Ralf van Bühren

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Ralf van Bühren (* 3. Februar 1962 in Bad Kreuznach) ist ein deutscher Kunsthistoriker, Theologe und Kirchenhistoriker, der in Rom an der Päpstlichen Universität Santa Croce lehrt. Seine kunst- und kirchenhistorischen Publikationen betreffen generell die Kirchenarchitektur und christliche Bildkunst des 4. bis 21. Jahrhunderts, speziell die Bildrhetorik in Neuzeit und Moderne, die heutige Künstlerpastoral und die liturgische Kunst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.

Werdegang[Bearbeiten]

Nach Abitur 1982 am Max-Planck-Gymnasium und Zivildienst von 1983 bis 1984 im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier studierte Ralf van Bühren von 1984 bis 1991 Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Philosophie an der Universität Trier und der Ludwig-Maximilians-Universität in München. 1988 konvertierte er in München zur Katholischen Kirche.[1]

An der Universität zu Köln wurde van Bühren 1994 in Kunstgeschichte promoviert. Mit seiner Dissertation, die 1998 unter dem Titel Die Werke der Barmherzigkeit in der Kunst des 12.–18. Jahrhunderts. Zum Wandel eines Bildmotivs vor dem Hintergrund neuzeitlicher Rhetorikrezeption publiziert wurde, lag erstmals eine umfassende Bearbeitung der Ikonographie der Barmherzigkeitswerke vor. Im Kontext wirtschafts- und religionsgeschichtlicher Veränderungen während der Renaissance- und Barockzeit sowie im Blick auf Publikum, Auftraggeber und Künstler analysiert die Studie den Einfluss der Rhetoriklehre und Kunsttheorie auf die Entfaltung eines persuasiven Darstellungsmodus der Bilder. Persönlicher Betrachterbezug und narrativer Erzählstil gelten als wesentliche Elemente dieser neuzeitlichen Bildrhetorik.[2]

Von 1992 bis 1995 war van Bühren als Pädagogischer Mitarbeiter im „Museumsdienst Köln“.[3] am Wallraf-Richartz Museum und am Museum Ludwig in Köln tätig, in der EDV-gestützten, wissenschaftlichen Dokumentation des Bildarchivs Foto Marburg der Philipps-Universität Marburg und als freier Mitarbeiter für Kirchenraumpädagogik des Domforum am Kölner Dom und den zwölf romanischen Kirchen in Köln.

Von 1996 bis 1998 leitete Ralf van Bühren das Lektorat im Verlag Schnell & Steiner in Regensburg, dessen Gründer Hugo Schnell und Johannes Steiner 1934 erstmals die „Kleinen Kunstführer“ verlegten, die heute mit über 70 Millionen Exemplaren von mehr als 3.100 Titeln die größte Kunstführerreihe dieser Art in Europa sind.[4]

An der Theologischen Fakultät der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom wurde Ralf van Bühren 2006 promoviert. Unter dem Titel Kunst und Kirche im 20. Jahrhundert. Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils erschien seine kirchenhistorische Dissertation 2008 in der 40bändigen Reihe Konziliengeschichte[5], der weltweit umfassendsten Neudarstellung der Konzilien- und Synodalgeschichte von der Spätantike bis zur Moderne, die Kardinal Walter Brandmüller 1979 begründete und bis 2008 herausgab. Das Geleitwort des Buchs verfasste Friedhelm Hofmann, Bischof von Würzburg und Mitglied der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter der Kirche sowie der Kommission für Fragen der Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz.

Lehre[Bearbeiten]

