Przemków

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Przemków
Wappen von Przemków
Przemków (Polen)
Przemków
Przemków
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Polkowice
Fläche: 5,67 km²
Geographische Lage: 51° 31′ N, 15° 47′ OKoordinaten: 51° 31′ 0″ N, 15° 47′ 0″ O
Höhe: 113 m n.p.m.
Einwohner: 6279
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 59-170
Telefonvorwahl: (+48) 76
Kfz-Kennzeichen: DPL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: LesznoŻary
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 108,04 km²
Einwohner: 8555
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 79 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0216053
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Stanisław Pępkowski
Adresse: pl. Wolności 25
59-325 Przemków
Webpräsenz: www.przemkow.pl



Przemków Audio-Datei / Hörbeispiel Aussprache?/i (deutsch Primkenau) ist eine Stadt im Powiat Polkowicki (Landkreis Polkowicki) in Polen. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde, die eine Fläche von 108,04 km² umfasst. Przemków gehört zur Woiwodschaft Niederschlesien und liegt etwa 25 Kilometer südwestlich von Polkowice.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet des späteren Przemków/Primkenau gehörte zum Herzogtum Glogau und gelangte nach dem Tod des Herzogs Konrad II. 1273/74 an dessen jüngsten Sohn Primislaus/Primko I. Er errichtete vor 1289 eine Burg in einem slawischen Markt, den er nach deutschem Recht umsetzte. Vermutlich erst nach Primislaus/Primkos Tod, der 1289 bei Siewierz fiel, wurde dieser Markt von Primkos Brüdern zum Gedenken an ihn in Przemków/Primkenau umbenannt. Erstmals urkundlich erwähnt unter dieser Ortsbezeichnung wurde es im Jahre 1305. Für das Jahr 1387 sind vier Handwerksinnungen nachgewiesen sowie das Braurecht für 63 Bierhöfe. 1484 wurde Primkenau nach Magdeburger Recht umgesetzt.

Primkenau war Sitz einer großen Grundherrschaft, die spätestens 1391 an das Adelsgeschlecht Rechenberg gelangte. Deren in Schlawa ansässige Linie erhielt 1611 unter Melchior von Rechenberg den böhmischen Freiherrentitel mit dem Namenszusatz „von Klitschdorf und Primbkenau“. Von 1737 bis 1752 waren die Grafen von Redern im Besitz von Primkenau, von denen Heinrich IX. Graf Reuß es abkaufte[2], der nach 1772 in Primkenau einen neuen Wohnsitz errichtete. Graf Reuß starb 1780 und seine Erben verkauften Primkenau 1781 an Ferdinand Siegmund Freiherr von Seherr-Thoß, der es bereits 1791 weiterverkaufte. Neuer Eigentümer wurde David Heinrich Freiherr von Bibran und Modlau, mit dessen Tod 1828 das Geschlecht im Mannesstamm erlosch. Erbin wurde seine älteste Tochter Wilhelmine († 1850), verheiratet mit Benedikt von Block (Freiherr von Block-Bibran), der Primkenau 1853 dem Herzog Christian-August zu Schleswig-Holstein († 1869) verkaufte. Die Herzogsfamilie zog 1869 auf das Familienschloss Primkenau. Seine Enkelin Auguste Viktoria heiratete 1881 Prinz Wilhelm von Preußen, den späteren Kaiser Wilhelm II. Der Schwager des Deutschen Kaisers, Herzog Ernst Günther († 1921), errichtete 1894/97 in Primkenau das neue Schloss nach einem Entwurf des Hofbaumeisters Ernst von Ihne. 1931 gelangte die Herrschaft Primkenau durch Erbschaft an Kronprinz Wilhelm von Preußen auf Oels, der 1945 enteignet wurde.

