Pest der kleinen Wiederkäuer

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Aufgekrümmter Rücken und angehobener Schwanz infolge Schmerz beim Kotabsatz bei einem Schaf mit Pest der kleinen Wiederkäuer

Die Pest der kleinen Wiederkäuer (Pseudorinderpest, Peste des petits ruminants) ist eine vor allem in Afrika vorkommende Viruserkrankung der kleinen Wiederkäuer (Schafe und Ziegen). Sie ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Sie gilt als „Geißel der ländlichen Haushalte“ in vielen Entwicklungsländern Afrikas, Asiens des Mittleren Ostens.[1]

In Europa wurden bislang keine Fälle beobachtet, allerdings gibt es seit 1999 regelmäßige Ausbrüche in der Türkei, so dass die Gefahr der Einschleppung besteht. 2007 wurden erste Fälle in China festgestellt. Im Sommer 2008 wurden zahlreiche Fälle der Krankheit zum ersten Mal in Marokko beobachtet.[2] Das bedeutet, dass das natürliche Hindernis in Form der Sahara nicht mehr schützt. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und die Weltorganisation für Tiergesundheit haben sich zum Ziel gesetzt, die Pest der kleinen Wiederkäuer bis zum Jahr 2030 – als zweite Viruserkrankung bei Tieren nach der Rinderpest 2011 – auszurotten.[1]

Erreger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pest-der-kleinen-Wiederkäuer-Virus
Systematik
Klassifikation: Viren
Phylum: Negarnaviricota
Subphylum: Haploviricotina
Klasse: Monjiviricetes
Ordnung: Mononegavirales
Familie: Paramyxoviridae
Gattung: Morbillivirus
Art: Pest-der-kleinen-Wiederkäuer-Virus
Taxonomische Merkmale
Genom: (-)ssRNA linear
Baltimore: Gruppe 5
Symmetrie: helikal
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Small ruminant morbillivirus (engl.)
Kurzbezeichnung
PPRV
Links

Der Erreger der Pest der kleinen Wiederkäuer ist das Peste des petits ruminants virus (PPRV) aus der Gattung Morbillivirus (Familie Paramyxoviridae, Ordnung Mononegavirales). Antigenetisch ist es eng mit dem Rinderpestvirus verwandt.

Die Übertragung erfolgt durch direkten oder indirekten Kontakt mit viruskontaminierten Ausscheidungen infizierter Tiere.

Klinisches Bild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stomatitis

Die Erkrankung ähnelt weitestgehend der Rinderpest. Die Inkubationszeit beträgt etwa fünf Tage. Die Erkrankung beginnt mit Fieber und Fressunlust. Bald darauf bilden sich eine nekrotische Entzündung der Maulschleimhaut, Nasen- und Augenausfluss und schließlich ein starker Durchfall.

Die Pest der kleinen Wiederkäuer verläuft bei Ziegen meist dramatischer als bei Schafen und führt bei etwa 90 % der Ziegenlämmer zum Tod. Die generelle Sterblichkeitsrate variiert zwischen 10 und 90 %. Bei Rindern löst das Virus eine subklinische Erkrankung aus.

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Endemiegebieten kann aufgrund des klinischen Bildes bereits eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Sie muss durch Isolierung und Nachweis des Virus oder durch einen Anstieg der Antikörper im Serum bestätigt werden. Vom Virus der Rinderpest kann es durch einen Kreuzneutralisationstest unterschieden werden.

Bekämpfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pest der kleinen Wiederkäuer ist wie die Rinderpest anzeigepflichtig. Außerhalb der Endemiegebiete werden keine Behandlungen vorgenommen, sondern infizierte Tiere werden gekeult.

Ein spezifischer Impfstoff existiert und wird erfolgreich in den Endemiegebieten eingesetzt. Auch Vakzinen gegen die Rinderpest zeigten ebenfalls eine gute Immunitätsentwicklung, diese dürfen jedoch seit deren Ausrottung 2011 nicht mehr eingesetzt werden.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Pest der kleinen Wiederkäuer soll ausgerottet werden. In: Dt. TÄBl. 65, Heft 5, 2015, S. 643.
  2. a b OIE (PDF; 351 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pest der kleinen Wiederkäuer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt nicht eine Diagnose durch einen Arzt. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!