Seit 2006 lehrt van Bühren Kunstgeschichte an der Päpstlichen Universität Santa Croce. Seine Forschungsschwerpunkte und Lehrveranstaltungen an der Kommunikationsfakultät umfassen „Kunst und Glaubenskommunikation“, an der Theologischen Fakultät „Liturgische Kunst“ und „Christliche Kunstgeschichte“. An deutschen Universitäten zählen diese Fächer nicht zum pflichtmäßigen Lehrprogramm des Theologiestudiums, obwohl das Zweite Vatikanische Konzil die Einbeziehung von Kunst gewollt hat.[6] Diesem Defizit in der theologischen Ausbildung versucht das Lehrangebot der Universität Santa Croce entgegenzuwirken.[7]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Werke der Barmherzigkeit in der Kunst des 12.–18. Jahrhunderts. Zum Wandel eines Bildmotivs vor dem Hintergrund neuzeitlicher Rhetorikrezeption (Studien zur Kunstgeschichte, 115), Hildesheim / Zürich / New York: Georg Olms Verlag 1998, ISBN 3-487-10319-2 - Deutsches und englisches Abstract
  • Kunst und Kirche im 20. Jahrhundert. Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils (Konziliengeschichte, Reihe B: Untersuchungen), Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh 2008, ISBN 978-3-506-76388-4 - Verlagsinformation und Rezension in „Das Münster“ 2009 sowie in „Theologie.Geschichte“ 2008
  • Paul VI. und die Kunst. Die Bedeutung des Montini-Pontifikates für die Erneuerung der Künstlerpastoral nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, in: Forum Katholische Theologie 24, 2008, S. 266-290
  • Die Immaculata Conceptio in der Malerei des 15. bis 18. Jahrhunderts. Ikonographische Innovation und dogmenhistorischer Kontext, in: Sedes Sapientiae. Mariologisches Jahrbuch 13, 2009, S. 59-89 (Abb. 9-27)
  • Spiritualität des Irdischen. Die weltanschauliche Botschaft im Werk von Joseph Beuys (1921–1986), in: Sakralität und Moderne, hrsg. von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Dorfen (München): Hawel Verlag 2010, S. 197-230, ISBN 978-3-9810376-5-4
  • Moderner Kirchenbau als Bedeutungsarchitektur. Die Lichtkonzeption Dominikus Böhms (1880–1955) als Ausdruck einer mystagogischen Raumidee, in: »Liturgie als Bauherr«? Moderne Sakralarchitektur und ihre Ausstattung zwischen Funktion und Form, hrsg. von Hans Körner und Jürgen Wiener, Essen: Klartext Verlag 2010, S. 241-256, ISBN 978-3-8375-0356-2 - Information der Online-Datenbank archINFORM
  • Akten, Dekrete und Tagebücher als Konzilsquellen. Symposium der Internationalen Gesellschaft für Konziliengeschichtsforschung in Esztergom, 16.−20. September 2010, in: Annuarium Historiae Conciliorum 42, 2010, S. 1-6
  • Sakralkunst und Moderne. Versuch einer Bilanz aus Sicht des katholischen Lehramts im 20. und 21. Jahrhundert, in: Sakralität und Moderne, hrsg. von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Dorfen (München): Hawel Verlag 2010, S. 231-330, ISBN 978-3-9810376-5-4
  • Papst Benedikt XVI. im Dialog mit Künstlern. Zur pastoralen Bedeutung des Künstlertreffens in der Sixtinischen Kapelle am 21. November 2009 im Kontext der modernen Kirchengeschichte, in: Annales theologici 25, 2011, S. 305-315 - Volltext online
  • Los Papas y los artistas modernos. La renovación de la actividad pastoral con los artistas después del Concilio Vaticano II (1962−1965), San José (Costa Rica): Ediciones Promesa 2012, ISBN 978-9968-41-216-2 - Englisches Abstract
  • 50 Jahre nach Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Bleibende Fragen zur Hermeneutik, Rezeption und Geschichtsschreibung, in: Theologisches. Katholische Monatsschrift 42, 2012, Sp. 381-390 Volltext online
  • Kunst und Kirche in der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils, dreiteilige Serie in: L‘Osservatore Romano. Wochenausgabe in deutscher Sprache, Teil I am 8. Februar 2013, S. 6; Teil II am 15. Februar 2013, S. 6; Teil III am 22. Februar 2013, S. 6 Volltext online

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl. das Pfarrarchiv der katholischen Pfarrkirche Heilig Blut in München-Bogenhausen. vgl. die Chronik der Pfarrei (PDF; 78 kB).
  2. Vgl. das Abstract des Georg Olms Verlags.
  3. Vgl. die Homepage des Museumsdienst Köln.
  4. Vgl. Reinhard Wittmann: Der Gerade Weg. Katholische Verlage in der Zeit des Nationalsozialismus, in: 75 Jahre Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2011, S. 29-40; siehe den historischen Überblick auf der Homepage des Verlags Schnell und Steiner in Regensburg.
  5. Vgl. die bibliographische Liste des Gesamtwerks auf der Homepage der Universität Bamberg und der Zeitschrift Annuarium Historiae Conciliorum (dort auch ein Kurzüberblick zum Forschungsprojekt Konziliengeschichte).
  6. Konstitution Sacrosanctum Concilium, 4. Dezember 1963, Nr. 129; vgl. Karl Lehmann: Die Welt im Spiegel der Kunst als Herausforderung für Kirche und Theologie, in: Religion aus Malerei? Kunst der Gegenwart als theologische Aufgabe, hrsg. von Reinhard Hoeps, Paderborn 2005, S. 15-28 (hier S. 26); Ralf van Bühren: Kunst und Kirche im 20. Jahrhundert. Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils, Paderborn 2008, S. 249, 367-372, 526-532.
  7. Vgl. Ralf van Bühren: Weltkirche und Universalität. Neue Projekte an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom, in: Die Tagespost 21. Juli 2011, S. 7 - Online (PDF-Datei).

Weblinks[Bearbeiten]