Paula Ludwig

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Paula Ludwig, 1927

Paula Ludwig (* 5. Januar 1900 in Feldkirch; † 27. Januar 1974 in Darmstadt) war eine österreichische Schriftstellerin und Malerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paula Ludwig mit ihrem Sohn Siegfried (1917–2007), genannt „Friedel“, etwa 1924/25

Paula Ludwig wurde im damals verfallenen Schlösschen Amberg in Altenstadt bei Feldkirch geboren, zog im Alter von neun Jahren nach Linz, 1914 nach Breslau. Der Vater trennte sich früh von seiner Familie und die Mutter verdiente durch Näharbeiten den Unterhalt für sich und die 3 Kinder. Erst als die Mutter starb, nahm der Vater die Kinder zu sich. Diese ersten 14 Jahre hielt Paula Ludwig im „Buch des Lebens“ fest. Paulas Wunsch war es, Schauspielerin zu werden. Sie musste ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen als Zimmermädchen und Ateliergehilfin in einer Malerschule. Als Mitglied der Breslauer Dichterschule stellte sie ihre ersten Gedichte vor. 1917 gebar sie einen unehelichen Sohn, Siegfried (1917–2007), genannt „Friedel“. Sie lebte die ersten Jahre mit ihrem Kind in einem Heim für alleinstehende junge Mütter in München Nymphenburg, das vom Roten Kreuz betrieben wurde. Sie arbeitete weiter als Dienstmädchen, Aktmodell und Souffleuse bei den Münchner Kammerspielen. Sie verkehrt im Kreis von Stefan George, zu dem auch die Dichterin Else Lasker-Schüler gehörte. Sie war mit Klaus Mann und vor allem mit Erika Mann befreundet, lernte Autoren des Expressionismus kennen. Es entstand eine jahrelange Freundschaft zu Waldemar Bonsels, dessen Buch „Indienfahrt“ 1916 Aufsehen erregt hatte und für Paula Ludwigs lyrische Bilderwelt bedeutsam wurde. Die Freunde drängten sie, Gedichte und Zeichnungen zu veröffentlichen. Schon 1921 brachte die Münchner Kunstzeitschrift Ararat Reproduktionen ihrer Aquarelle. Zeitweilig bestritt Paula Ludwig ihren Lebensunterhalt allein durch den Verkauf ihrer Bilder sowie mit kunstgewerblichen Arbeiten.

Nach vier Jahren München zog sie, einer Bewegung von Künstlern und Literaten folgend, 1923 mit ihrem Sohn nach Berlin. Zunächst lebte Paula Ludwig in einer kleinen Behausung am Halleschen Tor, später in einem Zimmer am Kurfürstendamm 177 neben Atelierräumen im 5. Stock. Mitte 1927 bezieht sie ein geräumiges Atelier am Kurfürstendamm 112. In dieser Zeit steht sie unter anderen mit Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky, den Brüdern Eduard und Carl Zuckmayer und Joachim Ringelnatz in freundschaftlicher Verbindung. Auch Waldemar Bonsels lebt zu dieser Zeit in Berlin. Sie begann eine leidenschaftliche Liebes- und Arbeitsbeziehung mit Yvan Goll. Der Briefwechsel zwischen beiden wurde später von Claire Goll weitgehend vernichtet. Die Beziehung veranlasste Yvan Goll, die „Malaiischen Liebeslieder“ zu schreiben. 1925 lernt sie den Richter und Schriftsteller Friedrich Koffka kennen, mit dem sie eine bis 1930 andauernde Beziehung eingeht. Sie widmete Koffka ihren 1927 erschienenen Lyrikband "Himmlische Spiegel". Ob die Trennung - trotz vorher geschmiedeter Heiratspläne - eher darin begründet war, dass die uneheliche Mutter Ludwig für Koffkas Familie als nicht standesgemäß galt, oder an der Zögerlichkeit von Koffka selbst ist umstritten.[1]

Zwischen 1927 und 1935 erschienen ihre Bände „Der himmlische Spiegel“, „Dem dunklen Gott. Ein Jahresgedicht der Liebe“, „Buch des Lebens“ und „Traumlandschaft“.

