Sendero Luminoso

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Kommunistische Partei Perus ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zur 1930 in Kommunistische Peruanische Partei (Partido Comunista Peruano) umbenannten Sozialistischen Partei Perus siehe Partido Socialista del Perú.
Kommunistische Partei Perus
Partido Comunista del Perú
Flag of Sendero Luminoso.svg
Partei­vorsitzende Abimael Guzmán
Aus­richtung marxistisch-leninistisch-maoistisch
Farbe(n) rot
Internationale Verbindungen Revolutionäre Internationalistische Bewegung

Die Kommunistische Partei Perus – auf dem Leuchtenden Pfad José Carlos Mariáteguis (spanisch Partido Comunista del Perú – por el Sendero Luminoso de José Carlos Mariátegui), bekannter unter dem Namen Leuchtender Pfad (Sendero Luminoso) ist eine maoistische, marxistische und leninistische Partei und Guerillaorganisation in Peru.

Die Organisation entstand Ende der 1960er aus einer Studentenbewegung an der Universität von San Cristóbal de Huamanga im peruanischen Departement Ayacucho. Sie löste für zehn Jahre bürgerkriegsähnliche Zustände in Peru aus, die fast 70.000 Menschen das Leben kosteten, mehrheitlich Angehörige der quechuasprachigen Landbevölkerung.[1] Anders als in Chile oder Argentinien, wo die Regierungen für die meisten Tode verantwortlich war, hatten hier beide Seiten die Schuld an den vielen Toten. Die EU führt die Organisation auf ihrer Liste der Terrororganisationen.[2]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partei bezieht sich in ihrem Namen auf den 1930 verstorbenen peruanischen Politiker, Journalisten und Schriftsteller José Carlos Mariátegui, dem Gründer der Partido Socialista del Perú, als dessen Nachfolgeorganisation sich die Kommunistische Partei Perus versteht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sendero Luminoso trat erstmals Ende der 1960er Jahre durch politische Agitation an der Universität von Ayacucho in Erscheinung. Sein Gründer und Anführer, der Philosophieprofessor Abimael Guzmán, hatte Ende der 60er Jahre das China der Kulturrevolution bereist und begann unter diesem Eindruck, Anhänger unter den Studenten zu sammeln.[3] Ayacucho war eine der ärmsten Provinzen Perus. Die schlechte Situation und geringe Entwicklungsmöglichkeit der verarmten Bevölkerung im Andenhochland und deren karge Lebensumstände wurden von den verschiedenen Regierungen in Lima nie durchgreifend verbessert. Die Öffnung des Bildungssystems in den 1970er Jahren weckte in der überwiegend indigenen Bevölkerung große Hoffnungen auf Besserung der sozialen Lage, die aber oft enttäuscht wurden: Mit indigenem Aussehen und ohne die notwendigen Beziehungen fand man trotz eines Hochschulabschlusses oft keinen Arbeitsplatz. Dies und die Vernachlässigung der Hochlandregionen verschafften dem Sendero eine gewisse Zustimmung, als er zu Beginn der 1980er Jahre zunächst mit vereinzelten Anschlägen in den Untergrund ging. Sein politisches Ziel war von Anfang an der völlige Umsturz der bestehenden Gesellschaftsordnung durch einen Volkskrieg.[4]

Bewaffneter Kampf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebiete in Peru mit Aktivitäten des Sendero Luminoso

