Project Ara

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In diesem Konzept kann man die einzelnen Module kaum noch erkennen.

Project Ara ist ein Projekt von Google, in dem ein modulares Smartphone entwickelt wird. Ähnlich wie beim System Phonebloks handelt es sich um ein Gerät, bei dem jeder die einzelnen Bestandteile des Mobiltelefons selbst hinzufügen oder entfernen kann. Dafür werden anfänglich sogenannte „Endoskelette“ in drei verschiedenen Größen verkauft. In diese können dann verschiedene Module eingebaut werden. Dadurch ist es möglich, einzelne Komponenten wie z. B. den SoC, Akku oder das Display auszutauschen, wenn diese defekt oder überholt sind. Das Ziel dabei ist, dass Smartphones über längere Sicht für den einzelnen billiger werden und der durch Smartphones verursachte Elektroschrott verringert wird. Außerdem würde sich damit ein den eigenen Wünschen anpassbares Smartphone kreieren lassen.[1]

Funktionsweise und Aufbau[Bearbeiten]

Die Grundplatten, genannt Endoskelette (kurz: Endo), werden in den Größen klein (4 ''), mittel (4,5 '') und groß (5 '') verfügbar sein.[2] Darauf lassen sich in verschieden große Steckplätze Module einschieben, die dort mithilfe eines Elektromagneten gehalten werden. Die Modulgrößen belaufen sich auf 1x1, 1x2 und 2x2 Einheiten. Eine Einheit entspricht dabei 20 mm, ein Modul mit 2 Einheiten Länge ist jedoch 43 mm lang. Jedes Modul kann, sofern die Größe übereinstimmt, in jedes beliebige Fach auf der Rückseite eingeschoben werden. Sie sind auch mit den anderen Gerätegrößen kompatibel. Eine Ausnahme bilden bloß die Module auf der Vorderseite, da sie immer die gesamte Breite des Endoskeletts nutzen.

Die Grundplatte besitzt zusätzlich einen sehr kleinen Akku und einen schwachen Prozessor von Rockchip [3]. Diese lassen sich nicht austauschen und sind auch nicht für die normale Benutzung geeignet, sondern dienen lediglich dazu, das so genannte „Hot-Swapping“ zu ermöglichen. Damit ist es im eingeschalteten Zustand möglich, alle Bestandteile des Geräts außer der CPU und des Displays auszutauschen [4]. Die Nutzung eines Ersatzakkus ist somit nicht mehr mit einem Neustart verbunden.

Es gibt Module für normale Bestandteile eines Smartphones wie den SoC, Akku, Kamera, Lautsprecher. Da aber den Entwicklern keine Grenzen gesetzt werden, gibt es unendlich viele weitere Möglichkeiten, wie bspw. einen Blutdruckmesser, Wärmebild- oder Nachtsichtkameras. Auch lässt Google in der Dicke Modulentwicklern ihre Freiheiten. So ist z. B. auch ein vergrößertes Kameraobjektiv mit Zoom möglich.[1]

Als Betriebssystem wird eine modifizierte Version von Android Lollipop verwendet, wodurch „Hot-Swapping“ ermöglicht werden soll.[4][5]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Projekt „Phonebloks“ des niederländischen Designers Dave Hakkens mit dem Ziel, ein modulares Smartphone zu entwickeln, stieß anfangs auf Skepsis, da es viele technische Hürden zu überwinden galt und kaum ein Konzern bereit war mit einem kleinen Team zusammenzuarbeiten, um ein konkurrenzfähiges Gerät zu entwickeln.[6] Motorola entwickelte parallel dazu ein gleichgelagertes Projekt unter dem Namen 'Sticky'. Dieses gewann an Realisierbarkeit, auch da die Entwicklung vom „Advanced Technologies and Projects“-Team (kurz: ATAP; deutsch: fortgeschrittene Technologien und Projekte) gestartet wurde, das ein Teil von Motorolas Konzernmutter Google war. Es gab ein Treffen mit dem Phonebloks-Gründer, jedoch keine Zusammenarbeit.[1] Dabei änderte sich der Name in „Project Ara“. Als Google bekannt gab, Motorola an Lenovo verkaufen zu wollen, blieb das zuständige Team dennoch ein Teil Googles.[7]

Anfang April 2014 verkündeten der Namensgeber des Smartphones, Ara Knaian, und der Projektleiter Paul Eremenko in einem Interview, dass noch im selben Monat die ersten Prototypen funktionsfähig sein werden. Mitte April findet auch die erste Entwicklerkonferenz statt, auf der eine Vorstellung dieser Prototypen denkbar wäre. Außerdem gaben sie bekannt, dass noch vor dem angepeilten Marktstart im ersten Quartal 2015 in Süd- und Zentralamerika bereits 2014 eine abgespeckte Version des Endoskeletts verfügbar sein wird. Ihm fehlt bloß der Chip für mobile Netze, ein Netzwerkmodul ist allerdings enthalten – laut den Entwicklern ist die Kommunikation über das Internet eine weit verbreitete und auch billigere Alternative zum herkömmlichen Telefonieren.[8] Am 27. Juni 2014 stellte Google seinen ersten Prototypen auf der I/O Messe vor. Dieser fror jedoch beim Booten des Systems ein.

