Mainlinie (Politik)

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Im politischen Sinne wird unter Mainlinie historische Demarkationslinie der Deutsche Einigungskriege verstanden, die von 1864 bis 1871 existierte. Sie war von Bismarck ersonnen und wurde schließlich durch seine politischen Bemühungen auch wieder überwunden. Im geographischen Sinne wird sie auch heute noch als Grenze zwischen Mitteldeutschland und Oberdeutschland verstanden.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als solche verlief die Mainlinie nicht exakt entlang des Mains, sondern von Ost nach West zunächst entlang der Nordgrenze des Königreichs Bayern, dann entlang des Mains bis zu dessen Mündung bei Mainz und schließlich entlang der Westgrenzen des Großherzogtums Hessen und der bayerischen Pfalz bis zur französischen Grenze. Damit lag das Großherzogtum Hessen beiderseits der Linie. Auch die seit 1866 zu Preußen gehörende Stadt Frankfurt am Main lag ebenfalls auf beiden Seiten des Mains, jedoch gehörte die gesamte Stadt zum Norddeutschen Bund.

Die ökonomischen und ordnungsrelevanten Hemisphären[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Main trennte Deutschland in zwei ökonomische und ordnungsrelevante Hemisphären, die erst mit der Reichsgründung überwunden wurden.

Zollvereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mainline war ursprünglich die Grenze zwischen dem Mitteldeutscher Handelsverein und dem Süddeutscher Zollverein. Das bedeutet, dass für den grenzüberschreitenden Waren- und Güterverkehr es auch hier zu Zollkontrollen kam.

Münzvereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferner war sie auch die Grenze zwischen dem Dresdner Münzvertrag und dem Münchner Münzvertrag. Nördlich des Main zahlte man mit dem Vereinstaler, südlich davon mit dem Gulden. Siehe dazu Deutsche Währungsgeschichte vor 1871.

Maße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gleiche Trennung bestand bei den Maßen: südlich des Main gab es: Baden, Bayern, Hessen, Österreich. Während nördlich des Mains die folgenden Maße galten: Braunschweig, Hannover, Hessen, Preußen, Sachsen. Dort wurde 1868 – noch vor der Reichsgründung – das metrische System eingeführt: Die Norddeutsche Maß- und Gewichtsordnung. Im Südbund wurde dergleichen nicht etabliert.

Zeitmessung im grenzüberschreitenden Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schienenverkehr braucht eine simultane synchrone Zeitmessung. Vor dem Einführen der Mitteleuropäische Zeit gab es nur die lokale Zeit. Daher hat man sich folgendermaßen beholfen. Die Bahnen in Preußen, Mecklenburg, Oldenburg, Sachsen und Elsaß-Lothringen verwendeten im dienstlichen Betrieb die Berliner Zeit. Diese „Innerer Dienst“ genannte Zeit galt nur für die Angestellten der Bahn und für deren Uhren und Fahrpläne; der sogenannte „Äußere Dienst“ der Bahn orientierte sich an den Ortszeiten, also an den Bahnhofsuhren und den Uhren auf den Gleisen, die die Lokalzeiten anzeigten. Was für den Bahnmitarbeiter bedeutete, ständig mit zwei Zeiten/Uhren arbeiten zu müssen.[1]

Südlich des Mains in Baden, Bayern, Württemberg, Hessen und in der Pfalz galt die Ortszeit ihrer Hauptorte Karlsruhe, München, Stuttgart, Frankfurt bzw. Ludwigshafen.[1]

Das grenzüberschreitendes Postwesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

War es schließlich 1850 gelungen ein gemeinsames deutschsprachiges Postwesen aufzubauen: Der Deutsch-Österreichischer Postverein. Hier brachte der Deutscher Krieg und die damit verbundene Auflösung des Deutschen Bundes eine Trennung mit sich. Es folgte nördlich des Mains der Norddeutscher Postbezirk, der bis zur Reichsgründung Bestand hatte. Der Südbund dagegen zerfiel in die regionale Post.

Mainline für das Königreich Bayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maximilian von Montgelas begriff den Main als Grenzlinie des süddeutschen Liberalismus, wohingegen Johann Georg von Aretin, den Fluss sogar als eine Verteidungsline Süddeutschlands gegen Angriffe aus den Norden und den Nordosten ansah, weil es die kürzeste Line sei, Bayern, Österreich und Böhmen zu verteidigen. Entsprechend dieser Sichtweise fordert er die Bundesfestung Mainz für Bayern.[2] Bei diesen Überlegungen muss berücksichtigt werden das die Pfalz bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zur Bayern gehörte, also Bayern diesseits des Rheins siehe dazu Pfalz (Bayern).

