Pedro Castillo

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Pedro Castillo

José Pedro Castillo Terrones (* 19. Oktober 1969 in Puña im Distrikt Tacabamba, Region Cajamarca) ist seit dem 28. Juli 2021 der 64. Präsident von Peru. Vorher war er als Schullehrer und Gewerkschaftsführer tätig. Er ist Mitglied der Partei Perú Libre.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Foto von Pedro Castillo als Präsident von Peru, der während der COVID-19-Pandemie eine Maske trägt.

Werdegang bis zur Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Castillo wurde als drittes von neun Kindern einer bäuerlichen Familie in der Kleinstadt Puña in der Region Cajamarca geboren. Seine Eltern waren Analphabeten.[1] Cajamarca ist trotz des Standorts der größten Goldmine Südamerikas eine der ärmsten Regionen Perus geblieben.[2] Während des bewaffneten Konflikts in Peru arbeitete Castillo in seiner Jugend als Patrouilleur zur Verteidigung gegen den Leuchtenden Pfad. Er absolvierte seine Grund- und Oberschulausbildung an einer Pädagogischen Hochschule und erwarb einen Bachelor-Abschluss in Pädagogik sowie einen Master-Abschluss in Pädagogischer Psychologie an der Universität César Vallejo. Castillo arbeitete ab 1995 in der Grundschule seiner Heimatstadt als Lehrer und trat der Lehrergewerkschaft bei. Im Jahr 2002 kandidierte Castillo erfolglos für das Amt des Bürgermeisters von Anguía mit der Mitte-Links-Partei Perú Posible. 2017 führte er einen Lehrerstreik in Peru an, verhandelte mit der Regierung und erlangte so nationale Bekanntheit.[3]

Castillo verkündete im Oktober 2020 seine Kandidatur für das peruanische Präsidentenamt. Doch im Dezember 2020 erklärten nur 0,2 % der befragten Wähler, für ihn stimmen zu wollen, im Januar 2021 waren es 2,3 %.[4] In der ersten Runde der Wahl erhielt er überraschend 19 % der Stimmen und trat damit in der Stichwahl gegen Keiko Fujimori an.[5] Im Wahlkampf setzte er mit Plakaten wie „Ich wähle einen Peruaner, keine Ausländerin“ (spanisch: Yo voto por un Peruano, no por una extranjera) auch auf fremdenfeindliche Vorbehalte gegen seine japanischstämmige Konkurrentin. Umgekehrt schlug seinen großteils indigenen Anhängern Rassismus entgegen.[6] Bei einer Wahlveranstaltung in Sicuani wenige Tage vor der Stichwahl drohte Castillo damit, das Wahlergebnis nicht anzuerkennen, falls er verlöre: „Sollte etwas schieflaufen“ (spanisch: si algo negro se trabaja), würde er „das Volk zusammenrufen“, damit „die Stimme des Volkes sich durchsetzt“.[7] Bei der Stichwahl am 6. Juni 2021 lag er mit 50,125 % der Stimmen knapp vor Keiko Fujimori mit 49,875 %.[8] Das offizielle Wahlergebnis wurde am 19. Juli 2021 vom nationalen Wahlgericht (Jurado Nacional de Elecciones) bestätigt und Castillo zum neuen Präsidenten von Peru erklärt.[9]

Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Amtseinführung erfolgte am 28. Juli 2021, dem 200. Jahrestag der Unabhängigkeit von Spanien. Er steht dem Kabinett Castillo vor.

Im März 2022 überstand Castillo ein zweites Amtsenthebungsverfahren. Danach bildeten sich Proteste wegen hoher Armut bzw. schwieriger Lebensbedingungen infolge wirtschaftlicher Stagnation und Inflation (die unter anderem in der COVID-19-Pandemie in Peru und den gestiegenen Preisen von Grundnahrungsmitteln, Treibstoff und Düngemittel, die sich aus den Sanktionen gegen Russland seit dem Überfall auf die Ukraine ergeben hatten, begründet liegen).[10][11] So stieg bis April 2022 die Inflationsrate in Peru auf den höchsten Stand seit 26 Jahren, was der verarmten Bevölkerung größere Schwierigkeiten bereitete.[12]