1927 schulte sie ihren Sohn in dem von Martin Luserke gegründeten und geleiteten reformpädagogischen Landerziehungsheim Schule am Meer ein, das sehr musisch geprägt war. Dort war Carl Zuckmayers Bruder Eduard seit 1925 als Musikpädagoge tätig.[2]

Sie fühlte sich im nationalsozialistischen Deutschland nicht wohl. Obwohl sie weder rassisch noch politisch verfolgt wurde, lebte sie ab 1933 in Ehrwald in Tirol. 1938 floh sie - wegen ihres Eintretens für deutsche Juden bedroht - über die Schweiz nach Frankreich und 1940 nach Brasilien, wo ihre Schwester lebte. In Rio de Janeiro und São Paulo blieb die Regimekritikerin von 1940 bis 1953 im Exil.

Grab von Paula Ludwig auf dem Waldfriedhof in Darmstadt

In dieser Zeit wurde „Traumlandschaft“ wegen einer Danksagung an einen amerikanischen Sponsor verboten. Während der 13 Jahre im Exil brachte sie es nicht fertig, ihre schriftstellerischen Aktivitäten fortzusetzen. Sie verdiente sich mit Blütenpressen und daraus hergestellten Bildern den Lebensunterhalt. Als sie 1953 nach Europa zurückkehrte, war sie gesundheitlich angeschlagen und alkoholabhängig. Die Verse aus dieser Zeit „Die Hungerblume blüht an fahler Mauer“, „Schlafbäume winken über Modersteinen“. In Österreich wurde ihre Staatsbürgerschaft nicht anerkannt und in Deutschland warf man ihr Antisemitismus vor, weil sie auf die deutsche Übersetzung von Golls „Chansons malaises“ hinwies, die Paul Celan übersetzen sollte. Sie lebte mittellos, zeitweise obdachlos, in Götzis und Düsseldorf.

Günther Leitz[3] unterstützte sie. Beide kannten sich bereits aus den 1920er/1930er Jahren, als sie zur Schule am Meer auf die Nordseeinsel Juist reiste, wenn sie dort ihren Sohn besuchen wollte, den Schulkameraden von Leitz.

Im Jahr 1956 zog sie zu ihrem Sohn Friedel, der in Wetzlar als Fotograf tätig war, in die Reinermannstraße in der Wetzlarer Kernstadt. Dort lebte Ludwig zurückgezogen bis ins Jahr 1970. In Darmstadt verstarb sie am 27. Januar 1974 und fand ihre letzte Ruhe auf dem dortigen Waldfriedhof (Grabstelle: R 14f 4/10).[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 2004 zeigte das Vorarlberger Landesmuseum in Zusammenarbeit mit dem Franz-Michael-Felder-Archiv eine Ausstellung über die Vorarlberger Dichterin und Malerin Paula Ludwig. Im Mittelpunkt stand das malerische und zeichnerische Werk der Künstlerin, das erstmals in diesem Umfang der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Die Ausstellung präsentierte einen Querschnitt durch das gesamte malerische Werk Ludwigs von den Anfängen in München bis in die letzten Jahre in Darmstadt. Parallel dazu wurden in ausgesuchten biographischen und literarischen Dokumenten die Stationen ihres Lebens und literarischen Schaffens von Altenstadt über Linz, Breslau, München, Berlin, Ehrwald, Paris, Gurs, Mury, São Paulo, Wetzlar und Darmstadt gezeigt, kamen Weggefährten und Freunde wie Hermann Kasack, Waldemar Bonsels, Bert Brecht, Yvan Goll, Ina Seidel, Carl Zuckmayer oder Erika Mann zu Wort. Die Ausstellung dokumentierte so Paula Ludwigs vielfältige Verflechtung in die Strömungen ihrer Zeit.

