Bebelplatz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
B2B5 Bebelplatz
Opernplatz
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Bebelplatz
Blick über den Bebelplatz in Richtung Südosten, 1979
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt 1740
Neugestaltet 1928
Einmündende Straßen Unter den Linden,
Behrenstraße,
Hedwigskirchgasse,
Hinter der Katholischen Kirche
Bauwerke Staatsoper Unter den Linden,
St.-Hedwigs-Kathedrale,
ehemalige Geschäftszentrale der Dresdner Bank,
Alte Bibliothek,
Altes Palais,
Prinzessinnenpalais
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger, Radfahrer
Technische Daten
Platzfläche 19.000 m²

Der Bebelplatz (umgangssprachlich: Opernplatz) ist ein Platz im Berliner Ortsteil Mitte. Er entstand im Jahr 1740 als Teil des von Friedrich II. geplanten und von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ausgeführten Forum Fridericianum. Auf dem etwa 19.000 m² großen Platz, der seit 1947 nach dem SPD-Führer August Bebel benannt ist, befindet sich die Staatsoper Unter den Linden. Begrenzt wird er von der Prachtstraße Unter den Linden im Norden, dem Prinzessinnenpalais im Osten, der St.-Hedwigs-Kathedrale und der Behrenstraße im Süden sowie der Alten Bibliothek und dem Alten Palais im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der im historischen Stadtteil Dorotheenstadt gelegene Platz bildet den Mittelpunkt des von König Friedrich II. selbst entworfenen und von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ausgeführten Forum Fridericianum. Nach Fertigstellung der Königlichen Oper 1743 erhielt er den Namen Platz am Opernhaus und umfasste die Fläche zwischen Oper und Kommode, vom Prinz-Heinrich-Palais bis zur St.-Hedwigs-Kirche. In den Jahren 1845–1850 wurde der Platz zwischen Oper und Kommode nach Plänen von Peter Joseph Lenné begrünt[1] und erhielt den Namen Opernplatz. Die Fläche nördlich der Oper hieß weiterhin Platz am Opernhaus.[2]

Seit dem 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1910 erfolgte die Umbenennung in Kaiser-Franz-Joseph-Platz nach dem österreichischen Kaiser Franz Joseph I.,[3] wurde allerdings umgangssprachlich weiter Opernplatz genannt. 1928 wurden die Grünanlagen auf dem Kaiser-Franz-Joseph-Platz, westlich der Oper beseitigt[4] und die ganze Fläche durch Eduard Fürstenau neu gestaltet. Dabei wurde der Lindentunnel der Straßenbahn zugeschüttet, das Kaiserin-Augusta-Denkmal in den Park von Schloss Monbijou versetzt und die Grünanlage zu den Linden durch einen mit Granitsteinen gepflasterten Parkplatz ersetzt.[5] Seitdem teilt sich der Opernplatz in eine Grünfläche östlich der Staatsoper und eine Pflasterfläche westlich davon.

Das Opernplatz-Areal war am 10. Mai 1933 Hauptschauplatz der durch die Deutsche Studentenschaft in Deutschland geplanten und durchgeführten Bücherverbrennungen. In Berlin verbrannten etwa 70.000 Studenten, Professoren und Mitglieder der SA und SS Bücher von als „undeutsch“ bezeichneten Autoren, darunter Schriften von Sigmund Freud, Erich Kästner, Heinrich Mann, Karl Marx und Kurt Tucholsky. Kästner hatte sich unter die fanatisierten Zuschauer begeben, er „hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen, abgefeimten Lügners [Anm.: gemeint ist Propagandaminister Joseph Goebbels]. Begräbniswetter hing über der Stadt“.[6]

Die historische Bebauung erlitt im Zweiten Weltkrieg starke Schäden. Am 31. August 1947 wurde der Platz nach August Bebel (1840–1913) benannt, dem Mitbegründer und Führer der deutschen Sozialdemokratie.[7] Die Bezeichnung August-Bebel-Platz wurde später zu Bebelplatz verkürzt. Bei der Neugestaltung des Ost-Berliner Stadtzentrums wurden die Gebäude am Platz unter Bewahrung der historischen Fassaden, zum Teil nach ihrer Entkernung, wiederhergestellt. Das Bauensemble rund um den Platz steht unter Denkmalschutz.

Am 20. März 1995 wurde das Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung des israelischen Künstlers Micha Ullman eingeweiht. Durch eine gläserne Bodenplatte in der Platzmitte blickt man in einen unterirdischen Raum mit leeren, für etwa 20.000 Bücher (so viele wurden verbrannt)[8] Platz bietenden, weißen Bücherregalen aus Beton. Die völkerverbindende Ausstellung der United Buddy Bears kehrte nach drei Jahren Welttournee nach Berlin zurück und präsentierte sich 2006 auf dem Bebelplatz weitläufig um dieses Mahnmal Versunkene Bibliothek.[9] Seit 2010 liegt von dem israelischen Autor Chaim Be’er auch die deutsche Übersetzung seines Romans Bebelplatz vor, in dem der Platz und dieses Denkmal eine bedeutende Rolle spielen.[10]

Unter dem Platz befindet sich seit Dezember 2004 eine Tiefgarage mit zwei Untergeschossen für 462 Fahrzeuge mit direktem Zugang zur Staatsoper Unter den Linden. Von dem Verbindungsgang führt eine Tür zum verbliebenen Teil des Lindentunnels,[11] dessen Westrampe sich von 1916 bis 1926 zwischen Opernhaus und Kommode befand.[12] Die in den 2000er Jahren erfolgte Verengung des Boulevards Unter den Linden, der sich in diesem Bereich zu einer überbeanspruchten Autostraße entwickelt hatte, soll dazu beitragen, den historischen Stadtraum „Forum Fridericianum“ wieder aufzuwerten. Im Jahr 2006 eröffnete im Süden des Platzes das exklusive Rocco Forte Hotel de Rome.

