als zu groß geratene Kinder, denen ihre verdrängten Träume und Schwächen wieder bewusst werden.

Phantasie schlägt in Realität um

Die spannenden Schilderungen der von den Gegensätzen der Kinder- und Erwachsenenwelt geprägten Handlungen werden vom schalkhaften Humor der Pan-Tau-Figur getragen. Ihre Haupteigenschaft ist das absolute Verständnis der Kinder. Die der Alltagszivilisation verwandten „Phantasiemotive“, welche die märchenhafte Figur Pan Tau prägen, werden dabei in die unmärchenhafte Welt integriert und so zu einem unbestreitbaren Bestandteil der Realität. Für die Kinder ist diese neue Realität die Folge ihrer Freundschaft mit Pan Tau, wohingegen sie für die Erwachsenen etwas eher Unangenehmes ist, denn mitunter werden die gesellschaftlichen Normen überschritten. Dank Pan Tau werden die Alltagssorgen der Erwachsenen, meist die der Eltern oder Großeltern, zur Seite geschoben. Indem Pan Tau sie in ihren Erinnerungen in ihre Vergangenheit zurückführt, wachsen Realität und Phantasie zusammen, wodurch sie ihren eigenen Kindern näher stehen als zuvor.[1]

Mitwirkende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gespielt wurde Pan Tau vom tschechischen Schauspieler Otto Šimánek. Szenen mit einer verkleinerten Pan-Tau-Figur wurden in Stop-Motion-Technik gedreht. In der zweiten Staffel gab es zudem die Figur Alfons, der eine Art Doppelgänger zu Pan Tau war. Dieser wurde ebenfalls von Otto Šimánek gespielt. Alfons konnte allerdings sprechen. Die deutsche Stimme von Otto Šimánek in der Rolle des Alfons in der westdeutschen Synchronisation war Horst Raspe. Weitere auch in Deutschland bekannt gewordene Darsteller sind Vladimír Menšík (Josef Urban) und František Filipovský (Großvater Urban).

Der Pilotfilm wurde bereits im Jahr 1966, unter anderem im Wiener Prater, gedreht. Zwischen 1969 und 1978 entstanden insgesamt 33 Episoden. Zehn Jahre nach dem Ende der Serie folgte 1988 noch einmal der Kinofilm Pan Tau – Der Film. Einen allerletzten Auftritt hatte Pan Tau schließlich in dem 1990 erschienenen Musikvideo zu dem Lied Du bist überall von Nena, welches in Prag gedreht wurde. 1992 verstarb der Schauspieler Otto Šimánek in Prag.

Theodor Pištěk entwarf die Kostüme zur Serie.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet:

  • 1970: Nationales Kinderfilmfestival, Gottwaldov
  • 1970: Internationales Kinder- und Jugendfilmvestival, Venedig
  • 1971: Internationales Fernsehfestival, Monte Carlo
  • 1974: Silberner Bambi

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kino[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pan Tau – Der Film (1988)

Fernsehfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pan Tau tritt auf
  • Pan Tau und der lange Sonntag
  • Pan Tau und Claudia im Schloss
  • Pan Tau auf Reisen (DDR: Die Abenteuer des Herrn Tau/Herr Tau reist um die Welt)
  • Pan Tau wird gesucht
  • Herr Tau und Robinson
  • Herr Tau und der viel zu große Ballon
  • Herr Tau und der Hund
  • Herr Tau und das Familienfest
  • Herr Tau geht zur Arbeit
  • Herr Tau und der schwarze Regenschirm
  • Pan Tau – Alarm in den Wolken (DDR: Herr Tau in den Wolken)
  • Herr Tau nimmt Abschied

Die einzelnen Serienfolgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pilotfilm (1966)

Pan Tau – das erste Abenteuer

1. Staffel (1970–1971):

  1. Pan Tau tritt auf
  2. Pan Tau in „Schöne Bescherung“
  3. Pan Tau im Schnee
  4. Pan Tau und der lange Sonntag
  5. Pan Tau geht in die Schule
  6. Pan Tau und lauter Wasser

2. Staffel (1972):

  1. Pan Tau und Claudia im Schloss
  2. Pan Tau packt die Koffer
  3. Pan Tau auf Reisen
  4. Pan Tau und die Zirkuswelt
  5. Pan Tau fährt Taxi
  6. Pan Tau wird gesucht
  7. Pan Tau ist wieder da

3. Staffel (1975):

  1. Pan Tau macht eine Bauchlandung
  2. Pan Tau und Robinson
  3. Pan Tau im Ballon
  4. Pan Tau und der Ziegenhund
  5. Pan Tau und die Verwandten
  6. Pan Tau macht Quark
  7. Pan Tau wird untersucht
  8. Pan Tau und vereinzelt Sonnenschein
  9. Pan Tau tanzt aus der Reihe
  10. Pan Tau und die Jagd auf den Frosch
  11. Pan Tau und der Blechschaden
  12. Pan Tau baut um
  13. Pan Tau unbekannt verzogen

4. Staffel (1978):

  1. Alarm in den Wolken
  2. Elefantenjagd
  3. Das ist nicht zu fassen
  4. Zaubern ist nicht leicht
  5. Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln
  6. Die vertauschte Melone
  7. Auf Wiedersehen, Pan Tau

Specials/Making-of

  1. Pan Tau Nachrichten (1971)
  2. Wie Pan Tau zaubert (1972)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ota Hofmann: Pan Tau: Seine ganze Geschichte, wie er verlorenging und wiedergefunden wurde. Schroedel, 1977, ISBN 3507004178
  • Ota Hofman: Pan Tau. Deutsch von Ivana Meinel und Margrit Ferch. Patmos, Düsseldorf 1994, 287 S., ISBN 3-491-37289-5
  • Srubar, Helena: Ambivalenzen des Populären : Pan Tau und Co. zwischen Ost und West. UVK, Konstanz 2008, 400 S., ISBN 3-86764-047-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BUČKOVÁ, Tamara: Die Zeit verändert sich, die Phantasie bleibt oder Pan-Tau-Geschichten in der Kindheit von gestern und heute. In: MAIBÄRL, G.; SEIBERT, E. (Hrsg.) Kindheit zwischen West und Ost. Kinderliteratur zwischen kaltem Krieg und neuem Europa. Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Oxford, Wien: Peter Lang Verlag, 2010. European Literature for children and young adults in an inter-cultural context. Europäische Kinder- und Jugendliteratur im interkulturellen Kontext. ISBN 978-3-0343-0560-0. S. 127-138.