Ralf Schmerberg

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Ralf Schmerberg im September 2007

Ralf Schmerberg (* 28. Januar 1965 in Korntal bei Stuttgart) ist ein deutscher Künstler und Filmemacher. Zu seinem Schaffen zählen, neben Auftragsarbeiten in der Werbung, auch Kurz- und Dokumentarfilme, Videoarbeiten, Installationen im öffentlichen Raum, Happenings sowie ein umfangreiches fotografisches Werk.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen in Korntal bei Stuttgart, brach Ralf Schmerberg im Alter von 17 Jahren eine Metzgerlehre ab und schloss sich den Sannyas an. Ihrem Begründer, dem Guru Bhagwan, folgte er in den neu eröffneten Ashram Rajneeshpuram in Oregon, USA. Nach fünf Jahren auf der amerikanischen Ranch, verließ Schmerberg den Zusammenhalt und kehrte 1987 nach Stuttgart zurück. Dort fing er an, zunächst als Modefotograf und später als Werberegisseur zu arbeiten. Seine ersten Arbeiten waren kurzfilmartige Musikclips und Werbespots, die sehr früh einen besonderen, offenen Blick in die Kulissen des Alltags gaben. Gleichzeitig verfolgte er eigene Projekte und realisierte 1994 das fotografische Werk „Der Stamm der weißen Krieger“.[1] Es ist nach einem strengen Schema der absoluten Reduktion aufgebaut: weiße Menschen, gänzlich nackt, tragen unterschiedliche Masken aus dem gesamten äquatorialen Kunstraum. Zwei Jahre später entstand die Serie Hommage à Noir in Kamerun. Um den gleichnamigen Spielfilm zu produzieren, gründete er zusammen mit Eva Mayer Schönung die Produktionsfirma trigger happy productions,[2] heute mit Sitz in Berlin. Mit Hommage à Noir erhielt Schmerberg 1997 eine Unesco-Award-Nominierung.[3]

Mit dem Projekt Poem wandte sich Ralf Schmerberg dem Gedicht zu: 19 Gedichte, unter anderem von Heiner Müller, Hermann Hesse und Hans Arp wurden in den nächsten Jahren visualisiert. Als Darsteller konnte er unter anderem Luise Rainer, Klaus Maria Brandauer, Herbert Fritsch und Hannelore Elsner gewinnen. 2003 hatte das Filmdrama „Poem – Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug“ Welturaufführung bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin.

Im selben Jahr wurde das Projekt Dropping Knowledge, eine Internetplattform für sozialen Dialog, ins Leben gerufen, die über unterschiedliche Medienformate und Publikationswege hinweg die übergeordnete Frage stellt: „Who are we in the 21st century?“.[4] In diesem Kontext fand auch der bisher größte Round Table der Welt, der Table of Free Voices, am 9. Oktober 2006 auf dem Berliner Bebelplatz statt. Daraus entstand der Spielfilm Problema, der 2010 erschien.[5] Gleichzeitig bildeten sich aus der Zusammenarbeit die „Mindpirates“, ein Künstlerkollektiv, das sich mit Aspekten der zeitgenössischen Kultur, Soziologie und Ökologie beschäftigt.[6] In den Folgejahren entstanden so zahlreiche Film- und Videoarbeiten, darunter die Dokumentation „Trouble – Teatime in Heiligendamm“ beim G8-Gipfel in Heiligendamm 2007, die 2008 mit dem „Cinema for Peace–Award“ für „Most Valuable Documentary of the Year“ ausgezeichnet wurde.[7]

Egal ob als Filmemacher, Videokünstler oder Aktivist, die Kamera ist Ralf Schmerbergs ständiger Begleiter. So entstand über die Jahre ein umfangreiches fotografisches Œuvre. Ein Ausschnitt daraus erschien 2005 im Hatje-Cantz-Verlag unter dem Titel Dirty Dishes. Mit knapp 200 hintereinandergeschalteten Fotografien wird der verschwenderische Umgang mit Nahrungsmitteln in Konsumgesellschaften dokumentiert.[8]

Neben diesen freien Arbeiten realisierte Ralf Schmerberg auch immer wieder Aufträge für Firmen wie Nike, Lufthansa oder Levi’s, die mehrfach in Cannes ausgezeichnet wurden. Schmerberg führte Regie bei über 200 Werbespots, unter anderem für Nike, Hewlett-Packard, Lufthansa, Afri-Cola, American Express, Mastercard, die Stadt Paris, die HypoVereinsbank sowie bei zwei Anti-AIDS-Kampagnen für die United Nations Foundation. Außerdem drehte er Musikvideos, u.a. für Die Fantastischen Vier, 2raumwohnung und Die Toten Hosen. Schmerberg ist überzeugt, dass kurze Filme, wie sie in der Werbung und Musikindustrie verwendet werden, viele Botschaften vermitteln, Zeitgeist transportieren, aber auch gegen bestimmte Missstände protestieren können.[9] 

Seit 2002 ist Ralf Schmerberg Mitglied in der Directors Guild of America.[10] Er lebt und arbeitet in Berlin.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010 Problema
  • 2008 Dare
  • 2007 Trouble – Teatime in Heiligendamm
  • 2007 The Appointment
  • 2006 Chocolate City, We Are Here To Stay
  • 2004 Nach grauen Tagen
  • 2003 Poem
  • 1995 Hommage à Noir

