Potsdamer Havel

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  • Sacrow-Paretzer Kanal
  • Potsdamer Havelbogen
  • in der Tabelle berücksichtigte Havelabschnitte oberhalb und unterhalb
  • sonstige Gewässer

Als Potsdamer Havel (PHv) wird ein Teilabschnitt des Flusses Havel im deutschen Bundesland Brandenburg bezeichnet. Die Länge der Wasserstraße beträgt 28,79 Kilometer[1]. Sie ist eine Bundeswasserstraße der Wasserstraßenklasse IV mit Einschränkungen und gehört zur Unteren Havel-Wasserstraße[2], für die das Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg zuständig ist. Die Potsdamer Havel ist eine Aneinanderreihung großer, oft flacher Seen, immer wieder verbunden durch schmalere Flussabschnitte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sich vom Jungfernsee zwischen Potsdam und Berlin bis zum Göttinsee erstreckende Potsdamer Havel mit ihrer Länge von knapp 29 Kilometern war bis 1876 Teil der Hauptstrecke der Unteren Havel-Wasserstraße, der Verbindung zwischen den Flüssen Spree und Elbe. Mit der Verkehrsfreigabe des Sacrow-Paretzer Kanals 1876 wurde sie zu einer Wasserstraße mit untergeordneter Bedeutung für die Frachtschifffahrt. Seit der deutschen Wiedervereinigung und dem daraus resultierenden Wegfall der Sperrung der Babelsberger Enge für die Schifffahrt und der Stilllegung mehrerer Firmen in Potsdam aus Wirtschaftlichkeits- und Umweltschutzgründen gibt es keine Frachtschifffahrt mehr auf der Potsdamer Havel.

Der Hafen an der Langen Brücke in Potsdam
Die Potsdamer Havel bei Werder

Flussverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung Potsdamer Havel beginnt am Südende des Jungfernsees, an der Glienicker Brücke mit dem Kilometer 28, 61.[1] Südlich der Glienicker Brücke zweigt bei km 28,37[1] mit der Glienicker Lake der Teltowkanal nach Südosten ab. Als künstliche Wasserstraße verbindet er seit mehr als einhundert Jahren Havel, Dahme und Spree miteinander. An der Babelsberger Enge beginnt der Tiefe See zwischen Potsdam und seinem Ortsteil Babelsberg. Im Zentrum von Potsdam umfließt die Havel als Alte und Neue Fahrt die Freundschaftsinsel, einen kleinen innerstädtischen Park. Sie passiert den Hafen der Weissen Flotte, eine Eisenbahnbrücke der Bahnstrecke Berlin–Magdeburg und verbreitert sich seenartig. Nach den beiden Planitzinseln öffnet sich am rechten Ufer eine Einfahrt in die Neustädter Havelbucht im Zentrum von Potsdam. Über diese Einfahrt führt ebenfalls diese Eisenbahnstrecke. Zwischen der Insel Hermannswerder und dem Potsdamer Ufer Auf dem Kiewitt verkehrt eine Seilfähre für den Personentransport. Der folgende Templiner See wird durch einen in der Mitte der 1950er Jahre errichteten Bahndammes [3] mit Eisenbahnbrücke geteilt. Am Ostufer des südlichen Teils des Templiner Sees befindet sich das Waldbad Templin. Ebenfalls am Ufer des Sees liegt ein kleiner Park mit dem Schloss Caputh. Die Potsdamer Havel fließt mit dem Erreichen der Gemeinde Schwielowsee durch das Caputher Gemünd weiter zum Schwielowsee. Über das Caputher Gemünd führt die Fähre Caputh, eine weitere Seilfähre und die Eisenbahnbrücke der Umgehungsbahn. Der Petziensee, eine kleine Ausbuchtung des Templiner Sees, ist mit dem Schwielowsee durch den künstlichen Wentorfgraben verbunden. Mit dem Erreichen des Schwielowsees biegt der Fluss nach Nordwesten ab und passiert zwischen Geltow und Petzow die Baumgartenbrücke. Am linken Ufer der seenartigen Flussverbreiterung vor Werder hat der Glindowsee eine Verbindung durch den Strenggraben mit der Havel. Über diese kleine kanalartige Wasserstraße führt die Strengbrücke. Nach dem Passieren der Inselstadt Werder unterquert sie noch einmal die Eisenbahnstrecke Berlin-Magdeburg und fließt dann als Großer und Kleiner Zernsee vorbei an den Havelauen und unter der Autobahnbrücke Phöben der BAB 10 hindurch wieder flussartig in Mäandern dem Göttinsee zu. Als rechter Nebenfluss mündet die Wublitz in den Großen Zernsee. Die letzten etwa eintausend Meter der Potsdamer Havel werden Bacherelle genannt. Mit Kilometer minus 0,18, bei Kilometer 32,59[1] der eigentlichen Unteren Havel-Wasserstraße, endet die Bezeichnung Potsdamer Havel.