Triaspolitik Bayerns[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursache dieser Demarkationslinie liegt im Deutscher Dualismus begründet, die im 19. Jahrhundert wieder virulent wurde. Der Zweck zu dieser Linie liegt in der Gründung des Preußisch-Hessischen Zollverein von 1828. Nach dem sich dieser bereits 1834 zum Deutschen Zollverein entwickelt hatte, sah Österreich seine Interessen in Nord- und Mitteldeutschland bedroht. So entwickelte man dort die Idee eines Dritten Deutschlands, der Versuch ein sogenannter Pufferstaat unter Führung Bayerns zwischen den realisierenden Großmächten zu etablieren. In der Tat versuchte Bayern durch eine Pendeldiplomatie die Gegensätze zu überbrücken, wobei Bayern immer näher zu Preußen, als zu Österreich stand. Die Vorstellung der Mainline wurde allerdings von Bismarck entwickelt. Schon im April 1856, soll er zu Ernst Ludwig von Gerlach und Otto Theodor von Manteuffel die Vorstellung einer solche Demarkationslinie geäußert haben, die den unvermeidlichen Krieg hinauszögern könne.[3] Nachdem die Idee des Dritten Deutschlands durch die Bamberger Konferenz 1854 und die Würzburger Konferenzen 1859 gescheitert war und auch die Reform des Deutschen Bundes durch den Frankfurter Fürstentag 1863 – auf Betreiben Bismarcks – keinen Erfolg beschienen hatte, war nun auch Österreich bereit in einer Demarkationslinie den letzten Versuch zu unternehmen, das südliche preußische Hegemonialbestreben aufzuhalten und die Kleindeutsche Lösung zu verhindern. Es entstand eine bipolare politische Welt: Den Mittelstaaten nördlich des Mains (Hannover und Sachsen) drohe die Einverleibung durch Preußen, den Mittelstaaten südlich des Mains (Bayern, Württemberg und Baden) die durch Österreich.

Geschichte der Demarkationslinie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreichisch-preußische Demarkationslinie 1864–1866[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

So kam es zur Abgrenzung der Einflusssphären der beiden deutschen Großmächte Österreich und Preußen innerhalb des Deutschen Bundes zwischen Bismarck und Rechberg nach dem Deutsch-Dänischer Krieg beim Frieden von Wien (1864). Ähnlich und analog dem Österreichisch-preußisches Kondominium in Schleswig-Holstein blieb das Gemeinsame des Deutschen Bundes erhalten, nur steckte man die Interessenssphären ab. Schleswig unter preußischer Verwaltung, Holstein unter österreichischer Verwaltung; Nördlich des Mein unter preußischer Hegemonie, südlich unter österreichischer. Es fiel günstig, dass der Sitz des Deutschen Bundes, Frankfurt am Main, genau auf dieser Linie lag. Doch die Gegensätze blieben. Auch die Mission Gablenz griff die Mainline auf, um zwei gleichberechtigte Großmächte im deutschen Bund zu etablieren. Doch Bismarck präsentierte mit dem Preußischen Bundesreformplan wiederum eine Reform des Bundes und löste damit den Deutscher Krieg aus. Mit dem Mainfeldzug wird diese Line zum ersten Mal militärisch überschritten.