Das Material der Ausstellung stammte aus dem umfangreichen Nachlass der Künstlerin, der im Franz-Michael-Felder-Archiv der Vorarlberger Landesbibliothek aufbewahrt wird.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die selige Spur, München: Roland Verlag, 1919
  • Der himmlische Spiegel, Berlin: S. Fischer Verlag, 1927
  • Dem dunklen Gott. Ein Jahresgedicht der Liebe, Dresden: Wolfgang Jess Verlag,1932; München: C. H. Beck, 2015, ISBN 978-3-406-60731-8
  • Gedichte, Hamburg: Heinrich Ellermann Verlag, 1937 (= Das Gedicht. Jahrgang 3, Folge 13/14)
  • Gedichte. Eine Auswahl aus der Zeit von 1920 bis 1958, Ebenhausen bei München: Verlag Langewiesche-Brandt KG, 1958
  • Die Hungerblume blüht an fahler Mauer
  • Schlafbäume winken über Modersteinen

Prosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Traumlandschaft, Zeichnungen von Fritz Kuttner, Berlin: Waldemar Hoffmann Verlag, 1935 DNB
  • Traumlandschaft, Neuausgabe, Leipzig: Staackmann 1938 DNB
  • Träume. Aufzeichnungen aus den Jahren zwischen 1920-1960. Ebenhausen bei München: Verlag Langewiesche-Brandt, 1962
  • Buch des Lebens (Autobiografie), Leipzig: Staackmann 1936

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Glauert-Hesse (Hrsg.): „Ich sterbe mein Leben“. Iwan Goll, Paula Ludwig. Briefe 1931–1940. Literarische Dokumente zwischen Kunst und Krieg. Limes-Verlag, Frankfurt am Main 1993.
  • Barbara Glauert-Hesse (Hrsg. und Verfasserin eines Nachworts): Claire Goll, Yvan Goll, Paula Ludwig. «Nur einmal noch werd ich dir untreu sein». Briefwechsel und Aufzeichnungen 1917 – 1966. Wallstein Verlag, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8353-1046-9.
  • Manfred Bosch: „Ich will mich üben am Aufbruch des Zugvogels…“. Paula Ludwig – von der Kindheit in Vorarlberg ins Exil nach Brasilien. In: Bohème am Bodensee. Bottishofen 1997.
  • Ulrike Längle: „Ich bin eine odachlose Dichterin“. Salzburg und Wien 1993.
  • Helmut Swozilek (Hrsg.): „Aus tausend Spiegeln sehe ich mich an“. Paula Ludwig. 1900–1974. Dichterin, Malerin. Ausstellung, Vorarlberger Landesmuseum und Franz-Michael-Felder-Archiv der Vorarlberger Landesbibliothek, Bregenz, 24. Juli–26. September 2004. Vorarlberger Verlagsanstalt, Bregenz 2004. ISBN 3-901802-20-7 [Dieses Buch enthält eine Bibliographie der Schriften Paula Ludwigs (S. 131–156) sowie eine Kurzbiographie (S. 157–159).]
  • Kristian Wachinger: Ludwig, Paula. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 15, Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-00196-6, S. 435 f. (Digitalisat).
  • Irene Jung: Wetzlarer Frauen im 20. Jahrhundert. Hrsg.: Frauenbüro der Stadt Wetzlar. Wetzlar 2009, S. 51–53.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Darmstadt wurde ein Platz nach Paula Ludwig benannt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Barbara Hartlage-Laufenberg, Zwei Juristen, zwei Literaten, zwei Juden – Friedrich Koffka und Kurt Messow. In: Neue Juristische Wochenschrift, Heft 11/2013, S. 749.
  2. Heide Hellwig: „Ob niemand mich ruft“ – das Leben der Paula Ludwig. C. H. Beck. München S. 117. 2004. ISBN 978-3-406-61067-7.
  3. Ludwig, Paula. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. Informationstafel am Haupteingang des Waldfriedhofs Darmstadt
  5. Paula Ludwig 1900-1974