Räuber vom Mainhardter Wald

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Räuber vom Mainhardter Wald waren eine Räuberbande, die Ende des 18. Jahrhunderts ihr Unwesen im Mainhardter Wald trieben.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1750 rebellierten die Mainhardter Bewohner gegen ihren Landesherren, den Fürsten zu Hohenlohe-Bartenstein. Sie verweigerten ihm jegliche Steuerzahlung und Naturalabgabe. In ihrem Zorn über die ihrer Meinung nach unerträglichen Forderungen des Fürsten, strengten sie sogar einen Prozess beim höchsten Gericht des damaligen deutschen Reiches in Wien an, dem Reichshofrat. Zehn Jahre lang währte der Machtkampf zwischen den Mainhardtern und ihrem Landesherren. Am Ende entschied der Kaiser zugunsten des Fürsten. Die Folge davon waren hochverschuldete und dadurch bettelarme Untertanen.

Vier Jahre nach der Niederschlagung dieser Mainhardter Rebellion machten dann die Räuber vom Mainhardter Wald unter dem Räuberhauptmann Heinrich Weiß die Region durch Raub und Plünderung auf den durch den Wald führenden Fernhandelsstraßen unsicher.[1]

Die Räuber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter trafen sich zwei wichtige Handelswege bei Hohenegarten im Mainhardter Wald. Der eine kam von Stuttgart und folgte dem Verlauf der heutigen B 14 über Sulzbach und Großerlach. Der andere kam aus Heilbronn über Weinsberg, Löwenstein, Finsterrot und Ammertsweiler auf der Trasse der heutigen B 39. Ab Mainhardt führten beide vereint nach Schwäbisch Hall und von dort weiter nach Nürnberg und Prag.[2]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete sich eine Räuberbande, vornehmlich aus Bewohnern des Mainhardter Waldes. Sie überfiel und beraubte Reisende und Handelszüge auf den Fernstraßen im Mainhardter Wald und in der näheren und weiteren Umgebung. Ihr Oberhaupt war der Mainhardter Gastwirt und württembergische Zoller Heinrich Weiß. Die Bande bestand aus drei Rotten, der Ammertsweiler, der Neuhütter und der Fuchsschwänzer Rotte. (Fuchsschwanz ist der nördliche Teil des heutigen Mainhardter Ortsteiles Hohenstraßen.) Von 53 der Räuber, die sich untereinander nur mit Spitznamen ansprachen, sind heute noch die Namen bekannt; von manchen der Bandenmitglieder kennt man die Herkunftsorte: 13 stammten aus Neuhütten, je 4 aus Finsterrot, Fuchsschwanz und Rutzenweiler, je 3 aus Ammertsweiler, vom Gögelhof und aus der Gegend von Schwäbisch Gmünd, je 2 aus Busch, Hütten und Maienfels und je einer kam vom Eulhof, aus Gailsbach, vom Hasenhof, aus Hall, Hals, Hausen an der Rot, Kreuzle, Lachweiler, Mainhardt, vom Neuwirtshaus, dem Nüßlenshof, dem Plapphof, Storchsnest, Untersteinbach, Weihenbronn und dem Wiedhof.

Die Überfälle verübten die Räuber in der sogenannten Fuchsmanier — also nicht in der Nähe ihrer Wohnorte, sondern weit fort von zuhause, vorwiegend auf dem Gebiet fremder Herrschaften. Dazu unternahmen sie teilweise erstaunliche Märsche. Der Mainhardter Wald war damals territorial sehr zersplittert. Anteil an ihm hatten

Zuweilen wurden Bauern, Wirte oder Witwen ohne Gewaltanwendung oder -drohung auch nur bestohlen. Bekannte Gewalttaten der Räuber waren:

Aufdeckung und Bestrafung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1772 verriet der in Haft genommene Martin Haas vom Gögelhof unter der Folter die Bande. Insgesamt 68 Personen wurden angeklagt, man wies ihnen Diebstähle, Post- und Straßenraub und Mordtaten nach. Von den Verurteilten wurden 16 im Jahre 1773 in Pfedelbach mit dem Schwert enthauptet, ihre Leiber aufs Rad geflochten und die Köpfe auf den Pfahl gesteckt.[3] Sieben Todesurteile wurden in Maienfels verkündet und vollzogen. Sieben der Räuber überlebten die Vernehmungen nicht.[4]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Laienspielgruppe in Mainhardt bringt die Mainhardter Räuber am Originalschauplatz Gögelhof als sogenanntes Stationentheater auf sieben Bühnen zur Aufführung.[5] In Großhöchberg und Spiegelberg wird das Räuberthema ebenfalls theatralisch aufgegriffen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Egil Pastor: Die Räuber vom Mainhardter Wald. Eine Kriminalgeschichte aus dem 18. Jahrhundert. Verlag Haller Tagblatt, Schwäbisch Hall 1986
  • Carl Schönleber: Heimatbuch Weinsberger Tal Mainhardter Wald. Hohenlohesche Buchhandlung Ferdinand Rau, Öhringen 1931, Nachdruck 1986, ISBN 3-87354-143-2

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rebellen und Räuber im Mainhardter Wald (Memento des Originals vom 3. November 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schwaebischhall.de auf schwaebischhall.de
  2. auf mainhardt.de (Memento des Originals vom 17. September 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mainhardt.de
  3. Pfedelbach 1037–1987. Aus Geschichte und Gegenwart. Hrsg. von der Gemeinde Pfedelbach. Thorbecke, Sigmaringen 1987, ISBN 3-921429-30-7, ISBN 3-7995-7630-4 (Forschungen aus Württembergisch-Franken. Band 30)
  4. Egil Pastor: Die Räuber vom Mainhardter Wald. Eine Kriminalgeschichte aus dem 18. Jahrhundert. Verlag Haller Tagblatt, Schwäbisch Hall 1986
  5. Die Räuber vom Mainhardter Wald