Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen

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Lokschild der Reichseisenbahnen Elsass-Lothringen

Die Kaiserliche Generaldirektion der Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen war eine Behörde im Deutschen Kaiserreich von 1871 bis 1918. Ihre Aufgabe war der Ausbau, die Verwaltung und der Betrieb der Eisenbahnen im Reichsland Elsaß-Lothringen.[1] Sie entstand, nachdem Frankreich im Ergebnis des Deutsch-Französischen Krieges das Gebiet von Elsaß-Lothringen an das Deutsche Reich abgetreten hatte. Die dortigen Eisenbahnen der privaten Compagnie des chemins de fer de l’Est (Gesellschaft der französischen Ostbahnen) – insgesamt 740 Kilometer Strecken (nach anderen Angaben 841 Kilometer) – wurden von Frankreich formal käuflich erworben und dann wieder dem Deutschen Reich verkauft. Der Kaufpreis von 260 Mio. Mark wurde auf die Kriegskostenentschädigung angerechnet.

Gesamtkarte der Staats- und Privatbahnen im Deutschen Reich 1908 inklusive Elsaß-Lothringen

Rechtliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die direkte Verwaltung der elsass-lothringischen Eisenbahnen durch das Reich ging auf die Regelungen des Zusatzartikels 1, § 1 des Friedens von Frankfurt zurück. In diesem trat das Reich in die Rechte des französischen Staates in Bezug auf die Eisenbahnen ein. Eine Kompetenzübertragung auf das Reichsland erfolgte nicht. Weder das Gesetz betreffend Verfassung und Verwaltung von 1879 noch die Verfassung Elsaß-Lothringens von 1911[2] sahen Kompetenzen für den Landesausschuss bzw. den Landtag des Reichslandes Elsaß-Lothringen vor.

Die Kaiserliche Generaldirektion der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen hatte ihren Sitz in Straßburg und unterstand zunächst unmittelbar dem Reichskanzler. Im Jahre 1878 wurde sie jedoch dem in Berlin neu errichteten Reichsamt für die Verwaltung der Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen unterstellt.

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Generaldirektion verwaltete sechs Betriebsdirektionsbezirke, die ihren jeweiligen Sitz in Mülhausen, Colmar, Straßburg I und II, Saargemünd und Metz hatten. Dazu kam ein siebter Bezirk mit Sitz in Luxemburg, dem die Betriebsführung der Wilhelm-Luxemburg-Eisenbahn unterstand.

Die Fahrzeuge waren in der Anfangszeit fast ausschließlich von deutschen Bahnen abgezogen worden, da die französischen Truppen auf dem Rückzug fast das gesamte rollende Material mitgenommen hatten. Später erfolgten Nachbauten vor allem nach preußischen Vorbildern. Eine Übersicht der Lokomotiven bietet die Liste der Lokomotiven in Elsaß-Lothringen.

Der Betrieb wurde prinzipiell nach den Vorschriften der Preußischen Staatseisenbahnen durchgeführt. So standen die Signale rechts und auf mehrgleisigen Strecken wurde rechts gefahren.

Da die Französische Ostbahn-Gesellschaft auch Pächter der Wilhelm-Luxemburg-Bahn mit einer Streckenlänge von 169 km (nach anderen Angaben 237 km) war, übernahmen hier die Reichseisenbahnen die Betriebsführung. Eine 18 km lange Bahnstrecke von Colmar nach Münster (französisch Munster), die der Stadt Münster gehörte, wurde ebenfalls gekauft.

In den folgenden Jahren wurde das Streckennetz umfangreich ausgebaut. 1912 umfasste das Netz der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen Strecken von 2100 km Länge, davon 78 km Schmalspur.

Netz der elsaß-lothringischen Eisenbahnen und der luxemburgischen Eisenbahnen nach dem Ersten Weltkrieg

Nach 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Rückkehr des Elsass und Lothringens an Frankreich infolge des Friedensvertrags von Versailles von 1919 blieben die Strecken dort unter der Bezeichnung Réseau ferroviaire d’Alsace-Lorraine (AL) als staatliche französische Eisenbahnen selbstständig. Auf diesem Netz wird bis heute auf mehrgleisigen Strecken rechts gefahren, während im übrigen Frankreich links gefahren wird. Bei der allgemeinen Verstaatlichung 1938 wurde das Netz der AL in die SNCF eingefügt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen – im Deutschen Kaiserreich 1871–1894

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1.  Wikisource: Erlaß vom 9. Dezember 1871 – Quellen und Volltexte
  2. Art 24 der Verfassung regelte das Eisenbahnwesen