Pedro Castillo

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Pedro Castillo

José Pedro Castillo Terrones (* 19. Oktober 1969 in Puña, Distrikt Tacabamba, Region Cajamarca) ist ein peruanischer Schullehrer, Gewerkschaftsführer und Politiker. Er ist Mitglied der Partei Perú Libre und trat bei den Präsidentschaftswahlen 2021 an. Bei der Stichwahl am 6. Juni 2021 lag er mit 50,125 % der Stimmen knapp vor Keiko Fujimori mit 49,875 %, nachdem am 15. Juni 2021 die Auszählung der Stimmzettel beendet wurde.[1] Das offizielle Wahlergebnis wird bekanntgegeben werden, sobald die vom nationalen Wahlgericht (Jurado Nacional de Elecciones) veranlassten Nachzählungen erfolgt sind.

Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Castillo wurde als Sohn zweier Analphabeten in der Kleinstadt Puña in der Region Cajamarca geboren. Cajamarca ist trotz des Standorts der größten Goldmine Südamerikas eine der ärmsten Regionen Perus geblieben. Er ist das dritte Kind von neun in der Familie seiner Eltern.[2] Während des bewaffneten Konflikts in Peru arbeitete Castillo in seiner Jugend als Patrouilleur zur Verteidigung gegen den Leuchtenden Pfad. Er absolvierte seine Grund- und Oberschulausbildung an einer Pädagogischen Hochschule und erwarb einen Bachelor-Abschluss in Pädagogik sowie einen Master-Abschluss in Pädagogischer Psychologie an der Universität César Vallejo. Castillo arbeitete ab 1995 in der Grundschule seiner Heimatstadt als Lehrer und trat der Lehrergewerkschaft bei. Im Jahr 2002 kandidierte Castillo erfolglos für das Amt des Bürgermeisters von Anguía mit der Mitte-Links-Partei Perú Posible. 2017 führte er einen Lehrerstreik in Peru an, verhandelte mit der Regierung und erlangte so nationale Bekanntheit.[3]

Castillo verkündete im Oktober 2020 seine Kandidatur für die Peruanische Präsidentschaft. In der ersten Runde der Wahl erhielt er überraschend 19 Prozent der Stimmen und trat damit in der Stichwahl gegen Keiko Fujimori an.[4] Bei einer Wahlveranstaltung in Sicuani wenige Tage vor der Stichwahl drohte er damit, das Wahlergebnis nicht anzuerkennen, falls er verlöre: „Sollte etwas schieflaufen“ (span.: si algo negro se trabaja), würde er „das Volk zusammenrufen“, damit „die Stimme des Volkes sich durchsetzt“.[5]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Castillo war von 2005 bis 2017 Mitglied der Partei Perú Posible und ist seit 2020 Mitglied der Partei Freies Peru, die als marxistisch-leninistisch gilt. Er vertritt wirtschaftspolitisch linke bis linkspopulistische Positionen, auch wenn er sich selbst als „progessiv“ und nicht marxistisch definiert. So spricht er sich für die Verstaatlichung und Teilverstaatlichung von Infrastruktur und Rohstoffförderung und eine Erhöhung der Ausgaben für Bildung und Gesundheit aus.[4] Er distanzierte sich aber vom Kommunismus und Chavismus.[6] Ihm werden gleichzeitig Verbindungen zu einer Unterorganisation des Leuchtenden Pfads vorgeworfen.[7]

Einer seiner weiterer Vorschläge ist die Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung, die die vom autoritären Regime Alberto Fujimoris geerbte Verfassung von 1993 ersetzen soll, da sie „dazu dient, die Korruption im großen Maßstab zu verteidigen“.[8][9][10] In einem Interview mit dem Fernsehsender CNN sagte er, dass er, falls er gewählt würde, Gespräche mit multinationalen Unternehmen führen würde, um sicherzustellen, dass „70% der Gewinne im Land bleiben und sie 30% einnehmen, nicht umgekehrt, wie es heute ist“.[11] Bezüglich des Bergbaus in Peru äußerte sich Castillo, dass er den Abbau von Rohstoffen in ganz Peru unterstützt, „wo die Natur und die Bevölkerung es zulassen“, und dass er internationale Investitionen in diese Projekte begrüßt. Gleichzeitig forderte er eine strengere Regulierung des Bergbaus in Peru.[11] Castillo forderte auch strengere Regelungen für die Medien in Peru.[12] Einige Analysten haben ihn mit dem ehemaligen bolivianischen Präsidenten verglichen und ihn als „peruanischen Evo Morales“ bezeichnet.[13]

Außenpolitisch bekräftigte Castillo, dass die Regierung von Nicolás Maduro in Venezuela eine demokratische Regierung sei, „weil es eine Opposition gibt“.[14] Außerdem wies er darauf hin, dass es die Venezolanerinnen und Venezolaner selbst seien, die die Probleme ihres Landes lösen sollten, ohne Einmischung Dritter.[15] Dahingehend verzichtete er darauf die venezolanische Regierung zu bewerten.

