Päpstliche Universität Santa Croce

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Pontificia Universitas Sanctae Crucis
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Gründung 1984/1985
Trägerschaft Katholische Kirche

(Personalprälatur Opus Dei)

Ort Rom
Land Italien
Rektor Luis Navarro[1]
Studierende 1.433 (2014/2015)[2]
Professoren 235 Dozenten (2014/2015)[3]
Website pusc.it

Die Päpstliche Universität Santa Croce (auch Päpstliche Universität vom Heiligen Kreuz, lat.: Pontificia Universitas Sanctae Crucis, ital.: Pontificia Università della Santa Croce, Abk.: PUSC) ist eine Universität päpstlichen Rechts in Rom unter Leitung der katholischen Personalprälatur Opus Dei.

Das Hauptgebäude der Päpstlichen Universität Santa Croce ist der Palazzo dell’Apollinare nördlich der Piazza Navona und gegenüber dem Palazzo Altemps. Als Universitätskirche ist die Basilika Sant’Apollinare dem Apollinare-Palast angegliedert. Diese Kirche wurde von 1742 bis 1748 nach einem Entwurf von Ferdinando Fuga errichtet.

Historischer Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 1984 begann die Hochschule ihren Lehrbetrieb als Centro Accademico Romano della Santa Croce.[4][5] Auf Antrag des damaligen Großkanzlers und Prälaten des Opus Dei, Álvaro del Portillo, verfügte die Kongregation für das Katholische Bildungswesen mit dem Dekret Dei Servus am 9. Januar 1985 die kanonische Errichtung der römischen Sektion der Fakultäten für Theologie und Kirchenrecht der vom Opus Dei gegründeten Päpstlichen Universität von Navarra im spanischen Pamplona. Im ersten akademischen Jahr 1984/1985 des neuen Römischen Athenäums Santa Croce, wie die Institution damals hieß, schrieben sich 41 Studenten aus 22 Ländern ein. Damit wurde einem frühen Wunsch des Gründers des Opus Dei, des hl. Josefmaria Escrivá, entsprochen, in der Ewigen Stadt eine akademische Ausbildungsstätte anzusiedeln.[6]

Mit Dekret der Kongregation für das Katholische Bildungswesen vom 9. Januar 1990 wurde die Hochschule von Papst Johannes Paul II. zur Päpstlichen Universität erhoben und der Prälat des Opus Dei zum Großkanzler ernannt. Dies ist seit 2016 Fernando Ocáriz.[7]

Palazzo dell’Apollinare, Hauptgebäude und Sitz der Päpstlichen Universität Santa Croce

Organisation und Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Universität Santa Croce umfasst vier Fakultäten:

  • Theologie
  • Kirchenrecht
  • Philosophie
  • Institutionelle Soziale Kommunikation

Der Theologischen Fakultät ist das Institut für Religionswissenschaft, das Istituto Superiore di Scienze Religiose all’Apollinare, angeschlossen, das hauptsächlich Laien als Religionslehrer ausbildet. In seiner Lehrmethode („complex learning“) kombiniert das Institut die traditionelle Anwesenheitspflicht mit dem Fernstudium.[8] Seit 2012 bietet es als Studiengang die Spezialisierung Religion und Gesellschaft an.[9] Ab dem Studienjahr 2015/16 wird die neue Spezialisierung Christlicher Humanismus und wirtschaftliche Entwicklung angeboten.[10]

Mit der Universität verbunden ist ferner das am 9. Januar 2001 errichtete Historische Institut San Josemaría Escrivá, das die historische, aber auch die theologische und kanonistische Forschung über den hl. Josefmaria und seine Botschaft fördert.[11]

Fassade der Universitätskirche Sant’Apollinare (errichtet 1742–1748 nach Entwurf von Ferdinando Fuga)

