Rasenlabyrinth

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Ein Rasenlabyrinth ist ein großflächiges, begehbares Labyrinth, das in eine Rasenfläche eingeschnitten wurde. Daneben gibt es die aus Steinen gelegten und die in Fels geritzten Trojaburgen sowie moderne Irrgärten, wobei letztere keine Entsprechungen des Rasenlabyrinth sind.

Rasenlabyrinth in der Eilenriede

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

City of Troy in Skewsby, Europas kleinstes Torf- oder Rasenlabyrinth

Die meisten Anlagen sind rundlich. Die Fläche der historischen Anlagen beträgt bis zu 800 m². Rasenlabyrinthe sind von den Britischen Inseln, aus Deutschland und dem nordischen Ostseeraum bekannt. Schriftliche Zeugnisse setzten ab dem 17. Jahrhundert ein. Die meisten Anlagen wurden zerstört. In Großbritannien haben sich zehn, in Deutschland vier erhalten, wobei einige davon rekonstruiert wurden.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie Heckenlabyrinthe gehen Rasenlabyrinthe wahrscheinlich auf den "Chemin de Jerusalem" zurück. Sie symbolisierten nach christlichem Verständnis die Pilgerfahrt nach Jerusalem und den Weg der menschlichen Seele zur Erlösung. Das Abschreiten eines Labyrinthes konnte eine Pilgerfahrt ersetzen, die Gläubigen rutschten zur Buße die Pfade auch auf den Knien entlang[1]. Anderen Interpretationen zufolge waren es altgermanische Kultstätten. Dabei werden verschiedene Labyrinthformen unterschieden. Als vorchristlich bzw. vorgeschichtlich werden Formen bezeichnet, die sich an archäologisch nachgewiesenen Steinkreisen orientieren,[2] während der klassische, kretische oder Chartres-Typ mit der Legende von Theseus und dem Minotaurus verknüpft ist.

Historische Rasenlabyrinthe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klassisches bzw. antikes Muster

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muster des Rasenlabyrinths in Saffron Walden mit "Ohren"
Rasenlabyrinth von Wing England

Großbritannien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Liste der englischen Rasenlabyrinthe wurde von W. M. S. Russell und Claire Russell publiziert.[3] Demnach sind rund 40 historische Rasenlabyrinthe bekannt, von denen etwa zehn erhalten sind.

Irland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Conleth Manning nennt drei Rasenlabyrinthe in Irland, von denen allerdings nur eines gesichert ist.

Modernes Rasenlabyrinth in Seaton.