Gesellschaftspolitisch vertritt er eher konservative Positionen. Er befürwortet die Todesstrafe, den Austritt Perus aus der Amerikanischen Menschenrechtskonvention, ist gegen die Einführung der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, die Legalisierung von Abtreibung sowie der Sterbehilfe.[4] Zu anderen politischen Vorschlägen gehören die Schaffung von paramilitärischen Gruppen und die Militarisierung der peruanischen Jugend, um eine revolutionäre Erfahrung zu fördern. Er rief die Bürger auf, sich zu bewaffnen, um durch eine „sozialistische Verwaltung“ für Gerechtigkeit zu sorgen.[16]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Castillo ist mit Lilia Paredes, einer Lehrerin, verheiratet und hat zwei gemeinsame Kinder. Er ist katholisch, während seine Frau und die Kinder evangelikal sind. Seine Familie lebt auf einem Bauernhof im Distrikt Chugur.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ONPE al 100 % de actas contabilizadas: Pedro Castillo obtiene 50.125% y Keiko Fujimori, 49.875%. In: La República, 15. Juni 2021, abgerufen am 16. Juni 2021.
  2. a b Students' struggles pushed Peru teacher to run for president. Abgerufen am 24. April 2021.
  3. amerika21: Überraschung bei den Wahlen in Peru: Linkskandidat gewinnt erste Runde. 12. April 2021, abgerufen am 24. April 2021.
  4. a b c Tjerk Brühwiller, São Paulo: Große Wahlüberraschung: Wird ein Leninist Präsident von Peru? In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 24. April 2021]).
  5. Castillo no aceptaría derrota y advierte con “convocar al pueblo”. Llama a “hacer prevalecer el grito de la población” si pierde comicios. In: La Razón (Lima), 2. Juni 2021, abgerufen am 4. Juni 2021.
  6. Pedro Castillo arremete contra Nicolás Maduro: "que primero arregle sus problemas internos y que se lleve a sus compatriotas que vinieron a delinquir". 22. April 2021, abgerufen am 24. April 2021.
  7. NOTICIAS PERU21: Este documento confirma nexo de Pedro Castillo con el Movadef | POLITICA. 29. Juni 2018, abgerufen am 24. April 2021 (spanisch).
  8. Oswaldo Palacios: Pedro Castillo: "Vamos a desactivar el Tribunal Constitucional en el acto", porque sirve para defender la gran corrupción. 6. April 2021, abgerufen am 8. Juni 2021 (spanisch).
  9. Inés Santaeulalia, Jacqueline Fowks: Perú se encamina a una lucha por la presidencia entre el radical Pedro Castillo y Keiko Fujimori. 12. April 2021, abgerufen am 8. Juni 2021 (spanisch).
  10. ¿Quién es Pedro Castillo? La gran sorpresa de la elección en Perú | El maestro de izquierda que aspira a la presidencia. In: Página 12. 13. April 2021, abgerufen am 8. Juni 2021 (spanisch).
  11. a b Energiminas: Pedro Castillo: Habrá minería «donde la naturaleza y la población la permitan». In: Energiminas. Abgerufen am 8. Juni 2021 (spanisch).
  12. Inés Santaeulalia, Jacqueline Fowks: Perú se encamina a una lucha por la presidencia entre el radical Pedro Castillo y Keiko Fujimori. 12. April 2021, abgerufen am 24. April 2021 (spanisch).
  13. Inés Santaeulalia, Jacqueline Fowks: Perú se encamina a una lucha por la presidencia entre el radical Pedro Castillo y Keiko Fujimori. 12. April 2021, abgerufen am 8. Juni 2021 (spanisch).
  14. NOTICIAS EL BOCÓN: Elecciones: Pedro Castillo, el candidato que liberaría a Antauro Humala y asegura que Venezuela es democrático [VIDEO]. TRENDS. 7. April 2021, abgerufen am 8. Juni 2021 (spanisch).
  15. Pedro Castillo, el maestro con el que se identifica el otro Perú. 12. April 2021, abgerufen am 8. Juni 2021.
  16. Who is Peru’s Frontrunner Pedro Castillo? Abgerufen am 24. April 2021 (englisch).