Krankheitsverlauf

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Ein Krankheitsverlauf kann nach verschiedenen Kriterien beschrieben werden. Eine bestimmte Krankheit kann bei verschiedenen Patienten unterschiedlich verlaufen. Dies kann begründet sein z. B. durch Unterschiede in der Virulenz eines Krankheitserregers, in der Dosis eines Gifts, im vorbestehenden Gesundheitszustand und Ernährungszustand der erkrankten Person, dem Zustand des Immunsystems oder dem Alter des Patienten. Auch äußere Faktoren (Temperatur (Hitzewelle, Kältewelle), Luftfeuchtigkeit, Staubbelastung, Zugluft) können Krankheitsverläufe beeinflussen.

Patienten können zudem selbst den Krankheitsverlauf beeinflussen. Je besser Patienten über ihre Erkrankung informiert sind, desto höher ist ihre Gesundheitskompetenz und desto besser können sie selbst zur Heilung beitragen. [1] Studien zeigen, dass ein intaktes soziales Umfeld Stress senkt[2], das Leben verlängert[3], Schmerzen weniger ausgeprägt erscheinen lässt[4] und Krebspatienten hilft, Therapien besser und mit höherer Lebensqualität zu überstehen.[5][6]

Einteilung nach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitlichem Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem zeitlichen Verlauf klassifiziert man Erkrankungen, gelegentlich aber auch Ereignisse in anderen Bereichen, mit verschiedenen Begriffen:

  • akut (von lateinisch acutus ‚scharf‘, ‚spitz‘) kennzeichnet schnell zum Ausbruch kommende Erkrankungen.
  • chronisch (von griechisch χρόνος chrónos ‚die Zeit‘) kennzeichnet sich meist langsam entwickelnde und lang andauernde Erkrankungen.[7] Der Krankheitsverlauf erstreckt sich über mehr als vier Wochen. Eine Erkrankung kann chronisch sein und trotzdem eine akute Komponente haben. Einige chronische Erkrankungen, wie z. B. Epilepsie, zeichnen sich durch akute Schübe (Anfälle) aus.

Zur feineren Klassifizierung gibt es Abwandlungen dieser Grundformen:

  • perakut wird für sehr schnell auftretende und oft tödliche Krankheiten (z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall) verwendet.
  • subakut wird für eine klinisch weniger heftige Symptomatik als akut, zeitlich zwischen akut und chronisch verwendet.
  • subchronisch ist eine verlängerte, aber noch geringere Krankheitsdauer als bei einem chronischen Verlauf[8]
  • chronisch-progredient ist eine lang anhaltende oder bleibende Erkrankung, in deren Verlauf die Symptome zunehmen oder zusätzliche Symptome entstehen.
  • prolongiert sagt man im Falle einer überdurchschnittlich langen Krankheits- oder Symptomdauer.
  • transitorisch wird bei vorübergehenden Störungen verwendet.

Weitere Eigenschaften zeitlicher Verläufe sind:

  • paroxysmal („anfallsartig“): sind innerhalb von sehr kurzer Zeit eintretende Symptome.
  • foudroyant („überwältigend und schnell“): z. B. manche Lungenembolie, Sepsis
  • rezidivierend: „wiederholt auftretend“, siehe Rezidiv
    • episodisch oder phasenhaft: ab und zu oder mehr oder weniger oft eintretende Symptome
    • schubförmig: wie "episodisch" nur meist mit jeweils dauerhafter Verschlechterung, wie bei Multiple Sklerose
    • intermittierend: (ebenfalls phasenhaft, aber eher kurz), v. a. im Zusammenhang mit Herzrhythmusstörung oder Fieber
    • zyklisch oder rhythmisch: wie bei Wechselfieberarten (Malaria), mit einem typischen Zeitverlauf
  • tardiv: ein langsamer oder verzögerter Eintritt der Erkrankung
  • progressiv („fortschreitend“, Synonym: progredient): über einen längeren Zeitraum sich verschlimmernde Erkrankung, siehe Progredienz
  • persistierend: eine Krankheit oder ein Symptom in konstanter Ausprägung
  • protrahiert („in die Länge gezogen“) wie persistierend, aber mit Verschlechterungstendenz.

