Nenzing

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Nenzing
Wappen von Nenzing
Nenzing (Österreich)
Nenzing
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Vorarlberg
Politischer Bezirk: Bludenz
Kfz-Kennzeichen: BZ
Fläche: 110,09 km²
Koordinaten: 47° 11′ N, 9° 42′ O47.1855555555569.7041666666667530Koordinaten: 47° 11′ 8″ N, 9° 42′ 15″ O
Höhe: 530 m ü. A.
Einwohner: 6.015 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 55 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6710
Vorwahl: 05525
Gemeindekennziffer: 8 01 16
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Landstraße 1
6710 Nenzing
Website: www.nenzing.at
Politik
Bürgermeister: Florian Kasseroler (FPÖ)
Gemeindevertretung: (2015)
(27 Mitglieder)
16 FPÖ
9 ÖVP
2 Grüne
Lage der Marktgemeinde Nenzing im Bezirk Bludenz
Bartholomäberg Blons Bludenz Bludesch Brand Bürs Bürserberg Dalaas Fontanella Gaschurn Innerbraz Klösterle Lech Lorüns Ludesch Nenzing Nüziders Raggal Sankt Anton im Montafon Sankt Gallenkirch Sankt Gerold Schruns Silbertal Sonntag Stallehr Thüringen Thüringerberg Tschagguns Vandans VorarlbergLage der Gemeinde Nenzing im Bezirk Bludenz (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Nenzing
Nenzing
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Nenzing ist eine Marktgemeinde im Bezirk Bludenz des österreichischen Bundeslands Vorarlberg mit 6015 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014).

Geografie[Bearbeiten]

Nenzing liegt im westlichsten Bundesland Österreichs, Vorarlberg, im Bezirk Bludenz auf 533 Metern Höhe. Mit einer Fläche von 110,31 km² ist Nenzing die viertgrößte Gemeinde Vorarlbergs.
49,3 % der Fläche sind bewaldet, 21,1 % der Fläche Alpen.
Mit 2859 m ü. A. ist der Panüler der höchste Berg der Gemeinde. Der Naturpark Nenzinger Himmel liegt auf 1370 m ü. A. und die Alpe Gamp auf 1564 m ü. A.

Ortsteile der Gemeinde sind:

  • Nenzing-Dorf
  • Beschling
  • Latz
  • Gurtis
  • Roßnis
  • Halden
  • Rungeletsch
  • Motten
  • Mariex
  • Heimat

Nenzing grenzt im Süden an die Schweiz, und im Südwesten an das Fürstentum Liechtenstein. Damit ist sie gemeinsam mit Feldkirch die einzige Gemeinde Österreichs mit zwei EU Außengrenzen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste nachgewiesene Dauersiedlung aus der Bronze- und Eisenzeit befindet sich auf dem „Scheibenstuhl“ westlich von Nenzing. Später wurde von Römern eine Befestigungs- und Verteidigungsanlage gegen die Alemannen erbaut.

Die aus dem Schweizer Kanton St. Gallen stammenden Ritter von Ramschwag erbauten im Zeitraum von 1270 bis 1290 die Burganlage Welsch-Ramschwag. Die Burg und das Burggut Welsch-Ramschwag kamen 1360 als Lehen zu Österreich.

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gründeten Walser die Siedlung Nenzingerberg, die bis ins 20. Jahrhundert auf 9 Einzelhöfen ca. 50 Einwohner zählte. 1955 verließen die letzten Walser den Nenzingerberg. Die meisten Häuser wurden abgebrochen und durch Alpgebäude ersetzt. Erhalten ist die Kapelle (St. Martinskirchle). Von mind. 1815-1920 (Brand des Schulhauses) bestand am Nenzingerberg eine eigene Schule.[1]

Im Jahre 1474 wurde die Grafschaft Sonnenberg, zu der auch Nenzing gehörte, österreichischer Besitz.

17. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bei einem großen Brand im Jahre 1633 verbrannten im Dorf Kirche, Pfarrhof und 48 Häuser, die Pest forderte wieder ihre Opfer und der Dreißigjährige Krieg brachte Armut und Hungersnöte. Ein zweites Mal wurden 1724 Teile des Dorfes durch einen Großbrand zerstört und 1762 gab es ein Hochwasser an der Meng.

In den Wirren der Napoleonischen Kriege kämpften auch Nenzinger auf Seiten Andreas Hofers gegen die Bayern und Franzosen.

Die Habsburger regierten die Orte in Vorarlberg wechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus. Von 1805 bis 1814 gehörte der Ort zu Bayern, dann wieder zu Österreich.

Zum österreichischen Bundesland Vorarlberg gehört Nenzing seit der Gründung 1861. 1872 wurde eine Eisenbahnlinie durch die Gemeinde gebaut.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Der Ort war 1945 bis 1955 Teil der französischen Besatzungszone in Österreich.

1993 wurde Nenzing zur Marktgemeinde erhoben.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Ende 2002 betrugt der Ausländeranteil an der Bevölkerung 10,8 Prozent.

