Przelewice (Powiat Pyrzycki)

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Przelewice
Wappen der Gmina Przelewice
Przelewice (Polen)
Przelewice
Przelewice
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Pyrzyce
Gmina: Przelewice
Geographische Lage: 53° 6′ N, 15° 5′ OKoordinaten: 53° 6′ 12″ N, 15° 4′ 42″ O
Einwohner: 794
Postleitzahl: 74-210
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZPY
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Kosin – Płońsko
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 26 Ortschaften
16 Schulzenämter
Fläche: 162,20 km²
Einwohner: 5259
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 32 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3212042
Verwaltung (Stand: 2013)
Gemeindevorsteher: Marek Wojciech Kibała
Adresse: Przelewice 75
74-210 Przelewice
Webpräsenz: www.przelewice.pl



Przelewice (deutsch Prillwitz, früher Prüllwitz) ist ein Dorf und Sitz einer gleichnamigen Landgemeinde im Powiat Pyrzycki (Kreis Pyritz) der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Przelewice liegt in Hinterpommern, etwa 13 Kilometer ostsüdöstlich der Stadt Pyritz (Pyrzyce) und vier Kilometer südlich des Plönesees (Jezioro Płoń).

An das Straßennetz ist der Ort über eine Nebenstraße zwischen Kosin (Kossin) und Płońsko (Plönzig) angeschlossen, sieben Kilometer südöstlich der Woiwodschaftsstraße 122, die Pyritz und Dolice (Dölitz, 16 Kilometer) verbindet. Die nächste Bahnstation ist Dolice an der Bahnstrecke Poznań–Szczecin.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Ortsbezeichnung Prillwitz findet sich noch einmal in Mecklenburg-Vorpommern als Ortsteil der Gemeinde Hohenzieritz.

Prillwitz ostsüdöstlich der Stadt Pyritz und südlich des Plönesees (Plöne-S.) auf einer Landkarte von 1905.
Dorfkirche (bis 1945 evangelisch).
Gutshaus Prillwitz

Dorf Przelewice (Prillwitz)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Prillwitz ist eine Gründung aus dem 13. Jahrhundert.

Das Gut war viele Jahre im Besitz der Familie von Schack. Im Jahr 1799 verkaufte es Otto Friedrich Ludwig von Schack (1763–1815) an den Geheimen Finanzrat August Heinrich von Borgstede. Im Jahre 1800 ließ der Berliner das Herrenhaus errichten, um damit das Gut Prillwitz zum schönsten pommerschen Landsitz zu machen. Ein unbekannter Architekt des Berliner Klassizismus – eventuell Heinrich Gentz – fertigte die Baupläne für das Haus.

Prillwitz ist das Dorf, in das 1802 die ersten Merinoschafe aus Spanien kamen und von hier aus Eingang in alle preußischen Schafzuchtbetriebe fanden.

Im Jahre 1821 kaufte Prinz August von Preußen, Neffe von Friedrich dem Großen, das schlossähnliche Herrenhaus für seine Geliebte Auguste Arend, die hier bis zu ihrem Tod 1834 lebte und 1825 den Titel „von Prillwitz“ verliehen bekam. Im zugehörigen Schlossgarten gab es eine Baumschule für Obstbäume.[2]

1876 ging das Herrenhaus an Caspar Lachmann.

Im Jahre 1898 verschaffte der Bau der Kleinbahnlinie der Pyritzer Kleinbahnen von Pyritz (heute polnisch: Pyrzyce) nach Plönzig (Płońsko) Anschluss an das preußische Eisenbahnnetz.

1922 kam das Gut in den Besitz des Conrad von Borsig, der bis zu seinem Tode 1945 (ermordet von russischen Soldaten) Eigentümer blieb und den botanischen Garten, der heute noch erhalten ist, anlegte.