An der Theologischen Fakultät wurde 2009 das Liturgische Institut gegründet, dessen Lehrangebot für den Lizentiats- und Promotionsstudiengang angelegt ist. Im Fachbereich Kirchengeschichte bietet die Theologische Fakultät zwei einjährige Spezialisierungsprogramme Vom Mittelmeer nach Europa: Das Christentum in Antike und Mittelalter[12] und Jenseits von Europa: Das Christentum in der modernen und zeitgenössischen Welt[13] an. Sie entsprechen dem Lizentiats-Lehrangebot in der Spezialisierung Kirchengeschichte.[14]

An der Theologischen Fakultät gibt es außerdem die Abteilungen Dogmatische Theologie, Moraltheologie, Spirituelle Theologie und Heilige Schrift.

Die Fakultät für Institutionelle Soziale Kommunikation wurde 1996 errichtet. Über ihren akademischen Lehrplan hinaus organisiert die Kommunikationsfakultät Tagungen und Fortbildungsseminare für Journalisten und Mitarbeiter kirchlicher Pressestellen. Das berufliche Fortbildungsprogramm berücksichtigt auch Konfliktsituationen und deren Behandlung durch kirchliche Entscheidungsträger im Kontakt mit den Medien.[15]

Seit 2006 umfasst das Lehrangebot der Kommunikationsfakultät das Fach Kunst und Glaubenskommunikation, die Theologische Fakultät bietet zudem Christliche Kunstgeschichte und Liturgische Kunst. Ihre Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart an. An deutschen Universitäten zählen diese Fächer nicht zum pflichtmäßigen Lehrprogramm des Theologiestudiums, obwohl das Zweite Vatikanische Konzil die Einbeziehung von Kunst gewollt hat. Die Universität Santa Croce versucht, diesem Defizit in der theologischen Ausbildung entgegenzuwirken.[16]

Überdies zeigt der deutsche Kunsthistoriker Ralf van Bühren die Relevanz der Kunstgeschichte für den Kulturjournalismus, für die Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations, PR) und Medienpräsenz der Kirche sowie für die journalistische Kommunikation über den Glauben.[17] Seine englischsprachigen Vorlesungen (Christian Art and Architecture in Rome. From Antiquity to the Present) sind offen für Studenten internationaler Universitäten.[18]

Durchschnittlich sind pro Jahr etwa 1.500 Studenten an der Universität eingeschrieben, die aus etwa 97 Ländern kommen.[19] Amtierender Rektor ist seit 2016 der Kirchenrechtler Luis Navarro. Sein Vorgänger war der Philosoph Luis Romera (2008–2016), Professor für Religionsphilosophie und Metaphysik.[20]

Forschung und Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Universität Santa Croce unterhält folgende Forschungszentren:

  • Markets, Culture and Ethics (MCE)[21]
  • Family and Media (Centro studi sul rapporto tra Famiglia e Media)[22]
  • Centro di Documentazione interdisciplinare di Scienza e Fede (DISF)[23]

Die an der Päpstlichen Universität Santa Croce veröffentlichten wissenschaftlichen Zeitschriften sind:

  • Church, Communication and Culture[24] (open access): Fakultät für Kommunikation
  • Ius Ecclesiae[25]: Fakultät für Kirchenrecht
  • Annales Theologici[26]: Theologische Fakultät
  • Acta Philosophica[27]: Philosophische Fakultät

Der Verlag Edizioni Università della Santa Croce publiziert u. a. die Studien, Handbücher, Tagungsakten und Dissertationen aus den Fachbereichen der vier Fakultäten und des Instituts für Religionswissenschaft.[28]

Kirche San Girolamo della Carità (1654–1660), Eingang an der Piazza di Santa Caterina della Rota. Rechts die rückseitigen Gebäude der Universitätsbibliothek von Santa Croce

Universitätsbibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1984 gegründete Universitätsbibliothek steht im VII. römischen Rione Regola unmittelbar neben der Kirche San Girolamo della Carità (1654–1660 erbaut), südlich der Piazza Farnese. Die Bibliothek verfügt über einen Bestand von zirka 200.000 Medien.[29]

Der Haupteingang zum Gebäudekomplex ist Via dei Farnesi, 83. Die Bibliothek ist auch externen Studenten und Forschern zugänglich. Im Juli und August ist sie als eine der wenigen Bibliotheken Roms geöffnet.[30]

Der Gebäudekomplex umfasst die historischen Räume, in denen der heilige Philipp Neri von 1551 bis 1574 wirkte und dort seine Oratoriumstreffen hielt, an denen Cesare Baronio, Francesco Maria Tarugi, Ottavio Paravicini und Antonio Gallonio teilnahmen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.pusc.it/info/autorita-accademiche
  2. Studentenzahl nach den Notizie dalla Santa Croce vom Juni 2015: Giugno 2015 (PDF-Datei).
  3. Dozentenzahl: Giugno 2015 (PDF-Datei).
  4. Aktuelle Chronik der Universität.
  5. Ralf van Bühren: Weltkirche und Universalität in: Die Tagespost, 21. Juli 2011.
  6. Historische Anfänge.
  7. Universitätsleitung.
  8. Vgl. Bühren 2011.
  9. Studienplan. des Instituts für Religionswissenschaft.
  10. Studienplan.
  11. Vgl. die Homepage des Historischen Instituts in Rom. Das Vorgängerinstitut besteht an der Päpstlichen Universität von Navarra: Università di Navarra: Finalita.
  12. Dal Mediterraneo all'Europa: il cristianesimo antico e medievale.
  13. Oltre l'Europa: il cristianesimo nel mondo moderno e contemporaneo.
  14. Vgl. die mehrsprachige Website Dipartimento di Storia della Chiesa (Fakultät für Kirchengeschichte).
  15. Vgl. Bühren 2011.
  16. Vgl. Bühren 2011.
  17. Ralf van Bühren, Caravaggio’s ‘Seven Works of Mercy’ in Naples. The relevance of art history to cultural journalism 2017.
  18. „Religious studies at Santa Croce“; vgl. die Homepage an der Universität.
  19. Vgl. Bühren 2011.
  20. Meldung bei Radio Vatikan vom 16. September 2008: Il prof. Luis Romera è il nuovo rettore dell’Università della Santa Croce.
  21. http://www.mceproject.org.
  22. http://www.familyandmedia.eu.
  23. http://www.disf.org.
  24. Homepage der Online-Zeitschrift Church, Communication and Culture beim Verlag Taylor & Francis, Abingdon (Oxfordshire).
  25. Informationen zur Zeitschrift Ius Ecclesiae; sonstige Publikationen siehe die Website der Fakultät für Kirchenrecht.
  26. Homepage der Zeitschrift Annales Theologici (vgl. englische Fassung); sonstige Publikationen siehe die Website der Theologischen Fakultät.
  27. Homepage der Zeitschrift Acta Philosophica; (vgl. englische Fassung); sonstige Publikationen siehe die Website der Philosophischen Fakultät.
  28. Homepage des Universitätsverlags Edizioni Università della Santa Croce.
  29. Präsentation der Universitätsbibliothek: Biblioteca: Presentazione, abgerufen am 25. April 2018.
  30. Vgl. Bühren 2011.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Giovanni Tridente, Cristian Mendoza (Hrsg.): Pontificia Università della Santa Croce. Dono e compito. 25 anni di attività / Pontifical University of The Holly Cross. A gift and a calling. 25 years of activities, Cinisello Balsamo (Milano): Silvana Editoriale 2010 (http://www.pusc.it/node/613)
  • Ralf van Bühren: Weltkirche und Universalität. Neue Projekte an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom, in: Die Tagespost, 21. Juli 2011, S. 7 Online (PDF-Datei).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]