Französisch-preußische Demarkationslinie 1866–1871[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende des Krieges erfuhr diese Demarkationslinie, auf politischen Druck von Napoleon III., im Prager Frieden (1866) abermals eine formale Bestätigung.[4] Napoleon, der in Süddeutschland aufgewachsen und in Augsburg zur Schule gegangen war, hatte im Grunde genommen Verständnis für eine Vereinigung der deutschen Staaten nach Beendigung des Deutschen Bundes. Er wollte allerdings diese Vereinigung von der Zustimmung Frankreichs abhängig machen, wobei er davon ausging, dass eine solche Zustimmung auch zu einem teritorellen Zugeständnis im Sinne Frankreichs einher gehen musste. Als Reaktion darauf schuf Bismarck mit den Augustverträgen eine Gegenmacht. Am 29. August 1866 bot Vincent Benedetti Bismarck die Bundesunion an, wenn Frankreich seine natürliche Grenze von 1814 zurück erhalte, oder zumindest dafür Belgien und, bzw. oder Luxemburg, annektieren dürfe.[5] Doch Bismarck reagierte darauf nicht, sodass es zur Luxemburgkrise kam, das Luxemburg aus den Bund, aber nicht aus den Deutschen Zollverein löste und dem Land die Unabhängigkeit zuwies. Die Mainlinie wurde Südgrenze des Norddeutschen Bundes und die Nordgrenze des nie gegründeten Süddeutschen Bundes. Mit den Schutz- und Trutzbündnisse von 1866 und mit dem von Bismarck imitierten Zollparlamentswahl im Jahr 1968, wurde wiederum die Mainlinie durch ein gemeinsames Zollparlament zunehmend überwunden. Mit dem Deutsch-Französischer Krieg und die sich anschließenden Novemberverträge wurde der Zollverein praktisch sinnlos. Mit der Deutsche Reichsgründung von 1871 verlor die Demarkationslinie endgültig ihre politische Gültigkeit.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die historisch-politische Mainlinie wird noch heute häufig als Nordgrenze Süddeutschlands angesehen. Alternativ dazu werden auch die linguistische Mainlinie. Die Tatsache, dass die deutsche Einheit an dieser Line praktisch sieben Jahre lang stehen blieb wird wohl zu dem verballhornten Begriff des Weißwurstäquators geführt haben, obwohl es keine kulinarische Grenze war. Mitunter taucht daher der Begriff auch in Sezessionsvostellungen der Bayernpartei auf. Viele, vor allem bayrische Patrioten haben sich nach der schmerzlichen Niederlage von 1866 damit trösten können, dass man doch zumindest die Mainline gehalten hätte.

Verkehr und Identität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wird die Mainline als Europäische Hauptwasserscheide angesehen, die in Form der Donau-Main-Überleitung überwunden wurde. Dadurch wurde Süddeutschland verkehrstechnisch an Mitteldeutschland und Norddeutschland angebunden. Kulturelle Identität längs eines Flusses verbindet. So hat sich nach dem Wiener Kongress von 1815 relativ schnell und unkompliziert der Begriff des Rheinlands begrifflich festgesetzt, obwohl dabei Länder und Grenzen überwunden wurden, die nie zuvor eine politische Einheit waren. So spricht man historisch vom Herrschaftsbereich der Habsburger auch in Form der Donaumonarchie, obwohl aus politischen und historischen Gründen dies seit 1871 nicht mehr der Fall ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Siepmann & Ulrike Ratay: Reise entlang dem MAIN – Von der Quelle bis zur Mündung; WÜRZBURG 2017, ISBN 3800342472
  • Etienne François (Herausgeber), Hagen Schulze (Herausgeber), Deutsche Erinnerungsorte Band 1, München 2003, ISBN 3406509878

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Carsten Schroeder: Zeitchaos im Kaiserreich: Interview Dr. Caroline Rothauge [AUDIO]. In: Deutschlandfunk. Deutschlandfunk, 24. Oktober 2019, abgerufen am 24. Oktober 2019.
  2. Etienne François (Herausgeber), Hagen Schulze (Herausgeber), Deutsche Erinnerungsorte Band 1, München 2003, ISBN 3406509878, S. 478 – 480
  3. Otto Pflanze: Bismarck: Der Reichsgründer, S 109
  4. siehe Artikel IV des Prager Friedens: Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich erkennt die Auflösung des bisherigen deutschen Bundes an und giebt Seine Zustimmung zu einer neuen Gestaltung Deutschlands ohne Betheiligung des österreichischen Kaiserstaates. Ebenso verspricht Se. Majestät, das engere Bundes-Verhältniß anzuerkennen, welches Se. Majestät der König von Preußen nördlich von der Linie des Mains begründen wird, und erklärt Sich damit einverstanden, daß die südlich von dieser Linie gelegenen deutschen Staaten in einen Verein zusammentreten, dessen nationale Verbindung mit dem norddeutschen Bunde der näheren Verständigung zwischen beiden vorbehalten bleibt und der eine internationale unabhängige Existenz haben wird. siehe fernerPrager Frieden
  5. Otto Pflanze: Bismarck: Der Reichsgründer, S 376