Werbespots (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2012 La Vita è Bella, Fiat, Wieden + Kennedy, Shanghai; Russia - Land of Quattro, Audi, thjnk Berlin
  • 2011 Legacy, Levi's, Wieden + Kennedy, Portland
  • 2008 Das Haus der Vorstellung, Hornbach, Heimat Berlin
  • 2004 School (UNKids/AIDS PSA), United Nations Foundation, Michael Conrad & Leo Burnett, Chicago
  • 2002 Anthem & Wind, Hewlett-Packard, Goodby Silverstein & Partners, San Francisco; Under Five (UN Kids/AIDS PSA), United Nations, Leo Burnett, Chicago
  • 2001 Spanish Wedding & Dreamers, Coca-Cola, Amster Yard, New York; Silent Training, Nike, Wieden + Kennedy, Tokyo
  • 2000 Circus, Mastercard, McCann Erickson, New York
  • 1999 The Blind Man – Stadt Paris, BL/LB Leo Burnett, Levallois
  • 1998 Michael Jordan, Nike, Wieden + Kennedy, Portland

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2016 LeadAwards, Gold in der Kategorie Mood- und Modefotografie des Jahres für An Innocent Mind Has No Fear, 032c Nr. 30/2016[11]
  • 2012 LeadAwards, Creative Leader of the Year[12]
  • 2012 Clio Award Silver, Levi’s Legacy[13]
  • 2010 Goldener Löwe Cannes, Schneemanndemo, Entega, DDB, Berlin[14]
  • 2009 ADC Awards, Grand Prix in der Kategorie Ganzheitliche Kommunikation/Innovative Kommunikation für Haus der Vorstellung[15]
  • 2008 Cinema for Peace Award, Most Valuable Documentary of the Year: Trouble - Teatime in Heiligendamm[16]
  • 2007 ADC Awards, Silber für Table of Free Voices und dropping knowledge[17]
  • 2007 LeadAwards, Silber in der Kategorie WebDesign des Jahres[18]
  • 2007 Prix ARS Electronica, Erwähnung in der Kategorie Digital Communities: dropping knowledge
  • 2004 AICP Awards, Erwähnung in der Kategorie Editorial für School und Wind[19]
  • 1997 UNESCO Awards Nominierung für Hommage à Noir

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artikel

  • Fiona Ehlers: Kuck mal, ein Gedicht in Der Spiegel, KulturSPIEGEL 1/2002

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Diekhans (Hrsg.): EinFach Deutsch: POEM: Ein Film von Ralf Schmerberg. Gymnasiale Oberstufe, Schöningh Verlag 2006, ISBN 3-14-022318-8.
  • Ralf Schmerberg: Dirty Dishes, Text(e) von Matthias Harder, Vorwort von Kurt Weidemann, Hatje Cantz Verlag 2005, ISBN 978-3-7757-1571-3

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karin Stellwaag: Der Stamm der weissen Krieger. Galerie Peter Herrmann, Stuttgart 1994, abgerufen am 28. Februar 2017 (deutsch).
  2. About » trigger happy productions. Abgerufen am 28. Februar 2017.
  3. Hommage à Noir. Galerie Peter Herrmann, abgerufen am 1. März 2017 (deutsch).
  4. dropping knowledge: dropping knowledge :: Table of Free Voices. Abgerufen am 28. Februar 2017.
  5. PROBLEMA - Who are we in the 21st Century? Abgerufen am 28. Februar 2017 (englisch).
  6. dropping knowledge: dropping knowledge :: About us. Abgerufen am 28. Februar 2017.
  7. Porträt - Ralf Schmerberg. Abgerufen am 1. März 2017 (deutsch).
  8. Ralf Schmerberg | Dirty Dishes. Hatje Cantz Verlag, abgerufen am 1. März 2017.
  9. CLAUDIUS SEIDL und RALF SCHMERBERG — Hier spricht Berlin und Schaut auf diese Stadt | Mindpirates. Abgerufen am 1. März 2017.
  10. The Guild / Members | DGA. Abgerufen am 28. Februar 2017 (englisch).
  11. LeadAwards 2016 - Preisträger. LEADACADEMY für Medien e.V., abgerufen am 28. Februar 2017.
  12. LeadAwards 2012 - Preisträger. LEADACADEMY für Medien e.V., abgerufen am 28. Februar 2017.
  13. Clio Awards 2016. Abgerufen am 28. Februar 2016.
  14. Pressemeldung - ENTEGA-Denkanstoß gewinnt Auszeichnung in Cannes - Goldener Löwe für Schneemann-Demo in Berlin | ENTEGA AG. Abgerufen am 28. Februar 2017 (deutsch).
  15. ADC Gewinnergalerie. Abgerufen am 1. März 2017 (englisch).
  16. German Films: Film Info: Trouble - Teatime in Heiligendamm. Abgerufen am 1. März 2017 (englisch).
  17. ADC Gewinnergalerie. Abgerufen am 1. März 2017 (englisch).
  18. LeadAwards 2007 - Preisträger. LEADACADEMY für Medien e.V., abgerufen am 1. März 2017.
  19. AICP Awards | Year 2004. From the Archives of the AICP Awards, abgerufen am 28. Februar 2017 (englisch).