Vor 1945 gehörte Prillwitz zum Landkreis Pyritz im Regierungsbezirk Stettin der preußischen Provinz Pommern. Der Ort bildete einen eigenen Amts- und Standesamtsbezirk, in den auch die Nachbarorte Kloxin (Kłodzino), Klücken (Kluki), Kossin (Kosin) und Woitfick (Oćwieka) eingegliedert waren. 1905 waren in Prillwitz 879 Einwohner registriert, 1933 waren es 818 und 1939 noch 806.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Kurz darauf wurde Prillwitz zusammen mit ganz Hinterpommern unter polnische Verwaltung gestellt. In Prillwitz trafen polnische Zivilisten ein. Das Dorf wurde in Przelewice umbenannt. Soweit die Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit vertrieben.

Seit 1945 ist der Ort unter dem Namen Przelewice dem Powiat Pyrzycki in der Woiwodschaft Westpommern (bis 1998 Woiwodschaft Stettin) zugeordnet und Sitz der Gmina Przelewice.

Das ehemalige Herrenhaus der Gutsanlage wurde nach 1945 in Wohnungen für Werktätige der Landwirtschaftlichen Produktionsgesellschaft umgewandelt. 1994 übernahm es die Gemeinde Przelewice und richtete in dem restaurierten Gebäude ein Konferenzzentrum ein.

2010 lebten 794 Menschen in Przelewice.[3]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ein-
wohner
Anmerkungen
1816 449 davon 327 im Dorf, 43 auf Vorwerk Lindenbusch, 35 auf Augustthal und 44 auf Louisenhof[4]
1864 625 davon 339 Einwohner auf dem Rittergut, 286 im Dorf[5]
1867 257 [6]
1871 286 darunter 274 Evangelische, ein Katholik und elf Juden (ein Nicht-Preuße)[6]
1925 827 darunter 718 Evangelische, 91 Katholiken und ein Jude[7]
1933 818 [8]
1939 806 [8]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den alten Bauformen des Gebäudes, einem Granitquaderbau des 13. Jahrhunderts, sind nur die Blenden des Ostgiebels erhalten sowie zwei Portale aus sauber behauenem Granit. Der Turm an der Westseite steht nur zur Hälfte frei. Der barocke Kanzelaltar ist ein Werk aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Kirchen-/Pfarrgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1945 war Prillwitz als eigenständige Kirchengemeinde eine Filialgemeinde im evangelischen Kirchspiel Kloxin (heute polnisch: Kłodzino). Sie gehörte zum Kirchenkreis Pyritz im Westsprengel der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahre 1940 zählte sie 1.056 Gemeindeglieder, dreimal mehr als die Pfarrgemeinde Kloxin. Das Kirchenpatronat für Prillwitz im Kirchspiel Kloxin vertraten zuletzt als Besitzer auf Prillwitz die Gebrüder Geheimräte Conrad und Ernst von Borsig gemeinsam. Letzter deutscher Geistlicher war Pfarrer Erich Bake.

Seit 1986 gibt es in Przelewice eine katholische Pfarrei mit dem Namen Matki Bożej Królowej Polski (Mutter Gottes, Königin Polens). Sie gehört zu m Dekanat Barlinek (Berlinchen) im Erzbistum Stettin-Cammin. Hier lebende evangelische Kirchenglieder gehören zum Pfarramt der St. Trinitatiskirche in Stettin in der Diözese Breslau der Evangelisch-Augsburgischen Kirche. Kirchort ist Kłodzino (Kloxin).

Gmina Przelewice[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lage der Gmina Przelewice im Osten des Powiat Pyrzycki

Die Landgemeinde Przelewice umfasst eine Fläche von 162,20 km², was 22,4 % der Gesamtfläche des Powiat Pyrzycki entspricht, in dessen äußerstem Osten die Gmina liegt. Sie gehört zur Woiwodschaft Westpommern (bis 1998 Woiwodschaft Stettin). Im Nordwestbereich der Gemeinde liegt der 0,738 ha große Jezioro Płoń (Plönesee), der von der Płonia (Plöne) auf ihrem 74 Kilometer langen Weg vom Jezioro Barlińskie (Berlinchener See) zum Jezioro Dąbie (Dammscher See) durchflossen wird.