Bereits 1742, nach dem Ersten Schlesischen Krieg, fiel Primkenau wie fast ganz Schlesien an Preußen. 1793 wurde die sogenannte Schlossgemeinde anstelle der Weinbergsiedlung errichtet; 1798 entstand die Glogauer Vorstadt und 1806 das Rathaus. Nach der Neugliederung Preußens gehörte Primkenau ab 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1816 dem Landkreis Sprottau eingegliedert. 1874 wurde der Amtsbezirk Primkenau gebildet, zu dem die Landgemeinden Armadebrunn, Haselbach, Karpfreiß, Klein Gläsersdorf, Klein Heinzendorf, Krampf, Langen, Lauterbach, Neuvorwerk, Petersdorf, Primkenau, Schloßgemeinde, Weißig und Wolfersdorf und den Gutsbezirken Armadebrunn, Bruch Primkenau, Schloß und Oberwald, Haselbach, Klein Gläsersdorf, Klein Heinzendorf, Krampf, Langen, Lauterbach, Neuvorwerk, Petersdorf, Primkenau, Forst, Weißig und Wolfersdorf gehörten[3].

Am 15. August 1904 kam es durch Funkenflug einer Dampflokomotive zu dem Waldbrand im Primkenauer Forst, bei dem das Dorf Neuvorwerk zerstört und weitere teilweise zerstört wurden.

In den Wirren der Kriegsfolgen und der Inflation kam es im April 1919 (800 aufständische Hüttenarbeiter) und am 19. und 20. Oktober 1923 zu einer " Lebensmitteldemonstration ". Die hungernden Arbeiter durchsuchten Bauerngehöfte in Klein Gläsersdorf und Petersdorf nach Essbaren[4]. Der Bürgermeister wurde auf einem Stuhl stehend gezwungen die Internationale zu singen, durch massive Polizeigewalt aus Glogau wurde dieses Aufbegehren niedergeschlagen.

Am 10. Februar 1945 wurde Primkenau von Truppen der Roten Armee erobert.[5] Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Primkenau 1945 an Polen und wurde in Przemków umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht schon vorher geflohen war, vertrieben. Wegen der Kriegszerstörungen, die es bei Kriegsende erlitten hatte, verlor Przemków zunächst das Stadtrecht. Nach dem Ausbau der Metallindustrie wurde es 1954 zur stadtartigen Siedlung und 1959 wieder zur Stadt erhoben.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Primkenau um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Schloss Primkenau, Ansicht des 1894 bis 1897 gebauten Herrenhauses von Primkenau
  • Die Schlossansicht von 1860 zeigt das Vorgängerschloss im Tudorstil. Es erfüllte nicht die modernen Anforderungen der nach Primkenau gezogenen Holsteiner Herzogsfamilie, deshalb wurde es abgerissen. Dies diente auch als Arbeitsbeschaffung der Bevölkerung Primkenaus. Gemeinsam mit dem neuen Schloss wurde auch die Eisenhütte der Herzogsfamilie weiterausgebaut. Im Park wurde noch ein kleines Gartenhaus für die landwirtschaftliche und gärtnerische Erziehung der Kinder des Herzogs aufgebaut. Zu Lehrzwecken wurde auch Kleinvieh gehalten. Das 1894/97 vom Hofbaumeister Ernst von Ihne errichtete Schloss ist bei Kriegsende 1945 ausgebrannt. Die Ruine wurde in den 1970er Jahren abgetragen.
  • Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt wurde erstmals 1418 erwähnt und nach einem Brand 1719 durch den Gmünder Baumeister Johann Blasius Peintner wiederaufgebaut. Den Hauptaltar schuf nach 1750 der Bildhauer Christian Grunwald, das Hauptaltargemälde der Maler Franz Urculario. Die Seitenaltäre sowie die Kanzel und den Taufbrunnen stammen vom Bildhauer Johann Christein Haberle.
  • Die ehemals evangelische Kirche (jetzt Polnisch-Orthodoxe Kirche St. Michael) wurde 1744/46 errichtet und 1774/76 umgebaut. 1871 erfolgte eine Umgestaltung durch den Glogauer Baumeister Eckner. Die reich geschmückte Kanzel stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
  • Wassermühlen: Lauterbach besaß 1728 eine Obere Mühle und eine Mittelmühle, es waren Papiermühlen. In Primkenau gab es die Georgenmühle. Die mit Forellen besetzten Mühlteiche wurden im 19.Jahrhundert zur Wasserhaltung der beiden Eisenwerke ausgebaut.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Przemków – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Zeitgeschichte der Städte Schlesiens, Band 3, Seite 74
  3. http://territorial.de/ndschles/sprottau/primkela.htm
  4. Polizeiberichte und Listen der Anführer der Aufstände. Abgerufen am 1. September 2017.
  5. S. 442