Pferdemetzgerei

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Rossschlachter-Geschäft in Hamburg-Wandsbek

Die Pferdemetzgerei, Pferdefleischerei, Pferdeschlachterei, Rossmetzgerei oder Rossschlachterei, in Österreich Pferdefleischhauerei genannt, ist eine spezielle Fleischerei, in der es nur Pferdefleisch und manchmal auch Eselsfleisch gibt.

Tätigkeiten des Pferdemetzgers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pferdemetzger beschäftigt sich mit der Herstellung bzw. Verarbeitung von Fleisch- und Wurstwaren aus Pferde- und Eselsfleisch für den Verzehr und arbeitet in einer Fleischerei oder in einem Schlachthof. Der Beruf des Pferdemetzgers hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt; an Stelle des Schlachtens ist heute die Veredelung von Fleisch getreten. Zu den landestypischen Gerichten gehört in Deutschland der Rheinische Sauerbraten, der zumindest ursprünglich mit Pferdefleisch hergestellt wurde.

Schlachtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Pferdemetzgereien schlachten entweder selbst oder beziehen ihre Ware von Schlachtbetrieben aus der unmittelbaren Umgebung, so dass lange Tiertransporte entfallen. Einige Pferdemetzgereien arbeiten mit Tierschutzorganisationen zusammen, insofern sie sich von diesen nach Kriterien des Pferdeschutzes überprüfen lassen. Auch Notschlachtungen werden durchgeführt.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pferdemetzgereien gibt es in Europa vor allem in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien, Frankreich und Italien.

Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Italien gibt es mehrere Gerichte, die traditionell aus Pferde- oder Eselfleisch hergestellt werden. Darunter im Piemont Tapulone, in Wein geschmortes Eselhackfleisch, das mit Polenta und Roastbeef vom Pferd serviert wird. Ebenso werden Wurstwaren, Salumi, ursprünglich aus Eselfleisch hergestellt.[1]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz selbst wird allerdings vergleichsweise wenig Pferdefleisch produziert: 411 Tonnen (2011). Jährlich werden rund 5000 Tonnen importiert, größtenteils aus Amerika (Kanada, Mexiko und Argentinien).[2]

Rechtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1993 ist es in Deutschland gestattet, Pferdefleischprodukte gemeinsam mit anderen Fleischwaren zu verkaufen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tierschutzbund Zürich (TSB) hat in Zusammenarbeit mit anderen Tierschutzorganisationen den Pferdefleisch-Import in die Schweiz kritisch betrachtet.[2] Die Organisationen verweisen auf Filmaufnahmen aus den USA, Kanada, Argentinien und Mexiko die zeigen, wie Pferde beim Verladen mit Stöcken geschlagen und von Hunden gebissen werden, wie kranke Tiere unbehandelt leiden und sterben, wie Pferde länger als einen Tag ohne Wasser, Nahrung oder Ruhepausen zum Schlachthof transportiert und dort unsachgemäss betäubt werden.[2] Der Tierschutzbund Zürich wirft Schweizer Importeuren und Händlern vor, gegen ihre eigenen Tierschutz-Versprechen zu verstoßen: Man behaupte, Pferde würden in den genannten Ländern nach Schweizer oder EU-Tierschutzstandards behandelt, was in vielen Fällen aber nicht zutreffe. Die außereuropäischen Schlachtbetriebe verfügten aber über eine auch in der Schweiz akzeptierte EU-Zulassung, doch Aufnahmen aus zwei kanadischen Schlachthöfen würden beweisen, dass Pferde vor dem Schlachten nicht richtig betäubt würden.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wien gab es im 19. Jahrhundert das Wiener Zentral-Pferdeschlachthaus.

Beispiele für Pferdemetzgereien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pferdemetzgereien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Pferdemetzger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Slow Food Editore: Osterie d´ Italia 2012/2013. HALLWAG Gastronomische Reiseführer. Graefe und Unzer, 2012. Seite 39. ISBN 978-3833826351
  2. a b c d NZZ: Detailhändler entfernen importiertes Pferdefleisch