Während nach dem Ende der Militärdiktatur im Jahr 1980 die Mehrheit der Linksparteien sich im Bündnis Izquierda Unida (IU) zusammenschloss und an den Wahlen teilnahm, rief Sendero Luminoso zum Wahlboykott auf und erklärte stattdessen den bewaffneten Kampf. Im Gegensatz zu vielen anderen Guerillaorganisationen baute Sendero zuerst im Geheimen eine Organisation auf, anstatt direkt in den Kampf überzugehen. Im Verlaufe mehrerer Jahre wurden Kämpfer rekrutiert und in sorgfälig geplanten Zellen organisiert. Guzman, der Anführer der Bewegung, ging in den Untergrund und befehligte die Kämpfer über ein ausgeklügeltes Netz aus Kurieren und toten Briefkästen. Erst als diese Vorbereitungen abgeschlossen waren schlugen sie zu. Im Frühjahr des Jahres 1980 verbrannten sie als eine der ersten Aktionen die Wahlurnen in einem kleinen Dorf in der Nähe von Ayacucho. Es folgten Überfälle auf Polizeistationen und Dörfer. Kennzeichnend für die funktionierende Geheimhaltung ist die Tatsache, dass diese Aktionen von der Regierung zuerst als nicht zusammenhängende Akte der Sabotage gedeutet wurden. Erst relativ spät, als sich die einzelnen Zellen schon lange im offenen Kampf befanden, wurde die Organisation überhaupt wahrgenommen. Ende 1982 wurde von der Regierung in der Provinz der Ausnahmezustand ausgerufen und Militäreinheiten in das Gebiet versetzt. Ideologie und Praxis der Senderisten waren von einer in Lateinamerika bis dahin unbekannten Radikalität. Abimael Guzmán, der sich "Presidente Gonzalo" nennen ließ, verlangte absolutes Engagement für die Sache. Da es ihnen an Schußwaffen mangelte, griffen die Rebellen meist mit gestohlenen Sprengstoffen an, die sie oft per Schleuder auf ihre Gegner abfeuerten. Ansonsten wurden auch alle möglichen Hieb- und Stichwaffen, wie Macheten und improvisierte Speere verwendet. In den von Sendero kontrollierten Gebieten wurden oft Kämpfer aus der Bevölkerung rekrutiert. Dies fand manchmal unter Gewaltandrohung, doch meist durch ideologische Überzeugung statt. Für die Armee galt auf der anderen Seite jeder Bauer im Hochland als potenzieller Terrorist. In den abgelegenen Regionen des Berglandes kam es zu zahlreichen Massakern an der mehrheitlich indigenen Landbevölkerung. Sowohl die Guerilleros wie auch das Militär bestraften die Zusammenarbeit der Dorfbewohner mit dem jeweiligen Gegner. Dabei wurden zahlreiche Menschen gefoltert, ermordet oder verschleppt. [5] Dies führte zu einer Massenflucht aus den betroffenen Regionen nach Lima. Dadurch weitete der Sendero seinen Aktionsradius aus.[6] In Lima kontrollierte er mit einem dichten Spitzel- und Sympathisantennetz die Elendsviertel, verübte Bombenanschläge, besonders auf die Stromversorgung, und Mordanschläge auf Aktivisten anderer linker Organisationen; so wurde María Elena Moyano Delgado, eine Führungspersönlichkeit der Selbstverwaltung von Villa El Salvador, vom Sendero durch einen Sprengstoffanschlag ermordet.[7] Im Jahr 1990 war Sendero Luminoso in der Hälfte des Landes aktiv.

Festnahmen und Entwaffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Jahre nach seiner Amtseinführung putschte Persus Präsident Alberto Fujimori mit Hilfe des Militärs gegen seine eigene Regierung. Gestützt auf Geheimdienst und Militär sowie die Bewaffnung von Bürgerwehren (Comités de Autodefensa) in den betroffenen Gebieten, aber auch einer Politik der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, gelang es schließlich, den Sendero Stück für Stück zu zerschlagen. Zudem ging das Militär von einer Politik der brutalen Unterdrückung, die oft ganze Dörfer für die angebliche Unterstützung der Guerillas bestrafte, zu einer Strategie über, bei der versucht wurde die Landbevölkerung von der Sache der Regierung zu überzeugen. Zum ersten Mal wurden in nennenswertem Ausmaß Offiziere in die Dörfer geschickt, welche Quecha sprachen und oft in der traditionellen Kleidung der Bauern gekleidet waren. Das und die enorme Brutalität der Rebellen, die oft ganze Dörfer im Zuge von Vergeltungsmaßnahmen massakrierten, führten dazu, dass die Guerillas im ländlichen Raum, das ihnen früher Schutz geboten hatte, zunehmend die Unterstützung der Bevölkerung verloren. Im September 1992 wurde anhand einer speziellen europäischen Hautsalbe, die Guzman für eine Hautkrankheit bestellt hatte, sein Versteck in Lima aufgespürt. Abimael Guzmán, der immer noch die Kämpfer im ländlichen Raum dirigierte, sowie weitere führenden Köpfe (u. a. José Arcela Chiroque alias „Ormeño“, Florentino Cerrón Cardozo alias „Marcelo“, Jaime Zuñiga alias „Dalton“) der Gruppen Sendero Luminoso und MRTA wurden festgenommen. Die peruanische Regierung entwaffnete schließlich einen großen Teil der Kämpfer durch ein „Reuegesetz“ (Ley de Arrepentimiento),[8] welches allerdings zur Bedingung hatte, dass die Betroffenen ihr Bedauern über ihre Mitwirkung bei Sendero ausdrückten und ihnen bekannte Informationen über Namen und Aufenthaltsort anderer Senderisten bekanntgaben. Durch diese Amnestie gaben bis Ende 1994 6.400 Rebellen ihre Waffen ab.

Nach seiner Verhaftung bot Guzmán der Regierung die Zusammenarbeit an, was zu einer Abspaltung einer kleinen Gruppe von der Organisation führte, die unter dem Namen „Sendero Rojo“ den bewaffneten Kampf weiterführen wollte. Ende der 1990er Jahre waren jedoch nur noch ca. 100 Personen (geschätzt) aktiv.[9]

Am 14. September 2011 rief die peruanische Regierung einen 60-tägigen Ausnahmezustand in der Provinz Leoncio Prado und den Distrikten Cholón und Monzón aus. Als Grund nannte sie die Aktivitäten der ehemaligen Mitglieder von Sendero Luminoso in den Regionen. Diese sollen demnach dem Drogenhandel und anderen kriminellen Aktivitäten wie illegalem Abholzen nachgehen.[10]