Symptomstärke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • latent wird für „schlummernde“ Erkrankungen genutzt, bei denen beim Patienten keine Krankheitserscheinungen auftreten. Latente Infektionen können unter bestimmten Bedingungen (z. B. bei einem verminderten Immunstatus) jedoch klinisch manifest werden.
  • inapparent („nicht in Erscheinung tretend“) oder
  • asymptomatisch („ohne Symptome“) wird für Erkrankungen ohne Krankheitszeichen verwendet (vergleiche Stille Feiung).
  • subklinisch bedeutet unterschwellig, nicht offensichtlich.
  • blande gilt für eher harmlose bzw. schwach ausgeprägte Symptome
  • oligosymptomatisch bedeutet nur wenige klinische Symptome.
  • klinisch manifest sind Erkrankungen mit gut erkennbaren Symptomen.
  • aggraviert wird für (oft durch andere Faktoren oder durch Übertreibung - siehe Aggravation) verschlimmerte Krankheitszustände benutzt.

Schweregrad oder Prognose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • als letal werden tödlich verlaufende Erkrankungen bezeichnet, siehe Letalität.
  • fulminant [fulmen (lat.) = Blitz] sind sehr schwere Krankheitsverläufe, die dazu auch noch besonders schnell voranschreiten (analog zu foudroyant).
  • florid(e) [„blühend“] sind heftige, stark ausgeprägte Krankheitserscheinungen.
  • remittiert oder remittierend für Heilung bzw. rückläufige Beschwerden.
  • exazerbiert Verschlechterung chronischer Krankheitsverläufe (z. B. Exazerbation COPD)
  • infaust wird für absehbar hoffnungslose Krankheitsverläufe verwendet.

Pathophysiologischem Schädigungsmuster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwirkungsrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprung der Erkrankung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Health Literacy: A Prescription to End Confusion : Health and Medicine Division. Abgerufen am 2. März 2017 (englisch).
  2. S. E. Taylor, L. C. Klein, B. P. Lewis, T. L. Gruenewald, R. A. Gurung: Biobehavioral responses to stress in females: tend-and-befriend, not fight-or-flight. In: Psychological Review. Band 107, Nr. 3, 1. Juli 2000, ISSN 0033-295X, S. 411–429, PMID 10941275.
  3. Lynne C. Giles, Gary F. V. Glonek, Mary A. Luszcz, Gary R. Andrews: Effect of social networks on 10 year survival in very old Australians: the Australian longitudinal study of aging. In: Journal of Epidemiology and Community Health. Band 59, Nr. 7, 1. Juli 2005, ISSN 0143-005X, S. 574–579, doi:10.1136/jech.2004.025429, PMID 15965141, PMC 1757078 (freier Volltext).
  4. Ärzte Zeitung: Angehörige können chronische Schmerzen lindern - oder verschlimmern. Abgerufen am 2. März 2017 (deutsch).
  5. Martin Pinquart, Paul R. Duberstein: Associations of social networks with cancer mortality: A meta-analysis. In: Critical Reviews in Oncology/Hematology. Band 75, Nr. 2, S. 122–137, doi:10.1016/j.critrevonc.2009.06.003, PMID 19604706, PMC 2910231 (freier Volltext) – (elsevier.com).
  6. Candyce H Kroenke, Marilyn L. Kwan, Alfred I. Neugut, Isaac J. Ergas, Jaime D. Wright: Social networks, social support mechanisms, and quality of life after breast cancer diagnosis. In: Breast cancer research and treatment. Band 139, Nr. 2, 2. März 2017, ISSN 0167-6806, S. 515–527, doi:10.1007/s10549-013-2477-2, PMID 23657404, PMC 3906043 (freier Volltext).
  7. Hans Günther: Geschichtliche Erläuterung der Ausdrücke „akute“ und „chronische“ Krankheit. In: Sudhoffs Archiv 34, 1941, S. 105–124.
  8. Eintrag zu subchronisch im Flexikon, einem Wiki der Firma DocCheck, abgerufen am 10. Januar 2015.
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