Nachbargemeinden der Gmina Przelewice sind:

Im gesamten Gemeindegebiet gilt die einheitliche Postleitzahl 74-210.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gmina Przelewice gehören 24 Ortschaften, die 15 Ortsteilen („Schulzenämter“) zugeordnet sind.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bylice (Lindenbusch)
  • Jesionowo (Schönow)
  • Kluki (Klücken)
  • Kłodzino (Kloxin)
  • Kosin (Kossin)
  • Laskowo (Groß Latzkow)
  • Lubiatowo (Lübtow)
  • Lucin (Luisenhof)
  • Płońsko (Plönzig)
  • Przywodzie (Fürstensee)
  • Rosiny (Rosenfelde)
  • Ślazowo (Malwinenvorwerk)
  • Topolinek (Ernestinenhof)
  • Ukiernica (Ückerhof)
  • Żuków (Suckow)

Übrige Ortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Czartowo (Teufelsdamm), Gardziec (Gartz), Karsko (Schöningsburg), Myśliborki (Mützelburg), Oćwieka (Woitfick), Radlice (Freiburg), Rutnica (Wilhelminenhof), Wołdowo (Waldowsaue) und Wymykowo (Jägerthal).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Nordwesten der Gmina führt die Woiwodschaftsstraße 122, die von Krajnik Dolny (Nieder Kränig) an der polnisch-deutschen Grenze kommend über Banie (Bahn) und Pyrzyce (Pyritz) nach Dolice (Dölitz) und weiter bis Piasecznik (Petznick) führt. Das übrige Gemeindegebiet wird durch Nebenstraßen und Landwege erschlossen.

Schienen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1898 wurde eine Kleinbahnlinie von Pyritz nach Plönzig gebaut, die von den Pyritzer Kleinbahnen betrieben wurde. Von den 8 Stationen an dieser 19 Kilometer langen Strecke lagen 5 im Gebiet der heutigen Gmina Przelewice: Kossin (Kosin), Prillwitz (Przelewice), Kloxin (Kłodzino), Rosenfelde (Rosiny) und Plönzig (Płońsko). Diese Strecke wurde nach 1945 noch von der Polnischen Staatsbahn weiter betrieben, jedoch 1954 eingestellt und 1987 demontiert. Heute besteht Bahnanschluss lediglich über das 16 Kilometer entfernte Dolice an der Staatsbahnlinie 351 Stettin–Posen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 1: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 155–156, Nr. 46.
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Teil II, Band 3, Anklam 1868, S. 730–732.
  • Johannes Hinz: Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land. Augsburg 1996.
  • Brandenburgs Kurfürsten. Preußens Könige. Das Taschenlexikon. Karwe, Berlin 2003.
  • Eberhard Lebender: Ein Dorf und Rittergut in Hinterpommern. Prillwitz im Hrs. Pyritz und seine 650jährige Geschichte. Selbstverlag, Wentorf 2003.
  • Maciej Słomiński: Przelewice|Prillwitz. Fundacja Akademia Europejska Kulice-Kültz, 2013, ISBN 978-83-935718-4-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Oeffentlicher Anzeiger als Beilage zu No. 38 des Amts-Blattes der Königlich Preußischen Regierung zu Frankfurt an der Oder, 19. September 1827, S. 275, 2. Absatz.
  3. Główny Urząd Statystyczny, Portret miejscowości statystycznych w gminie Przelewice (powiat pyrzycki, województwo zachodniopomorskie) w 2010 r. Online-Abfrage
  4. Ortschafts-Verzeichniß des Regierungs-Bezirks Stettin nach der neuen Kreis-Eintheilunge vom Jahr 1817 nebst alphabetischem Register. Stettin 1817, VIII. Pyritzer Kreis, Nr. 97–100.
  5. Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Teil II, Band 3, Anklam 1868, S. 730–732.
  6. a b Königl. Preußisches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Berlin 1874, S. 40–41, Nr. 57.
  7. http://gemeinde.prillwitz.kreis-pyritz.de/
  8. a b http://www.verwaltungsgeschichte.de/pyritz.html#ew39pyrprillwitz