Gemeindewappen[Bearbeiten]

Nenzing

Das Gemeindewappen entstand im Jahre 1967 nach einem Entwurf des Schrunser Künstlers und Heraldikers Konrad Honold: Es stellt zwei nach rechts schreitende, goldgekrönte rote Leoparden dar. Dieses Wappen wurde am 6. Februar 1968 von der Vorarlberger Landesregierung an die Gemeinde verliehen.[2]

Das Wappen ist abgeleitet von jenem des Rittergeschlechts der Herren von Ramschwag.[3]

Politik[Bearbeiten]

Die Gemeindevertretung besteht aus 27 Mitgliedern. Nach der Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahl 2015 stellt die Liste „FPÖ und Parteifreie Nenzing“ die absolute Mehrheit in der Gemeindevertretung mit 16 Mandaten, die Liste „Wir für Nenzing - Volkspartei und Parteifreie“ erreichte 9 Mandate und die Liste „echt.nenzing grüne u. parteifreie“ 2 Mandate. Bürgermeister ist Florian Kasseroler (FPÖ). Er wurde bei der Bürgermeister-Direktwahl 2015 mit 73,76 % der Stimmen im Amt bestätigt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Nenzing
Pfarrkirche Hl. Mauritius
Burgruine Ramschwag im Weiler Bazul, Foto um 1905
Spinnereigelände Getzner
Metallwarenfabrik Schatzmann

Kirchen und Kapellen[Bearbeiten]

Pfarrkirche Hl. Mauritius
Dies ist eine Barockkirche mit karolingischen und gotischen Elementen ihrer Vorgängerinnen mit barocker Innenausstattung – in einer der ältesten Pfarren Vorarlbergs. Unterhalb des Chorraumes sind die Fundamente der ältesten nachgewiesenen Kirche des Landes aus dem frühen 6. Jahrhundert entdeckt worden.
Martinskirche Beschling
Eine spätgotische, im Barockstil erweiterte Kirche mit spätgotischem Flügelaltar von 1484 und einer Holzbilderdecke aus dem 17. Jahrhundert. Diese Kassettendecke wurde teilweise vom Nenzinger Künstler Christian Lutz gestaltet.
Kirche Maria Heimsuchens Gurtis
Die Kirche wurde 1791 erbaut.
Kapelle Latz
Diese Kapelle des St. Valentin und St. Magnus wurde um 1630 während der Pestzeit gebaut und im Jahre 2000 restauriert.

Bauwerke[Bearbeiten]

Ruine Ramschwag
Hauptartikel: Burg Ramschwag
Die Burg Welsch-Ramschwag wurde in den Jahren 1270 bis 1290 durch die Herren von Ramschwag, einem Adelsgeschlecht aus dem Kanton St. Gallen erbaut. Die Burg hatte keinen langen Bestand, denn aufgebrachte Walgauer Bauern zerstörten am 28. September 1405 im Appenzellerkrieg die Anlage und seither ist Welsch-Ramschwag eine Ruine.
1997 bis 2000 erfolgte eine Restaurierung der Ruine [4].
Spinnerei Getzner
Die Spinnereibetriebe wurden 1832 errichtet von Christian Getzner.
Rathaus (1958)
An der Stelle des heutigen Rathauses stand früher der Gasthof Sonne,eine ehemalige Postkutschenstation. Dieser wurde abgerissen und 1958 ein neues Rathaus errichtet. In den Jahren 2000 bis 2002 wurde es umgebaut und erweitert.
Ramschwagsaal (1992)
Der von der Gemeinde Nenzing in Auftrag gegebene Ramschwagsaal wurde 1992 eröffnet und bietet Raum und Bühne für örtliche Vereine und Veranstalter.
ARTENNE (1841; 2011)
Das Bauernhaus in der Kirchgasse wurde 1841 errichtet, 2011 wurde der Ausstellungs- und Veranstaltungsraum eröffnet. Preisträger: Österreichischer_Bauherrenpreis 2011 der Architektenkammer

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Am Ort gab es im Jahr 2003 88 Betriebe der gewerblichen Wirtschaft mit 2.042 Beschäftigten und 182 Lehrlingen.
Lohnsteuerpflichtige Erwerbstätige gab es 2.361.

Eine der größten Betriebe ist die Firma Liebherr, die hier Hochseekräne herstellt.

Bildung[Bearbeiten]

Am Ort gibt es (Stand Januar 2003) 619 Schüler. In Nenzing gibt es zudem 5 Kindergärten, 4 Volksschulen und eine Hauptschule.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger
  • Georg Schelling (1906–1981), Priester und Journalist
  • Otto Marte (* 19. Februar 1893; † 1982) Landwirt, Bürgermeister Gemeinde Nenzing, Ökonomierat, Kassier der Pfarrei Nenzing durch 50 Jahre
  • Josef Marte (* 5. Oktober 1853; † 21. April 1911) Landwirt, Vorsteher Gemeinde Nenzing, Landtagsabgeordneter, Mitglied des Landesausschusses
  • Karl Gamon (* 26. Dezember 1918, † 15. März 2004) Oberstudienrat, Schulleiter Hauptschule Nenzing, Gründungsmitglied des Krankenpflegeverein Nenzing
Söhne und Töchter der Gemeinde

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nenzing – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Birgit Ortner u.a. in Nenzinger Schriftenreihe Nummer 4, Archiv der Marktgemeinde Nenzing (Hrsg.): Der Nenzingerberg - Das verlassene Walserdorf, Nenzing 2007. ISBN 978-3-900143-06-0
  2. Vorarlberger Landesregierung (Hrsg.): 96 Gemeindewappen – Hoheitszeichen und Bürgerstolz. Vorarlberger Landesarchiv, Bregenz 2008. ISBN 978-3-902622-04-4
  3. Photos schöner alter Wappen
  4. Burgruine Welsch-Ramschwag, Geschichte