Eine Liste moderner Rasenlabyrinthe findet sich in: Rasenlabyrinthe in Irland

Rekonstruktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1980er Jahren wurden viele neue Rasenlabyrinthe geschaffen. Dabei handelt es sich sowohl um Nachbildungen vorhandener, z.T. historisch nachgewiesener Muster als auch um Neuschöpfungen.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großbritannien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bath (Somerset): Beazer Gardens, Ellipse, sieben Umgänge, im Zentrum ein Mosaik (1984)
  • Botanischer Garten der Universität Cambridge: Es hat die Form einer doppelten Spirale und ist mit dem neuseeländischen Gras Anemanthele lessoniana bepflanzt[10].
  • Erdlabyrinth, Galloway Forest, Dumfriesshire. Gebaut 1990 durch Jim Buchannan[11]
  • Archbishop's Maze in Greys Court bei Henley-on-Thames in den Chilterns. Es wurde 1980 durch Adrian Fisher entworfen und beschreibt die Pilgerreise nach Jerusalem bzw. den Lebensweg des Menschen und seine schließliche Errettung. Die sieben Umgänge symbolisieren die sieben Tage der Schöpfung. Weitere Zahlensymbolik findet sich in der Länge der Kreuzarme: 33', das Alter Jesu bei seiner Kreuzigung. Das Verhältnis zwischen dem Durchmesser des Zentrums und dem Abstand zwischen den Umgängen beträgt neun und erinnert an die neunte Stunde, die Agonie Christi. Durchmesser 25 m, Länge 402 m (1/4 mile). Das Labyrinth ist mit 4500 Ziegeln ausgeführt und in einen niedrigen Rasen eingelassen. Im Zentrum steht eine vergoldete Sonnenuhr, die das Licht der Welt symbolisiert[12].
  • Kerscot, Swimbridge (Devon), Durchmesser 5,4 m, mit einer Schieferplatte im Zentrum mit einem Zitat von T. S. Eliot: "At the still point of the turning World" (Four Quartets, Burnt Norton) [13]
  • bei dem Maureen's Mump Labyrinth in Crackington Haven in Cornwall handelt es sich um einen Aprilscherz[14].
  • Dower House, Morville, Shropshire, von Katherine Swift mit unterschiedlichen Rasenhöhen gestaltet[15]
  • Erd- und Wildblumenlabyrinth, Tapton Park, Chesterfield, erbaut 1996 durch Jim Buchannan im Auftrag der Land Art Commission. Länge des Umgangs 2,4 km[11]
  • Willen Park (Milton Keynes), stark vergrößerte Nachahmung des Rasenlabyrinths von Saffron Walden mit einer Pfadlänge von über drei Kilometern
  • Seaton (Devon)

Irland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Field: Mazes, ancient and modern. Stradbroke 1999, Kapitel 2, S. 10–21.
  • Jeff Saward: Labyrinths and mazes. The definitive guide to ancient and modern traditions. London, Gaia 2003, S. 118–136. ISBN 1-85675-183-X.
  • Joergen Thordrup: Alle tiders labyrinter. Silkeborg 2002, S. 67–71.
  • Richard Cavendish: Prehistoric England. English Tourist Board, Guild Publishing London 1983, S. 127.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Penelope Hobhouse, 1986, Seite 44
  2. The Prehistoric Sites of Great Britain, Zusammenstellung in englischer Sprache mit einer Übersichtskarte
  3. W. M. S. Russell/C. Russell 1991, Seite 77-88
  4. W. M. S. Russell/C. Russell 1991, Seite 77
  5. a b c W. M. S. Russell/C. Russell 1991, Seite 88
  6. Jeff Saward, Maureen's Mump. Folklore 105, 1994, 109
  7. Richard Haslam 2006, Bodysgallen: A Renaissance Garden Survival? Garden History 34, Nr. 1, 136
  8. Conleth Manning 2004, Seiten 166-168
  9. Die Eilenriede. Europas bedeutendster Stadtwald im Herzen Hannovers hat jede Menge zu bieten. In: hannover.de. Landeshauptstadt Hannover, S. 27, abgerufen am 17. Januar 2018.
  10. University Botanic Garden, Cambridge: Gardens & Plantings: Grass Maze
  11. a b Guy Cooper/Gordon Taylor 2001, Seite 178
  12. Penelope Hobhouse, 1986, Seite 45-46
  13. Guy Cooper/Gordon Taylor 2001, Seite 149
  14. Jeff Saward, Maureen's Mump. Folklore 105, 1994, 109
  15. Helen Attlee, Morville Magic, The English Garden Januar 2013, 53
  16. a b Conleth Manning 2004, Seite 166

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trojaburg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rasenlabyrinth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Guy Cooper/Gordon Taylor: The curious Gardener, London, Headline 2001
  • Penelope Hobhouse, The National Trust: A Book of Gardening. Ideas - Methods - Designs. A practical Guide. London, Pavillon, Michael Joseph 1986
  • Conleth Manning 2004: A former Sod or Turf Maze at Ballynavortha, Co. Wicklow. Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland 134, 2004
  • W. H. Matthews: Mazes and Labyrinths, London 1922, Online-Version (englisch)
  • W. M. S. Russell/C. Russell: English Turf Mazes, Troy, and the Labyrinth. Folklore 102/1, 1991