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Östlicher Opernplatz mit den Denkmälern für Yorck, Blücher und Gneisenau an ursprünglicher Stelle, um 1900

Seit 1855 standen im vorderen Bereich des östlichen Opernplatzes die Bronzedenkmäler für Ludwig Yorck von Wartenburg, Gebhard Leberecht von Blücher und August Neidhardt von Gneisenau. Die Figuren gestaltete der Bildhauer Christian Daniel Rauch, die Sockel der Architekt Karl Friedrich Schinkel. Gemeinsam mit den Marmordenkmälern für Friedrich Wilhelm von Bülow und Gerhard von Scharnhorst, die seit 1822 neben der Neuen Wache standen, erinnern sie an die wichtigsten Generäle Preußens in den Napoleonischen Kriegen und gehören zu den bedeutendsten Werken der Berliner Bildhauerschule.[13] An ursprünglicher Stelle standen die Denkmäler in programmatischem Bezug zueinander, zu den Viktorienreliefs an der Neuen Wache und zu den Kriegerskulpturen an der Schloßbrücke.[14][15]

Während der NS-Diktatur wurden die Marmordenkmäler für Scharnhorst und Bülow 1942 unter mächtigen Sockelbauten mit bekrönenden Feuerschalen versteckt.[16] Ob dies wegen einer Unvereinbarkeit mit der NS-Ideologie – Scharnhorst vertrat die Werte der Französischen Revolution – oder wegen des Schutzes vor Kriegsschäden erfolgte, ist ungeklärt. Am Beginn der DDR-Diktatur wurden alle Denkmäler 1950 auf Befehl von Walter Ulbricht aus ideologischen Gründen abgebaut. Im Zuge der Rehabilitierung des preußischen Erbes wurden 1964 die Bronzedenkmäler für Yorck, Blücher und Gneisenau im hinteren Bereich des östlichen Bebelplatzes neu aufgestellt.

Nach der Wiedervereinigung wurden 2002 im vorderen Bereich des östlichen Bebelplatzes auch die Marmordenkmäler für Scharnhorst und Bülow unter Verlust ihrer programmatischen Bezüge neu aufgestellt. In jüngerer Zeit fordern Bürgerinitiativen, Kunsthistoriker und Publizisten mit Verweis auf den Gestaltungswert der Schinkelzeit und auf Artikel 8 der Charta von Venedig, alle Denkmäler an ursprünglicher Stelle wieder aufzustellen.[17][18] Der Landesdenkmalrat lehnte dies 2017 mit Verweis auf den Gestaltungswert der DDR-Zeit und auf die Widmung der Neuen Wache jedoch ab.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bebelplatz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Parkanlagen und Stadtplätze, Gartendenkmale in Berlin, Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin 39, Berlin 2013, S. 173
  2. Bebelplatz. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  3. Kaiser-Franz-Joseph-Platz. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  4. Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Parkanlagen und Stadtplätze, Gartendenkmale in Berlin, Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin 39, Berlin 2013, S. 173
  5. Eduard Fürstenau: Um- und Erweiterungsbau der Staatsoper in Berlin. In: Zeitschrift für Bauwesen. Nr. 78. Berlin 1928, S. 182.
  6. Erich Kästner: Vom Kleinmaleins des Seins. Atrium, 2010, ISBN 978-3-85535-374-3, S. 91.
  7. Horst Fritzsche: Wegweiser zu Berlins Straßennamen, Mitte. Berlin 1995, ISBN 3-89542-073-5
  8. Wolfgang Becker: Die gestörte Idylle des Platzes. Der öffentliche Raum und die moderne Kunst: ein Denkmodell. In: die waage, Zeitschrift der Grünenthal GmbH 36, 1997, Nr. 1, S. 38–44, hier: S. 42.
  9. Dorothee Dubrau: Architekturführer Berlin-Mitte. Band 2. Berlin 2009, ISBN 978-3-938666-07-4, S. 1078–1079.
  10. Chaim Be’er: Bebelplatz. Berlin Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-8270-0861-9.
  11. Jürgen Meyer-Kronthaler: Lindentunnel – ein neues Kapitel. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 2, 2005, S. 19–20.
  12. Hans-Joachim Pohl: Der Lindentunnel. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter. Heft 7, 1980, S. 134–150.
  13. Peter Bloch, Waldemar Grzimek: Die Berliner Bildhauerschule im neunzehnten Jahrhundert – Das klassische Berlin. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1994, S. 94.
  14. https://www.berlin.de/landesdenkmalamt/denkmale/liste-karte-datenbank/denkmaldatenbank/daobj.php?obj_dok_nr=09095950
  15. https://www.berlin.de/landesdenkmalamt/denkmale/liste-karte-datenbank/denkmaldatenbank/daobj.php?obj_dok_nr=09030067
  16. Vgl. Bundesarchiv, Bild 183-J00682 (Commons)
  17. Laurenz Demps: Die Neue Wache – Vom königlichen Wachhaus zur zentralen Gedenkstätte. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2011, S. 149.
  18. „Werke der Bildhauerei, der Malerei oder der dekorativen Ausstattung, die integraler Bestandteil eines Denkmals sind, dürfen von ihm nicht getrennt werden; es sei denn, diese Maßnahme ist die einzige Möglichkeit, deren Erhaltung zu sichern.“ – Artikel 8 der Charta von Venedig (Weblink)
  19. Ergebnisprotokoll Landesdenkmalrat (LDR), Sitzung am 6. Oktober 2017 (PDF)

Koordinaten: 52° 30′ 59″ N, 13° 23′ 38″ O