Paul von Breitenbach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Paul von Breitenbach - Bronzebüste vom Bildhauer August Kraus 1920.
Eisenbahner-Erinnerungsblatt, rechts unten: Paul von Breitenbach

Paul Justin von Breitenbach (* 16. April 1850 in Danzig; † 10. März 1930 in Bückeburg) war als Minister der öffentlichen Arbeiten in Preußen unter anderem zuständig für die Preußischen Staatseisenbahnen sowie auch maßgeblich an der Entstehung der Berliner U-Bahn beteiligt.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul von Breitenbach wuchs in Danzig mit sechs Geschwistern auf und besuchte das Gymnasium. Sein Vater war Rechtsanwalt und Justizrat in Danzig.[1] Ein Bruder fiel 1871 im Deutsch-Französischen Krieg bei Rouen.[2]

Breitenbach war mit Christina Johanna Elvira von Breitenbach verheiratet. Ihr Sohn Gerhard von Breitenbach war von 1924 bis 1934 Landrat des Landkreises Limburg. Seine Tochter Erica war mit dem Diplomaten Heinrich von Kaufmann-Asser verheiratet, der 1933 aus rassistischen Gründen entlassen wurde.

Berufsweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Studium der Rechtswissenschaften in Berlin und Leipzig wurde er 1873 Gerichtsreferendar in Berlin, 1877 Gerichtsassessor. 1878 wechselte er zu den Preußischen Staatseisenbahnen. Nach Tätigkeiten in Hannover und Breslau war er ab 1884 verantwortlich bei Ausbau und Betrieb der Berlin-Hamburger Bahn beteiligt. Von 1893 bis 1895 war Breitenbach Direktor des Eisenbahnbetriebsamts Hannover, dann in gleicher Funktion in Altona. 1896 wurde er Beauftragter des preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten, um in Mainz die Verstaatlichung der Hessischen Ludwigsbahn, die Gründung der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft und die der Eisenbahndirektion Mainz zu leiten. Zu deren erstem Präsidenten wurde er zum 1. April 1897 ernannt.[3] 1903 übernahm Breitenbach die Stelle des Präsidenten der Königlichen Eisenbahndirektion Köln.[1]

Von hier berief ihn Reichskanzler Bernhard von Bülow am 14. Mai 1906 zum Minister der öffentlichen Arbeiten sowie am 21. Mai 1906 zum Leiter des Reichseisenbahnamtes. Beide Posten hatte er bis zum 13. November 1918 inne.[4] Paul von Breitenbach spielte auch eine zentrale Rolle beim Bau der Berliner U-Bahn, vor allem der Linie zwischen der westlichen Innenstadt und Dahlem (heutige Linie U3).

In seiner Zeit als Minister war er auch Vorsitzender des Reichsamts für die Verwaltung der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen. Von 22. Mai 1916 bis 19. November 1917 war Breitenbach zugleich Vizepräsident des Staatsministeriums. Seine politische Haltung illustriert ein Zitat vom 5. Oktober 1918:

„Breitenbach will möglichst bald ausscheiden, denn er kann die Radikalisierung […] der Regierung nicht mitmachen. Vor dem Kriege war er der schärfste Gegner der SPD und seit 1914 musste er ihr Eindringen […] in die Eisenbahnarbeiterschaft dennoch dulden. Jetzt ist er aber nicht bereit, einer sich jetzt entwickelnden universalen Gültigkeit eines Arbeitskammergesetzes zuzustimmen. Nur durch Rücktritt ist ein hierin liegender Konflikt zwischen dem Reich und Preußen zu verhindern.“

Protokolle des Preußischen Staatsministeriums Band 10 [4]

Am 8. November 1918 reichte Breitenbach sein Rücktrittsgesuch ein und ging am 13. November in Pension.[1]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein verlieh ihm 1898 das Komturkreuz II. Klasse des Hessischen Verdienstordens.[5]

Wilhelm II., König von Württemberg, ehrte Breitenbach 1908 mit der Verleihung des Großkreuzes mit der Krone des Friedrichs-Ordens[6].

Am 27. Januar 1909 wurde er von Kaiser Wilhelm II. (in seiner Funktion als König von Preußen) geadelt. 1913 erhielt er den Orden vom Schwarzen Adler.

Weitere Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem Beisein wurden 1913 der damalige Rastatter Platz an der Grenze zwischen Wilmersdorf, Dahlem und Steglitz in Breitenbachplatz nach ihm benannt und der darunter liegende U-Bahnhof Breitenbachplatz eröffnet.

1928 wurde eine Bronzebüste des Bildhauers August Kraus im Sitzungssaal der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn aufgestellt.[1]

Auch die Breitenbachstraße im Berliner Ortsteil Borsigwalde wurde nach ihm benannt, ebenso die Zufahrtsstraße zum ICE-Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn in Krefeld-Oppum. Weitere Breitenbachstraßen gibt es in Frankfurt am Main (in Nähe der Main-Weser-Bahn in Bockenheim), Köln (in Nähe des Rangierbahnhofs Gremberg), Mönchengladbach und Wiesbaden (beide in Nähe des jeweiligen Hauptbahnhofs).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • v. Breitenbach – Preußischer Minister der öffentlichen Arbeiten. In: Deutsche Straßen- und Kleinbahn-Zeitung, 31. Jahrgang, Nr. 51 (21. Dezember 1918), S. 427–429.
  • Staatsminister Dr. von Breitenbach †. In: Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen, 70. Jahrgang, Nr. 11 (13. März 1930), S. 281–283.
  • Trauerfeier für Exzellenz von Breitenbach in der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft in Berlin. In: Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen, 70. Jahrgang, Nr. 11 (13. März 1930), S. 297–298.
  • Paul von Breitenbach †. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Jg. 50, Nr. 11 (19. März 1930), urn:nbn:de:kobv:109-opus-60383, S. 227.
  • Eugen Caspary: Der Limburger Landrat Gerhard von Breitenbach (1924–1934). In: Nassauische Annalen. Verlag des Vereines für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, Wiesbaden 2007, ISSN 0077-2887, S. 496.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Zentralblatt der Bauverwaltung, 50. Jahrgang 1930, Nr. 11 (vom 19. März 1930), S. 227
  2. Paul Justin von Breitenbach: Mein Lebensbuch. 1850-1920 Handschriftliche Aufzeichnungen. Bundesarchiv Koblenz, III 3 - 4211/Breitenbach
  3. Übersicht über die Besetzung der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion Mainz, des Direktionsbüreaus und der Inspektoren. In: Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter. Jg. 1897, S. 179; ebd., S. 239 (Ernennung durch Kaiser Wilhelm II.)
  4. a b Protokolle des Preußischen Staatsministeriums Band 10, Juli 1909 bis November 1918
  5. Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter. Jg. 1898, Nr. 17 vom 16. April 1898, S. 128, Nachrichten: König Wilhelm II. gestattet Breitenbach die Annahme und das Tragen des Komturkreuz II. Klasse des Hessischen Verdienstordens Philipp des Großmütigen.
  6. Amtliche Mitteilungen - Württemberg (PDF; 2,1 MB) In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 28. Jahrgang, Nr. 87 (31. Oktober 1908), S. 577