Besonderes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besonderheit stellt die Kilometrierung der Potsdamer Havel dar. Für gewöhnlich werden Flüsse bzw. Flussabschnitte fortlaufend in Fließrichtung, das heißt zu Tal kilometriert. Die Kilometrierung der Potsdamer Havel ist entgegengesetzt, zu Berg, gegen die Fließrichtung. Sie beginnt mit dem Kilometer 0,00 an der UHW am Göttinsee und endet in der UHW am Jungfernsee mit dem Kilometer 28,61.

Hydrologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Havel nördlich von Potsdam durch den Sacrow-Paretzer Kanal kurzgeschlossen wird, nehmen nur noch 30–45 % des Havelwassers den natürlichen Verlauf. Bei Trockenheit gelangt zwar sogar die Hälfte des durch Spandau geflossenen Wassers in die Potsdamer Havel, aber umso weniger davon fließt weiter nach Ketzin und Brandenburg. Zum einen wird dann viel mehr Brauchwasser entnommen als sonst, zum anderen gibt es auf den großen Wasserflächen der Seen eine erhebliche Verdunstung. Einen Anhalt bietet der Vergleich der Wasserführung des Sacrow-Paretzer Kanals mit den Vor- und nachgeschalteten Havelabschnitten. [4]

Durchflüsse Havel:
Spandau-
Jungfernsee
Differenz Kanal:
Jungfernsee-
Schlänitzsee
Kanal:
Schlänitzsee-
Göttinsee
Differenz Havel:
Göttinsee-
Ketzin
Mittleres Hochwasser 107 m³/s 37,1 m³/s 72,9 m³/s 74,6 m³/s 60,4 m³/s 135 m³/s
Mittelwasser 35,1 m³/s 6,5 m³/s 28,6 m³/s 32,4 m³/s 18,3 m³/s 50,7 m³/s
Mittleres Niedrigwasser 6,33 m³/s 3,13 m³/s 3,20 m³/s 3,00 m³/s 0,47 m³/s 3,47 m³/s

Die Brücken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Potsdamer Havel und deren Seitengewässer führen insgesamt 16 Brücken:

Die Fähren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Potsdamer Havel wird von zwei Seilfähren gequert. Die Fähre Kiewitt befördert nur Personen und Fahrräder zwischen der Halbinsel Hermannswerder und dem Ufer Auf dem Kiewitt. Die Fähre Caputh, genannt Tussy II, über das Caputher Gemünd, befördert neben Personen und Fahrrädern auch Kraftfahrzeuge.

Tourismus und der Fluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Potsdamer Havel von Frachtschiffen nicht mehr genutzt und nur von wenigen Fahrgastschiffen befahren wird, entwickelte sie sich zu einem beliebten Revier für Sportboote aller Größen und Klassen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-J. Uhlemann: Berlin und die Märkischen Wasserstraßen transpress Verlag Berlin div. Jahrgänge ISBN 3-344-00115-9
  • Schriften des Vereins für europäische Binnenschifffahrt und Wasserstraßen e. V. div. Jahrgänge. WESKA (Westeuropäischer Schifffahrts- und Hafenkalender), Binnenschifffahrts-Verlag GmbH Duisburg-Ruhrort, OCLC 48960431

Karten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Folke Stender: Redaktion Sportschifffahrtskarten Binnen 1 Nautische Veröffentlichung Verlagsgesellschaft ISBN 3-926376-10-4.
  • Autorenkollektiv: W. Ciesla, H. Czesienski, W. Schlomm, K. Senzel, D. Weidner, Schiffahrtskarten der Binnenwasserstraßen der Deutschen Demokratischen Republik 1:10.000, Band 3 Herausgeber: Wasserstraßenaufsichtsamt der DDR, Berlin 1988 OCLC 830889996

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Längen (in km) der Hauptschifffahrtswege (Hauptstrecken und bestimmte Nebenstrecken) der Binnenwasserstraßen des Bundes, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  2. Verzeichnis E, Lfd.Nr. 60 der Chronik, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  3. Der Bau des Bahndammes
  4. Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg: Gefälle, Fließgeschwindigkeit und Durchfluss der Havelwasserstraße (3 Tabellen, PDF). Die Abschnitte Potsdam–Marquardt und Marquardt–Ketzin bilden zusammen den Sacrow-Paretzer Kanal zwischen Jungfernsee und Göttinsee.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Potsdamer Havel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien