Preußisch-Hessische Eisenbahngemeinschaft

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Königlich Preußische und Großherzoglich Hessische Staatseisenbahnen. K.P. u. G.H. StE

Die Preußisch-Hessische Eisenbahngemeinschaft war der gemeinsame Betrieb der Eisenbahndirektion Mainz durch die Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Staatseisenbahnen.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grund für diesen Zusammenschluss war zum einen die geografische Lage des zweigeteilten Großherzogtums Hessen, das eng mit preußischen Gebieten verschachtelt war. Zum anderen hatten beide Staaten das Ziel, die letzte große Privatbahn in Deutschland, die Hessische Ludwigs-Eisenbahngesellschaft, zu verstaatlichen. Die beiden Staaten schlossen über dieses Vorhaben am 23. Juni 1896 einen Staatsvertrag ab.[1]

Am 1. April 1897 übernahm die Verwaltung der Preußischen Staatseisenbahnen die Betriebsführung der Staatseisenbahnen des Großherzogtums Hessen unter der gemeinsamen Bezeichnung Preußisch-Hessische Eisenbahnbetriebs- und Finanzgemeinschaft. Eigentums- und Hoheitsrechte sowie die anteilige Rendite verblieben gemäß dem Staatsvertrag beim Großherzogtum Hessen. Zur Verwaltung der Eisenbahngemeinschaft wurde die Eisenbahndirektion Mainz gegründet,[2] Präsident wurde Paul von Breitenbach.[3]

Zum 14. Dezember 1901 schlossen das Königreich Preußen, das Großherzogtum Hessen und das Großherzogtum Baden einen Staatsvertrag, mit dem die bisher von den drei Staaten betriebene Main-Neckar-Eisenbahn ebenfalls in die Preußisch-Hessische Eisenbahngemeinschaft eingegliedert wurde.[4]

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinbart war auch, dass Hessen Einfluss auf die Besetzung der leitenden Beamtenstellen nehmen konnte. Dagegen entsprachen Technik und Betriebsablauf allein den preußischen Vorschriften.[5] Alle Beamten trugen die preußische Uniform, die hessischen Beamten durften allerdings zusätzlich ein hessisches Abzeichen anbringen. Preußisch wurde auch die Schreibung der Bahnhofsnamen. Das fällt noch heute auf, weil die beiden Staaten unterschiedliche Rechtschreibregeln anwandten. Im Königreich Preußen wurden Orts- und Verwaltungsbezirksnamen mit einem unterscheidenden Vorsatzworte wie „Alt“, „Neu“, „Groß“, „Klein“, „Bergisch“, „Deutsch“ usw. – sofern sie nicht in einem Wort geschrieben wurden – ohne Bindestrich, Ortsnamen die sich aus zwei oder mehreren Stammnamen zusammensetzen, wie Schleswig-Holstein, Beeskow-Storkow usw. mit einem Bindestrich geschrieben.[6][7] In Hessen-Darmstadt wurde dagegen bei der ersten Fallgruppe ein Bindestrich verwendet, bei der zweiten die Wortbestandteile zusammengeschrieben. Das hat bis heute zur Folge, dass in den entsprechenden Orten die Schreibung des Orts- und des Bahnhofsnamens voneinander abweichen, wie Groß Gerau / Groß-Gerau oder Hohensülzen / Hohen-Sülzen.

Ende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Preußisch-Hessische Eisenbahngemeinschaft endete mit dem Übergang der Länderbahnen auf die Deutschen Reichseisenbahnen am 1. April 1920.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Hager: „Aufsaugung durch Preußen“ oder „Wohltat für Hessen“? Die preußisch-hessische Eisenbahngemeinschaft von 1896/97. In: Andreas Hedwig (Hrsg.): „Auf eisernen Schienen, so schnell wie der Blitz“. Regionale und überregionale Aspekte der Eisenbahngeschichte (= Schriften des hessischen Staatsarchivs Marburg. Bd. 19). Hessisches Staatsarchiv, Marburg 2008, ISBN 978-3-88964-196-0, S. 81–111.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abgedruckt in: Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter. Jg. 1897, Nr. 8, S. 29ff: Staatsvertrag über die gemeinsame Verwaltung des beiderseitigen Eisenbahnbesitzes.
  2. Chronik der Eisenbahndirektion Mainz
  3. Zentralblatt der Bauverwaltung, 50. Jahrgang 1930, Nr. 11 (vom 19. März 1930), S. 227
  4. Helmut Schmidt: Deutsche Eisenbahndirektionen. Grundlagen I: Entwicklung der Direktionen 1835-1945. Berlin 2008. ISBN 978-3-933254-85-6, S. 49.
  5. Vgl. etwa: Umnummerirung [sic] und Umzeichnung der Personen- und Gepäckwagen. In: Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter. Jg. 1897, Bekanntmachung Nr. 175, S. 375.
  6. Rolf Jehke: Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874–1945. Abschnitt Landkreis Wolfhagen, Fußnote 1
  7. http://wiki-de.genealogy.net/Schlesien/Geschichte
  8. Reichsgesetzblatt 1920, Seite 773 ff