Die Proteste, die eine Kraftstoffpreiskontrolle und Absetzung von Präsident Castillo forderten, weiteten sich zu Streiks und Unruhen aus, bei denen mehrere Menschen starben.[13][11] Castillo kündigte eine Senkung der Treibstoffsteuern und die zehnprozentige Anhebung des Mindestlohns ab Mai 2022 an.[10] Zudem rief er am 4. April eine Ausgangssperre für die Hauptstadt Lima und die angrenzende Stadt Callao aus, was die Proteste weiter anfachte. Bereits nach einigen Stunden hob Castillo die Ausgangssperre wieder auf.[10]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Castillo war von 2005 bis 2017 Mitglied der Partei Perú Posible und ist seit 2020 Mitglied der Partei Freies Peru, die als marxistisch-leninistisch gilt. Er definiert sich selbst nicht als marxistisch, vertritt aber wirtschaftspolitisch linke bis linkspopulistische Positionen. So spricht er sich für die Verstaatlichung und Teilverstaatlichung von Infrastruktur und Rohstoffförderung und eine Erhöhung der Ausgaben für Bildung und Gesundheit aus.[5] Einige Analysten haben ihn mit dem ehemaligen bolivianischen Präsidenten verglichen und ihn als „peruanischen Evo Morales“ bezeichnet.[14] Ihm werden gleichzeitig Verbindungen zu einer Unterorganisation des Leuchtenden Pfads vorgeworfen.[15] Er distanzierte sich vom Kommunismus und Chavismus,[16] bekräftigte aber, dass die Regierung von Nicolás Maduro in Venezuela eine demokratische Regierung sei, „weil es eine Opposition gibt“,[17] und meinte, dass die Venezolaner selbst die Probleme ihres Landes lösen sollten, ohne Einmischung Dritter.[18]

Einer seiner weiteren Vorschläge ist die Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung, die die vom autoritären Regime Alberto Fujimoris geerbte Verfassung von 1993 ersetzen soll, da sie dazu diene, „die Korruption im großen Maßstab zu verteidigen“.[19][20][21]

In einem Interview mit dem Fernsehsender CNN sagte er, dass er im Falle seiner Wahl Gespräche mit multinationalen Unternehmen führen würde, um sicherzustellen, dass „70 % der Gewinne im Land bleiben und sie 30 % einnehmen, nicht umgekehrt, wie es heute ist“.[22] Bezüglich des Bergbaus in Peru äußerte sich Castillo, dass er den Abbau von Rohstoffen in ganz Peru unterstützt, „wo die Natur und die Bevölkerung es zulassen“, und dass er internationale Investitionen in diese Projekte begrüßt. Gleichzeitig forderte er eine strengere Regulierung des Bergbaus in Peru.[22]