Verkauf[Bearbeiten]

Von Google selbst stammen nur die Rahmen, die für voraussichtlich etwa 15 US-Dollar erhältlich sein werden. Die Module werden von Drittanbietern hergestellt, wobei sowohl im Smartphonemarkt etablierte Hersteller wie Samsung, HTC und Huawei Module verkaufen können, als auch kleinere Unternehmen und Startups. Es wird einen offiziellen Store für Module von Google geben, in dem alle verkauften Produkte extra geprüft und zertifiziert werden. Es wird aber auch möglich sein, nicht-zertifizierte Module aus anderen Quellen zu benutzen.[1]

Anfang 2015 gab Google bekannt, dass im zweiten Halbjahr desselben Jahres Projekt Ara in Puerto Rico auf den Markt kommen wird. Dort soll das Potential eines modularen Smartphones geprüft werden, bei Erfolg sollen die Geräte auch in anderen Ländern verfügbar sein.[9]

Ursprünglich war geplant, dass manche Module mit 3D-Druckern hergestellt werden können. Damit wäre es auch Privatkunden mit einem solchen möglich gewesen, eigene Module herzustellen. Stattdessen wurde diese Option gestrichen, die Personalisierung soll durch auf den Modulen aufbringbare Fotos passieren.[10]

Motivation Googles für das Projekt[Bearbeiten]

Google möchte mit dem Projekt vor allem mehr Nutzer von Android-Smartphones gewinnen und ist weniger am Gewinn durch den Verkauf von Hardware interessiert. So soll zum Marktstart des Smartphones eine „Basic-Variante“ mit einem Display, einem Akku, etwas Speicher sowie Arbeitsspeicher, einem Wifi-Modul und einem Low-End-SoC für gerade einmal 50 US-Dollar verkauft werden. Damit soll es nicht nur die eine Milliarde Personen, die schon jetzt ein Smartphone nutzen, erreichen, sondern auch die fünf Milliarden Menschen, die ein so genanntes Featurephone nutzen. Ihr Ziel ist also das daraus resultierende Wachstum von Googles mobilem Betriebssystem Android.[1] Den geringen Kaufpreis für die Smartphones erreicht Google auch mit dem Einsatz moderner Fertigungsmethoden. So werden z. B. die Kunststoffgehäuse der Smartphones mit dem 3D-Drucker produziert.[11]

Entwicklerkonferenzen[Bearbeiten]

Google hat drei Entwicklerkonferenzen („Developers Conferences“) für 2014 angekündigt, wovon die erste vom 15.-16. April stattfand. Auf dieser wurde das erste Module Developers Kit (deutsch: Bausatz für Modulentwickler, kurz MDK) an die anwesenden Entwickler verteilt, damit diese mit der Entwicklung von Modulen beginnen konnten. Eingeladen waren auch hier alle, die Module für Project Ara entwickeln möchten, egal ob großes Unternehmen oder kleines Startup. Außerdem stellte Google einen Livestream der Konferenz ins Internet, über den auch Nicht-Entwickler zusehen können. Die DevCon2 2015 fanden 2015 am 14. Januar in Mountain View, CA und am 21. Januar in Singapur statt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d „Project Ara: Video-Demonstration des modularen Smartphones offenbart neue Details … und fasziniert“. Siehe insbesondere eingebettetes Video.androidnext.de. Abgerufen am 5. März 2014.
  2. Jens Minor: Project ARA: Weitere Details zum modularen Smartphone; Marktstart im 2. Halbjahr 2015. In: GoogleWatchBlog. 17. Januar 2015, abgerufen am 17. Januar 2015.
  3. Nico Ernst: Rockchip und Toshiba in Googles modularem Smartphone. In: Golem – IT-News für Profis. 25. August 2014, abgerufen am 30. September 2014.
  4. a b Giulio Minotti: Project Ara News. In: Phoneblocks Blog. 29. September 2014, abgerufen am 30. September 2014.
  5. Sebastian Grüner: Android-Fork für Modulsmartphone Ara. In: Golem – IT-news für Profis. 31. Juli 2014, abgerufen am 30. September 2014.
  6. Andreas Floemer: Phonebloks: Modulares Smartphone soll Realität werden. In: AndroidNext.de. 11. September 2014, abgerufen am 8. April 2014.
  7. „Phonebloks: Video zeigt Geschichte des Project Ara, Developer-Kit für Module angekündigt“.androidnext.de. Abgerufen am 5. März 2014.
  8. Andreas Floemer: Project Ara: Erster funktionierender Prototyp des modularen Smartphones noch im April. In: AndroidNext.de. 8. April 2014, abgerufen am 8. April 2014.
  9. Ingo Pakalski: Erstes modulares Smartphone vorerst nur für Puerto Rico. In: Golem.de. 15. Januar 2015, abgerufen am 14. Januar 2015.
  10. Ingo Pakalski: Googles neuer Project-Ara-Prototyp. In: Golem.de. 15. Januar 2015, abgerufen am 15. Januar 2015.
  11. Project Ara: Google setzt auf 3D-Drucker, In: 3D-grenzenlos.de vom 8. April 2014