Die peruanische Regierung verkündete im August 2013, die Führungspersonen der Guerilla, Orlando Borda Casafranca und Martín Quispe Palomino, bei einer Kommandoaktion in der Umgebung von Llochegua getötet zu haben.[11]

Am 27. Juli 2015 befreiten Regierungstruppen 26 Kinder, zehn Frauen und drei Männer aus einem Lager des Sendero Luminoso (VRAE). Die Geiseln, viele davon Angehörige der Asháninka, musste in „Produktionslagern“ arbeiten und Feldarbeit verrichten und Vieh züchten. Eine Woche darauf befreiten Soldaten weitere acht Erwachsene und sieben Kinder aus der Gewalt des Leuchtenden Pfads (VRAE). Diese Aktionen, Sklavenlager und das Söldnertum ist der Splittergruppe zuzuschreiben, die im VRAE ansässig ist und von der ehemaligen Parteiführung als Revisionisten und anti-Maoisten bezeichnet werden.[12]

Aufarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Rücktritt Alberto Fujimoris wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt, die sich mit den Menschenrechtsvergehen von Sendero Luminoso, MRTA, dem Militär und dem Geheimdienst seit den 1980er Jahren befassen sollte. Die Gesamtzahl der Toten im Sendero-Krieg schätzt diese Wahrheitskommission (Comisión de la Verdad y de Reconciliación) in ihrem 2003 vorgelegten Abschlussbericht auf fast 70.000.[13]

Des Weiteren kam die Kommission zu dem Ergebnis, dass Sendero Luminoso sowohl die Hauptschuld für den Ausbruch des Konflikts wie auch für alle begangenen Menschenrechtsverletzungen während dieser Periode zukommt; sie warf jedoch auch den Regierungen Garcías und Fujimoris systematische Menschenrechtsverletzungen vor. Wirkliche Garantie für die Aussagen von beiden Seiten gibt es nicht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carlos Iván Degregori: Harvesting Storms: Peasant „Rondas“ and the Defeat of Sendero Luminoso in Ayacucho. In Steve Stern (Hrsg.): Shining and Other Paths: War and Society in Peru, 1980–1995. Duke University Press, Durham/London 1998. ISBN 0-8223-2217-X.
  • Martin Koppel: Peru's Shining Path: Anatomy of a Reactionary Sect. Pathfinder, 1994.
  • Jean-Michel Rodrigo: Der dritte Sendero: weder Leuchtender Pfad noch Fujimori, die Alternative der peruanischen Volksbewegungen. Rotpunktverlag, Zürich 1994. ISBN 978-3-85869-090-6.
  • Gustavo Gorriti: Shining Path: A History of the Millenarian War in Peru. University of North Carolina Press, 1999, ISBN 0-8078-4676-7.
  • John M. Bennett (Hrsg.): Sendero Luminoso in Context: An Annotated Bibliography. Scarecrow Press, 1998.
  • James F. Rochlin:Vanguard Revolutionaries in Latin America: Peru, Colombia, Mexico. Lynne Rienner Publishers, Boulder/London 2003. ISBN 1-58826-106-9.
  • Lewis Taylor, Shining Path. Guerilla War in Peru's Northern Highlands. Liverpool University Press, 2006, ISBN 1-84631-016-4.
  • Salomón Lerner Febres, Josef Sayer (Hrsg.): Wider das Vergessen: Yuyanapaq. Bericht der Wahrheits- und Versöhnungskommission Peru. Matthias-Grünewald-Verlag, Ostfildern 2008, ISBN 978-3-7867-2720-0.
  • Sebastian Chávez Wurm: Der Leuchtende Pfad in Peru (1970 - 1993). Erfolgsbedingungen eines revolutionären Projekts. Böhlau, Köln 2011, ISBN 978-3-412-20720-5. (zugl.: Univ. Diss., Hamburg 2010).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.rainforestfoundation.org Quechua of the Peruvian Amazon
  2. europa.eu EU-Liste der Terrororganisationen vom 29. Mai 2006 (PDF; 45 kB) 30. Mai 2006
  3. Goedeking, Ulrich, v. Oertzen, Eleonore: Peru. München 2004 (Beck'sche Reihe Länder), ISBN 3-406-50457-4, S. 99 f.
  4. AKUF Uni Hamburg, Krieg in Peru; Goedeking/ v.Oertzen 2004, S. 100ff., 148
  5. Goedeking/v. Oertzen 2004, S. 100–102
  6. AKUF
  7. Goedeking/ v.Oertzen 2004, S. 118f.
  8. Peruanisches Reuegesetz
  9. AKUF, Bewaffneter Konflikt in Peru
  10. Peru verhängt den Ausnahmezustand. In: Neue Zürcher Zeitung. 14. September 2011, abgerufen am 14. September 2011 (deutsch).
  11. Regierung meldet Tod zweier Anführer von "Leuchtender Pfad" SPIEGEL ONLINE vom 13. August 2013
  12. Der Sklavenstaat von Genosse José
  13. Goedeking/ v.Oertzen,, S. 132