Castillo forderte auch strengere Regelungen für die Medien in Peru.[23] Gesellschaftspolitisch befürwortet er die Todesstrafe, den Austritt Perus aus der Amerikanischen Menschenrechtskonvention, ist gegen die Einführung der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und gegen die Legalisierung von Abtreibung sowie Sterbehilfe.[5] Zu anderen politischen Vorschlägen gehören die Schaffung von paramilitärischen Gruppen und die Militarisierung der peruanischen Jugend, um eine revolutionäre Erfahrung zu fördern. Er rief die Bürger auf, sich zu bewaffnen, um durch eine „sozialistische Verwaltung“ für Gerechtigkeit zu sorgen.[24]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Castillo ist mit Lilia Paredes, einer Lehrerin, verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder. Castillo ist katholisch, während seine Frau und die Kinder evangelikal sind. Seine Familie lebt auf einem Bauernhof im Distrikt Chugur.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pedro Castillo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marco Aquino, Marcelo Rochabrun: PERFIL-Pedro Castillo: el hijo de campesinos que salta a la presidencia de Perú. In: Reuters. 16. Juni 2021 (reuters.com [abgerufen am 22. Juli 2021]).
  2. a b Students' struggles pushed Peru teacher to run for president. Abgerufen am 24. April 2021.
  3. amerika21: Überraschung bei den Wahlen in Peru: Linkskandidat gewinnt erste Runde. 12. April 2021, abgerufen am 24. April 2021.
  4. Carlos Páucar: Izquierda en el Perú: la primera vez en el Gobierno. In: La República, 28. Juli 2021, abgerufen am 29. Juli 2021.
  5. a b c Tjerk Brühwiller, São Paulo: Große Wahlüberraschung: Wird ein Leninist Präsident von Peru? In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 24. April 2021]).
  6. Annette Brox: Angst und Rassismus prägten den Wahlkampf, 20. Juni 2021, abgerufen am 22. Juni 2021.
  7. Castillo no aceptaría derrota y advierte con “convocar al pueblo”. Llama a “hacer prevalecer el grito de la población” si pierde comicios. In: La Razón (Lima), 2. Juni 2021, abgerufen am 4. Juni 2021.
  8. ONPE al 100 % de actas contabilizadas: Pedro Castillo obtiene 50.125% y Keiko Fujimori, 49.875%. In: La República, 15. Juni 2021, abgerufen am 16. Juni 2021.
  9. NYT: Pedro Castillo, Leftist Political Outsider, Wins Peru Presidency, 19. Juli 2021 (engl.)
  10. a b c Unruhen in Peru wegen Preissteigerungen: Der Ukraine-Konflikt sorgt auch in Südamerika für Chaos. In: nzz.ch. Abgerufen am 8. April 2022.
  11. a b Premierminister kritisiert gewalttätige Demonstrierende. In: zeit.de. Abgerufen am 8. April 2022.
  12. Carlos Noriega: Castillo ante un escenario de revuelta social | Dura protesta en Perú por la suba de los precios. Abgerufen am 8. April 2022.
  13. Autor: Redaktion: Zahl der Todesopfer bei Protesten in Peru steigt auf fünf. In: latinapress Nachrichten. 7. April 2022, abgerufen am 8. April 2022 (deutsch).
  14. Inés Santaeulalia, Jacqueline Fowks: Perú se encamina a una lucha por la presidencia entre el radical Pedro Castillo y Keiko Fujimori. 12. April 2021, abgerufen am 8. Juni 2021 (spanisch).
  15. Este documento confirma nexo de Pedro Castillo con el Movadef. In: Noticias Peru21. 29. Juni 2018, abgerufen am 24. April 2021 (spanisch).
  16. Pedro Castillo arremete contra Nicolás Maduro: „que primero arregle sus problemas internos y que se lleve a sus compatriotas que vinieron a delinquir“. 22. April 2021, abgerufen am 24. April 2021.
  17. NOTICIAS EL BOCÓN: Elecciones: Pedro Castillo, el candidato que liberaría a Antauro Humala y asegura que Venezuela es democrático [VIDEO]. TRENDS. 7. April 2021, abgerufen am 8. Juni 2021 (spanisch).
  18. Pedro Castillo, el maestro con el que se identifica el otro Perú. 12. April 2021, abgerufen am 8. Juni 2021.
  19. Oswaldo Palacios: Pedro Castillo: "Vamos a desactivar el Tribunal Constitucional en el acto", porque sirve para defender la gran corrupción. 6. April 2021, abgerufen am 8. Juni 2021 (spanisch).
  20. Inés Santaeulalia, Jacqueline Fowks: Perú se encamina a una lucha por la presidencia entre el radical Pedro Castillo y Keiko Fujimori. 12. April 2021, abgerufen am 8. Juni 2021 (spanisch).
  21. ¿Quién es Pedro Castillo? La gran sorpresa de la elección en Perú | El maestro de izquierda que aspira a la presidencia. In: Página 12. 13. April 2021, abgerufen am 8. Juni 2021 (spanisch).
  22. a b Energiminas: Pedro Castillo: Habrá minería «donde la naturaleza y la población la permitan». In: Energiminas. 8. April 2021, abgerufen am 8. Juni 2021 (spanisch).
  23. Inés Santaeulalia, Jacqueline Fowks: Perú se encamina a una lucha por la presidencia entre el radical Pedro Castillo y Keiko Fujimori. 12. April 2021, abgerufen am 24. April 2021 (spanisch).
  24. Who is Peru’s Frontrunner Pedro Castillo? Abgerufen am 24. April 2021 (englisch).